25.03.2017 So früh wie noch nie

sind wir in diesem Jahr zu unserem Winterlager zurückgekehrt. Gestern starteten wir mit zwei randvoll gefüllten Koffern (viel Werkzeug, wenig Kleidung) pünktlich um 11:55 Uhr mit einem A 320 von Eurowings (ebenfalls randvoll) nach Rom-Fiumicino. Der Pilot plauderte sehr entspannt und locker ins Mikrofon, was uns sehr beruhigte. Immerhin jährte sich ausgerechnet heute der Absturz der Maschine, die von einem depressiven Flugkapitän auf dem Weg von Barcelona nach Deutschland gegen eine Bergwand geflogen wurde.  Doch abgesehen von recht ausdauernden Turbulenzen über den Alpen, die den Getränkeservice erheblich verzögerten und Toilettenbesuche wegen Anschnallpflicht unmöglich machten, passierte glücklicherweise nichts Dramatisches.

Italiens Himmel präsentierte sich nicht ganz so strahlend blau wie der in Hamburg, doch gleich   beim Aussteigen wehte uns die typische milde, warme Mittelmeerluft um die Nase. Wie immer, tobte in Rom/Fiumicino der Bär. An „unserem“ Gepäckband Nummer 10 stauten sich die Koffer von drei vorhergehenden Flügen, an den anderen Gepäckbändern sah es nicht besser aus. In den Toiletten bildeten sich lange Warteschlangen (womöglich wegen der Turbulenzen) und auch am Taxistand mussten wir uns wieder in eine lange Schlange einreihen. Zeit genug, das große Hinweisschild zu studieren, das Auskunft darüber gab, der Bürgermeister von Fiumicino habe beschlossen, dass ab sofort für die Taxifahrt nach Rom der Einheitspreis von 48 Euro zu berappen sei. Dieser Beschluss wurde von einer sehr energischen Dame verteidigt, die die Wartenden auf die Taxis verteilte. „Aber wir wollen doch gar nicht nach Rom, sondern nach Lido di Ostia“, erklärte ich. „Und das kostet – wie wir aus dem Vorjahr wussten – doch höchstens 30 Euro“. Aber auf diesem Ohr war die Dame taub. Sie wollte uns und auch die protestierenden beiden Damen hinter uns unbedingt über Rom nach Lido di Ostia schicken. Während der Käptn sich angesichts der ungewohnt hohen Temperaturen und des schweren Gepäcks schon ergeben wollte, ließ ich nicht locker und verbündete mich mit unseren beiden „Hinterfrauen“. Es waren Engländerinnen, von denen die Jüngere das „unschlagbare“ Argument vortrug, ihr Cousin in Lido di Ostia habe ihr gesagt, die Taxifahrt dorthin koste etwa 20 Euro. Da rückte die Taxidame endlich damit heraus, dass an der gegenüberliegenden Straßenseite die Taxis nach Lido di Ostia abfahren. Und allem Brexit zum Trotz: England und Deutschland nahmen vereint ein Großraumtaxi und teilten sich den Fahrpreis. Da wir in Lido di Ostia zwei Stopps benötigten, erhöhte der sizilianische Taxifahrer von 40 auf 50 Euro. Aber auch damit konnten wir alle gut leben.

Bei einem netten Talk während der Fahrt verrieten uns die englischen Ladies den Grund ihrer Reise. Die Cousine der jüngeren Dame hatte ein Baby bekommen.  Natürlich plauderten wir auch über unsere Zeit im schönen England. „Ja, vom Wetter mal abgesehen, ist es wirklich schön,“ bemerkte die junge Lady aus London in feinstem „Hochenglisch“. Und auf den unsäglichen Brexit kamen wir natürlich auch zu sprechen. Die beiden Ladies verdrehten bei dem Wort die Augen. Sie hatten den Austritt nicht gewählt!

