31.07.2019 Durch die Vogesen

Tag 25-30

Das Sightseeing in Besancon am vergangenen Donnerstag ist eigentlich nur das „Sahnehäubchen“ unseres Stadtbesuchs.

Zu allererst machen wir uns nämlich auf den Weg zu Europcar, fußläufig 2 km vom Bahnhof Besancon-Viotte entfernt. Laut Google-Maps in 27 Minuten zu erreichen, woraus aber bei der Wahnsinns-Hitze fast eine Stunde wird.

Dort buchen wir ein kleines Auto, mit dem wir ab Montag eine Rundtour durch die Vogesen machen wollen.

Am Freitag schaffe ich es gerade noch so, drei Waschmaschinenladungen zu waschen und auf der Reling zu trocknen, dann zieht ein Gewitter auf.

In der Nacht zu Samstag und am Sonntag regnet es heftig und die Luft kühlt sich um satte 10 Grad ab. Wir ziehen seit Monaten wieder eine lange Hose an und frieren! Stellen sogar mal kurz den Heizlüfter auf, so sehr sind wir inzwischen an Hitze gewöhnt. Und freuen uns am Regen, der aber in der kurzen Zeit das fehlende Wasser im Kanal nicht ergänzen kann.

Am Montag fahren wir um 8:13 Uhr mit dem Zug von Deluz nach Besancon und dort mit dem Bus Linie 3 zu Europcar. Um 10:00 Uhr sitzen wir in einem kleinen, weißen Toyota und holen unseren fertig gepackten Koffer in Deluz ab. Dann sagen wir der Anima mea „Tschüss!“ und fahren zuerst nach Epinal.

Die kleine Stadt am Südwestrand der Vogesen ist durch einen Stichkanal mit dem Canal du Vosges (Vogesen-Kanal) verbunden. Dieser Stichkanal ist wegen Wassermangels schon lange gesperrt und auch im Canal du Vosges, den wir ja ursprünglich als Teil unserer Reiseroute favorisiert hatten, gibt es schon seit längerer Zeit Navigationseinschränkungen.

Auf ihrem Weg von der Quelle am Col de Bussang in den südlichen Vogesen fließt die Mosel, die hier noch Moselle heißt, durch Epinal. Zusammen mit dem Wasser des Flusses Coney wird das Moselle-Wasser für den Canal du Vosges genutzt.

Die Moselle in Epinal

Natürlich führt uns der erste Weg in Epinal zu einer der Moselle-Brücken, die mit üppigen Blumenkästen bestückt ist. Zusätzlich schmücken Flaggen der europäischen Länder den Fluss, der in Frankreich entspringt, dann die Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland bildet und schließlich in Koblenz in den „alten Vater“ Rhein mündet.

Der Hunger treibt uns nun in ein Imbissrestaurant auf dem Place des Vosges im Zentrum der Stadt, die um 980 wahrscheinlich durch die Bischöfe in Metz gegründet wurde.

Danach schauen wir uns gleich nebenan die Basilika Saint Maurice aus dem 11.-13. Jahrhundert an und spazieren gemütlich zum Parkplatz zurück.

Unser Eindruck: Epinal ist eine hübsche Stadt, aber ein bisschen mehr Leben zwischen den bunten Renaissance- und Jugendstilhäusern würde ihr sicher guttun.

Jetzt bereue ich es auch nicht, dass ich das Hotel für die erste Nacht nicht hier sondern in Rugney nordwestlich von Epinal gebucht habe.

Bis dort sind es noch 36 km durch die hügelige Kulturlandschaft mit gelben Stoppelfeldern und blumenübersäten Wiesen, in denen sogar Störche nach Heuschrecken und Fröschen suchen.

Rugney ist eines der vielen kleinen Dörfer im Departement Vosges, in denen die Welt noch in Ordnung zu sein scheint.

Die alten Häuser haben Wände aus hellem Kalkstein oder sind ockerfarben verputzt. Hellblaue oder rote Fensterläden und Holztore setzen Farbakzente. Aus Kästen und Kübeln quellen Geranien und Petunien. Im Schuppen stapelt sich das Feuerholz für den Winter und im Garten wachsen Tomaten und Rosen einträchtig nebeneinander.

Zu jedem Dorf gehört auch eine Kirche und oft ist auch noch der alte Waschplatz aus der Zeit, als es noch keine Waschmaschinen gab, erhalten. Einen Gasthof oder gar ein Geschäft sucht man in diesen verträumten Örtchen jedoch vergeblich.

So auch in Rugney, wo wir im „Chambres d´hotes Kayros“ für eine Nacht B&B bei www.booking.com gebucht haben.

Unser „Chambre Romantique“ mit Gartenblick befindet sich in der ersten Etage eines Bauernhauses aus dem Jahre 1832, das ein Lehrer namens Guillaume gekauft, liebevoll renoviert und ausgestattet hat.

 

Bei unserer Ankunft öffnet Marie Pierre, eine gute Freundin des Besitzers, der gerade selbst Urlaub macht, die kleine Pforte im großen Eisentor und begrüßt uns herzlich auf Französisch. Englisch oder gar Deutsch spricht sie leider nicht und ich bin wieder einmal froh, im Winter ein paar Brocken Französisch gepaukt zu haben.

Zwischen den Blumenkübeln im Vorgarten schreitet ein neugieriger Strauß über den Rasen. Federkleid und Größe lassen darauf schließen, dass er entweder noch jung oder ein Weibchen oder sogar beides ist.

