48°42.978N – 3°57.898 W Roscoff, 26.06.2014

So ist das beim Segeln: Manche Orte möchte man verlassen, weil die Bedingungen (Wind, Tide) genau passen, und dann muss man trotzdem bleiben. Aber darüber will ich erst am Schluss berichten.

Nachdem wir  am vergangenen Donnerstag, dem 19.06. von Lezardrieux aus wieder den  Fluss Trieux  hinunter  fuhren, folgte uns eine Amel  40 , die uns irgendwie bekannt vorkam. Tatsächlich, es war die „ Beryll Grey“ mit den beiden Gentlemen, die wir vorher  in St Quay getroffen hatten. Sie hatten wohl im  Tidenhafen von Lezardrieux  gelegen. „Hello!“ – „Hello!!“ – „Wo wollt ihr hin?“ – „Zur Ile de Brehat!“-„Wir wollen nach Treguir!“-„Da kommen wir demnächst auch hin!“  ging es zwischen unseren Schiffen hin und her. Dann bogen sie auch schon in Richtung der kleinen Insel ab, während wir etwas weiter nördlich auf Westkurs gingen.  Nachdem wir das Fahrwasser „Grande Passe“ erreicht hatten, steuerten wir in die Mündung des  „Riviere de Treguier“. Gut zu wissen, dass man hier bei jedem Gezeitenstand eine zwei Meter tiefe Fahrrinne vorfindet, denn rechts und links davon breiteten sich  bereits die trocken gefallenen Uferzonen  des Flusses aus. Am ersten Ponton machten wir fest und genossen den stillen Sommerabend im sonnenbeschienenen Cockpit.

Auf dem Jaudy nach Treguier

Am nächsten Tag bummelten wir durch die „Petite Cite de Caractere“, wie sich das 3000 Einwohner zählende Städtchen Treguier im Touristenprospekt auch nennt. Viele bunte Fachwerkhäuser, kleine Geschäfte mit regionalen Erzeugnissen und eine der schönsten Kathedralen der Bretagne prägen das Ortsbild. In dieser beeindruckenden Kirche befindet sich die prächtige Grabstätte des heiligen Yves, Schutzpatron der Richter.  An jedem 18. Mai wird Treguier  von vielen Gläubigen aus ganz Europa besucht, die an der Prozession „Grand Pardon de St Yves“ teilnehmen.

Fachwerkhäuser aus dem 16./17. Jahrh. Die Kathedrale St. Tugdual in Treguier Die Reliquie des Hl. Yves St. Yves, Schutzpatron der Richter Die Kathedrale im Stil der filigranen Flamboyantgotik

 

Für dieses Großereignis waren wir leider einen Monat zu spät. Doch am nächsten Tag pilgerten wir immerhin in die zur Fußballkneipe umdekorierte  Pizzeria  im Stadtzentrum, um das WM-Spiel  Ghana/ Deutschland hautnah am Riesenflachbildschirm zu erleben. Als das 2:2 über die Runden gebracht worden war und Müller blutüberströmt vor dem Tor lag, lud uns die deutsch-englischsprechende Runde neben uns an ihren Tisch ein. Es waren die Eigner einer 52-Fuß Aluminium Yacht , die uns sofort aufgefallen war, als wir in Treguier einliefen. Außerdem lernten wir noch einen  der Inhaber der französischen Werft „Boreal“ kennen, die diese Yacht in Treguier gebaut hatte sowie einen Kunden der Werft, der sich gerade eine ähnliche Yacht bauen ließ. Am nächsten Tag, es war Sonntag, durften wir das schöne Schiff auch von innen bewundern. Für alle, die mit einer Aluyacht liebäugeln: Außen wie innen findet man keinen Schnick-Schnack. Alles ist sehr hochwertig, edel  und schlicht verarbeitet.  Wegen ihrer Stabilität und  ihres geringen Tiefgangs (Schwert) ist  die Yacht für alle Segelreviere dieser Welt geeignet. Allerdings würde sie kaum in einem dänischen Hafen einen Platz finden, weshalb wir doch lieber bei unserer Anima mea  bleiben. Dem freundlichen Eignerpaar wünschen wir allzeit gute Fahrt! Wasser unter dem Kiel braucht ihr ja nicht unbedingt, da ihr trocken fallen könnt.

Ein Werk der Werft "Boreal" An Bord der schönen Yacht

Der andere Werft-Kunde vom Vorabend kam übrigens am gleichen Morgen zu einem kurzen Besuch zu uns an Bord, bevor er nach Hause zurück reiste. Er lebt seit vielen Jahren in Holland, ist jedoch gebürtiger Deutscher aus – jetzt wird´s wieder lustig – REMSCHEID! Dort hat  Heinz einige Zeit gelebt und mit Zeitungsdrucken sein Studium finanziert. Natürlich kannte unser Gast den „Remscheider Generalanzeiger“. So klein ist die Welt!

Auch wir mussten weiter. Wenig Wind, aber guter Strom brachte uns schnell unserem 42 Seemeilen entfernten Ziel entgegen. Die „Sept Iles“  ließen wir an Steuerbord. An Backbord erfreuten wir uns an den roten, rundgeschliffenen Felsen der Cote de Granit Rose mit ihren bekannten Orten Perros-Guirec, Ploumanac`h, Tregastel und Trebeurden. Hier erreichten wir die Baie de Lannion und danach die Baie de Morlaix.

