Freitag, der 29.05.2015, 36°11.072´ N – 5°56.073´W Barbate de Franco – Auf der Zielgeraden

Wir sind jetzt im letzten Hafen vor Gibraltar angekommen. Nur noch knapp 40 Seemeilen trennen uns vom Mittelmeer. Wenn alles gut geht, schieben uns morgen ein moderater Westwind und der Gezeitenstrom  durch die Straße von Gibraltar.

Am Dienstag, dem 26.05. verlassen wir Puerto Sherry, nachdem wir uns am Pfingstsonntag  das benachbarte Städtchen Puerto de Santa Maria und Pfingstmontag Cadiz angesehen haben. Beide Städte liegen in der Bucht von Cadiz, sind sehr alt und haben viele historische Gemeinsamkeiten. In beiden Städten lebten schon die Phönizier, Römer, Westgoten und Araber, wobei  das vor 3000 Jahren gegründete Cadiz den Titel „Älteste Stadt Europas“ für sich beansprucht. Nach der Entdeckung Amerikas kamen die beiden Städte  durch ihre Häfen und die reichen Kaufmannsfamilien zu Wohlstand. Davon zeugen prächtige Kirchen, Klöster und Palais. Doch während  das strahlende, auf einer langgezogenen Insel angelegte Cadiz  seine Bauten pflegt und erhält und damit die Touristen in Scharen anlockt, verfallen die alten Gemäuer in Puerto de Santa Maria. Hier haben ganze Storchenkolonien die übrig gebliebenen Ruinen für sich erobert. An den sumpfigen Ufern des Rio Guadalete, in dem auch der örtliche Yachtclub seine Stege hat und die Fähre nach Cadiz ablegt, finden sie reichlich Nahrung.

Wir geben uns redlich Mühe, die versteckten Schönheiten von Puerto de Santa Maria zu entdecken. Es ist ein weiter  Anmarsch von Puerto Sherry aus über den  Küstenweg zwischen Strand und Dünen. Doch trotz der Hitze gehen wir dann auch noch am Rio Guadalete entlang weiter bis zum Monasterio de la Victoria. Das ehemalige Kloster steht verloren auf einer öden Brache gegenüber dem Bahnhof der Stadt und ist dem Verfall anheim gegeben. Im Stadtplan wird der Name dieses Bauwerkes fettgedruckt hervorgehoben, doch außer uns interessiert sich kein Mensch dafür. Durch den Zaun fotografiere ich die Storchennester auf den bröckelnden Stützpfeilern und die knorrigen alten Olivenbäume, die sicher so alt sind wie das Gebäude selbst. Das erweckt das Interesse einer älteren Senora, die mit ihrem kleinen Vierbeiner, der allerdings nur noch drei Beine beim Laufen benutzt, hier ihre Gassi-Runde dreht. Sie spricht zunächst den Käpt´n an, der sie an mich verweist. Nun hat die Senora ihr Opfer gefunden! Lebhaft gestikulierend erklärt sie mir die Geschichte des Monasterios, während wir um das Gebäude herumspazieren. Ich verstehe leider nur bruchstückhaft, welch große Zeiten die Ruine hinter sich hat und dass auch die Vorfahren der Senora  irgendwie damit verbunden waren. Zum Glück stellt die Senora keine Rückfragen!  Dann ist die Führung beendet und mit einem herzlichen „Gracias!“ verabschieden wir uns von der Dame mit dem humpelnden Hündchen.

Sankt Adebar

Sankt Adebar

Auch die engen Gassen der Stadt zeigen, dass hier nicht gerade der Reichtum zuhause ist. Nur die Festung Castillo de San Marcos ist gut erhalten. Dann suchen und finden wir endlich die Stierkampfarena „von internationalem Ruf“. Das blutige Spektakel  der „corrida do torros“ gehört in Spanien nach wie vor zur „feria“. Eine „feria“ oder „fiesta“ ist in den spanischen Orten Höhepunkt des Jahres und Anlass, mal so richtig auf die Pauke zu hauen. Wie man dem Plakat an der Stierkampfarena entnehmen kann, war dies hier in Puerto de Santa Maria wohl am 10. Mai der Fall.

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Auf in den Kampf!

Die Stierkampfarena von Puerto de Santa Maria

                                       Die Endphase des Stierkampfes: Mit der „muleta“ wird der Stier provoziert und am Ende erstochen.

