Auf der Düne

Nachdem wir heute Morgen wichtige Nahrungsmittel in flüssiger und fester Form gebunkert hatten, sind wir mit der kleinen Fähre für 5 Euro pro Person (Hin- und Rückfahrt) auf Helgolands Düne übergesetzt. Weißer Strand, blau-grünes  Wasser und gleißendes Sonnenlicht überall! Auf dem Strand Gruppen von  Kegelrobben und Seehunden, die in der Sonne dösten oder im Wasser planschten. Einige ganz Mutige schwammen an die Badenden heran und beäugten sie  neugierig. In der Nähe des kleinen Flugplatzes brüteten die Heringsmöwen. Ihre puscheligen Küken piepten ununterbrochen nach Futter, die Alten warnten sie vor uns, waren aber überhaupt nicht angriffslustig. Die Tiere auf Helgoland sind übrigens überhaupt nicht scheu. Ob Amsel, Star, Möwe oder Robbe, sie scheinen keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht zu haben.

Nachdem wir die Düne umrundet und ordentlich Sonne getankt hatten, kehrten wir wieder zum Felsen zurück. Heute werden noch schön essen gehen und einen letzten leckeren Mojito oder Caipi genießen, bevor es morgen mit dem Ziel  Norderney weitergeht.

Freitag, 05.07.13

Irgendwo ins grüne Meer hat ein Gott mit leichtem Pinsel lächelnd, wie von ungefähr, einen Fleck getupft: Die Insel“ – Viele Dichter und Denker haben sich über Helgoland geäußert, aber dieser Spruch von James Krüss, der auf Helgoland geboren wurde, drückt einfach und treffend  den Charakter dieser Insel aus. Jedenfalls für uns. Jetzt und heute.

Vor ungefähr 45 Jahren kam ich (Christine) zum ersten Mal zu einem Kurzbesuch nach Helgoland. In der Erinnerung geblieben ist lediglich  das Ausbooten vom Seebäderschiff ins Börteboot auf sehr bewegter See und ein Schwarz-Weiß-Foto von den Tetrapoden am Ufer unter den roten Felsen. Intensiver war mein Eindruck von Helgoland, als ich vor etwa 25 Jahren zu einer Lehrerfortbildung  auf den „Roten Felsen“ kam. Die Tage waren angefüllt mit interessanten Erkenntnissen  über die Geologie, die Geschichte und die  Flora und Fauna. Am Abend vernichteten wir Teilnehmer natürlich auch den einen oder anderen Absacker in den diversen Gasthäusern und Kneipen des Unterlandes. Doch obwohl mich die Fortbildung begeistert hatte, verlor ich auch diesmal nicht mein Herz  an dieses Eiland. Dann segelten Heinz und ich  im Oktober 2012  im Rahmen eines Ausbildungstörns der Jachtschule Eichler in Hamburg-Finkenwerder nach Helgoland. Ein lehrreicher  Törn, der ganz im Zeichen des Segelns im Gezeitenstrom stand, wobei der sehr kurze Aufenthalt auf Helgoland  von einem heftigen Hagelschauer, einem „Blitzshopping“ (Riesentoblerone und Riesenmarabu)  sowie einem Helgoländer Eiergrog in der „Bunten Kuh“ geprägt war. War auch nicht gerade Helgoland zum Verlieben! Doch manchmal sind aller guten Dinge vier: Mit dem eigenen Schiff, ohne festes Programm und ohne Zeitdruck  gefällt es uns zunehmend , über die Insel zu spazieren, die Früchte des Meeres zu probieren,  durch die Gassen zu schlendern, treppauf, treppab vom Unterland zum Oberland und wieder zurück zu wechseln, immer wieder auf´s mal graue, mal blaue und tatsächlich auch manchmal grüne Meer zu blicken , den Seevögeln an den steilen Klippen zum Greifen nah zu sein  und die abstrahlende  Wärme des roten Sandsteins sowie die feuchte, schmeichelnde Seeluft zu spüren. Und natürlich Zeit und Muße zu haben, die vielen Eindrücke in Fotos festzuhalten. Hier eine kleine Auswahl:

Pos. 54°10,6´N, 007°53,5´E — 9. Reisetag

Gestern haben wir auf dem „Fuselfelsen“ sprich Helgoland festgemacht. Eigentlich wollten wir noch ein bisschen in Cuxhaven bleiben, doch unsere niederländischen Stegnachbarn  meinten, angesichts der Wetterprognose sei es ein günstiger Zeitpunkt, den Sprung über die Deutsche Bucht zu wagen. Nach dem Auftanken an der Dieselstation starteten wir um 10:30 Uhr. Diesen Zeitpunkt hatten unsere Niederländischen Nordseesegler gewählt und wir folgten widerspruchslos in Ehrfurcht vor deren Erfahrung mit der Nordsee. Draußen ging die Post ab!Mit bis zu 10 Knoten  pflügte Anima mea  durchs Wasser. In der Ostsee hatten wir diese Wahnsinnsgeschwindigkeit noch nie erreicht (außer einmal in der Hanöbucht bei Gewitter). Leider nahm der  West- bis Südwestwind auf 22 bis 25 Knoten zu. Unterwegs gab DP07 (Delta-Papa 07 Seefunk) über UKW eine neue Windwarnung bekannt (W 6, in Böen 7). Darauf konnten wir jetzt leider keine Rücksicht mehr nehmen! Anima mea legte sich auf die Backe. Also reffen! Nun hatten wir das Problem, beim Aufkreuzen Höhe zu laufen. Mühsam arbeiteten wir die auf dem Kartenplotter angezeigten Meilen ab. Die Wellen türmten sich mehr und mehr auf, es rumpelte und pumpelte in Schränken und Kisten,  hin und wieder gab´s eine Salzwasserdusche. Schließlich machte sich der einsetzende Gegenstrom immer deutlicher bemerkbar. Wir waren einfach zu spät dran! Als der Seegang in der Deutschen Bucht  etwas  ruhiger wurde, rollten wir die Genua ein und liefen unter Motor und Groß in Richtung „Deutschlands einzige Hochseeinsel“.

Ansteuerung von Helgoland

Ansteuerung von Helgoland

Um 19:15 Uhr machten wir etwas erschöpft im Päckchen fest. Die Manöverkritik am Abendbrottisch ergab, dass wir einfach zu spät losgefahren waren. Am nächsten Morgen begrüßten uns die Niederländer am Steg. Auch sie hatten eine ungemütliche Überfahrt gehabt. Der Skipper gab zu, sich beim Blick in den Tidenkalender verguckt zu haben. Er hatte Hochwasser Cuxhaven mit Hochwasser Helgoland vertauscht! Und wir hatten geglaubt, eine besonders gewiefte Taktik stecke hinter der Wahl des Abfahrtstermins. Also heißt es in Zukunft: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Nun strahlt die Sonne und die blaue Nordsee kräuselt sich sanft. Wir haben gut geschlafen und sind wieder voller Tatendrang. Die Insel und ihre Düne rufen! Und vielleicht gibt´s heute Abend einen Eiergrog?