Albufeira, 16.05.15 37°05.070´N – 8°16.066´W: Wir backen kleine Brötchen

Lagos ist ein guter Ort! Die Marina liegt sicher an einem  Fluss. Man kommt nur hinein oder hinaus, wenn vom freundlichen Personal im Marina-Office die Klappbrücke geöffnet wird. Außerdem beobachten Security-Angestellte Tag und Nacht die Zugänge und Stege.  Die sanitären Anlagen sind sauber und einladend. Es gibt verschiedene Bars und Restaurants rund um die Marina, dazu eine Anlage mit luxuriösen Ferienwohnungen, deren Swimmingpool auch von den  Marinagästen genutzt werden darf.

Die lebendige, hübsche Altstadt sowie große Supermärkte einschließlich Lidl liegen in unmittelbarer Entfernung  zur Marina. Joao Batista, ein guter, preiswerter Segelmacher  (www.brazilcovers.pt ) hat sein Geschäft direkt an der Uferpromenade und ist sofort zur Stelle, wenn man ihn darum bittet. Bus und Bahn sind fußläufig von der Marina  aus erreichbar. Europcar und andere Mietwagenverleiher haben ihre Büros ebenso dicht bei der Marina.

Nur fünf Minuten Fußweg sind es vom Hafen zur Bootswerft SOPROMAR, wo unser Schiff im Winter an Land stand. Auch hier kann man sich in neu gebauten Apartments einmieten, während das Boot für den nächsten Törn klar gemacht wird. Nach getaner Arbeit oder auch nur zum Vergnügen bietet dort das kleine Restaurant mit dem freundlichen Wirt  wunderbare Tapas, Tagesgerichte und Getränke, wie z.B. unseren Lieblingswein „Cicona“ (Storch).

Kurz hinter SOPROMAR erreicht man einen relativ einsamen Strand, wo es  Richtung Meia Praiia zur malerischen Lagune von Alvor geht. Zurück nimmt man entweder den gleichen Weg (so wird man auf dem Hinweg von vorne und auf dem Rückweg von hinten gebräunt) oder wandert über den grünen Golfplatz von Meia Praiia. Verdursten und verhungern kann man während der etwa drei Stunden dauernden Wanderung bestimmt nicht, da diverse Strandbars  zur Rast einladen.

Muschelbänke in der Lagune von Alvor

Muschelbänke in der Lagune von Alvor

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Salzwiesenblumen

Doch irgendwann wird der Fahrtensegler unruhig, mag der Hafen auch noch so sicher, die Stadt noch so schön sein. Die Life-Musik am Wochenende nervt zunehmend, die im Gänsemarsch über den Steg  zu den Booten trappelnden Ausflügler, die Grotten und Delfine heimsuchen, muss man auch nicht mehr haben. Die Landausflüge sind gemacht  und  Vorratsschränke und  Kühlbox gut bestückt. Das Internet funktioniert zunehmend nur noch nachts oder frühmorgens, da immer mehr Touristen darin herumsurfen.

Man zieht die Seekarte aus dem Kartentisch und läd Wetterdaten herunter.  Wann könnte es endlich weitergehen? Noch ist zu viel Wind, dann wieder Wind aus der falschen Richtung. Schließlich ist kein Wind. Egal! Wir legen am 13. Mai ab, wollen weiter Richtung Osten.

Der Motor schnurrt wie ein Kätzchen. Die goldene Algarveküste mit ihren bizarren Felsen und Grotten zieht backbords an uns vorbei. Wo sind all die Delfine, die von den Ausflugsbooten „ganz sicher“ aufgestöbert werden? Heinz meint, die werden eingefangen, in den Grotten angebunden und dort durchgefüttert, bis die Touristen kommen und sie fotografieren können. Weiterlesen

28.09.2014 Wandern in Albufeira

Nun sind wir schon seit sieben Tagen in Albufeira. Nachdem wir reichlich durch den Ort und über die ortsnahen Strände gebummelt sind, wünschten wir uns mal etwas mehr Landschaft und weniger Bebauung. Die Marina liegt ja in einem Tal. Auf der einen Seite zieht sich die Stadt Albufeira den Hang hinauf. Haus an Haus, terrassenförmig ineinander verschachtelt, stapeln dich die neu gebauten Ferienwohnungen. Teilweise sind es noch Rohbauten, an denen anscheinend seit längerer Zeit nicht gearbeitet wurde. Bleibt nur zu hoffen, dass das kein Dauerzustand bleibt!

