14.04.2017 Über Pleiten, Pech und Pannen

können wir uns dieses Jahr wirklich nicht beklagen auf der Anima mea!

Nach dem schönen Stadtbummel am Palmsonntag wollten wir am Montag gleich wieder los. Doch schon beim Frühstück wurden unsere Pläne durchkreuzt, als ein Stück vom Schneidezahn des Käptns im Brötchen hängenblieb. Während der Schneidezahn echt ist, ist das „wönzige“ Stückchen eine Plombe, die eine kleine Ecke unten links ergänzt, doch leider alle paar Jahre den Geist aufgibt. Pech, dass sie es gerade hier tun musste!

Schon bald ging es dem Käptn gehörig auf die Nerven, dass seine Zunge unwillkürlich den Weg zur Lücke suchte. Und da er die Plombe aus dem Brotbrei gerettet hatte, wollte er nun unser „Notfall-Zahn-Kit“ ausprobieren und den Schaden selbst beheben. Der „Zement“ wurde angerührt und war nach fünf Minuten einsatzbereit. Das Problem war nur, das Stückchen zwischen den Fingern in die richtige Position zu bekommen und dann einzusetzen! Als das endlich gelang, war der Zement schon zu hart geworden.

Das Notfall-Zahn-Kit

Also versuchte „Schwester Christine“ ihr Glück. Neuer Zement wurde angerührt und das Plömpchen tatsächlich schnell an seinen Platz befördert. Zehn Minuten fest anpressen war nun die nächste Aufgabe. Es kam uns vor wie zehn Stunden! Aber auch das ging vorüber…

Bis zum Abendessen war die Welt wieder in Ordnung. Dann hing die Plombe wieder im Speisebrei.

Am nächsten Morgen telefonierte der Käptn mit seiner Krankenversicherung in Germania. Die gab grünes Licht für eine Notfallbehandlung beim italienischen Zahnarzt.

Wir befragten Google und fanden in Lido di Ostia zwei Zahnarztpraxen. Schon in der nächstgelegenen wurde uns nach dem Klingeln Einlass gewährt. Die Praxis befand sich im ersten Stock eines großen Gebäudekomplexes und war klein, aber sehr fein eingerichtet. An der Rezeption begrüßte uns Herr Bruno im edlen Zwirn mit ausgesuchter Höflichkeit auf Englisch. Wir schilderten das Problem und sollten gleich im Wartezimmer auf den gelben Ledersofas Platz nehmen. Ruck-Zuck, wurden wir auch schon ins Behandlungszimmer gebeten, wo der smarte Dottore Emanuele Puzzilli im blauen Outfit (passend zu seinen strahlend blauen Augen) das Problem begutachtete und meinte, es noch heute lösen zu können. Der Preis? 250 Euro….Nun ja: Watt mutt, datt mutt!

Bei Dottore Puzzilli

Nach der sehr professionellen Behandlung führte uns Herr Bruno in ein winziges Zimmerchen. Die Dame, die dort am Computer saß und die Rechnungen ausstellte sowie das Geld kassierte, stellte er uns als seine Frau vor. Die gesamte Behandlung wurde mit einem einzigen Wort beschrieben, ich glaube es hieß „conservare“ oder so ähnlich. Ob es in Italien keine Gebührenordnung gibt? Jedenfalls haben wir wenig Hoffnung, dass die Techniker Krankenkasse diese „unspezifizierte“ Rechnung akzeptieren wird.

Nachdem dieses Problem gelöst war, erinnerten wir uns am Mittwoch daran, dass wir noch immer nichts von der Polsterei gehört hatten. Das kleine Geschäft im Porto di Roma fertigt neben Schiffspolstern  auch Persenninge und ähnliches. Vor einigen Tagen hatten wir dort eine neue Kunststoffleiste für unsere Lazyjacks bestellt. Lazyjacks sind zwei lange Stoffbahnen, die am Baum befestigt sind und das Großsegel auffangen. Die Latten geben den Stoffbahnen Halt.

Im Winterlager hatten wir diese Latten dazu benutzt, die Abdeckplane zu stützen. Als wir an Bord zurückkehrten, fehlte eine der Latten. Keine Ahnung, wer die gebrauchen konnte. Aber sehr ärgerlich, wenn man so etwas neu besorgen muss.

Als wir am Mittwoch in der Polsterei nachfragten, war die Latte noch immer nicht da. Wir sollten am nächsten Tag gegen Mittag wiederkommen! – Leider war sie da auch nicht da. Aber nach einem Telefonat der Näherin und einer Stunde Wartezeit kam uns der Inhaber strahlend mit einer Vier-Meter-Latte entgegen. Wir hatten zwar nur 3,20 m bestellt, doch konnten leider nur volle Meter a acht Euro geliefert werden. Immerhin: Als ich das Bargeld zückte, hieß es: “ 30 Euro sind okay!“

So viel zu dem Pech, das die Pleite nach sich zieht. Und nun zur Panne:

Als wir vorige Woche unsere Segel anbringen, rauscht plötzlich das Fockfall mit lautem Getöse aus dem Mast heraus! Wie das passieren kann? Wenn das Ende des Falls nicht durch einen Knoten gesichert ist, flutscht es durch den Schlitz am Mast, saust innen hoch bis zum Masttopp und fällt dann aufs Deck. Und warum war da kein Sicherungsknoten am Ende? – Diese Frage konnte bis heute nicht geklärt werden…. Aber sehr ärgerlich, denn nun mussten wir das Genakerfall für die Fock nehmen. Das bedeutete für die Zukunft: Bei leichten Winden motoren, weil wir den Genaker nicht setzen können. Wir vertagten erstmal den (recht aussichtslosen) Versuch, das Fall wieder von oben in den Mast zu fummeln.

Aber gestern, am Gründonnerstag, war der Käptn mental darauf vorbereitet, die 13 Meter in die Mastspitze hochzuklettern und das Fall von oben in den Mast zu fädeln, während ich unten am Schlitz lauerte. Wir hatten kaum Hoffnung, dass die Aktion erfolgreich verlaufen würde. Zu groß war die Gefahr, dass sich das Fall in den anderen Fallen im Mast verheddern würde. Doch es klappte! Im Schlitz baumelte das Fallende! Ich fingerte es heraus und machte schnell einen Achtknoten hinein. Dann wurde es an der Klampe belegt und der Käptn konnte erleichtert heruntersteigen.

Nun sind alle Arbeiten an Bord erledigt. Wir sind sozusagen startklar. Doch Ostern bleiben wir noch hier. Schaun wir mal, was heute, am Karfreitag, so in Rom passiert! Ich habe für die nächsten beiden Tage vorgekocht (Essen gehen fällt wegen der „Pleiten“ flach.) und wir können unbeschwert bummeln gehn.

Frische Zutaten für Spargel in Vinigrette und Zucchiniauflauf

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