28.06.2016 Zwischen Flachbildschirmen und Naturwundern

Gegenüber von Arbatax liegt – nur drei Seemeilen entfernt – die Marina di Baunei, auch Marina Santa Maria Navarrese genannt. Etwa auf halbem Weg erhebt sich der bizarre Steinhaufen „ Isolla dell´Ogliastra“ aus den glasklaren Fluten.

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Isolla dell´Ogliastra

Es stimmt, was Wolfgang und Gisela sagen: Santa Maria Navarrese ist richtig „kuschelig“. Die Marina liegt am Fuße steiler Hügel und Berge, die zum Nationalpark Gennargentu gehören.

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23.06.2016 Bei Wind und Wetter an die Ostküste

Wenn man sich jeden Tag weiterbewegt, treten die Erinnerungen an die besuchten Orte ganz schnell in den Hintergrund. Gerade mal drei Tage sind vergangen, seit wir die Inselhauptstadt Cagliari verlassen haben, aber es ist schon so weit weg, als seien es drei Wochen. Das Gehirn setzt wohl Prioritäten und befasst sich mit dem, was gerade geschieht oder geschehen soll. Erst wenn ich wieder zu Hause in Hamburg sein werde, kehren die Erinnerungen zurück. Beim Staubsaugen oder auf dem Weg zur U-Bahn werden sie mir plötzlich wie kleine Blitze durch den Kopf schießen. Vielleicht denke ich dann bei Hamburger Schmuddelwetter an die grandiose Küste mit dem knallblauen Himmel vor Villasimius. Oder  ich sitze in der vollgestopften S-Bahn Richtung Altona und mein Gegenüber fragt sich, warum ich ihn so freundlich angrinse. Dabei muss ich gerade über das „französische“ Klo in Porto Corallo schmunzeln.

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„Französische Toilette“ in Porto Corallo

Allerdings scheint auf Sardinien nicht immer die Sonne!

Als wir am Montag Cagliari verlassen, ist der Himmel in der Ferne ziemlich grau. Der Wetterbericht verspricht allerdings ruhiges Wetter und so hoffen wir, dass sich die Wolken bald in Wohlgefallen auflösen werden. Doch das Grau wird immer grauer, je mehr wir uns der Südost-Ecke von Sardinien nähern. Schließlich beginnt es zu tröpfeln und kaum habe ich die Regenjacken und den Südwester aus den Tiefen der Backskiste gekramt, da schüttet es auch schon wie aus Eimern. Sicherheitshalber legen wir auch noch die Schwimmwesten an, doch der befürchtete Sturm bleibt aus. Ein paar Böen Stärke fünf von vorne und der Spuk ist vorbei. Wir freuen uns, dass unser Segel und der Mast auch mal eine Süßwasserdusche bekommen haben, denn der Salzgehalt des Mittelmeeres ist hoch und verwandelt unser Schiff regelmäßig in eine schwimmende Saline.

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Hinter dem Capo Boi ist das Wetter wieder schön

Als wir die schicke Marina Villasimius erreicht haben, trage ich ins Logbuch ein:

Tagesweg 20,1 Seemeilen; Gesamtmeilen 700,3.

Wir haben also seit Torrevieja fast 1300 Kilometer zurückgelegt und dabei so schöne, unverbaute Landschaften erlebt wie lange nicht mehr. Sardinien ist inzwischen die absolute Lieblingsinsel des Käptns, während ich mich nicht zwischen Mallorca und Sardinien entscheiden kann.

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Landschaft bei Villasimius

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Auf dem Weg nach Porto Corallo

Sehr unterschiedlich präsentieren sich allerdings die Marinas. Das betrifft sowohl die Ausstattung als auch die Preise, wobei das eine nicht unbedingt etwas mit dem anderen zu tun haben muss (vergleiche Sant´Antioco).