Auf der anderen Seite steht am Rande der Marina eine Doppelreihe mit bunten Einfamilienhäuschen. Dahinter ein noch unverbauter Hang, nur ganz oben stehen villenartige Häuser. Diesen Hang wanderten wir gestern bis zum Leuchtturm hinauf.

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Der Leuchtturm Albufeira

Na ja, schon wieder alles bebaut! Aber großzügiger, mit parkähnlichen Gärten drumherum. Überwiegend moderne Villen, einige mit „unverbaubarem“ Meerblick und atemberaubender Aussicht. Etwas störend und gar nicht edel: Hier eine leere Plastikflasche am Wegesrand, da ein Plastikbeutel im Gebüsch. Ich konnte mich einfach nicht beherrschen und sammelte den Müll ein, wenn ein Müllcontainer in der Nähe war.

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Sicher keine preiswerte Wohnlage

Wir wanderten durch das Villenviertel an der Küste entlang nach Westen. Plötzlich tauchten in unmittelbarer Nachbarschaft der Edelhäuser elende Hütten auf. Dazwischen lärmende Kinder und bellende Hunde. Von hier kam also das abendliche Kläffkonzert des kleinen Köters, das wir täglich von Bord aus hörten! Drumherum: Müllberge! Uns wurde erzählt, Portugal habe den höchsten Verbrauch an Plastiktüten europaweit: 400 Plastiktüten pro Kopf im Jahr! Und die fliegen trotz des vorbildlichen Mülltrennungssystems munter durch die Gegend.

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Leben am Rande der feinen Gesellschaft

Wir wanderten weiter. Die Bebauung lichtete sich, die geteerte Straße mündete in einen Sandweg. Endlich nur noch Pinien, Gras und Felsen und dahinter das Meer. Überall führten schmale Trampelpfade zum Küstenrand. Wir bogen auf einen davon ein und dann dieser Ausblick!

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Farbenprächtige Steilküste

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Von Wind und Wasser geformt

Wir folgten einem Küstenpfad, der mit einem roten Punkt markiert war. Traumhaft schön: Die Farben des Sandsteins, die filigranen Muster der ausgewaschenen Steingerippe und die bizarren Formen der zerklüfteten Felsen.

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Steingerippe

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Felskluft

Trotz der langen Trockenzeit – es ist nach wie vor jeden Tag um die 25° C – schaffen es einige Pflanzen zu blühen. Aber auch die längst verblühten waren schön anzusehen!

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Blühende Distel

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Verblühte Schönheit

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Überlebenskünstler

Im üppigen Buschwerk mit roten und rosa Beeren – die Floristen in Deutschland binden diese Zweige gern in ihre Blumensträuße- ein Kunstwerk aus Wespenpapier.

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Wespennest

Dann erreichten wir einen kleinen, malerischen Strand. Sein Name war „Arrifes“. Im Strandrestaurant machten wir eine Rast. Unsere Tischnachbarn wollten wissen, ob wir hier leben. „Wir leben auf unserem Boot!“ antworteten wir. Große Überraschung bei den beiden Herren aus Trelleborg in Schweden. Sie selber waren auf der Suche nach einem Haus für ihr Leben im gerade erreichten Ruhestand . Die Sonne und das milde Klima der Algarve waren Grund genug, der schwedischen Heimat den Rücken zu kehren.

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Arrifes

Gleich nebenan die nächste Traumbucht: S. Rafael

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S. Rafael

Am nächsten Tag wollten wir noch ein Stück weiter wandern. Doch nach S. Rafael kamen wir nur eine Bucht weiter, dann standen wir wieder in einer neu erbauten Feriensiedlung. Offensichtlich leben hier überwiegend Engländer wie überall in Albufeira. Die Speisekarten der Restaurants sind grundsätzlich in Portugiesisch und Englisch, manchmal auch in Deutsch. Es gibt sogar einen lokalen englischsprachigen Radiosender. Etwas enttäuscht drehten wir um und gönnten uns im Strandrestaurant Arrifes eine leckere Weißwein-Sangria.