Nun hatten die beiden ihr Ziel erreicht. Ein paar Straßen weiter konnten auch wir aussteigen. Der Taxifahrer hatte kaum unser Gepäck aus dem Kofferraum gewuchtet, da standen auch schon Francesco und seine Tochter Karolina neben uns. Über www.booking.com hatten wir schon im vergangenen Herbst ihr „Appartamento Roma Mare“ in der Via delle Sirene für sieben Nächte gebucht. Obwohl uns bei der Buchung angekündigt wurde, dass wir eine Anzahlung leisten müssten, nachdem uns der Vermieter die Bankverbindung übermittelt hätte, kam nichts dergleichen. Mitte März wurde ich dann doch etwas unruhig und fragte über booking.com nach, wie die Zahlung erfolgen solle. Gleichzeitig teilte ich dem Besitzer mit, dass wir voraussichtlich zwischen 15 und 16 Uhr eintreffen würden. Es kam umgehend eine Email von Francesco, in der er uns auf Englisch mitteilte, dass er uns zu gegebener Zeit empfangen  und Barzahlung vor Ort bevorzugen würde.

Und nun stand er schon seit zehn Minuten mit seiner Tochter und einer Flasche Begrüßungs-Rotwein an der Straße! In Italien sind Häuser und Wohnanlagen viel stärker gesichert als bei uns in Deutschland. Zuerst mussten wir durch das schmiedeeiserne Außentor (blauer Schlüssel), dann durch die Haustür (gelber Schlüssel). Dann mit dem Zwei-Personen-Fahrstuhl in den dritten Stock, wo die Wohnungstür mit einem dritten Schlüssel geöffnet wurde. Über die großzügige Diele führte mich Carolina ins Wohnzimmer mit quietschgrünem Fliesenboden und zwei Schlafsofas. Über dem einen hängen die Schwarz-weiß-Portraits von Francescos Großeltern aus Napoli und schauen uns würdevoll beim Essen zu.

Frühstück im Appartamento

Es gibt noch zwei weitere Schlafzimmer mit Doppelbetten, von denen wir das eine als Ankleidezimmer nutzen. Dazu kommt eine separate Küche und ein kleines Duschbad mit Waschmaschine.

                       Unsere Küche

Von den beiden Balkons aus schaut man auf die umliegenden Mehrfamilienhäuser im typisch italienischen Ambiente: Balkone voller Gegenstände, für die kein Platz in der Wohnung ist, dazwischen Wäscheständer und Blumen. Unsere Wohnung ist für sechs Personen ausgelegt, sie war aber mit 395,50 Euro incl. Tourismusabgabe viel günstiger als das Hotel, in dem wir uns im Herbst eingemietet hatten. Klar, das 4-Sterne-Hotel war modern und geschmackvoll eingerichtet, aber auch nicht ganz ohne Macken hie und da. Hier leben wir in einem bunten Palast mit einem Sammelsurium von alten und neuen Möbeln, selbstgemalten Bildern und Dekoartikeln, die wahrscheinlich von Ausflügen und Reisen der Wohnungsbesitzer stammen. Es ist, als wären wir bei einer italienischen Familie zu Besuch, nur dass die Familie gerade nicht zu Hause ist. Mit anderen Worten: Individuell und sehr persönlich. Und vom Wohnzimmerbalkon aus kann man mit etwas gutem Willen auch ein kleines Stück vom „Mittel- Mare“ erkennen. Von hier aus laufen wir morgens zweieinhalb Kilometer über die Hafenpromenade zu der Werft, in der unser Schiff auf uns wartet. Das sind täglich fünf Kilometer Fußmarsch und dazwischen jede Menge Arbeit. Aber davon reden wir im nächsten Artikel.

 

    • Danke! Stimmt, es macht Arbeit. Aber es macht noch mehr Spaß, die Erlebnisse in Worte zu fassen und zu „bebildern“. In erster Linie ist es eine bleibende Erinnerung für uns. Aber wenn es auch anderen gefällt: Umso besser! Liebe Grüße von Christine und Heinz

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