Auch eine Gruppe schokoladenbrauner Laufenten, ein Hahn mit seinem Harem und ein Truthahn mit Gemahlin bevölkern das Gelände, auf dem ich absolut keinen „Schieterhaufen“ entdecke. Hat das Federvieh etwa gelernt, eine spezielle „Gartentoilette“ zu benutzen? Um das Marie Pierre zu fragen, fehlt mir leider das nötige Vokabular.

Die obere Etage des großen Hauses ist Feriengästen vorbehalten. Man kann eine Suite mit eigenem Bad oder zwei große Doppelzimmer mit einem gemeinschaftlichen Bad mieten. Wir haben eines der Doppelzimmer gemietet. Zum Glück sind wir momentan die einzigen Gäste und haben alles für uns allein. Wenn nur das Internet besser funktionieren würde! Es reicht gerade mal, um Emails zu checken, aber Bilder für den Blog hochladen klappt überhaupt nicht. Nicht nur in Deutschland macht also das Internet im ländlichen Raum Probleme!

Das „romantische“ Zimmer

Zum Abendessen müssen wir uns noch mal ins Auto setzen. Das empfohlene Restaurant „Dancourt“ im vier Kilometer entfernten Charmes hat heute leider Ruhetag. Bleibt nur das italienische L´Origano unter asiatischer Leitung. So gibt es mal wieder Pizza und Salat. Kein kulinarischer Hochgenuss, aber sehr sättigend und preiswert.

Dann fahren wir noch an den Canal du Vosges und schauen uns die Schleuse Charmes an. Mein Gott, ist die eng und dunkel!

 

Am nächsten Morgen hat Marie Pierre den Tisch im Esszimmer sehr stilvoll mit roter Tischdecke und dunkelgelben Stoffservietten gedeckt. Sogar Messerbänkchen stehen da neben der silbernen Zuckerdose und dem weißen Porzellan!

Der Kaffee kommt frisch gebrüht aus einer modernen Kaffeemaschine und schmeckt wie beim Italiener. Das Baguette und die köstlichen Croissants sind frisch und bestens geeignet, den Honig und die Konfitüren durchzuprobieren: Mirabelle, Blaubeere, Holunderblüte und – noch nie gegessen – Löwenzahnblüten überzeugen geschmacklich sogar mich, obwohl ich kein Marmeladenfan bin.

So gut gestärkt geht die Reise weiter Richtung Osten in den Parc naturel regional des Ballons des Vosges.

 

In diesem Teil der Vogesen gibt es hohe Berge über 1000 m, deren Gipfel durch vorzeitliche Gletscher  rund geschliffen wurden und Belchen (franz. Ballons) genannt werden.

Wir nehmen die „Route des Cretes“ (Kammstraße) und kommen zwischen dichten Wäldern und grünen Pisten mit verwaisten Skiliften bis zur höchsten Erhebung, dem Grand Ballon (1424 m), wo die Parkplätze voller Autos, Motor- und Fahrräder und die l´Auberges voller hungriger Touristen sind. Was in Epinal fehlte, ist hier fast schon wieder zu viel.

Dann geht es hinunter ins Tal, wo die Elsässer Weinstraße am Fuß der Vogesen verläuft.

Weingut mit Störchen

Wir fahren durch die grünen Weingärten und streifen Bilderbuch-Orte mit seltsamen Namen:

Soultz, Guebwiller, Rouffach und Pfaffenheim.

Wie Franzosen diese Elsässischen Ortsnamen wohl aussprechen?

Unsere „Marie“ im deutsch programmierten Garmin-Navi kann es jedenfalls nicht. Aber noch schlimmer ist es, wenn sie die französischen Straßennamen deutsch lautiert! Tres terrible!

Kurz nach 15 Uhr haben wir uns für heute „satt“ gesehen, fahren nach Colmar und checken dort für zwei Nächte im Colmar-Hotel ein.

Welcher Unterschied zur ersten Unterkunft!

Das Zimmer ist hell und modern. Das Internet funktioniert bestens und im ZDF läuft zum Vergnügen des Käptns das Fußballspiel Madrid gegen Tottenham.

Ganz in der Nähe ist der Bahnhof und dort auch das Restaurant L´Auberge, wo wir uns die Elsässer Küche und den köstlichen Riesling der Gegend schmecken lassen.

Heute Morgen sind wir dann nach dem wunderbaren Frühstück im Hotel Colmar in die Altstadt von Colmar gelaufen.

Staunend stehen wir zwischen den bunten Fachwerkhäusern, eins schöner als das andere. Dazwischen fließt der Lauch.

Der Lauch

Ein Fluss mit einem Gemüsenamen? Das passt! Denn Essen und Trinken sind in Colmar mindestens so wichtig wie die mittelalterlichen Häuser, das gotische Martinsmünster mit der Silbermann-Orgel oder das 1480 errichtete Koifhus. In dieser ehemaligen Zollstation wird heutzutage Elsässer „Rebensaft“ ausgeschenkt und auch wir probieren hier ein Gläschen gut gekühlten Riesling.

Das Koifhus

Das Martinsmünster

Beim Stadtbummel kommen wir auch an der Markthalle vorbei.

Der Lauch, rechts die Markthalle mit einem Freisitz für den Imbiss

Ein Paradies mit Spezialitäten aus der Region, deren Anblick einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt.

 

Hier versorgen wir uns für das Abendessen im Hotelzimmer: Quiche, Brezeln und Würstchen. Dazu eine Flasche Cremant aus dem Koifhus. Denn heute läuft im ZDF das Fußballspiel Bayern-München gegen Tottenham. Das können wir uns doch unmöglich entgehen lassen, bevor wir morgen wieder in die „Einöde“ von Deluz zurückfahren.

 

 

 

 

 

 

 

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