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Die Küste hinter S. Rafael

Wenn wir morgen nach Portimao weiterfahren, werden wir ganz dicht unter dieser Küste vorbeiziehen, um uns die Pracht noch einmal vom Wasser aus anzusehen. Dann haben wir den unverbaubaren Blick auf die farbenfrohe Landschaft. Hoffentlich gerät uns keine Plastiktüte in die Schraube!

37°05.049 N – 8°16.069 W Albufeira, den 25.09.2014

Auch im Paradies regnet es…

Sonst wäre es ja auch kein Paradies. Pflanzen, Tiere und Menschen können ohne das nasse Element nicht existieren und daher ist es in Ordnung, dass es am Montag, dem 15. September um die Mittagszeit mit einem Donnerwetter begann. Das Barometer stürzte ab, der Himmel öffnete seine Schleusen und der warme Südwind blies in Böen bis sechs Beaufort.

???????????????????????Im Westen nichts Gutes

Der Käpt´n entkoppelte die Achterstagantenne vom Tuner, damit der Blitz unserem Funkgerät kein Leid zufügen konnte. Das Sonnensegel über dem Cockpit konnte gerade noch rechtzeitig geborgen werden, bevor die ersten Böen und Regengüsse sich darüber hermachen konnten. Das Steckschott wurde eingesetzt und seit langer Zeit kam das Frühstück im Salon auf den Tisch. Frühstück um die Mittagszeit? Na ja, wir haben ja „Urlaub“ und wenn wir nichts Besonderes vorhaben, wird aus dem Frühstück meist ein frühes Mittagessen.

Danach stillte der Käpt´n seinen Lesehunger. An solchen Tagen liest er locker ein Buch runter. Dank „Kindle“ besitzt er eine umfangreiche Bibliothek, die während unserer Reise schon mehrmals aufgestockt wurde. Auch in diesem Punkt ist das Internet ein Segen.

Ich nutzte die „Saure-Gurken-Zeit“ für profanere Dinge. Putzen und Betten abziehen, da man in Chipiona /Spanien günstig waschen und trocknen konnte (insgesamt fünf Euro). Die Waschmaschine war stets frei, da kaum noch jemand wusch. Wer auch? Die Spanier arbeiteten während der Woche und waren nicht an Bord. Gäste gab es kaum noch im Hafen. Während unseres Aufenthaltes in Chipiona sichteten wir zwei französische Boote, eine deutsche Yacht, zwei niederländische und zwei britische.

Als der „überschaubare“ Haushalt erledigt war, kramte ich meine Spanischbücher heraus, um die Kenntnisse aufzufrischen. Es ist sehr hilfreich, die Landessprache etwas zu beherrschen, denn die Spanier können leider nicht so gut Englisch wie die Portugiesen. Gut, dass ich meine Lehrbücher dabei habe! In England habe ich mir die Abende an Bord mit „Babbel“, einem Internet-Sprachkurs vertrieben. Ging prima, da ich dort stets Internet an Bord empfangen konnte. In Spanien war das leider anders. Dort musste ich immer ins Hafenrestaurant um zu surfen. Da setzt man sich dann ja auch nicht hin und übt Vokabeln. Übrigens: „Babbel“(www.babbel.de) kann ich wirklich empfehlen. Hat ein gutes Konzept, ist nicht teuer und vor allem: Jederzeit problemlos kündbar. Man kann es sogar kostenlos ausprobieren!

Also: Langeweile kommt nicht auf. Im Gegenteil: Solche Tage, an denen man das Gefühl hat, nichts zu verpassen, sind sehr wichtig, um zur Ruhe zu kommen, das Erlebte sacken zu lassen und Dinge zu erledigen, für die man vorher keine Zeit und Lust hatte.

Wegen des Wetterumschwungs mussten wir also unsere Abfahrt von Chipiona verschieben.

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