36°41.750´N – 2°47.470´W Almerimar, den 06.06.2015

Um da weiterzumachen, wo ich zuletzt aufgehört habe: Essen gehen wir in Puerto de Benalmadena   beim Italiener. Es ist gut und reichlich. Zum Nachtisch gönnen wir uns eine Caipi in einem anderen Restaurant an der Touri-Meile. Sehr gut, sehr teuer!

Der Abschied am nächsten Morgen fällt nicht schwer. Zuerst  müssen wir mal wieder Tanken, denn Wind ist nach wie vor Mangelware.

Marina Benalmadena

                                                                                     Schauerlich-schön: Puerto de Benalmadena

Nun tuckern wir an der Costa del Sol entlang. Wie schön sähe diese Küste aus, wäre da nicht die flächendeckende Bebauung mit Hotelhochhäusern! Wir können uns kaum vorstellen, dass die alle voll werden.

Marbella

                                                                                                                 An der Costa del Sol

Unser nächster Hafen heißt Marina Caleta Velez, der dazugehörige Ort Velez-Malaga. Hier ist es sehr ruhig mit schöner Aussicht auf die Berge. Im Hafenbüro sagt man mir, dass uns momentan kein  Marinero beim Festmachen helfen kann.  Oh je! Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit! Aber wir schaffen das Mooringmanöver ohne Probleme.

Marina Caleta Velez (Malaga)

Marina Caleta Velez (Malaga)

Wir wollen so schnell wie möglich weiter und  legen bereits am nächsten Morgen ab. Unsere Hoffnung auf Wind erstirbt nach dem Segelsetzen. Mit zwei Windstärken kommen wir nicht weiter. An der Küste erheben sich immer höhere Berge. Wir kommen der Sierra Nevada immer näher, und bald gibt es ein Wiedersehen mit dem Mulhacen. Ein bisschen Schnee liegt noch dort oben.

Die Gipfel der Sierra Nevada, kurz vor Motril

                                                                            Die Sierra Nevada präsentiert sich von der Seeseite

Der arme Motor muss  5 ½ Stunden arbeiten, bis wir in Motril angekommen sind. Eine endlos lange Mole, die zur Zeit auch noch verlängert wird,  zieht sich vom Hafen auf das Meer hinaus. Gerade verlässt eine Fähre den Hafen. ARMAS steht darauf. Den Namen habe ich doch schon mal gelesen! Richtig, das war auf der Kanareninsel Gomera! Und tatsächlich steht auf dem Schwesterschiff, das im Hafen liegt: Gran Canaria. Gleich hinter dem Fährhafen liegt die Marina. Auf dem ersten Ponton steht schon ein Marinero und winkt uns zu einem freien Platz. Zu unserer Überraschung gibt es einen Schwimmsteg, keine Mooring. Um uns herum tanzen die Schiffe auf und ab. Wir schließen uns an. Ein Wahnsinnsschwell herrscht in diesem Hafen. Das ist aber auch alles, was es hier zu beanstanden gibt.

Eine Nacht Eiertanz reicht! Außerdem soll bald Starkwind kommen. Klar, natürlich aus der falschen Richtung! Aber noch ist es ruhig und wir düsen weiter nach Almerimar. Etwa zwölf Meilen  vor unserem Ziel wird der Gegenwind immer heftiger, die Wellen höher. Wir kommen ins Rollen. Unser Motor macht inzwischen ein beunruhigendes Klappergeräusch, das wir schon seit einiger Zeit registrieren. Jetzt wird es immer lauter. Weiterlesen

02.06.15 – 36°35.634´ N – 4°30.738´ W Puerto de Benalmadena

Am 30. Mai ist der Weltuntergang, wir leben nicht mehr lang, wir leben nicht mehr lang …..

So beginnt ein altes Karnevalslied. Immer, wenn ich dieses Datum im Kalender sehe, erklingt die Melodie  in meinem Kopf.

Mit der Melodie im Kopf notiere ich im Logbuch: Sonntag, der 30.05.15. Port: Barbate, Destination: Gibraltar, Marina Alcaidesa.