Einer der berühmtesten Klunker der Cote de Granit Rose Der Leuchtturm von Meen Ruz bei Ploumanac´h

Vor dem Fährhafen von Roscoff setzten wir den vorgeschriebenen  Funkspruch  ab und baten um die Erlaubnis, in die Marina einzulaufen. Als Antwort kam nur ein lautes Rauschen. Dann eben ohne Erlaubnis! Um 21.40 Uhr machten wir in der superneuen, supermodernen Bloscon-Marina fest. Sie wurde erst dieses Jahr fertig, es wird allerdings noch in verschiedenen Räumlichkeiten gewerkelt. Leider sind auch die Waschmaschinen und Trockner noch nicht installiert. Aber ansonsten ist alles pikobello! (www.plaisancebaiedemorlaix.fr)

Bloscon-Marina in Roscoff Die Baie de Morlaix

In unmittelbarer Nähe der Marina befindet sich  zwischen und auf den Felsen ein wunderschöner Garten mit farbenprächtigen exotischen Pflanzen.

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Das hübsche Städtchen Roscoff ist 20 Minuten Fußmarsch entfernt. Schilder, auch hier stets in Französisch und Bretonisch beschriftet, weisen den Weg. Vom alten Hafen – bretonisch: Porzh Kozh- kann man in 15 Minuten zur Ile de Batz übersetzen. Sicher wird dem einen oder anderen  bei starkem Seegang auch mal kotzübel…

Immer zweisprachig: Französisch und Bretonisch Roscoff

Natürlich ist auch in Roscoff die Kirche eine der Hauptsehenswürdigkeiten. Das Kerlchen, das dort so respektlos unter der Decke hängt, möchte ich euch nicht vorenthalten. Es schert sich wohl nicht um die  vielen Heiligen, die hier in der Bretagne zahlenmäßig den Rekord halten.

Was soll man dazu sagen?

Bemerkenswert zu Roscoff ist auch, dass sich hier das Zentrum der Thalassotherapie befindet. Aus den Algen, die im klaren Meerwasser gedeihen, werden medizinische und kosmetische Produkte hergestellt.

Algenernte

Um Roscoff herum breiten sich die Gemüsefelder aus. Neben Artischocken wachsen hier auch die rosa Zwiebeln, die bis 1930 von den bretonischen Männern zu den Kunden nach England gebracht wurden. Mit schwer beladenen Fahrrädern gelangten sie mit der Fähre dorthin. Kaum zu glauben, wie sie es durchhielten, mit diesen einfachen Rädern bergauf und bergab durch die englische Landschaft zu fahren! Die Engländer tauften diese Männer „Johnnies“. Immer wieder findet man alte Fahrräder, angelehnt an Häuser oder Mauern, die an diese Zeit erinnern.

Erinnerung an die "Johnnies"

Vorgestern fuhren wir dann auch per Bus quer durch die Zwiebel- und Artischockenfelder ins Landesinnere nach Morlaix. Die Baie de Morlaix, in der ja die Bloscon-Marina liegt, hat ihren Namen von dem Fluss Morlaix, der hier mündet. Die gleichnamige Kleinstadt  nennt sich  zu Recht auch „Cite d´art et d´histoire“.  Sie liegt in einem Tal und wird von einem beeindruckenden Eisenbahnviadukt überspannt.

Das Eisenbahnviadukt

Im Mittelalter war Morlaix das größte Handelszentrum der Bretagne. Davon zeugen unter anderem die prächtigen „Laternenhäuser“, die teilweise mit Schieferschindeln  verkleidet sind.

Schieferverkleidete Häuser aus dem 15. Jahrh.

Gestern sollte es dann mit dem ersten ablaufenden Wasser um sieben Uhr morgens nach L´Aber-Wrac´h weitergehen. Am Vorabend ging ich noch einmal kurz ins Internet und entdeckte, dass  im Kontoauszug eine Abbuchung über 300 Euro angekündigt wurde.  Empfänger: Die Bloscon-Marina. Wir hatten aber lediglich für 30,38 Euro zwei Kanister Diesel an der Selbstbedienungstankstelle getankt und per Karte  bezahlt. Dieser Posten tauchte im Kontoauszug überhaupt nicht auf.  Jetzt, um 22:00 Uhr, war niemand mehr im Hafenbüro. Erst morgen früh um 7:00 Uhr würde es wieder geöffnet sein. Natürlich standen wir dort pünktlich auf der Matte, doch bis alles geklärt war – die Einzelheiten bezüglich der Diskussionen, die Rennerei zwischen unserem Schiff und dem Hafenbüro sowie die Emails und Telefonate zwischen uns und unserer Bank kann ich gar nicht in allen Einzelheiten beschreiben – war der Tag rum. Leider schlug auch das Wetter um.  Heute wurden 30,38 Euro vom Konto abgebucht, der Posten mit den 300 Euro hat sich in Luft aufgelöst. Wir haben seit heute eine stabile Westwind-Lage und  L´Arber-Wrac´h – siehe Textanfang – fällt mindestens bis nächste Woche  ins Wasser.