Am nächsten Tag wandern wir erneut den langen Weg nach Puerto de Santa Maria. Am Strand Playa de la Puntilla schweift unser Blick hinüber zu der neuen Brücke, die bald Cadiz mit dem Festland verbinden wird. Wir finden, sie ähnelt irgendwie der Köhlbrandbrücke in Hamburg. Dann sind wir auch schon am Fähranleger. Nach einer halben Stunde erreichen wir mit der Catamaran-Fähre den Hafen von Cadiz.

Strand bei Puerto Sherry

                                                                                                                Der Köhlbrand von Cadiz Weiterlesen

Sonntag, der 24.05.2015, 36°34.808´N – 6°15.388´W Bahia de Cadiz, Puerto Sherry

Step by step geht es nach vier erholsamen  Nächten in Albufeira  weiter nach Osten. Wir backen heute ein großes Brötchen und schaffen gut  50 Meilen. Es ist Sonntag, der 17. Mai, als wir in die Mündung des Guadiana, dem Grenzfluss zwischen  Portugal und Spanien hineinfahren. Hier endet die Algarve und Andalusiens  „Costa de la Luz“ beginnt.

Voriges Jahr „parkten“ wir am portugiesischen Ufer in Villa Real de Santo Antonio. Jetzt wollen wir schräg gegenüber die spanische Marina in Ayamonte ausprobieren.

Entgegen den Angaben unseres  Hafenführers „Atlantikküste – von Lissabon bis zur Straße von Gibraltar“ fließt der Guadiana keineswegs „träge dahin“. Als wir uns nach der Anmeldung im Hafenbüro an unseren endgültigen Platz an Steg F verlegen müssen, macht uns das ablaufende Wasser ganz schön zu schaffen. Kein Wunder: Es ist gerade Springzeit und der Tidenhub ist mit über drei Metern für diese Region beachtlich. Entsprechend stark ist die Strömung.

In der  Marina ist noch viel Platz. Nur eine Handvoll ausländische Yachten liegen verstreut an den  Pontons. Einer der Hafenmeister spricht sogar deutsch, der andere Englisch. Das kleine, saubere  Sanitärgebäude haben wir morgens fast immer für uns allein. Sogar Waschmaschine und Trockner sind vorhanden. Da wird sofort die Bettwäsche abgezogen und zum Spottpreis von fünf Euro gewaschen und getrocknet. Auch die portugiesische Gastflagge, die seit letztem Jahr unter unserer Saling flatterte, bekommt ein Süßwasserbad und verschwindet nach dem Trocknen in der Schublade. Wer weiß, ob sie jemals wieder den blauen Himmel Portugals erblicken wird!

Unser Blick auf Ayamonte

Unser Blick auf Ayamonte

Nur ein paar Schritte entfernt können wir im Supermarkt  „El Jamon“ nicht nur Schinken sondern auch alles andere, was das Seglerherz begehrt gut  und günstig einkaufen.

Doch zunächst muss Heinz mal wieder in den Mast klettern. Seit sich im starken Seegang vor der Lagune von Faro die Abdeckkappe des Topplichts samt Windex gelockert hatte, blickten wir unterwegs ständig besorgt den Mast hinauf.  Und dann baumelte  auch noch der Radarreflektor an nur einem Kabelbinder an der Want!  Schließlich fiel er mit einem lauten Plumps auf´s Deck, wo er wie durch ein Wunder  vor der Reling liegen blieb. Jeder Skipper weiß aus Erfahrung, dass alles, was nicht niet- und nagelfest ist, mit fast hundertprozentiger Sicherheit Neptun geopfert wird. Aber eben nur fast!

Nun ist die Abdeckkappe festgeklebt und der Radarreflektor zusätzlich zu neuen Kabelbindern durch Schnüre gesichert. Auch Kabelbinder werden Opfer des UV-Lichts!

Schon im Vorjahr hatten wir Ayamonte eine kurze Stippvisite abgestattet.  Nun wollen wir diese hübsche, quirlige Kleinstadt im typisch spanischen Baustil  noch einmal genauer erkunden. Weiterlesen

Albufeira, 16.05.15 37°05.070´N – 8°16.066´W: Wir backen kleine Brötchen

Lagos ist ein guter Ort! Die Marina liegt sicher an einem  Fluss. Man kommt nur hinein oder hinaus, wenn vom freundlichen Personal im Marina-Office die Klappbrücke geöffnet wird. Außerdem beobachten Security-Angestellte Tag und Nacht die Zugänge und Stege.  Die sanitären Anlagen sind sauber und einladend. Es gibt verschiedene Bars und Restaurants rund um die Marina, dazu eine Anlage mit luxuriösen Ferienwohnungen, deren Swimmingpool auch von den  Marinagästen genutzt werden darf.