Im unserem alten Reeds lesen wir nach, wie wir am besten durch die Straße von Gibraltar kommen: Im  Küstenfahrwasser entlang der spanischen Costa de la Luz  setzt der Strom in östlicher Richtung 3 Stunden vor Hochwasser Gibraltar.

Um 9:40 Uhr sagen wir der Katzenschar in der Marina Barbate Tschüs. Morgen wird sie ihre Brekkis und das frische Wasser vermissen. Zehn Minuten später ziehen wir das Großsegel hoch. Es unterstützt ein bisschen unsere Motorfahrt, denn Wind haben wir mal wieder nur wenig.

Den Weg zwischen den Thunfischnetzen hindurch finden wir ohne Probleme. Die Netzfelder mit den roten Bällen sind durch Untiefentonnen markiert.  Um 12:25 Uhr notiere ich im Logbuch: Einfahrt in die Straße von Gibraltar. Ab jetzt halten wir Ausschau nach Delfinen und  Walen. Sogar in der Seekarte ist  „Walewatching“ vermerkt. Da wird sich ja wohl was blicken lassen!

Der Motor macht 2100 Umdrehungen, der Wind säuselt mit 1 Bft und wir „rasen“ mit sieben Knoten Richtung Tarifa. Gerade verlässt die Fähre „Tarifa-Tanger“ den Hafen. Von hier starten auch „Wale-Watching-Touren“ mit „Erfolgsgarantie“. Na, dann sehen wir doch bestimmt auch bald einen der Meeressäuger!

Angestrengt schaue ich nach Steuerbord auf´s glitzernde Wasser. Große „Pötte“ ziehen wie Perlen an der Schnur vorbei nach Westen durch eine der am stärksten befahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt.

Plötzlich erhebt sich vor meinen Augen ein Berg aus dem Dunst! AFRIKA!

Nur  14 Kilometer trennen uns vom schwarzen Kontinent. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, es so weit mit dem eigenen Boot geschafft zu haben. Wenn jetzt noch ein Wal auftauchte! …..

Doch man kann nicht alles haben. Um 15:00 Uhr brettern wir mit teilweise 8 Knoten an Punta Carnero vorbei. Der „Felsen“ ist schon ganz nah. An Steuerbord passieren wir die Häfen von Gibraltar. Unser Ziel ist das spanische La Linea. Die Kaimauer entpuppt sich als Wartesteg der Marina Alcaidesa. Es liegt schon eine Yacht mit deutscher Flagge dort. Als wir vor ihr fest machen, erfahren wir, dass bereits um 14:00 Uhr Büroschluss war. Na ja, heute ist Samstag und wir können auch gut eine Nacht hier verbringen.

Die Marina schmückt sich mit fünf Ankern. Das entspricht fünf Sternen bei Hotels. Offensichtlich haben die Preisrichter die Marina nur von Land her betreten. Ich habe jedenfalls ein Problem, bei Niedrigwasser vom Schiff auf die kratzige Sandsteinmauer zu krabbeln. Doch der Blick aus dem Cockpit ist unschlagbar. Wir dinieren  mit Ausblick auf den berühmten britischen Felsen.

Nach dem Einklarieren am nächsten Morgen bekommen wir einen Liegeplatz an Steg D. Von dort schauen wir nicht nur auf den Felsen, sondern können auch noch die  Flugzeuge beobachten, die in unmittelbarer Nähe auf der  kurzen Landebahn des Flughafens Gibraltar starten und landen. Es sind bei weitem nicht so viele wie in Hamburg-Fuhlsbüttel. Da hält sich der Fluglärm in Grenzen.