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Immerhin haben wir heute Abend in einer Bar am Porzh Kozh das Spiel Deutschland/USA geschaut. War nicht übel!

 

48°47.355´N – 3°05.904´W 18.06.14 Lezardrieux

So ist das beim Segeln: Manche Orte will man gar nicht ansteuern, und plötzlich ist man doch da! Das gilt für Lezardrieux am Riviere de Trieux, wo wir vorgestern nach einer sehr ungemütlichen Fahrt im tidenunabhängigen Hafen festgemacht haben.

Eigentlich hatten wir eher am Freitag, dem 13. 06. mit Pech beim Segeln gerechnet. Doch die Reise von Saint Malo vorbei am „wilden“ Cap Frehel quer über die Baie de Saint-Brieuc nach St-Quay-Portrieux verlief ohne Zwischenfälle.

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Bild 1: Der Leuchtturm auf Cap Frehel

Auch St-Quay-Portrieux kann gezeitenunabhängig jederzeit angelaufen werden. Es ist ein moderner, sehr gepflegter Fünf-Anker-Hafen (höchster Standard) mit vorbildlichen Einrichtungen (Müllentsorgung, Sanitäranlagen, Restaurants) und – im Gegensatz zu Saint Malo – ausgesprochen hilfsbereitem und freundlichem Hafenpersonal.

Die 26 Euro Hafengebühr plus zwei Euro für die sieben-Minuten-Dusche waren durchaus angemessen für all den Komfort. Wir mussten noch nicht einmal das Hafenbüro aufsuchen , sondern konnten von Bord aus bezahlen, denn der Hafenmeister kam per Schlauchboot vorbei, bot an, zu kassieren, gab uns den Code für das Sanitärgebäude und den Internetzugang.

St Quay Portrieux

Bild 2: Der Hafen von St.-Quay-Portrieux

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Bild 3: Die Küste bei St.-Quay-Portrieux bei Ebbe

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Bild4: Die Aktivitäten der örtlichen Segelschule sorgen für viel Leben auf dem Wasser

Neben uns lag ein knapp neun Meter langes Boot , darauf ein junger, dunkelhaariger Mann. Am Achterstag flatterte die kanadische Flagge. Wir kamen ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass er zwar Spanier war, das Boot aber von Kanada (Quebec) aus über Grönland nach Irland gesegelt hatte. Und zwar einhand! Er gab uns noch ein paar Tipps für Spaniens Nordküste und legte mit dem ablaufenden Wasser in Richtung England ab. Ach ja! Das Boot hatte er im letzten Winter in Grönland gelassen, war dann nach Hause zurück geflogen, weil er auch mal Geld verdienen musste und hatte die Reise in diesem Jahr fortgesetzt. Im Gegensatz zu uns war seinem Boot im Winterlager nichts passiert, obwohl es in Grönland gar keine richtigen Häfen gibt, wie er sagte.

Das kann man vom Yacht Haven in Plymouth nun wirklich nicht behaupten. Ein Hafen mit allem Drum und dran, rund um die Uhr bewacht, aber trotzdem nicht absolut sicher. Dieser Meinung waren auch die beiden netten Gentlemen auf einer englischen Amel, die eine Box weiter lagen. Sie kamen doch tatsächlich aus „unserem“ Hafen in Plymouth. Die diesjährige Segelsaison wollten sie in Frankreich verbringen und das Schiff danach hier im Winterlager lassen, um nächstes Jahr Spanien zu erkunden. Den Winter verbringen sie stets auf Zypern. Sie segelten am nächsten Tag zur Ile de Brehat und hofften, uns bald wiederzusehen, um mehr über das Segeln auf der Ostsee zu erfahren. Später traf noch eine Familie mit zwei kleinen Kindern ein. Sie waren aus der Nähe von Stuttgart und wollten, so wie wir, nach Treguier weitersegeln.

Doch daran war zunächst nicht zu denken. Der kalte Nordostwind blies immer heftiger und so beschlossen wir erstmal, im wenige hundert Meter entfernten Supermarkt einzukaufen. Da er wegen der Mittagspause – sie ist den Bretonen heilig – noch geschlossen war, vertrieben wir uns die Wartezeit in der Creperie nebenan.

Crepe mit Honig und Zitrone

Bild 5: Crepe mit Honig und Zitrone

Am nächsten und am übernächsten Tag blies der Nordost weiter. Doch der Wetterbericht versprach für den 16. Juni östlicheren Wind mit 4 Bf, in Böen 5 Bf. So entschlossen wir uns, nach Treguier zu segeln. Es war mal wieder Springtide, doch anfangs war von der erwarteten Strömung nichts zu spüren. Zwischen den vielen Flachs und Felsen vor dem Hafen war die See sehr ruppig und der Wind eher nördlich als östlich. Mit Motorhilfe bolzten wir durchs Wasser, bis wir einen günstigeren Kurs anlegen konnten. Hoch am Wind ging es immer schneller Richtung Westen. Schließlich mussten wir das Großsegel reffen. Schon tauchte die Ile de Brehat vor uns auf, die wir an Backbord passieren wollten. Doch der Wind, er blies jetzt ständig mit fünf Bf, fiel immer vorlicher ein. Trotzdem schossen wir wegen der Strömung mit über acht Knoten durchs Wasser! Vor uns sahen wir die brechenden Seen links und rechts von der engen Passage, durch die wir jetzt gleich segeln mussten. Doch dazu hätten wir noch höher an den Wind gehen müssen, was nicht mehr möglich war.

