09.08.2019 Nachsitzen

ohne was ausgefressen zu haben, ist bitter!

Doch genauso fühlen wir uns seit unserer Rückkehr aus Colmar mit einem Abstecher nach Eguisheim. Auch so ein Bilderbuchort an der Elsässischen Weinstraße!

 

Nachdem wir am Freitagmorgen den Mietwagen bei Europcar abgegeben haben, bummeln wir noch ein paar Stunden durch Besancon und fahren dann mit dem Zug zurück nach Deluz.

Als wir das Schott herausnehmen, kommt uns wie üblich ein Schwall heißer Luft entgegen.

Die Hitze will einfach nicht enden und macht uns müde und antriebslos. Doch was sollen erst die armen Bäume um uns herum sagen? Besonders die an den steilen Kalksteinhängen links und rechts des Doubs-Tals. – Während die Pflanzen dicht am Fluss ja noch vom Tau, der in der Nacht fällt, profitieren, bekommen die Bäume dort oben wohl gar nichts mehr zum Überleben. Einige Bäume sind schon abgestorben und von den lebenden werfen schon viele ihre Blätter ab, um die Verdunstung zu reduzieren und das kostbare Nass im Stamm zu halten.

Entsprechend sinkt auch der Wasserstand im Fluss bzw. Kanal. Der graue Rand mit den eingetrockneten grünen Algen an den Mauern und Spundwänden beweist, dass schon seit langem das Wasser um mindestens 10 bis 20 Zentimeter abgesunken ist.

Frustrierend ist es auch, auf der Website des VNF herum zu klicken und kleingedruckte Tabellen mit Wasserstandmeldungen zu durchforsten. Mangels Wifi kann ich hier ja nur auf das Smartphone zurückgreifen und muss mühsam den Canal du Rhone au Rhin aus den vielen französischen Wasserstraßen herauspuhlen und dann nacheinander die Spalten mit den Informationen vergrößern. Aber positive Nachrichten? – Fehlanzeige! – Kann ja auch eigentlich nicht sein bei der Wetterlage….

Morgens raffen wir uns zu einem Spaziergang auf.

Einmal in Richtung Besancon bis zur Doppelschleuse Deluz. Ein schöner, schattiger Weg unter hohen Platanen!

Es ist der europäische Radwanderweg Nr. 6 von Nancy nach Budapest, auf dem viele Radfahrer unterwegs sind.

Das andere Mal geht es leider nur teilweise auf dem Radweg und größtenteils an der Straße ohne Schatten entlang in die andere Richtung. Zuerst kommen wir zur Schleuse Aigremont, hinter der unser „Unglück“ passierte. Dort bleiben wir nochmals an der neuen, roten Fahrwassertonne stehen und schauen nachdenklich ins klare Wasser des Doubs. Die gefährlichen Felsen am Rand der Fahrrinne schimmern dunkel auf dem Untergrund. Wenn man da entlang schrappt! Nicht auszudenken!

Dann reißen wir uns los und gehen noch ein Stück weiter bis zur Brücke vor der Schleuse Laissey. Sollten wir die demnächst ansteuern, muss bereits unter der Brücke auf die Fernbedienung gedrückt werden, denn es gibt keinen Wartesteg. Also sollte das Schleusentor möglichst schnell aufgehen!

Sollten wir die demnächst ansteuern…“ – Ja, richtig gehört!

Wir denken tatsächlich über einen Bootstransport von Deluz nach Breisach/Rhein nach. Denn so wenig Deluz auch an „Infrastruktur“ zu bieten hat: Immerhin steht hier der einzige Kran im Canal du Rhone au Rhin! Nur in St-Symphorien-sur-Rhone, wo wir in den Kanal hineingefahren sind und in Mulhouse, wo der Kanal endet, gibt es noch weitere Kräne.

Aber der Werftchef ist bis zum 19. August in Urlaub und der Kran in der Inspektion. Außerdem wollen wir am 13. August unbedingt in Hamburg sein, denn an diesem Tag wird unser jüngster Enkel eingeschult. Und wir haben ihm fest versprochen zu kommen.