Am Nachmittag starten wir unsere „Expedition Gibraltar“. Zu Fuß sind es nur wenige Minuten bis zur Grenze, wo wir unseren Ausweis vorzeigen müssen. Nun sind wir in Great Britain. Also müssen wir erstmal Geld tauschen. Wir hoffen, mit 40 Euro auszukommen, denn wenn wir am Schluss Gibraltar-Pfund übrig haben, können wir sie bei keiner Bank der Welt eintauschen. Für unsere Euro erhalten wir genau 25 Pfund . Hoffentlich reicht das für die Seilbahn, mit der wir auf den Berg hinauf wollen! Nach dem Geldwechsel müssen wir erst einmal warten. Ein Flugzeug startet und der Weg nach Gibraltar ist gerade gesperrt. Er führt nämlich geradewegs  quer über die Landebahn!

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Ein Flugzeug geht in Startposition

Wir bummeln durch „Gibraltar City“. Helgoland lässt grüßen! Ein Schnapshändler neben dem anderen, aber auch Geschäfte mit den bekannten Parfüm- und Kosmetik-Edelmarken  sowie Juweliere bieten ihre Ware zu „Duty-free-Preisen“ an. Die englischen Touristen schwärmen durch die Läden oder bevölkern die Restaurants , wo es endlich wieder die geliebten „Chips and Fish“ zu vernaschen gibt.

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Einkaufsstraße in „Gibraltar-City“

Doch oberhalb der Schaufenster entdecken wir hübsche Fassaden. Ein gelungener Verschnitt aus englischem und spanischem Baustil. Dann ruhen wir uns ein wenig in der kühlen Kathedrale aus. Neben dem Hauptaltar entdecke ich eine Gedenktafel mit dem Namen Sikorski. Das war doch der Name der Zeitschrift, die meine Töchter in ihrer „Sturm und Drangzeit“ kreiert haben!

Natürlich handelt es sich hier nicht um ein verspätet angebrachtes Werbeplakat für die Zeitung, sondern um eine Gedenktafel!

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Die Gedenktafel für General Sikorski

General Sikorski war im 2. Weltkrieg Kommandant  der polnischen Streitkräfte und kam am 4. Juli 1943 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Dann suchen wir  auf dem Trafalgar Cemetery  den Grabstein  von Leutnant William Forster, der in der Schlacht von Trafalgar verwundet wurde. Er verstarb später an den Verletzungen  und wurde  hier auf diesem hübsch angelegten Friedhof  bestattet.

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Der Trafalgar Cemetery

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Das Grab von Leutnant William Forster ist 205 Jahre alt

Ein kurzes Stücke weiter  taucht auch schon die Talstation der Cable Car auf. Wir lösen eine einfache Fahrt. Stolze 9.50 Pfund pro Person müssen wir dafür hinblättern. Ein spanischer „Seilbahn-Chauffeur“ begleitet uns. In sechs Minuten bringt uns die Gondel  hinauf, während der Chauffeur  vom deutschen Sauerkraut und von Berchtesgaden schwärmt. On „the Top of the Rock“ ist die Aussicht auf den Atlantik und das Mittelmeer atemberaubend! Und dann schon wieder: AFRIKA!

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Afrika in Sicht

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Majestätische Aussicht

Ja, und dann sind da auch noch die berühmten, menschenähnlichen Bewohner des Felsens, nach denen er ja auch „Affenfelsen“ genannt wird. Sie leben hier in herrlicher Freiheit, schwingen sich über Geländer, Mauern, Büsche und Bäume,  lausen sich auf Straßen und Plätzen, schmusen mit ihren Babys und kriegen sich auch schon mal in die Haare.

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Affenfamilie

Es ist streng verboten, sie zu füttern, damit sie nicht krank werden. Sie sehen auch wirklich gesund und zufrieden aus und tun  nichts.

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Affe vor der Seilbahngondel

Einer allerdings machte eine Ausnahme. Während ich – wie immer, weil ich pausenlos fotografiere- in gewissem Abstand hinter dem Käpt´n herlaufe, sehe ich, wie ein Affenmann neben meinem Skipper die Straße entlang trottet. Plötzlich rennt er von hinten auf Heinz zu, springt an ihm hoch und „touchiert“ ihn am Rücken. Dann schlägt er sich in die Büsche.

