43°22.048´N – 8°23.154´W, 13.07.2014 La Coruna (sprich: La Corunja)

Hola! Que´tal?

Uns geht´s gut!!! Haben lange nichts von uns hören lassen, weil wir soooo beschäftigt waren und inzwischen wieder soooo viel erlebt haben, dass ich gar nicht weiß, was ich zuerst berichten soll.

Also: In Roscoff waren wir ja wegen des „Kontoproblems“ erstmal hängen geblieben. Am letzten Tag vor unserer Abreise lernten wir noch einen interessanten Segler kennen. Er hatte sich in Südfrankreich eine kleine Segelyacht gekauft und war dann durch die Straße von Gibraltar gefahren. Dann hatte er sich an Portugals Küste gegen den fast beständig wehenden Nordwind bis La Coruna hochgearbeitet. Danach war er gemeinsam mit seinem Mitsegler Arne aus Dänemark über die Biskaya und schließlich an der Ile d´Quessant vorbei durch die wogende See nach Roscoff gekommen. Nun wollte er schnellstmöglich nach Bremerhaven „nach Hause“, doch unsere Grip-files überzeugten ihn, vorerst zu pausieren, da in den nächsten Tagen Ostwind angesagt war. Wir waren sehr überrascht, als sich im Gespräch herausstellte, dass wir einen Naturwissenschaftshistoriker an Bord hatten. Dr. Reinhard Krause segelt nämlich nicht nur, er arbeitet auch am Alfred Wegener Institut Bremerhaven im Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Außerdem liebt er Frankreich und so hoffen wir, dass er inzwischen glücklich in Bremerhaven angekommen ist und sich im nächsten Monat auf seiner geliebten Ile de Groix in der Südbretagne von seinem Segelabenteuer erholen wird.

Uns aber kam der Ostwind gerade recht, so dass wir am nächsten Morgen nach L´Aber wrac´h segeln konnten. Doch leider reichten die drei Windstärken nicht aus, um in der zur Verfügung stehen Zeit mit dem laufenden Strom dort anzukommen. Also musste der Motor nachhelfen. Wir hatten noch etwa eine Stunde vor uns, als plötzlich ein schrecklich kreischendes Geräusch aus dem Motorraum an unser Ohr drang. Sofort wurde das Gas weggenommen und der Kapitän stürzte den Niedergang hinunter. Er öffnete den Motorraum und voller Entsetzen rief er mir entgegen: „Wir haben Wasser im Schiff!“ Zuerst warf er die Lenzpumpe an, dann half er selbst mit Ösfass und Eimer nach. Literweise goß er die Brühe ins Spülbecken! Nachdem das Schlimmste beseitigt war, inspizierte er den Motorraum, konnte aber kein Leck finden. Das Wasser kam trotzdem beständig nach und wir waren froh, endlich in L´Aber wrac´h anzulegen.

Am nächsten Tag bestellten wir einen Monteur, doch auch er konnte das Leck nicht finden. Wir sollten ruhig weiterfahren, es wäre bestimmt nichts Schlimmes. Na ja, wenn er meint!

In der kurzen Zeit, die uns an diesem schönen Ort zur Verfügung stand, machten wir einen kleinen Spaziergang durch den Ort und an der Küste entlang. Hier blickten wir auf die weißen Strände hinunter. An einem davon hatten vor 36 Jahren meine beiden Mädels ein gaaanz tiefes Loch gegraben, in das sie dann hineingestiegen waren, worauf ich sie bis zum Hals mit dem puderfeinen Sand eingebuddelt hatte. Das Foto mit den beiden Köpfen im weißen Sand klebt fortan in einem alten Fotoalbum.

Gegenüber von unserem Steg hatte ein hübscher Spitzgatter mit deutscher Flagge und dem Heimathafen Wesel festgemacht. Der Eigner hatte das Schiff in Portugal gekauft und war genau wie Dr. Krause an Portugals Küste hoch und dann über die Biskaya hierher gekommen. Er gab uns ein paar gute Tipps und seine Visitenkarte: Captain Harry, Yachtüberführungen. Für alle, die ihre Yacht überführen lassen wollen: www.yachtüberführungen.de

Wir wünschen Captain Harry viel Freude an seinem Schiff und allzeit gute Fahrt.

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Der 32 Fuß Spitzgatter von Captain Harry

Nachdem wir uns gründlich auf die Fahrt durch den berühmt, berüchtigten Chenal du Four, der Kanal des „Höllenofen“, vorbereitet hatten, verließen wir am 2. Juli um 9:00 Uhr die Nordbretagne und segelten vorbei an den Roches de Portsall, wo 1978 die AMOCO-CADIZ strandete und die größte Ölkatastrophe aller Zeiten verursachte. Es war genau in dem Jahr, als ich meine Zwillinge hier am Strand eingegraben hatte. Baden konnten wir damals nicht. Wenn man durchs Wasser lief, hatte man anschließend einen dunklen „Ölring“ um die Wade. Bei Ebbe kamen die schwarzen, ölgetränkten Felsen zum Vorschein. Es waren kaum Touristen hier, und für die Fischer brach eine Welt zusammen.