So entschlossen wir uns, den Kurs zu ändern. Wir wendeten und liefen vor dem Wind an der Ostseite der Ile de Brehac mit Südkurs nach Lezardrieux. Kräftige Wellen schoben uns an der rötlichen Granitküste mit den bizarren Felsformationen vorbei.

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Bild 6: Die Ile de Brehat mit ihren rosafarbenen Granitfelsen gehört schon zur Cote de Granit Rose

Und so landeten wir hier in Lezardrieux statt in Treguier. Wir bezahlen hier ebenfalls täglich 26 Euro Hafengeld plus 40 Cent Kurtaxe, haben allerdings statt einer Fünf-Anker-Hafendusche/-toilette ein relativ schäbiges Loch für Männlein und Weiblein gemeinsam, da das „Herrenhäuschen“ gesperrt ist. Das Duschen kostet ebenfalls zwei Euro. Es dauert acht Minuten, dafür läuft allerdings nur ein Rinnsal in die Duschtasse.

Zum Ortskern sind es etwa 400 Meter Fußmarsch. Man kommt dabei an der hübschen Kirche mit einem Kalvarienberg (Calvaire) vorbei. Hier beginnt die Einkaufsstraße mit diversen Geschäften, darunter auch einem wunderbaren Bäcker, wo man Schlange steht, um frisches Brot und köstlichen bretonischen Apfelkuchen zu kaufen. Am Ende der Straße findet man schließlich den Supermarche. Zur Ehre der schönen Bretagne und ihrer mit Recht stolzen Bewohner erstanden wir hier neben den notwendigen Lebensmitteln auch eine kleine bretonische Flagge, die nun unter der französischen Gastflagge flattert.

Kalvarienberg in Lezardrieux

Bild 7: Der Kalvarienberg an der Kirche von Lezardrieux

Da in Frankreich keine Wasserschläuche auf den Bootsstegen vorhanden sind, kauften wir auf dem Rückweg beim Yachtausrüster noch einen „Gardena“-Schlauch für „Camping und Boot“. Er ist 20 m lang. Das ist schon nötig, damit man immer an die Wasserhähne auf den Stegen andocken kann. Der Schlauch besteht aus einem stoffartigen Gewebe, das sehr platzsparend auf einen Halter aufgewickelt wird. Über 80 Euro kostete uns dieses neue Souvenir. Die Anschaffung war jedoch unbedingt notwendig, damit der Kapitän statt des zeitraubenden Befüllens des Wassertanks mit Kanistern auch wieder Muße zum Wandern hat. Im Nu war der Tank voll, und eine schöne Wanderung am Ufer des Trieux konnte beginnen.

Die bretonische Flagge ist gehisst!

Bild 8: Die bretonische Flagge wurde gehisst, die Schlauchbootverpackung wird von Bord gebracht.

Wir sind ja hier im Lande der Feinschmecker Europas, was sich auf unserer Wanderung durch Wald und Flur mehrfach bestätigte. So kamen wir immer wieder an Artischockenfeldern vorbei, wo das köstliche Distelgemüse vom Setzling bis zur erntereifen Frucht zu bestaunen ist.

Artichocke auf den Feldern bei Lezardrieux

Bild 9: Fotogenes Gemüse: Die Artischocke

Am Ufer des Riviere de Trieux sahen wir dem Austernzüchter und seiner Frau bei der Arbeit zu.

Austernzüchter bei der Arbeit

Bild 10: Die Austernzüchter bei der Arbeit

Und schließlich entdeckten wir, dass Bretonen offensichtlich Bananen aus eigenem Anbau genießen können.

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Bild 11: Bananenstaude mit Blüte vor rosa Granit, dem Baumaterial für die Häuser dieser Gegend.

Auf einer gemähten Wiese im Schutz eines Wäldchens mit Kiefern und Esskastanien, die hier in großen Mengen wachsen, machten wir schließlich eine Pause, bei der unserer bretonischer Apfelkuchen den Weg alles Irdischen gehen musste. Er war himmlisch!!!

So himmlisch wie der Blick auf den Fluss:

Wanderung am Riviere de Trieux

Bild 12: Blick auf den Riviere de Trieux

Ja, die Bretagne ist ein Fest für alle Sinne! Der Anblick der roten Klippen, das Pfeifen des Windes, das Gurgeln des auflaufenden Wassers zwischen den Schiffen und Pontons, die duftenden Sommerblumen in den Gärten, der Geschmack des Cidre aus dem Tal der Rance (mein Favorit!) oder die kleinen, würzigen Miesmuscheln, die der Kapitän gestern Abend im Bar/Restaurant „Yacht“ am Hafen mit Genuss verputzt hat, während ich die bisher besten „Chips and Fish“ auf dem Teller hatte.

