23.09.2019 Ich hasse Schleusen!!!

Und deshalb liebe ich den Rhein!

Da wir durch unseren Bootstransport die Oberrheinischen Schleusen umgehen konnten, können wir die schleusenfreie Zeit noch eine Weile genießen und obendrein schnell vorwärts kommen.

Denn auch das ist toll an Vater Rhein: Seine kräftige Strömung legt auf Oscars Fahrtgeschwindigkeit von 10 km/h nochmal um die drei bis vier Stundenkilometer drauf. Dieser Umstand lässt auch heute, am 18. September, wieder auf eine schnelle und obendrein Kosten sparende Reise ab Mondorf hoffen, das wir um 9:05 Uhr verlassen. In der Hoffnung, gegen 16:00Uhr die Einfahrt zum Crefelder YC am Rheinkilometer 761,5 zu erreichen.

Ich wusste gar nicht, dass man Krefeld auch mit C schreiben kann, als ich diesen Hafen auf unserer Karte entdecke. Was mich außerdem erstaunt: Er soll 7,0 m tief sein! Ein Druckfehler etwa?

Um mir Gewissheit zu verschaffen, rufe ich dort an.

Eine männliche Stimme mit leichtem ausländischen Akzent stellt sich als Hafenmeister vor. Auf meine Frage, ob der Hafen tatsächlich sieben Meter tief ist, kommt ein erstauntes: „Wie? Weiß ich gar nicht! – Aber wie ist denn ihr Tiefgang?“ Ich sage:“ 1,60 m.“ – „Das ist kein Problem! Kommen Sie ruhig.

Gesagt, getan….

Die Reise geht zunächst durch eine wenig spektakuläre Landschaft.

Plattes Land säumt rechts und links die Rheinufer, dazwischen Industrie, die aus ihren Schornsteinen weiße Dampf- bzw. Qualmwolken schnurgerade in den stahlblauen Himmel steigen lässt.

Um 10:45 Uhr sind wir in „Kölle am Ring„, womit der Kölner seinen viel besungenen Rhein meint.

Der Fluss ist hier sehr breit und gänzlich unbetonnt.

Wegen der vielen Frachtschiffe, die uns auch heute wieder überwiegend auf der falschen Seite fahrend mit Volldampf entgegenkommen, hält sich der Käptn schön rechts am Rand.

Während der Kölner Dom schon hinter der nächsten Brücke in Sicht kommt, spüren wir von unten plötzlich dumpfe Stöße und ein ganz ekelhaftes Knirschen. Wir schauen uns entsetzt an. Das ist Rheinkies, über den die Anima mea mit ihrem Rumpf rumpelt!

Ich flippe fast aus, aber der Käptn bleibt erstaunlich gelassen und steuert vorsichtig in die Mitte des Fahrwassers. Endlich hört das Knirschen auf und wir schwimmen erleichtert um Punkt 11 Uhr (elf ist ja die „Jeckenzahl“) am Dom vorbei.

Datt hät ja nochmol jot jejange!

Mer losse de Dom in Kölle…(an Rheinkilometer 688)

Nicht weit hinter der Kölner Altstadt nimmt die Industrie wieder stark zu.

Bei Kilometer 697 erkennen wir das Logo der Fordwerke in Köln-Niehl, gegenüber prangt mitten in der dampfenden Hexenküche von Bayer-Leverkusen ein Schild mit der Aufschrift „CHEMPARK-Europas Chemiepark“.

Bei Rheinkilometer 701 rauschen wir an Leverkusen vorbei, zwei Kilometer weiter mündet die Wupper in den breiten Strom.

Bei Kilometer 711 erscheinen die Bayerwerke in Dormagen, am gegenüberliegenden Rheinufer taucht das Städtchen Zons auf.

Das ist doch der Ort, wo die spannenden Zons-Krimis spielen!

Unter dem Künstlernamen Catherine Shepherd veröffentlichte die in Zons lebende Autorin bisher acht Bücher. Kalter Zwilling , Tiefschwarze Melodie oder Tränentod sind z.B. Titel von Geschichten, in denen Gegenwart und Vergangenheit von Zons miteinander verwoben werden.

In jedem Buch findet sich auch eine Skizze der mittelalterlichen Stadt, damit man die Schauplätze der Greueltaten lokalisieren kann. Zu gerne würde ich mal durch die echte Stadt Zons wandern! Vielleicht bietet sich ja eine Gelegenheit von Krefeld aus? Ist ja nur 43 km entfernt….

Doch vorher kommt ja noch die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen: Düsseldorf!

Düsseldorf und Köln, das ist wie Hund und Katze, wie Alt und Kölsch oder wie Hamburg und Bremen.

Aus unserer Jugendzeit kennen wir beide Städte recht gut.

Düsseldorf war immer die feinere und elegantere der beiden Städte.