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Kurz vor dem Angriff

Vor Schreck kann ich den Überfall nicht knipsen. Ein kleiner Kratzer am Oberarm und zwei Schmutzflecken am Poloshirt bleiben von der Attacke zurück.

Nachdem wir auch noch das maurische „Castle“ aus der Nähe betrachtet haben, wandern wir steil bergab in den Ort hinunter.

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Das Castle aus der Maurenzeit

Unterwegs hatten wir an zwei schönen Aussichtspunkten  auf Gedenktafeln gelesen, dass die Queen und ihr Prinzgemahl hier bei ihrem Gibraltarbesuch   gestanden und in die Ferne geschaut hatten. Die Hinterhöfe, durch die wir jetzt kommen, hatte man ihnen bestimmt nicht präsentiert! Vor allem nicht den Müll , der überall herumliegt! Aber das ist ohnehin ein Problem, nicht nur auf Gibraltar sondern auch  in Spanien. Selbst, wenn in unmittelbarer Nähe Mülleimer stehen, liegen Plastikflaschen und Getränkedosen massenhaft auf dem Boden verstreut.

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Hinterhof an der alten Stadtmauer

Wir haben noch läppische 6 Pfund im Portemonnaie und großen Durst. Das Geld reicht gerade noch für ein Bier und einen Cider inclusive Trinkgeld. Dann geht´s über die Rollbahn zurück nach Spanien.

Am Abend zieht sich der Felsen ein keckes Wolkenhäubchen über, während die Sonne blutrot im Westen untergeht. Es war ein toller Tag!

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Gibraltar mit Wolkenhäubchen

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Sonnenuntergang

Am nächsten Morgen wollen wir endlich ins Mittelmeer. Unser eisernes Segel braucht jedoch Diesel. Deshalb wollen wir an der Tankstelle anlegen, wo bereits ein „Zweier-Päckchen“ wartet. Wir legen uns dazu und ich klettere über die beiden Yachten an Land. Im Office ist viel Betrieb. Endlich kann ich bezahlen, dann heißt es wieder warten. Der Tankwart muss über Funk angefordert werden. Als auch der Tank voll ist, steht ein Polizeiauto auf der Kaimauer. Fünf Polizisten haben anscheinend nichts Besseres zu tun, als uns zu überprüfen. Sehr freundlich und zügig geht die Prozedur von statten. Um 10:45 Uhr heißt es endlich: „Leinen los! Mittelmeer, wir kommen!“

Polizeikontrolle in der Marina Alcaidesa

Polizeikontrolle in der Marina Alcaidesa

Polizeikontrolle

Mittlerweile hat auch die richtige Strömung eingesetzt und etwa sieben Stunden weiter machen wir an der Muele de Espera (Wartesteg) in Marbella-Bajadilla fest. Das Hafenbüro hat gerade noch zehn Minuten auf. Schnell einklarieren geht nicht, weil schon wieder die Polizei auf der Matte steht und unsere Pässe überprüfen möchte. Sie finden uns schon wieder nicht in ihrer Verbrecherkartei. Also geht es zum Liegeplatz, wo schon der Marinero  wartet. Er hilft uns bei unserem ersten Mooring-Manöver. Eine schöne Schweinerei, als der Käpt´n die glibberige Mooringleine aus dem Wasser zieht und auf der hinteren Klampe belegt. Das Deck, die Fender und der Käpt´n sind voller Schlickspritzer. Das wird ab jetzt unser tägliches Brot sein!

Gleich am nächsten Morgen geht es weiter nach Puerto de Benalmadena. Ein großer Hafen im „Klein Venedig Style“. Einen Urlaub lang würde ich es in dieser Touristenhochburg nicht aushalten. Aber es gibt alles, was man braucht. Sogar Internet! Da kann ich ja gleich meinen Bericht auf die Reise schicken und anschließend das Problem des Abends lösen:

In welches von den gefühlt tausend Restaurants gehen wir heute essen?

