17.09.2019 Vom Rheingau ins Rheinland

Am Montag ist der Himmel ist grau und ein frischer Wind aus Nordwest steht gegen die starke Rheinströmung als wir den gemütlichen Hafen in Rüdesheim bei Rheinkilometer 525 kurz nach 8:00 Uhr verlassen.

Auf dem Rhein herrscht wieder reger Verkehr. Der Käptn steht an der Pinne und muss die Augen überall haben. Von hinten schieben sich die Frachtschiffe und Flusskreuzfahrer an uns heran und überholen dann mit Schmackes, so dass wir in den aufgequirlten Wellen wie Fury auf und abspringen.

Die entgegenkommenden Schiffe fahren fast alle auf der falschen Seite. Im Gegensatz zu den „Geisterfahrern“ auf der Autobahn dürfen sie das hier machen, wenn sie eine blaue Tafel ausgeklappt haben. Dann müssen wir ihnen nach links ausweichen, wobei wir natürlich aufpassen müssen, dass wir einem überholenden Schiff nicht vor den Bug laufen.

Warum die Schiffe auf der falschen Seite fahren? – Sie haben ja die Strömung gegen sich, was sich in den Kurven noch verstärkt. Deshalb dürfen sie bei besonders schlechten Bedingungen die Seite wechseln, um besser voran zu kommen.

Wir dagegen laufen in „Rauschefahrt“ mit der Strömung.

Mit nur 1500 Touren zeigt der „Tacho“ manchmal 17 bis 18 km/h. Das entspricht 9 bis 10 Knoten! Bei gutem Wind laufen wir normalerweise 5 bis 6 Knoten.

Während der Sausefahrt taucht am Steilufer eine Burg nach der anderen auf.

Gleich nach Rüdesheim grüßt die mächtige Burg Rheinstein zu uns hinunter, 10 Minuten später kommt Burg Hohneck bei Niederheimbach in Sicht. Nur fünf Minuten dauert es bis Lorch, wo gegenüber die Burgruine Fürstenberg thront.

Nach 10 Minuten wird es richtig wild! Stromschnellen bei Bacherach. Hier steht die Burg Stahleck.

Dann kommt eine besondere Rheinperle! Das Städtchen Kaub kann gleich mit zwei Burgen punkten: Die Burg Pfalzgrafenstein und Burg Gutenfels.

Die Burg Pfalzgrafenstein ist eine „Inselburg“ und steht auf der Rheininsel Falkenau. Sie wurde von Ludwig dem Bayern, Pfalzgraf bei Rhein, als Zollburg zur Überwachung des Schiffszolls gebaut und war nie eine Wohnburg wie z.B. die Burg Gutenfels. Diese steht als „Spornburg“ auf einem 200 m hohen Felssporn in 110 m Höhe über dem Städtchen Kaub.

 

Nach 10 Minuten blicken wir auf die Schönburg vor Oberwesel, dann nähern wir uns dem berühmten Loreley-Felsen bei Rheinkilometer 555.

Die Loreley

Es ist über 50 Jahre her, dass ich dort oben mit dem Kirchenchor meines Heimatdorfes im Rheinland stand und das „Loreley-Lied“ gesungen habe. Die Idee für diesen Ausflug hatte damals mein Lieblingslehrer Ludwig Kurenbach, der als Dorfschullehrer in den frühen sechziger Jahren noch verschiedene „Ämter“ wahrnehmen musste. So war er Schulleiter der zweiklassigen Dorfschule, aber auch Organist und Chorleiter in der Pfarrkirche St. Benno zu Hofstadt.

Damit er sonntags neben dem Hochamt nicht auch noch die Frühmesse und die Andacht begleiten musste, unterrichtete er mich im Orgelspiel. Der engagierte Lehrer und vorbildliche Mensch gab später den Ausschlag, dass ich selbst Lehrerin wurde. Als ich ihn 1974 auf der Rückreise aus einem Urlaub in der Schweiz in seiner Heimat im Siebengebirge besuchte, freute er sich sehr, dass er mich nun als „Kollegin“ begrüßen konnte.

Nun schaue ich den berühmten Schieferfelsen hinauf, aber die schöne Zauberin ist weder zu sehen noch ist ihr verlockender Gesang zu hören. Die gefährlichen Riffe, die den Rheinschiffern an dieser besonders engen Stelle in früherer Zeit Stoßgebete entlockten, sind längst gesprengt und so tritt auch nicht ein, was Heinrich Heine in der letzten Strophe seines Loreley-Lieds schreibt:

Ich glaube, die Wellen verschlingen

Am Ende Schiffer und Kahn.

Und das hat mit ihrem Singen

Die Loreley getan.

In St. Goarshausen folgt nun die malerische Burg Katz, gegenüber in St. Goar steht die Burgruine Rheinfels und dahinter auf der gleichen Seite wie Burg Katz die Burg Maus.