Klar, dass eine Marina wie Sant´ Elmo in Cagliari höhere Preise verlangt als Buggeru, wo man sich die Baggerarbeiten spart und wir wegen Versandung mitten im Hafenbecken festsaßen. Noch nicht einmal zur Toilette gehen konnten wir dort, während das Büro in Cagliari sogar Unterlagen an meine Kreditkartenabteilung faxen konnte. Inzwischen wurde nämlich tatsächlich die Kaution für das Unglücksauto auf Ibiza abgebucht. Bevor das Geld von meiner Bank zurückgeholt wird, muss ich entsprechende „Beweise“ vorlegen, die meine Ansprüche belegen. Dazu gehören der Beschwerdebrief an die Regierung der Balearen, das (makellose) Übergabeprotokoll und der Mietvertrag sowie eine Stellungnahme zum Vorfall mit meiner Unterschrift. Vom Mietwagen-Verleiher verlangt die Bank ebenfalls eine Stellungnahme, die innerhalb von 30 Tagen eingegangen sein muss. Wenn dies nicht erfolgt – wovon ich ausgehe – wird das Geld auf mein Girokonto zurückgebucht.

Die Marina in Villasimius ist bestens ausgestattet. Obendrein liegt sie auch noch in einer wunderschönen Umgebung. In der Nebensaison nimmt man dafür zivile Preise, doch in den nächsten beiden Monaten wird sich das drastisch ändern.

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Marina Villasimius

Info zur Marina Villasimius: Saubere Duschen und Toiletten in Stegnähe. Das Büro, ein Cafe, ein Restaurant, eine Apotheke und ein Minishop sind etwa 15 Minuten entfernt. Gutes Wifi an Bord. Waschmaschine und Trockner vorhanden. Die Liegegebühr betrug für uns 37 Euro. Duschen kostet zwei Euro extra. Im Juli/August müssten wir 65 Euro bezahlen.

Auch der nächste Hafen liegt inmitten einer schönen Landschaft. Doch die Marina Porto Corallo wirkt im Vergleich zu Villasimius wie ein hässliches Entlein. Der Knüller ist das bereits erwähnte Klo. Dazu gibt es im Container zwei enge Duschkabinen mit Vorhang. Der graue Kasten beherbergt noch immer die Sanitäranlagen und das Büro, obwohl ein neues Gebäude seit Jahren ungenutzt daneben steht. Ähnlich war das übrigens auch in der Marina von Calasetta.

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Der Container in Porto Corallo

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Der Wachturm. Es gibt auf Sardinien über 7000 „Nuraghe“, die über 3000 Jahre alt sind.

Info zur Marina Porto Corallo: Sehr einfache, aber saubere sanitäre Anlagen. Kein kostenloses Wifi. Pizzeria direkt am Hafen. Keine Einkaufsmöglichkeiten. Dafür haben wir aber auch nur 22 Euro Liegegeld bezahlt.

In Porto Corallo ist es mal wieder so weit: Deutschland spielt beim Europapokal gegen Irland!

Wir brauchen einen Flachbildschirm. Das Spiel wird doch wohl in der Pizzeria am Hafen übertragen werden. Schließlich sind eine Menge Schiffe unter deutscher Flagge hier, deren Crews sich kurz vor sechs Uhr zielstrebig auf den Weg zum Fußballgucken machen.

Doch das italienische Fernsehen überträgt das Spiel nicht. Und weder die Pizzeria noch das Restaurant beim nächsten Campingplatz haben „Sky“ gebucht. Enttäuscht wandern wir am Strand entlang und wollen am Ende der Badebucht in der Strandbar unseren Frust hinunterspülen. Da läuft doch tatsächlich das Spiel im Fernsehen! Das 1:0 von Gomez haben wir leider schon verpasst, doch die zahlreichen verpatzten Torchancen in der zweiten Halbzeit kriegen wir noch mit. Jedenfalls sind wir jetzt Gruppenerster. Es kann nur noch besser werden, oder? Und Italien muss schon mal gegen Spanien antreten! Ha, Ha!