Die lebendige, hübsche Altstadt sowie große Supermärkte einschließlich Lidl liegen in unmittelbarer Entfernung  zur Marina. Joao Batista, ein guter, preiswerter Segelmacher  (www.brazilcovers.pt ) hat sein Geschäft direkt an der Uferpromenade und ist sofort zur Stelle, wenn man ihn darum bittet. Bus und Bahn sind fußläufig von der Marina  aus erreichbar. Europcar und andere Mietwagenverleiher haben ihre Büros ebenso dicht bei der Marina.

Nur fünf Minuten Fußweg sind es vom Hafen zur Bootswerft SOPROMAR, wo unser Schiff im Winter an Land stand. Auch hier kann man sich in neu gebauten Apartments einmieten, während das Boot für den nächsten Törn klar gemacht wird. Nach getaner Arbeit oder auch nur zum Vergnügen bietet dort das kleine Restaurant mit dem freundlichen Wirt  wunderbare Tapas, Tagesgerichte und Getränke, wie z.B. unseren Lieblingswein „Cicona“ (Storch).

Kurz hinter SOPROMAR erreicht man einen relativ einsamen Strand, wo es  Richtung Meia Praiia zur malerischen Lagune von Alvor geht. Zurück nimmt man entweder den gleichen Weg (so wird man auf dem Hinweg von vorne und auf dem Rückweg von hinten gebräunt) oder wandert über den grünen Golfplatz von Meia Praiia. Verdursten und verhungern kann man während der etwa drei Stunden dauernden Wanderung bestimmt nicht, da diverse Strandbars  zur Rast einladen.

Muschelbänke in der Lagune von Alvor

Muschelbänke in der Lagune von Alvor

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Salzwiesenblumen

Doch irgendwann wird der Fahrtensegler unruhig, mag der Hafen auch noch so sicher, die Stadt noch so schön sein. Die Life-Musik am Wochenende nervt zunehmend, die im Gänsemarsch über den Steg  zu den Booten trappelnden Ausflügler, die Grotten und Delfine heimsuchen, muss man auch nicht mehr haben. Die Landausflüge sind gemacht  und  Vorratsschränke und  Kühlbox gut bestückt. Das Internet funktioniert zunehmend nur noch nachts oder frühmorgens, da immer mehr Touristen darin herumsurfen.

Man zieht die Seekarte aus dem Kartentisch und läd Wetterdaten herunter.  Wann könnte es endlich weitergehen? Noch ist zu viel Wind, dann wieder Wind aus der falschen Richtung. Schließlich ist kein Wind. Egal! Wir legen am 13. Mai ab, wollen weiter Richtung Osten.

Der Motor schnurrt wie ein Kätzchen. Die goldene Algarveküste mit ihren bizarren Felsen und Grotten zieht backbords an uns vorbei. Wo sind all die Delfine, die von den Ausflugsbooten „ganz sicher“ aufgestöbert werden? Heinz meint, die werden eingefangen, in den Grotten angebunden und dort durchgefüttert, bis die Touristen kommen und sie fotografieren können. Weiterlesen

Lagos, 11.05.2015 – Es grünt so grün, wenn Spaniens Rosen blühün….

Immer wieder schießt mir dieses Lied durch den Kopf, während Heinz unseren Leihwagen bergauf, bergab durch das blühende Andalusien steuert.

Am Dienstag, dem 28. April starten wir von Lagos aus zu unserer kleinen Spanienrundreise auf vier Rädern. Auf meinem Schoß liegt die große Portugal-Spanien-Länderkarte, die ich Heinz letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt habe. An der Windschutzscheibe klebt unser Tom-Tom-Navi, das wir von zu Hause mitgenommen haben. Schnell das Land auswählen, dann den Zielort eingeben, schon kommandiert   die altbekannte Frauenstimme: „Fahren Sie in den Kreisverkehr und nehmen Sie die dritte Ausfahrt. Zweite Ausfahrt!“ Alle Tom-Tom-Besitzer wissen, wovon ich hier rede! Da die Dame im Tom-Tom nicht auf dem aktuellsten Stand ist und sich sowohl in Portugal bzw. Spanien viel in Sachen Straßenbau getan hat, überprüfe ich laufend auf der Karte, ob die Kommandos uns auch wirklich zum Ziel führen.