Heute haben wir beim Checken unserer Emails endlich good news von Nick und Marjorie erfahren. Seit Jersey hatten wir nichts mehr von ihnen gehört, obwohl wir mehrere SMS an sie geschickt hatten und sogar versucht haben sie anzurufen. Nun wissen wir, dass sie eine neue Telefonnummer haben und zur Zeit in Delfzijl auf besseren Wind warten. Auch sie kommen nicht gegen den Nordwind an! Sie haben dort mit einem niederländischen Seglerpaar über ihre Pläne gesprochen, wobei herauskam, dass der Hafen Großenbroder Fähre zu ihren Favoriten zählt. Hallo, liebe Familie Koch. Ihr seid also über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt und beliebt!

Morgen hoffen wir, doch noch nach Treguier zu kommen. Wenn der Wind auf Ost dreht! Aber schön, dass er uns auch nach Lezardrieux geweht hat.

Saint Malo, der 13.06.14

So ist das beim Segeln: Manche Orte, die man gerne anlaufen würde, erreicht man nie, weil Wind und Welle dagegen sind. Andere entdeckt man ungewollt zweimal, obwohl man es ganz anders geplant hatte. Im Nachhinein sagt man sich aber meist, dass es doch schade gewesen wäre, wenn´s anders gekommen wäre.

Wir hatten ja bereits von Jersey aus mit der „Condor“-Fähre eine Stippvisite nach Saint Malo gemacht und wollten danach weiter nach St Quay-Portreux , doch das Malheur mit meinem Backenzahn trieb uns erneut hierher. Nun ist seit unserer Ankunft wieder eine Woche vergangen, und wir blicken zurück auf viele neue Eindrücke und Erlebnisse.

Da wäre zunächst die Zahnbehandlung. Vier Rendez-vous hatte ich bei „meinem“ Doktor. Ich bin wirklich sehr zufrieden mit der sehr rücksichtsvollen und gründlichen Behandlung, die obendrein auch noch preiswerter ist als in Deutschland. Wieso das so ist? Vielleicht liegt es zum Teil auch daran, dass es hier – soweit ich es erlebt habe – in Punkto Ausstattung und Aufwand in der Arztpraxis etwas bescheidener als in Deutschland zugeht. Auf Jersey ist es noch schlimmer, was die Arzthonorare angeht. Aber da leben ja auch die britischen Millionäre.

Mein „Chirugien-Dentiste“ hat seine Praxis in einem typischen Altbau im Stadtteil St. Servan. Durch das Eingangstor gelangt man in einen Gang, der zum engen Treppenhaus mit linoleum-belegten, ausgetretenen Treppenstufen führt. Im ersten Stock steht an der Praxistür: „Bitte klingeln und eintreten!“(natürlich auf Französisch). Dann steht man in einem schlauchartigen Flur. Am rechten Ende des fensterlosen Flurs hat die einzige Sprechstundenhilfe ihren kleinen Sekretär mit einem Computer und einem Aktenschränkchen. Hier werden Termine vereinbart und Rechnungen bezahlt. Nach der freundlichen Begrüßung wird man ins kleine Wartezimmer gebeten. Es ist sehr wohnlich eingerichtet. Eine fest eingebaute, gepolsterte Bank, mit Kissen drapiert, zwei Gartenklappstühlchen, ein Tischchen, auf dem hauptsächlich Anglerzeitschriften liegen, eine Grünpflanze in einem aus einem Palmenstamm gefertigten Übertopf vor dem einzigen Fenster und an den Wänden ganz viele Bilder mit maritimen Motiven. Doch man hat nicht viel Zeit zum Verweilen. Nach wenigen Minuten – man hat gerade noch das Schild mit der Aufschrift: „Bezahlung nur per Check oder bar“ (natürlich auch auf Französisch) gelesen – wird man ins Behandlungszimmer gebeten. Das liegt am anderen Ende des Flurs „a droite“, also rechts. Es ist so klein wie das Wartezimmer und wird zu einem Drittel vom Behandlungsstuhl ausgefüllt. Das zweite Drittel beanspruchen die wenigen Schränke und Ablageflächen an den holzverkleideten Wänden, das dritte Drittel reicht gerade noch für Herrn Doktor und seinen Patienten. Eine Assistentin, wie in Deutschland üblich, wäre hier nur im Wege! Herr Doktor, ein sehr ruhiger und freundlicher Mensch, dunkelhaarig und schnauzbärtig, kann Gott sei Dank etwas Englisch. Er ist wohlbeleibt und trägt einen dunklen Kittel, der viel Bewegungsfreiheit bietet, da er – wie bei einem Friseurumhang – hinten offen ist. Während der Behandlung verlässt der Doktor häufiger den Raum, um nebenan Material oder ein Instrument zu holen. Dann sehe ich seinen makellos gebräunten Rücken unter dem offenen Kittel aufblitzen, denn darunter trägt Herr Doktor blanke Haut. In Deutschland undenkbar! Nach vier Behandlungsterminen habe ich mich aber an diesen Anblick gewöhnt, zumal der Arzt wirklich ordentlich arbeitet und bei der Behandlung modernste Technik einsetzt. Beim Bohren und Schleifen schaue ich mir dann die unzähligen Seestücke an den Wänden an, lausche der Popmusik, die aus dem Radio in der Ecke erklingt und genieße die frische Luft, die aus dem stets geöffneten (einzigen) Fenster mit dem verwitterten Fensterrahmen aus dem kleinen Hinterhof hereinströmt. So ist das also beim französischen Zahnarzt.