 

Freitag, der 29.05.2015, 36°11.072´ N – 5°56.073´W Barbate de Franco – Auf der Zielgeraden

Wir sind jetzt im letzten Hafen vor Gibraltar angekommen. Nur noch knapp 40 Seemeilen trennen uns vom Mittelmeer. Wenn alles gut geht, schieben uns morgen ein moderater Westwind und der Gezeitenstrom  durch die Straße von Gibraltar.

Am Dienstag, dem 26.05. verlassen wir Puerto Sherry, nachdem wir uns am Pfingstsonntag  das benachbarte Städtchen Puerto de Santa Maria und Pfingstmontag Cadiz angesehen haben. Beide Städte liegen in der Bucht von Cadiz, sind sehr alt und haben viele historische Gemeinsamkeiten. In beiden Städten lebten schon die Phönizier, Römer, Westgoten und Araber, wobei  das vor 3000 Jahren gegründete Cadiz den Titel „Älteste Stadt Europas“ für sich beansprucht. Nach der Entdeckung Amerikas kamen die beiden Städte  durch ihre Häfen und die reichen Kaufmannsfamilien zu Wohlstand. Davon zeugen prächtige Kirchen, Klöster und Palais. Doch während  das strahlende, auf einer langgezogenen Insel angelegte Cadiz  seine Bauten pflegt und erhält und damit die Touristen in Scharen anlockt, verfallen die alten Gemäuer in Puerto de Santa Maria. Hier haben ganze Storchenkolonien die übrig gebliebenen Ruinen für sich erobert. An den sumpfigen Ufern des Rio Guadalete, in dem auch der örtliche Yachtclub seine Stege hat und die Fähre nach Cadiz ablegt, finden sie reichlich Nahrung.

Wir geben uns redlich Mühe, die versteckten Schönheiten von Puerto de Santa Maria zu entdecken. Es ist ein weiter  Anmarsch von Puerto Sherry aus über den  Küstenweg zwischen Strand und Dünen. Doch trotz der Hitze gehen wir dann auch noch am Rio Guadalete entlang weiter bis zum Monasterio de la Victoria. Das ehemalige Kloster steht verloren auf einer öden Brache gegenüber dem Bahnhof der Stadt und ist dem Verfall anheim gegeben. Im Stadtplan wird der Name dieses Bauwerkes fettgedruckt hervorgehoben, doch außer uns interessiert sich kein Mensch dafür. Durch den Zaun fotografiere ich die Storchennester auf den bröckelnden Stützpfeilern und die knorrigen alten Olivenbäume, die sicher so alt sind wie das Gebäude selbst. Das erweckt das Interesse einer älteren Senora, die mit ihrem kleinen Vierbeiner, der allerdings nur noch drei Beine beim Laufen benutzt, hier ihre Gassi-Runde dreht. Sie spricht zunächst den Käpt´n an, der sie an mich verweist. Nun hat die Senora ihr Opfer gefunden! Lebhaft gestikulierend erklärt sie mir die Geschichte des Monasterios, während wir um das Gebäude herumspazieren. Ich verstehe leider nur bruchstückhaft, welch große Zeiten die Ruine hinter sich hat und dass auch die Vorfahren der Senora  irgendwie damit verbunden waren. Zum Glück stellt die Senora keine Rückfragen!  Dann ist die Führung beendet und mit einem herzlichen „Gracias!“ verabschieden wir uns von der Dame mit dem humpelnden Hündchen.

Sankt Adebar

Sankt Adebar

Auch die engen Gassen der Stadt zeigen, dass hier nicht gerade der Reichtum zuhause ist. Nur die Festung Castillo de San Marcos ist gut erhalten. Dann suchen und finden wir endlich die Stierkampfarena „von internationalem Ruf“. Das blutige Spektakel  der „corrida do torros“ gehört in Spanien nach wie vor zur „feria“. Eine „feria“ oder „fiesta“ ist in den spanischen Orten Höhepunkt des Jahres und Anlass, mal so richtig auf die Pauke zu hauen. Wie man dem Plakat an der Stierkampfarena entnehmen kann, war dies hier in Puerto de Santa Maria wohl am 10. Mai der Fall.