So halten wir noch ein paar Tage durch im verträumten Deluz, schauen sehnsüchtig den wenigen Schiffen nach, die hier vorbeikommen und packen am Mittwoch den Koffer. Draußen zucken Blitze am Himmel und es rumpelt immer wieder in den grauen Wolken, die über Nacht aufgezogen sind. Sie bringen den langersehnten Regen, der den ganzen Tag über anhält.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um sechs Uhr. Es wird gerade hell und das Doubs-Tal gleicht einer Waschküche, aus deren Wiesen „der weiße Neger Wumbada“ die steilen Hänge hochsteigt.

Um 7:30 Uhr ist der letzte Reißverschluss an der Kuchenbude zugezogen und wir nehmen Abschied von unserer Anima mea. Vor allem dem Käptn kommt es immer ein bisschen wie Verrat vor, wenn wir sie „schutzlos“ irgendwo zurücklassen. Doch der Verstand sagt uns, dass ihr hier eigentlich nicht viel passieren kann und so marschieren wir durch den stillen Ort zur Bahn-Haltestelle. Pünktlich um 7:48 Uhr hält hier der Zug von Besancon nach Belfort Ville, in den wir als einzige Fahrgäste aus Deluz einsteigen.

Eine gute Stunde später sind wir in Belfort Ville. 10 Minuten Zeit haben wir, um in den Anschluss-Zug nach Mulhouse (Mülhausen) umzusteigen. Doch der wartet bereits auf dem Gleis gegenüber und nach zwei Minuten lassen wir uns wieder in einen der blauen, samtigen Sitze fallen. Während der Fahrt schauen wir wie schon im Zug vorher aus dem Fenster, wo der Blick über weite Strecken auf den Doubs oder den Kanal du Rhone au Rhin fällt. Eine Strecke, die wir heute in zwei Stunden zurücklegen, für die wir auf eigenem Kiel jedoch mindestens drei Tage benötigen werden, wenn….., ja, wenn wir es im September doch noch wagen.

In Mulhouse haben wir sieben Minuten Zeit zum Umsteigen in den Zug nach Straßburg.

Diesmal müssen wir eine Treppe hoch und dann wieder eine runter zum Gleis 2, wo gerade der Zug einläuft. Während der Fahrt schauen wir links auf die Vogesen und die Weingärten der Elsässischen Weinstraße, durch die wir vor ein paar Tagen mit dem Auto gefahren sind. Wir entdecken die drei Burgen in der Nähe von Eguisheim und halten kurz darauf in Colmar, wo das schöne Colmar-Hotel ganz in der Nähe des Bahnhofs liegt.

Nach einer Stunde Fahrzeit sind wir um 10:39 Uhr in Straßburg. Von außen gleicht der Bahnhof einer großen, plattgedrückten Diskokugel. Gleich gegenüber liegt unser Hotel Arok (www.booking.com ), in dem wir zwei Nächte verbringen werden.

Wir können erst um 15:00 Uhr unser Zimmer beziehen, aber ich habe gestern im Hotel angerufen, ob wir wenigstens unser Gepäck deponieren können, um die Stadtbesichtigung „unbelastet“ starten zu können.

Doch als wir uns an der Rezeption melden, sagt die junge Dame: „Sie können jetzt schon auf ihr Zimmer. Nach dem Telefonat gestern haben wir es bereits vorbereitet.“ 

So ein toller Service! Und das stilvolle Zimmer mit dem schönen Bad gefällt uns ebenfalls sehr gut. Frankreichs Drei-Sterne-Hotels sind bisher wirklich empfehlenswert was Ausstattung und Service betrifft!

Inzwischen ist es wieder sonnig und warm. Wir ziehen uns etwas Luftiges an und wandern durch die belebten Straßen zunächst zum Liebfrauenmünster, das 1176 bis 1439 im gotischen Stil aus rosa Vogesen-Sandstein errichtet wurde.

 

Ein imposantes Gebäude und ein neuer Edelstein in der langen Liste der von uns besuchten Kirchen.

Auch im Innern hat das Wahrzeichen des Elsasses einiges zu bieten: Die Schwalbennestorgel, der „Engelspfeiler“ und eine Astronomische Uhr. Doch unübertroffen sind für mich die kunstvollen, großen Glasfenster, die in wundervollen Farben leuchten.

 

Die Mittagspause verbringen wir im „Au Bon Vivant“.

Natürlich essen wir auch in Straßburg typisch Elsässisch und bestellen uns „Grumbeerekiechle“.