Zwischen den Zahnarztterminen hatten wir jedoch noch reichlich Gelegenheit, Saint Malo und die nähere Umgebung zu erkunden.

Der von einer 1,8 km langen Festungsmauer umgebene Stadtteil von Saint Malo heißt „Intra Muros“ oder „Ville Close“. Man kann auf der Mauer entlanglaufen und hat auf der einen Seite herrliche Ausblicke auf das Meer, die Inseln und mehrere Forts, während man von der anderen Mauerseite hinunter in die Gassen der Stadt schauen kann. Lange verweilten wir in der Kathedrale Saint-Vincent mit ihren farbenprächtigen Glasmalereien. Danach genossen wir noch eine Galette (Buchweizencrepes mit herzhaften Füllungen) und den leckeren Cidre aus den Apfelgärten an den Ufern der Rance, die in Saint Malo mündet.

 

St Malo-"ville close"

 Intra Muros

Die Stadtmauer

Blick über die Mauer auf das Fort de la Reine

Das Möven-Modell

Das Möwen-Modell vor dem Fort National, das nur bei Ebbe erreichbar ist

Ville close

Gasse mit Fachwerkverbindung

Die Rosette

Die Kathedrale St. Vincent (12.-18. Jahrh.)

Galette mit Ratatouille und Ziegenkäse

Lecker gefüllte Galette mit einem Tässchen Cidre

Den Vorabend des Pfingstfestes verbrachten wir dann an Bord bei einer gut gekühlten Flasche Sekt , angereichert mit frischen Erdbeeren aus der Bretagne.

Während es die meisten Franzosen zu Pfingsten an die Strände zog, wanderten wir am Pfingstsonntag von Saint Malo aus in östlicher Richtung am Strand entlang zum Badeort Rotheneuf. Der Blick schweifte ständig hin und her zwischen den wunderbaren Ausblicken auf die „Cote d´Emeraude“ (Smaragdküste) und die hübschen Häuser an der Uferpromenade. Wenn wir jetzt die englischen mit den französischen Häusern vergleichen, müssen wir doch sagen, dass der französische Baustil eleganter ist und dass die Franzosen ihre Häuser sehr pflegen . Das ist in England leider nicht überall der Fall.

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Gut beschirmt am Badestrand

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Ein Haus schöner als das andere!

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Kleine, feine Häuser.

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Große, feine Häuser.

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Die Cote d´Emeraude

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Ein seltener Vogel: Schwarzkehlchen

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Die Eidechse wohnt auch in einem Granithaus

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Ginsterwolken

Pfingstmontag zog es uns an die Ufer des Flusses Rance, der in Saint Malo ins Meer mündet. Beim Gezeitenkraftwerk, das seit 1966 die Kraft der Gezeitenströmung nutzt, überquerten wir den Fluss und wanderten am anderen Ufer zurück zum Seebad Dinard, dem ältesten Seebad der Bretagne. Mit der Fähre fuhren wir von hier zurück nach Saint Malo.

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Am Ufer der Rance

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Das Gezeitenkraftwerk

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Die Kraft des Wassers

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Durch die Schleuse am Kraftwerk kann man mit dem Boot von Saint Malo nach Dinan

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Uferpromenade in Dinard

Am Dienstag war die Kühlbox leer und der Wäschesack voll. Da es im Hafen keine Waschmaschinen gibt, wanderten wir zu einem einen Waschsalon nach St. Servan. Während die Wäsche wusch, kauften wir ein. Ein besonderes Vergnügen in Frankreich! Hier gibt es noch viele kleine, feine Geschäfte: Schlachter, Bäcker, Feinkostgeschäfte, Fischgeschäfte, Obst- und Gemüsehändler…. Außerdem einen kleinen Supermarkt und einen überdachten Markt mit allen Köstlichkeiten, die Gott in Frankreich zum Leben braucht, z.B. verschiedene Quiches, knackige Kirschen, zuckersüße Aprikosen, würzige Bratwurst und nebenan in der Fischhalle das frische Meeresgetier. Man muss wirklich viel wandern, um nicht kugelrund zu werden! Der Himmel weiß, wieso die meisten Franzosen trotz dieser Verlockungen überwiegend schlank sind. Aber sie reden sehr viel, diskutieren laut und temperamentvoll und halten mit ihren Emotionen – ganz im Gegensatz zu den Engländern- nicht hinter den Berg. Vielleicht kostet das ja auch jede Menge Kalorien.