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Auf in den Kampf!

Die Stierkampfarena von Puerto de Santa Maria

                                       Die Endphase des Stierkampfes: Mit der „muleta“ wird der Stier provoziert und am Ende erstochen.

Am nächsten Tag wandern wir erneut den langen Weg nach Puerto de Santa Maria. Am Strand Playa de la Puntilla schweift unser Blick hinüber zu der neuen Brücke, die bald Cadiz mit dem Festland verbinden wird. Wir finden, sie ähnelt irgendwie der Köhlbrandbrücke in Hamburg. Dann sind wir auch schon am Fähranleger. Nach einer halben Stunde erreichen wir mit der Catamaran-Fähre den Hafen von Cadiz.

Strand bei Puerto Sherry

                                                                                                                Der Köhlbrand von Cadiz Weiterlesen

Sonntag, der 24.05.2015, 36°34.808´N – 6°15.388´W Bahia de Cadiz, Puerto Sherry

Step by step geht es nach vier erholsamen  Nächten in Albufeira  weiter nach Osten. Wir backen heute ein großes Brötchen und schaffen gut  50 Meilen. Es ist Sonntag, der 17. Mai, als wir in die Mündung des Guadiana, dem Grenzfluss zwischen  Portugal und Spanien hineinfahren. Hier endet die Algarve und Andalusiens  „Costa de la Luz“ beginnt.

Voriges Jahr „parkten“ wir am portugiesischen Ufer in Villa Real de Santo Antonio. Jetzt wollen wir schräg gegenüber die spanische Marina in Ayamonte ausprobieren.

Entgegen den Angaben unseres  Hafenführers „Atlantikküste – von Lissabon bis zur Straße von Gibraltar“ fließt der Guadiana keineswegs „träge dahin“. Als wir uns nach der Anmeldung im Hafenbüro an unseren endgültigen Platz an Steg F verlegen müssen, macht uns das ablaufende Wasser ganz schön zu schaffen. Kein Wunder: Es ist gerade Springzeit und der Tidenhub ist mit über drei Metern für diese Region beachtlich. Entsprechend stark ist die Strömung.

In der  Marina ist noch viel Platz. Nur eine Handvoll ausländische Yachten liegen verstreut an den  Pontons. Einer der Hafenmeister spricht sogar deutsch, der andere Englisch. Das kleine, saubere  Sanitärgebäude haben wir morgens fast immer für uns allein. Sogar Waschmaschine und Trockner sind vorhanden. Da wird sofort die Bettwäsche abgezogen und zum Spottpreis von fünf Euro gewaschen und getrocknet. Auch die portugiesische Gastflagge, die seit letztem Jahr unter unserer Saling flatterte, bekommt ein Süßwasserbad und verschwindet nach dem Trocknen in der Schublade. Wer weiß, ob sie jemals wieder den blauen Himmel Portugals erblicken wird!

Unser Blick auf Ayamonte

Unser Blick auf Ayamonte

Nur ein paar Schritte entfernt können wir im Supermarkt  „El Jamon“ nicht nur Schinken sondern auch alles andere, was das Seglerherz begehrt gut  und günstig einkaufen.

Doch zunächst muss Heinz mal wieder in den Mast klettern. Seit sich im starken Seegang vor der Lagune von Faro die Abdeckkappe des Topplichts samt Windex gelockert hatte, blickten wir unterwegs ständig besorgt den Mast hinauf.  Und dann baumelte  auch noch der Radarreflektor an nur einem Kabelbinder an der Want!  Schließlich fiel er mit einem lauten Plumps auf´s Deck, wo er wie durch ein Wunder  vor der Reling liegen blieb. Jeder Skipper weiß aus Erfahrung, dass alles, was nicht niet- und nagelfest ist, mit fast hundertprozentiger Sicherheit Neptun geopfert wird. Aber eben nur fast!

Nun ist die Abdeckkappe festgeklebt und der Radarreflektor zusätzlich zu neuen Kabelbindern durch Schnüre gesichert. Auch Kabelbinder werden Opfer des UV-Lichts!