Während meine älteren Düsseldorfer Cousinen schon in den frühen Sechzigern Wagner in der Deutschen Oper am Rhein hörten und sich nach dem Schick der teuren Einkaufsmeile „“ zu kleiden versuchten, lebte ich als kleine Landpomeranze im Kreis Aachen und war glücklich, als sie mich bei einem Besuch auf alt schminkten und dann in einen Doris Day Film schmuggelten, in dem die lustige Doris sich „Einen Pyjama für zwei“ mit Rock Hudson teilte. Ich war damals erst 11 und der Film war ab 12 Jahre frei gegeben. Aber alles ging gut und ich konnte mein Traumpaar im Düsseldorfer Kino erleben.

Die Düsseldorfer Altstadt hat die „längste Theke der Welt“ und eine Kirche mit einem „verdrehten“ Helm, die St. Lambertus heißt.

Trotzdem: Köln hatte auch viel Kunst und Kultur, war jedoch einfach entspannter, lustiger, bunter. Dort lag immer ein bisschen Karneval in der Luft. Allein schon, wie die Sprache klingt! Und die wurde ja mit den unschlagbaren „Bläck Fööss“ („Nackte Füße“) in der ganzen Republik bekannt.

Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, während wir an der Messe Düsseldorf vorbeifahren. Kran Willi steht dort am Ufer. Der holt wohl demnächst die Yachten für die Boot Düsseldorf von den Tiefladern und fährt sie in die Messehallen.

Als wir noch im Rheinland lebten, besuchten wir natürlich auch diese „weltgrößte Wassersportmesse“ und trafen dort die Frau des Weltumseglers Wilfried Erdmann. Das Paar wollte die nur 10,60 m lange, spartanisch ausgebaute Kathena nui, mit der Erdmann „Allein gegen den Wind“ um die Erde gesegelt war, verkaufen. Später trafen wir den mutigen Segler auf der Hanse-Boot in Hamburg wieder. Ein stiller, zurückhaltender Mensch, der fast zerbrechlich auf mich wirkte. Unglaublich, was er durchgemacht und geleistet hatte!

Nun schweben auch schon die Flugzeuge über uns hinweg.

Sie sind im Landeanflug auf den Flughafen Düsseldorf.

Hier waren wir zuletzt im Jahre 2010, als der Eyjafjallajökull auf Island ausbrach.

Wir waren auf dem Heimflug aus den Osterferien, die wir auf Zypern verbracht hatten. Als wir ins Flugzeug einstiegen, ahnten wir noch nichts von dem Unheil. Erst unterwegs erklärte der Flugkapitän, dass ein Vulkan eine riesige Staubwolke in die Atmosphäre entlassen hätte und wir nur bis München kämen. Alles weitere sei ungewiss.

Im Münchener Flughafen herrschte das totale Chaos. Irgendwann durften wir doch noch weiterfliegen, aber nur bis Köln oder Düsseldorf. So die vage Ansage während des Fluges!

Schließlich landeten wir in Düsseldorf. Von dort brachte uns ein Reisebus nach Hamburg-Fuhlsbüttel. Diese unbequeme Nachtfahrt machte die gesamte Erholung zunichte!

Nach weiteren 40 Minuten Rheinfahrt sind wir an der linksrheinischen Einfahrt zum Crefelder Yachtclub. Wir sind gerade zwischen dem ersten rot-grünen Tonnenpaar in der Zufahrt, da stecken wir auch schon im Schlamm fest.

Der Käptn gibt sanft Gas und versucht uns rauszurödeln. Doch Anima mea bewegt sich nicht von der Stelle. Ich stehe derweil vorne auf dem Bug und krieg fast die Krise!

Da ruft der Käptn: „Du musst hopsen!“ und ich beginne, auf- und abzuspringen, als wäre ich auf einem Trampolin. Da rutscht unser Schiff plötzlich aus dem Schlick und wir kratzen die Kurve. Nichts wie weg hier aus der verschlammten Fahrrinne zum angeblich sieben Meter tiefen Hafen!

Nun ist guter Rat teuer.

Noch 19 km bleiben uns bis zur Einfahrt in den Rhein-Herne-Kanal. Und vorher gibt es keinen Hafen für uns. Doch bevor wir in einen Kanalhafen können, müssen wir durch eine Schleuse. Entweder durch die Ruhrschleuse Duisburg in der Ruhr oder nördlich der Ruhrmündung direkt in den Rhein-Herne-Kanal durch die Schleuse Duisburg-Meiderich.

Natürlich haben wir uns auf unsere „Flusskreuzfahrt“ durch Deutschland ordentlich vorbereitet und bei www.elwis.de (Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes) Informationen zu den Schleusenbetriebszeiten und -erreichbarkeiten eingeholt.

Demnach wäre die Schleuse Duisburg-Meiderich derzeit gesperrt, was ein Anruf bestätigt. Aber wir können ja alternativ durch die Ruhrschleuse und von dort über ein kurzes Stück Ruhr in den Rhein-Herne-Kanal gelangen.

Und schon stecken wir in unserem nächsten Abenteuer, von dem ich morgen berichten werde!

 

 

 

 

  1. So eine Bootsfahrt ist doch immer ein richtiges Abenteuer. Haben heute an Euch gedacht, als ein paar Segelschiffe im strammen Westwind am Cap Corse vorbeisegelten. Was waren wir froh, an Land zu sein, schaukelt schon unser Dicker in den herabfallenden Böen. Weiter gute Fahrt

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