Wir leben hier also wie die Made im Speck. Trotzdem mussten wir gestern mal den Bus nehmen, denn zu dem mittelalterlichen Städtchen Dinan war es zu Fuß einfach zu weit. Von Festungsmauern umgeben thront es auf einem Hügel (keltisch „dunos“ ) über dem Tal der Rance mit dem kleinen Hafen. Dieser Hügel ist der Sitz der Göttin Ahna (Göttin der Lebenden und der Toten). Aus diesen beiden Wörtern entstand wahrscheinlich der Name Dinan.

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Blick von der Stadtmauer auf den Hafen und das Tal der Rance

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Mittelalter-Feeling

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Hübscher geht´s nicht!

Gestern hatte ich den letzten Termin beim Zahnarzt. Mittlerweile wurde ich nicht nur freundlich sondern herzlich empfangen. Nachdem die neue Krone eingesetzt war, kamen Herr Doktor und ich ins Gespräch. Er erzählte , dass er selbst auch segelt und wünschte uns guten Wind für die Weiterreise. Und plötzlich sprach er ein paar Wörter deutsch! Er hatte es fünf Jahre lang in der Schule gelernt, „aber alles vergessen“, wie er sagte. Auch die nette Sprechstundenhilfe verabschiedete mich mit „Auf Wiedersehen!“, was ich aber nicht hoffe. Schließlich wollen wir heute nach St. Quay Portrieux segeln und damit 35 Seemeilen weiter nach Westen kommen. Aber schön war es doch, zweimal in Saint Malo zu sein!

48°38.410 N, 2°01.758 W – 05.06.2014, Saint Malo

Bonjour! Vorgestern sind wir nach 9 Stunden und 25 Minuten gut in Frankreich angekommen. Anfangs hatten wir guten Wind, doch leider fast von vorne, so dass wir zunächst wieder unseren Motor anschmeißen mussten. Auf halber Strecke erfolgte bei den „ Minquiers Inseln“, die bei Flut weitgehend von Wasser bedeckt und rundum von Grundseen umgeben sind, eine Kursänderung, nach der endlich gesegelt werden konnte. Doch nach einer Stunde schlief nach und nach der Wind ein. Um die richtige Strömung beim Einlaufen nach Saint Malo zu erwischen, mussten wir schneller werden, so dass das „Eiserne Segel“ wieder ran musste. Als wir um 17:45 Uhr vor dem Sill an der Hafeneinfahrt   des Yachthafens Bas-Sablons ankamen, zeigte die Wasserstandsanzeige auf der Hafenmauer 1,7 m an. Bis die für uns erforderlichen 3,6 m erreicht waren, gingen wir an eine der beiden weißen Wartebojen .

An der Warteboje vor dem Sill

An der Warteboje

Mittlerweile hatte der Westwind wieder ordentlich aufgefrischt, aber an der Ostseite des Visitor-Pontons waren noch Plätze frei. Eine sehr „schwellige“ Angelegenheit, wie sich bald herausstellte. Anima mea tanzte trotz ihrer sieben Tonnen Gewicht bis zum nächsten Morgen wie ein Korken und wir tanzten mit. Gut, dass wir beide nicht seekrank werden. Hier wäre es sicher passiert. Eines unserer Weingläser überlebte die Schaukelei leider nicht. Während wir im Hafenbüro 31,50 Euro (ohne Internet) pro Nacht bezahlten, stürzte es vom Kartentisch. Wir hoffen, die Scherben bringen Glück, denn mir steht noch ein unangenehmes Rendez-vous bevor. Nein, nein! Es handelt sich nicht um einen französischen Kavalier sondern um einen Termin (franz. rendez-vous) beim Zahnarzt. Denn das ist der eigentliche Grund, dass wir nach Saint Malo gefahren sind, obwohl wir von Jersey aus schon einmal mit unserem „Freund“ Condor hier waren.

Niedrigwasser

Auch in unserem Hafen herrscht ein gewaltiger Tidenhub

Auf der Insel Jersey waren wir ja nur halb so lange wie auf Guernsey. Die beiden Inseln sind wirklich sehr unterschiedlich. Die Hauptstadt St Helier, nach einem Eremiten benannt, ist sehr „busy“, hat rund um die Häfen viele Geschäfte und Banken sowie moderne Wohn- und Geschäftshäuser. Wir lagen ja im „Albert Harbour“ direkt in der Innenstadt. Hierher strömen die Visitor-Yachten aus allen Himmelsrichtungen. Als wir ankamen, waren fast alle Plätze mit Halberg Rassys belegt, die am nächsten Tag wieder ausliefen. Doch dann folgte eine wahre Invasion französischer Boote, die eine Regatta gemacht hatten. Zuletzt war der Hafen regelrecht zugeparkt. Zwischen den Pontons reihten sich die Päckchen, so dass man von einem Ponton zum nächsten über die Schiffe laufen konnte. Gott sei Dank hatten wir eine Box und blieben unbehelligt.

Visitor Harbour ist brechend voll!

Nach der Rassy-Vereingung kamen die Franzosen

Zunächst versorgten wir uns bei „Marcs & Spencer“ mit den Köstlichkeiten Jerseys .

Alles auf Jersey und Guernsey erzeugt.

Alles auf Jersey gewachsen!