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Strandspaziergang

Am nächsten Morgen benutze ich notgedrungen das Klo, die Dusche lasse ich aus, denn es geht zeitig los nach Arbatax in der Nähe von Tortoli. Die See ist spiegelglatt, kein Lüftchen weht. Seit dem Sommeranfang ist auch die Luft nicht mehr ganz so frisch und kühl wie bisher. Ich nutze das ruhige Wetter, um nach dem Frühstück Hausputz zu halten. Dann setze ich mich mit dem Laptop in die schattige Ecke im Cockpit und schreibe einen neuen Reisebericht. Irgendwann tanzt der Computer auf meinem Schoss auf und ab. „Was ist denn jetzt los?“ frage ich den Käptn. Es ist nach wie vor kaum Wind, aber viel Welle. Kaum habe ich das Laptop in Sicherheit gebracht, brist es bis zu fünf Bft auf. Von vorne, wohlgemerkt! Anima mea bockt wie Fury vor dem Wassergraben. Ich mache einen Kontrollgang durch Salon und Toilette, lege alles fest, was klappern oder verrutschen könnte. Leider vergesse ich, dass im Vorschiff die Luke „auf Ritze“ steht. Auch die Amica an Backbord turnt wie ein Korken über die Wellenberge.

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Die Amica an Backbord. Noch ist alles ruhig!

So geht das nicht weiter! Das Groß wird gerefft, die Genua ausgerollt und dann ein Kreuzschlag gemacht. Hoch am Wind geht es hinaus auf die aufgewühlte See. Dann machen wir die Wende in Richtung Capo Bellavista. Hinter dem Cap liegt die Marina Arbatax. Nun kommt die Hacksee fast von vorne. Alles knarzt und poltert während das Ziel nur langsam näher rückt und wir uns hoch am Wind durch die Wellen quälen. Damit das Trauerspiel ein rasches Ende findet, werfen wir zusätzlich den Motor an. Die Amica biegt kurz vor uns um das Cap herum. Endlich haben wir es auch geschafft. Nun kommen die Wellen wenigstens von der Seite. Als wir in den Hafen einlaufen, liegt die Amica schon an der Tankstelle. Wir bunkern ebenfalls neuen Diesel, dann legen wir uns längsseits an einen Ponton. Der Wind ist wie weggeblasen und die Sonne scheint. Zum Glück, denn mein Bett im Vorschiff ist ganz schön nass geworden. Nachdem die Bettdecke, die Kissen und die Matratze auf dem Deck verteilt sind, gehe ich zur Anmeldung. Auf der Amica gibt es ein „Rohrproblem“. Die Toilette leidet unter Verstopfung und muss repariert werden. Aber Gisela als gelernte Ingenieurin für Schweißtechnik wird es wohl wieder hinbiegen.

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Capo Bellavista

Auch die Marina Arbatax gefällt uns sehr gut. Am nächsten Tag wird zu günstigen Preisen Waschtag gehalten. Dann leiht mir Wolfgang sein Bordfahrrad und ich fahre mit Gisela zum Einkaufen in den Ort. Hier in der Nähe der Marina gibt es allerdings auch einen kleinen Laden. Dann wollen Wolfgang und Gisela zum Baden an den Strand. Sie laden Heinz ein, in ihrem Schlauchboot mitzufahren. Nun kann ich in Ruhe „meinen Kram“ erledigen. Als die drei wieder zurückkehren, gibt der Außenborder von Wolfgangs Schlauchboot den Geist auf. Wenn einmal der Wurm drin ist! Das Rohrproblem haben die beiden bis in die späte Nacht gelöst und nun das! Doch vielleicht haben sie doch noch Glück im Unglück. Die letzte Inspektion hat Wolfgang nämlich genau hier machen lassen. Er hat den Schaden sofort reklamiert. Mal sehen, wie schnell der Mechaniker kommen wird….

Info zur Marina Arbatax: Die Anlagen wirken sehr gepflegt. Es gibt mehrere großzügige Duschkabinen mit reichlich Haken und Ablagen. In jeder Toilette ist ein Bidet eingebaut. Mir gefällt, dass man hier sehr umweltbewusst ist. Im Büro erhält man Beutel für die Mülltrennung und wird auch nachdrücklich gebeten, dies zu beherzigen. Auch der Wasserverschwendung wird entgegengewirkt. Für die Dusche bekommt man einen Schlüssel, der ein Warmwasserdeposit von drei Euro enthält. Steckt man ihn in einen Schlitz, springt ein Zähler an. Wer meint, stundenlang duschen zu müssen, muss nachkaufen. Für die Waschmaschine braucht man einen Chip, der fünf Euro kostet, der Trockner muss mit einem drei-Euro-Chip gefüttert werden. Das Waschpulver ist auch dabei. In Villasimius kostete Wäsche waschen sieben Euro! Wifi: Eine Stunde kostenlos, danach muss man bezahlen. In der Marina befindet sich auch ein Restaurant.