Um 12:25 Uhr waren wir am Leuchtturm „Le Four“ angelangt. Viele werden die Leuchtturmfotos von Philippe Plisson kennen. Bei Wind gegen Strom oder quer zum Strom oberhalb von 5 Beaufort bauen sich hier hohe Brecher auf. Dann sollte man hier nicht herumsegeln. Uns bot „Le Four“ einen sehr friedlichen Anblick.

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Le Four in der Brandung

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Le Four während unserer Fahrt durch den Chenal

Um 13:40 Uhr ließ der Wind so stark nach, dass wir den Motor anschmeißen mussten. Bisher hatten wir kein Wasser im Schiff, doch jetzt sprudelte es wieder in die Bilge. Während ich steuerte, inspizierte Heinz von der Hundekoje aus nochmals genau den Motorraum. Dann tauchte er freudestrahlend am Niedergang auf: „Ich weiß, wo das Wasser herkommt! Kein Problem, eine kaputte Schelle an einem Schlauch ist der Übeltäter, kann leicht repariert werden!“ war die gute Nachricht. Beständig lenzend tuckerten wir unserem Ziel entgegen.

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Montag, der 09.09.13 — Falmouth/Cornwall Pos. 50°09.8´N – 005°05.0´W

Mit etwas Herzklopfen starteten wir am vergangenen Mittwoch um 9.30 Uhr unseren reparierten Motor. Er sprang sofort an, qualmte allerdings etwas mehr als wir es  bisher von ihm  gewohnt waren. „Unser Monteur“ Mat legte Heinz  beim herzlichen Abschied ans Herz, ein Auge auf die Filter zu haben. Die Rechnung konnten wir  bei Chris Online  bezahlen. Für eine  kostengünstige SEPA-Überweisung  rechnete  er vorher den Pfundbetrag in Euro um: 963,16 Euro! Er hat allerdings nur die 12 Arbeitsstunden für Mat , aber nichts für die Kontrolle und das Reinigen der Einspritzdüsen sowie für die Entsorgung des abgepumpten Diesel berechnet. Leider mussten  wir auch die 20 % Umsatzsteuer (VAT) bezahlen. Chris fluchte kurz über seine eigene Steuerlast und meinte, wir sollten uns die gezahlte Steuer bei unserer Rückkehr in Deutschland erstatten  lassen, da wir sie als „Visitor“ nicht  zahlen müssen. Mal sehen, ob sich da was machen lässt…

Nach neun Tagen in Plymouth waren wir jedenfalls froh, wieder unterwegs  zu sein. Es war kaum Wind, aber wir wollten ja ohnehin den Motor testen. Gut 40 Seemeilen lagen bis Falmouth vor uns. Leider verhängte Nebel den Blick auf die schöne Küste von Cornwall. Der Motor lief prima. Um 17.00 Uhr meldeten wir uns über das Telefon an der Fuel-Station bei der Premier-Marina in Falmouth an und bekamen einen Liegeplatz. In England fährt man nämlich nicht einfach in den Hafen und sucht sich einen freien Liegeplatz, sondern meldet sich per Funk oder telefonisch beim Hafenbüro. Dort wird einem gesagt, zu welchem Liegeplatz man fahren kann. Danach geht man zum Hafenbüro, bezahlt und bekommt den Code für die Eingangstore und Sanitäranlagen, denn alle Häfen sind eingezäunt. Mal so durch den Hafen bummeln wie in Deutschland oder Dänemark geht hier, aber auch in Belgien und Frankreich überhaupt nicht.

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St. Anthony Head am Eingang zum River Fal

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Blick über den River Fal

 Wir liegen hier sehr ruhig in einem Seitenarm des River Fal, etwas abseits von dieser schönen Universitätsstadt mit ihren vielen Kunst- und Antiquitätenläden.

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Princess Pavillon

 Außerdem gibt es zahlreiche wunderschöne Gärten und Parks mit subtropischen Pflanzen, eine Festung mit tollem Ausblick über den Englischen Kanal und leckere Pasties mit hohem Sättigungsfaktor.

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Blütenpracht in den Gyllyngdune Gardens

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Eine ausgezeichnete Pasty!