Dann unternahmen wir einen langen Spaziergang entlang der St Aubin´s Bucht zwischen St Helier und St Aubin. Dabei bummelten wir zunächst durch den zweiten großen Yachthafen, die Elisabeth Marina, deren Umfeld uns an Hamburgs moderne Hafencity erinnerte.

Elizabeth Harbour

Elisabeth Marina

Doch im Gegensatz zum Hamburger Hafenwasser hatte das hier eine traumhaft türkisgrüne Farbe. An der Oberfläche zogen gemächlich schwimmende Fische ihre Bahnen und genossen bei ihren Stopps das wärmende Sonnenlicht .

Sie nehmen ein Sonnenbad im Hafenbecken.

Stillleben im Hafenwasser

Hier wie dort jedoch bewohnen wohlhabende Menschen die schicken Flats, beziehen ihre Unterkunft in teuren Hotels und nehmen einen Drink auf den Terassen der Bars und Restaurants, wobei es sich in St Helier überwiegend um reiche Briten handelt, deren luxuriöser, lockerer Lebenstil überall spürbar ist.

Von der Marina aus eröffnete sich schon der schöne Blick auf die geschwungene St Aubin´s Bay. Das Niedrigwasser hatte den „castle causeway“ zum Elisabeth Castle freigelegt und viele Menschen strömten zu der königlichen Burg aus dem 16. Jahrhundert.

Der Ebbe-Weg zum Elizabeth Castle

Castle Causeway zu Elisabeth Castle, St Aubin´s Bay

Bei Hochwasser fahren auch Boote auf Rädern dorthin. Zur Zeit wurden sie aber nicht benötigt und parkten am Strand.

Boote mit Rädern fahren jederzeit zum Elisabeth Castle

Boote auf Rädern

Am Ende der Bucht kam St Aubin´s Fort in Sicht, das den Hafen von St Aubin zur Meerseite hin abschirmt.

St Aubin´s Fort

St Aubin´s Fort

Im hübschen Ort machten wir eine Pause auf der Terasse eines Hafenrestaurants.

St Aubin´s Harbour

Hafen von St Aubin

Nach dem langen Marsch schmeckte der Pimms mit frischen Erdbeeren, Gurke und viel Minze besonders gut. Um uns herum viele gutgelaunte Menschen, die oft sektkühlergroße Glasgefäße mit dem köstlichen Getränk geordert hatten und so den Nachmittag bei Sonnenschein und Hafenblick genossen.

Pimms

Pimms

Nach unserer Rückkehr waren wir rechtschaffen müde und beschlossen, als Nächstes eine Busfahrt zu unternehmen. Rundreisen mit dem Bus sind hier leider nicht möglich, so dass wir mit einem Tagesticket die längst mögliche Busfahrt entlang der St Aubin´s Bay an der Westküste hoch bis zur Bucht Greve de Lecq Barracks im Norden und dann durchs Landesinnere zurück nach St Helier unternahmen.

Mit dem Traktor werden die Fischerboote an den Strand gezogen

Die Bucht Greve de Lecq Barracks. Die Fischer ziehen ihre Boote mit dem Traktor an Land.

Fazit am Ende unseres Aufenthalts auf den Kanalinseln:

Nicht nur Jersey selbst , auch alles andere, die Buchten, die Häuser, der Luxus, die Geschäftigkeit sind größer als auf Guernsey, das für unseren Geschmack mehr Charme besitzt und daher nach Sark und Herm auf Platz drei der Favoritenliste steht. Allerdings hatten wir nicht so viel Zeit, um Jersey intensiver zu erkunden, zumal am Montagmorgen beim Frühstück ein kleines Unglück passierte. Das mutmaßliche Steinchen in meinem Frühstücksbrot entpuppte sich nämlich als Zahnstückchen. Dann verspürte ich plötzlich ein „riesiges“ Loch dort, wo ein Backenzahn hätte sein müssen. Dabei war ich vor unserer Abreise noch zur Kontrolle und professionellen Zahnpflege beim Zahnarzt gewesen! Ich suchte sofort einen „Dentist“ in St Helier auf, der mir bestätigte, dass sich ein „irreparables“ Loch aufgetan hatte, das notdürftig abgedichtet wurde. Das Honorar über 45 Pfund für diese Notfallbehandlung würde mir meine Reisekrankenversicherung zurückerstatten. Doch eine grundlegende Sanierung kam auf den Kanalinseln nicht in Frage. Die europäische Krankenversicherungskarte gilt hier nicht. Die staatliche Beihilfe (wie in meinem Fall) würde nur den Anteil der Kosten, die denen in Deutschland entsprechen übernehmen. Hier aber sind die Arzthonorare sehr hoch, weshalb mir von der Beihilfestelle geraten wurde, nach Frankreich zu reisen, um dort die Behandlung durchführen zu lassen.

Und deshalb habe ich um 15.30 Uhr ein „Rendez-vouz“ bei Dr. Oliver im Stadtteil St Servan, auf das ich mich nicht besonders freue. Drückt mir die Daumen!

Tour Solidor/Cite d´Alet

Saint-Servan an der Mündung des Flusses Rance. Der Turm Solidor (14. Jahrh.) beherbergt das Kap-Horn-Fahrer Museum .