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Die Marina Arbatax

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19.06.2016 Wir kriegen nasse Füße

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Die Kirche in Calasetta

Am 17. Juni – da war doch mal was? – verlassen wir das kleine Städtchen Calasetta und damit auch die   Isola di Sant´Antioco. Es kommt uns wie eine halbe Ewigkeit vor, bis wir die Südspitze der Insel erreicht haben, denn wir haben kaum Wind, dafür aber starke Dühnung. Kein Wunder, denn in der letzten Nacht hat es heftig geblasen und sogar geregnet. Auch auf dem Sprung zum Capo Teulada werden wir noch weiter durchgeschüttelt. Der Amica vor uns geht es nicht besser. Wie eine Nussschale turnt sie durch die Wellenberge. Weiterlesen

16.06.2016 – Inselhopping

Nach der Isola di San Pietro zieht es uns zur Isola di Sant´Antioco. Mit der „Hauptinsel“ ist diese Isola durch einen Damm und eine Brücke (Ponte Romano) verbunden. Dort gibt es drei Marinas: Calasetta im Nordwesten, Porto Ponte Romano am aufgeschütteten Damm und die Marina in der Stadt Sant´Antioco.

Es weht ein leichter Westwind und sowohl wir als auch die Amica rollen beim Auslaufen die Genua aus. Nun hat unser „Oscar“ Pause. Zwei Meilen vor der Einfahrt in die betonnte Fahrrinne nach Sant´Antioco ruft Wolfgang wie vorher mit dem Hafenmeister abgesprochen in der Marina an. Inzwischen zeigt der Tiefenmesser zunehmend weniger unter dem Kiel an. Die Amica hat wie wir das Segel eingerollt und fährt nun unter Motor an Steuerbord neben uns her. Argwöhnisch starre ich auf die elektronische Seekarte und den Tiefenmesser. Ich warne den Käptn nachdrücklich, nicht noch näher an die Amica heranzufahren, da wir uns einem gefährlichen Flach nähern. Meiner Meinung nach müsste sich der Eingang zur Fahrrinne weiter an Backbord befinden, wohin wir jetzt auch abdrehen. Da sehen wir auch schon das Schlauchboot mit dem Hafenmeister auf uns zu brausen, während die Amica immer weiter im Kielwasser zurückbleibt. Das heißt, sie bleibt nicht nur zurück, sie bewegt sich auch gar nicht mehr! Sie ist aufgelaufen, aber wir können ihr nicht helfen, ohne uns selbst in Gefahr zu bringen. Mit Händen und Füßen erklären wir dem Mann im Schlauchboot, was passiert ist. Weiterlesen

12.06.2016 AMICA

So heißt die neue Freundin von Anima mea. Seit wir sie in Bosa getroffen haben, segeln wir Seite an Seite mit ihr die Westküste hinunter. Amicas Crew – Wolfgang und Gisela – sind sehr nett. Sie kennen sich hier gut aus und zeigen uns die schönsten Plätzchen von Sardinien.

Nach Bosa geht es zunächst in den Golf von Oristano. Es ist ruhiges Wetter und wir legen uns an eine Boje am Capo San Marco. Dieses Cap liegt im Meeresschutzgebiet Halbinsel Sinis und Isola Mal di Ventre. Zum Schutz der Neptungrasfelder ist dort nämlich das Ankern verboten.

1.IMG_1373An der Boje im Golf von Oristano

An der Boje im Golf von Oristano

Außer der Amica und der Anima mea liegt kein Schiff im Bojenfeld. Wir haben das glasklare Wasser und den Blick auf die Ruinen der punisch-romanischen Siedlung Tharros und dem sich darüber erhebenden Turm ganz für uns allein und müssen für diesen romantischen Liegeplatz keinen Euro bezahlen.

2.IMG_1402Blick auf das Capo San Marco

Blick auf das Capo San Marco

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