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Pendennis – Castle

 Leider regnete es  von  Samstagnachmittag bis Sonntagabend. In dieser Zeit beschäftigte sich Heinz  intensiv und immer erfolgreicher mit dem Funkgerät, während ich die Grip Files Datei auf unserem Notebook studierte. Ab Dienstag ergab sich doch tatsächlich ein Wetterfenster für eine Überquerung der Biskaya!  Auch DB3FE (Charly von Intermar) sah das genauso, so dass wir am Sonntagabend beschlossen, heute nochmal Proviant einzukaufen, zwei zusätzliche Dieselkanister zu besorgen – es war nämlich zwischendurch mit einer Schwachwindphase zu rechnen – vorzukochen und dann morgen mit dem ablaufenden Wasser abzulegen. Am Anfang würde es etwas stärker blasen, aber mit Wind von Achtern sollte es schon auszuhalten sein. Wir waren etwas überrascht, als es dann heute Vormittag immer heftiger zu blasen begann. Passte überhaupt nicht zum Wetterbericht (www.windfinder.com) den wir uns täglich aus dem Hafenbüro  holen. Da war Windstärke 3 -4 mit Böen von 5 am Abend angesagt. Schnell wurde das Notebook aufgeklappt und die Grip Files Datei aktualisiert. Welcher Unterschied zu gestern! Starkwind zwischen 5 und 6 Bf bei uns und in der Biskaya. In den nächsten Tagen werden dann voraussichtlich immer wieder neue  Starkwindgebiete von Westen heranziehen. Noch schlimmer sieht es  um La Coruna herum und an der Atlantikküste hinunter Richtung Portugal aus. Hier sind es häufig 7 Windstärken. Bis nächsten Montag- so weit reichen die Daten- ist kein  Ende  abzusehen.

Etwas frustriert und sehr nachdenklich ob der Unzuverlässigkeit der Wetterberichte begab ich mich erst mal in die Pantry, um die eingekauften Vorräte zu Kartoffelsalat, Antipasti und Co. zu verarbeiten. Plötzlich klopft es. Zwei schwarz uniformierte Männer mit Schwimmweste bitten um Einlass zwecks Zollkontrolle. Sie überprüfen unsere Pässe und das Flaggenzertifikat. Gewissenhaft notieren sie unsere bisherige Reiseroute  und wollen auch wissen,  seit wann wir in England sind und wo wir noch hinwollen. Als wir sagen, dass wir eigentlich morgen über die Biskaya wollen, winken sie ab. Sie waren gerade mit ihrem Schiff 20 Meilen südlich von Lizard Point (das ist der südlichste Punkt von GB) und hatten dort fürchterlichen Schwell, was wohl morgen nicht besser sein würde. Sie raten uns dringend ab, los zu segeln und verabschieden sich mit den besten Wünschen für unsere Weiterreise. An dieser Stelle möchte ich noch anmerken, dass wir während unserer ganzen Reise hier zum ersten Mal vom Zoll kontrolliert wurden. In Boulogne sur Mer war zwar ein Zollboot im Hafen, kontrolliert haben die aber unseres Wissens niemanden. Die englischen Zöllner wollten nur unsere Pässe und das Flaggenzertifikat sehen, also feststellen, ob wir rechtmäßige Eigentümer der Anima mea sind. Sie haben nicht nach Waffen, Drogen und auch nicht nach Medikamenten gefragt. Wir haben ja eine umfangreiche Bordapotheke mit teilweise verschreibungpflichtigen Medikamenten dabei, für die wir ärztliche Atteste und Bescheinigungen des Gesundheitsamtes mitführen. Bisher hat sich dafür niemand interessiert.

Durch die beiden Zollbeamten wissen wir nun auch genau, was wir schon vermutet hatten. Wir sind weit und breit die einzigen Ausländer in Falmouth, von einem Kanadier, der seine Familie in England besucht, mal abgesehen. Es sollen in diesem Jahr ohnehin nicht viele „Visitor“ hier gewesen sein, überwiegend Niederländer und Franzosen, sagte man uns schon  bei unserer Ankunft  im Hafenbüro.

Und noch etwas wissen wir seit heute: Wir werden dieses Jahr nicht über die Biskaya segeln, sondern nach Plymouth zurückkehren und dort ab Oktober ins Winterlager gehen. Hier bleiben wir noch ein paar Tage, um uns ein bisschen von Cornwall anzuschauen. Darüber wird dann im nächsten Blog berichtet.

Mittlerweile bläst der Wind nicht mehr ganz so heftig , aber das wird sich bestimmt wieder ändern. Die Sonne strahlt und morgen soll es laut Windfinder  ebenfalls viel Sonnenschein geben.  Ich werde  mir jetzt hier in  der Kuchenbude gemütlich ein  Sundowner- Cider eingießen. „ Cheers!“ nach Germany und viele Grüße an alle, die uns bisher so nette E-Mails geschrieben haben.

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 Am Horizont beginnt die Biscaya