Die erste Katastrophe verursacht Frau Tom-Tom bereits, nachdem wir den wunderschönen Donana-Nationalpark hinter Huelva durchquert haben. Am Rande der schmalen Straßen beäugen uns Störche auf fast jedem Lichtleitungsmast, Nisthilfe für ihre mächtigen Nester. Wegränder und Wiesen sind übersät von bunten Wildblumen, Kühe und Pferde baden im Blütenmeer.

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Auf jedem Lichtleitungsmast wohnt eine Storchenfamilie

8.IMG_0097Blütenteppich unter Korkeichen

Wir erreichen am späten Nachmittag unseren ersten Zielort: Arcos de la Frontera, das westliche Tor zu den berühmten weißen Dörfern, den „pueblos blancos“. Hier haben wir für die erste Nacht bei www.booking.com im Hotel „Marques de Torresoto“ ein Doppelzimmer gebucht. Mit der ausgedruckten Wegbeschreibung kann ich nicht viel anfangen, also verlassen wir uns auf Frau Tom-Tom. Zielstrebig kommandiert sie uns in die weiße Stadt, die sich von der Spitze eines Hügels über die steilen Hänge ins Tal ergießt. Es geht bergauf! Immer steiler!! Es geht nur in eine Richtung ohne Wendemöglichkeiten!!! Wir ziehen unwillkürlich den Bauch ein, denn es wird enger und enger. Entgegenkommende Einheimische schauen uns ungläubig an. Doch wir kommen heil an jedem Hindernis vorbei. Der Angstschweiß steht uns allerdings schon auf der Stirn, da geht es endlich bergab. Doch jetzt wird es erst so richtig aufregend. Es geht nämlich steil, sehr steil bergab! Man kennt das Geräusch, wenn zwei Luftballons aneinander gerieben werden. Genau ein solches Geräusch machen unsere Reifen, die kaum Halt finden auf den glatten Pflastersträßchen. Endlich sind wir wieder im unteren Bereich der Stadt und parken. Puhhh! Ist noch mal gut gegangen!

45.IMG_0140Arcos de la Frontera

Wir steigen aus und laufen los, fragen nach dem Hotel in der gleichnamigen „Calle“ (Straße). Kaum einer hier unten kennt es. Doch dann erklärt ein junger Mann grinsend: „Da oben auf dem Berg, wo die Kirche ist, da müsst ihr hoch, zehn Minuten Fußweg!“ Wer´s glaubt, wird selig!

Wir gehen erstmal ohne Gepäck und finden nach mehrmaligem Fragen das Hotelchen in einer besonders engen Gasse, direkt bei der Kirche. Ein schönes altes Gebäude mit einem typisch spanischen Innenhof. Hier werden die Mahlzeiten serviert. Einen Parkplatz gibt es allerdings nicht. Also beschließen wir nach dem Einchecken, das unbedingt Nötigste aus der Reisetasche in den Rucksack umzupacken und laufen nochmals ins Tal hinunter und wieder hoch. Der beschwerliche Ab- und Aufstieg wird durch die wunderschönen Ausblicke in den malerischen Gassen versüßt.

Das Hotel hat seine besten Tage hinter sich, doch der Charme des alten Gemäuers und das freundliche Personal gefallen uns. Nach einem Abendbummel kehren wir  in einer typisch spanischen Kneipe ein. Noch sind kaum Touristen hier. An der Bar kippt ein Einheimischer ein Glas nach dem anderen in sich hinein und unterhält sich mit dem Wirt. Spanier reden gerne und viel miteinander, das werden wir immer wieder feststellen. Auf dem harten Kissen im Hotelbett ruht mein müdes Haupt ausgesprochen schlecht. Aber gut. Dann geht es wenigstens früh weiter durch den „Parque Natural Grazalema“. Wir genießen die Tour auf der Straße Nr. 372 über El Bosque nach Grazalema, wo wir zu Mittag essen. Ich probiere „Junge Disteln mit Rührei“ (Revuelto de Tagarninas), eine Spezialität dieser Gegend. Schmeckt gut!  Bis hierher sind die Berge kontinuierlich bis auf 1103 m (Pto. del Boyar) angestiegen. Weiterlesen