Schon im Vorjahr hatten wir Ayamonte eine kurze Stippvisite abgestattet.  Nun wollen wir diese hübsche, quirlige Kleinstadt im typisch spanischen Baustil  noch einmal genauer erkunden. Weiterlesen

Albufeira, 16.05.15 37°05.070´N – 8°16.066´W: Wir backen kleine Brötchen

Lagos ist ein guter Ort! Die Marina liegt sicher an einem  Fluss. Man kommt nur hinein oder hinaus, wenn vom freundlichen Personal im Marina-Office die Klappbrücke geöffnet wird. Außerdem beobachten Security-Angestellte Tag und Nacht die Zugänge und Stege.  Die sanitären Anlagen sind sauber und einladend. Es gibt verschiedene Bars und Restaurants rund um die Marina, dazu eine Anlage mit luxuriösen Ferienwohnungen, deren Swimmingpool auch von den  Marinagästen genutzt werden darf.

Die lebendige, hübsche Altstadt sowie große Supermärkte einschließlich Lidl liegen in unmittelbarer Entfernung  zur Marina. Joao Batista, ein guter, preiswerter Segelmacher  (www.brazilcovers.pt ) hat sein Geschäft direkt an der Uferpromenade und ist sofort zur Stelle, wenn man ihn darum bittet. Bus und Bahn sind fußläufig von der Marina  aus erreichbar. Europcar und andere Mietwagenverleiher haben ihre Büros ebenso dicht bei der Marina.

Nur fünf Minuten Fußweg sind es vom Hafen zur Bootswerft SOPROMAR, wo unser Schiff im Winter an Land stand. Auch hier kann man sich in neu gebauten Apartments einmieten, während das Boot für den nächsten Törn klar gemacht wird. Nach getaner Arbeit oder auch nur zum Vergnügen bietet dort das kleine Restaurant mit dem freundlichen Wirt  wunderbare Tapas, Tagesgerichte und Getränke, wie z.B. unseren Lieblingswein „Cicona“ (Storch).

Kurz hinter SOPROMAR erreicht man einen relativ einsamen Strand, wo es  Richtung Meia Praiia zur malerischen Lagune von Alvor geht. Zurück nimmt man entweder den gleichen Weg (so wird man auf dem Hinweg von vorne und auf dem Rückweg von hinten gebräunt) oder wandert über den grünen Golfplatz von Meia Praiia. Verdursten und verhungern kann man während der etwa drei Stunden dauernden Wanderung bestimmt nicht, da diverse Strandbars  zur Rast einladen.

Muschelbänke in der Lagune von Alvor

Muschelbänke in der Lagune von Alvor

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Salzwiesenblumen

Doch irgendwann wird der Fahrtensegler unruhig, mag der Hafen auch noch so sicher, die Stadt noch so schön sein. Die Life-Musik am Wochenende nervt zunehmend, die im Gänsemarsch über den Steg  zu den Booten trappelnden Ausflügler, die Grotten und Delfine heimsuchen, muss man auch nicht mehr haben. Die Landausflüge sind gemacht  und  Vorratsschränke und  Kühlbox gut bestückt. Das Internet funktioniert zunehmend nur noch nachts oder frühmorgens, da immer mehr Touristen darin herumsurfen.

Man zieht die Seekarte aus dem Kartentisch und läd Wetterdaten herunter.  Wann könnte es endlich weitergehen? Noch ist zu viel Wind, dann wieder Wind aus der falschen Richtung. Schließlich ist kein Wind. Egal! Wir legen am 13. Mai ab, wollen weiter Richtung Osten.

Der Motor schnurrt wie ein Kätzchen. Die goldene Algarveküste mit ihren bizarren Felsen und Grotten zieht backbords an uns vorbei. Wo sind all die Delfine, die von den Ausflugsbooten „ganz sicher“ aufgestöbert werden? Heinz meint, die werden eingefangen, in den Grotten angebunden und dort durchgefüttert, bis die Touristen kommen und sie fotografieren können. Weiterlesen