„Grumbeere“ sind Kartoffeln und „Kiechle“ sind Küchlein. Also den Schweizer Rösti entsprechende Kartoffelküchlein, zu denen für den Käptn Schinken und Käse und für mich eingelegter Hering – schmeckt wie Matjes -, eine große Crevette (Garnele) und Räucherlachs sowie eine kalte Zwiebelsoße und frischer Blattsalat gereicht werden. Sehr lecker!

Nach dem Mittagessen geht es ans Wasser!

Auch Straßburg liegt an einem Kanal. Es ist der Canal de la Marne au Rhin, der im Norden von Straßburg in den Rhein mündet.

Wie überall in Frankreich, sind auch in Straßburg die Kanalbrücken mit üppig bepflanzten Blumenkästen geschmückt. Nicht so der Barrage-Vauban (Vauban-Damm) über den Fluss Ill (großes I, zwei kleine „el“).

Der geniale königliche Baumeister Vauban, der sich ja auch die Festung in Besancon ausdachte, entwarf für Straßburg eine Schleusenbrücke, deren Bögen im Falle eines Angriffs durch Tore versperrt werden konnten. Das aufgestaute Flusswasser verwandelte dann die südlich gelegenen Gebiete in Sümpfe und machte sie so für den Feind unpassierbar.

Von der Terrasse dieses Bauwerks hat man einen tollen Blick auf die (früher) überdachten Brücken mit fünf mächtigen Wehrtürmen und auf das Straßburger Münster. Die Brücken wurden von 1230 bis 1250 an den vier Armen der Ill gebaut, um die Stadt gegen Angriffe aus dieser Richtung zu verteidigen.

Die überdachten Brücken

Allmählich werden wir müde. Wir sind ja schon seit sechs Uhr auf den Beinen und die Hitze macht uns zusätzlich zu schaffen. So besorgen wir uns in einer Boulangerie eine Tüte Croissants für das „Abendbrot“ und gehen ins Hotel zurück, wo wir es uns auf dem bequemen französischen Bett vor dem Flachbildschirm gemütlich machen.

Nach einer erholsamen Nacht und einem leckeren Frühstück gehen wir zum Place du Marche´aux Poissants, wo die „Bateaux Promenades“ liegen. Am Ticket-Automaten lösen wir einen Fahrschein für eine Bootsrundfahrt rund um Straßburg. Eine empfehlenswerte Art, diese schöne Stadt vom Wasser aus zu erleben und dabei viel über ihre wechselhafte Geschichte zu erfahren. So können wir auch einen Blick auf das „Quartier Europeen“ werfen, wo sich auch das Europäische Parlament und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte befinden.

 

Danach ist es Zeit für das Mittagessen.

Obwohl sich in den Straßen von Straßburg ein Restaurant an das andere reiht, ist es gar nicht so einfach, ohne Reservierung einen Tisch zu bekommen. Schließlich ist es schon 14 Uhr, als wir im „Lohkäs“ im malerischen Stadtviertel „Petit France“ einen Platz bekommen.

 

Im ehemaligen Gerberviertel mit seinen vielen alten Fachwerkhäusern kann man besonders gut in der Elsässischen Küche schwelgen. Der Käptn bestellt sich „Fleischkiechle“, die elsässische Variante der Frikadelle. Für mich gibt es mit Käse gratinierte Spätzle mit Blattsalat. In Verbindung mit einem Glas Bier bzw. einem „Viertele“ Weißwein sind beide Gerichte so gehaltvoll, dass wir uns anschließend müde und satt ins Hotel schleppen und dort auf unserem „Lotterbett“ in einen erholsamen Mittagsschlaf fallen, aus dem wir erst am Abend erwachen. Doch auch danach verspüren wir keinen Hunger mehr und so beschließen wir den Tag im Hotel.

Morgen geht unsere Zeit in Frankreich für´s erste zu Ende. Um 17:13 Uhr fahren wir mit dem ICE zunächst nach Mannheim und anschließend – nach 21 Minuten Umstiegszeit – weiter nach Hamburg.

In ein paar Wochen werden wir uns wieder auf den Weg nach Deluz machen, um entweder gemeinsam mit der Anima mea den Doubs und den Kanal du Rhone au Rhin hinter uns zu bringen oder unser Schiff nur zum Kran zu fahren, damit es auf dem Landweg zum Rhein gebracht werden kann.

Bis dahin:

Au revoir! Tschüss!

Und: Kiek mol wedder in!

 

 

 

 

 

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