Über dem Wallfahrtsort Bornhofen stehen die Burgen Liebenstein und Sterrenberg, in Braubach die Marksburg und gegenüber von Lahnstein die neugotische „Hangburg“ Stolzenfels. Hier ist mein Schwiegersohn geboren und aufgewachsen und natürlich bekommt er per WhatsApp ein Foto von der Lahnmündung und einen Gruß!

Burg Stolzenfels

Dann sind wir auch schon in Koblenz und fahren am „Deutschen Eck“ vorbei, wo die Mosel in den Rhein mündet. Leider war es uns nicht vergönnt, durch den Vogesenkanal und die Mosel in den Rhein zu fahren, doch nach unserer herrlichen „Burgentour“ heute sind wir darüber nicht mehr traurig.

In Königswinter passieren wir den steilen, 321 m hohen Drachenfels mit der gleichnamigen Burgruine. Auch hier werden Kindheitserinnerungen wach. Das Reisen kommt wohl durch meine unternehmungslustigen Eltern, die jede Gelegenheit wahrnahmen, mir in nah und fern die Welt zu zeigen. Als wir einmal einen Ausflug ins Siebengebirge und an den Rhein machten, durfte ich auf einem Esel zur Burgruine hinaufreiten. Den bösen Drachen aus der Nibelungensage suchte ich dort oben jedoch vergeblich.

Der Drachenfels

Eine halbe Stunde später erreichen wir Bonn, die ehemalige Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Noch eine halbe Stunde später sind wir nach neun Stunden und 135 Kilometern an der Siegmündung angekommen. In einem Altarm dieses Flüsschens gibt es einen der schönsten Rheinhäfen, den sich drei Sportbootclubs teilen. Wir finden beim RYC ( Rhein-Yacht-Club Niederkassel-Mondorf) einen geschützten Platz für zwei Nächte. Zum Hafengeld von 12 Euro pro Nacht kommen noch ein Euro fürs Duschen und ein paar Euro für Strom hinzu. Gutes WLAN gibt´s gratis!

Ein Hafen mit Fontäne!

Im verträumten Mondorf können wir gut einkaufen und im Naturschutzgebiet rund um den Hafen schön spazieren gehen.

Morgen geht es weiter nach Krefeld. Das ist 103 km entfernt, doch der Alte Vater Rhein wird uns mit seiner mächtigen Strömung sicher schnell dorthin schieben.

Die Siegmündung. Im Hintergrund die Rheinfähre von Mondorf nach Graurheindorf am rechten Rheinufer.

 

 

 

 

  1. Danke für die Namen der vielen Burgen am Rhein. Als wir mit einem Ausflugsschiff auf dem Rhein fuhren, gab ich es auf, mir die vielen Namen der Burgen zu merken. 😀

    Liebe Grüße! Ingrid

  2. Auf dem Foto „Loreley“ ist fast links unten am Felsen eine kleine Figur auf Eurem Foto zu erkennen, dies ist die Loreley. Ich hatte sie auch oben gesucht, wurde dann über den jetzigen Standort der Figur aufgeklärt. 😀

  3. Liebe Christine, lieber Heinz,
    nun seid ihr in Köln und Leverkusen schon durchgerauscht …. Wir hatten uns vorgenommen, euch dort im Hafen zu besuchen. Leverkusen liegt bei uns (Monika und Klaus aus Wermelskirchen) um die Ecke.
    Falls ihr noch in der Nähe seid, bitte melden!

    Ich (Monika) bin eine von euren Followern, die seit Jahren euren Blog liest. Wir haben in Rocella Ionica bei euch angeklopft und am Abend dann zusammen Aperol Spritz genossen.

    Wir wohnen auf unserem Segelboot und fahren mit Verzögerung seit Jahren hinter euch her. Seit einem Jahr sind wir nun in Griechenland. Einige Zeit können wir euch noch folgen… und dann?

    Liebe Grüße

    Monika & Klaus
    SY Majunga

    • Hallo, Monika und Klaus! Klar erinnern wir uns noch an unser Treffen in Italien, wo der Blutmond schien und die Pizza 1m lang war! Das ist jetzt schon alles sehr weit weg und viel Wasser ist in Rhone, Saone und Rhein heruntergelaufen. Leider im Doub weniger! Jetzt sind wir schon im Rhein Herne Kanal und wollen morgen in den Dortmund Ems Kanal fahren. Wo seid ihr denn gerade? Auf eurem Schiff oder in Deutschland? Ich werde auf jeden Fall bis zum Ende unserer Reise berichten. Wie es dann weiter geht, weiß ich noch nicht. Unser Schiff braucht dringend eine Generalüberholung. Danach wollen wir wieder in der Ostsee segeln. Vielen Dank für eure Treue und liebe Grüße sowie Mast und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel Christine und Heinz

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