15.07.2019 La Confluence

Tag 11 – Tag 14:

La Confluence (Zusammenfluss) heißt der Stadtteil von Lyon, in dem wir diesen schönen Liegeplatz gefunden haben.

Blick auf den Port de Plaisance von einer der beiden Brücken, die das Hafenbecken überspannen.

Hier ist alles neu: Das Hafenbecken mit dem Port de Plaisance, das riesige Einkaufszentrum auf der einen und die schicken Wohngebäude auf der anderen Seite, die begrünte Uferpromenade mit Restaurants und Bars, das Rathaus der Region Auvergne-Rhone-Alpes, der silberglänzende, futuristisch wirkende Bau des Confluence-Museums und – neben dem „Orangen Würfel“(siehe letzter Blogbeitrag) – der „Grüne Würfel“ (Cube Vert), in dem der Fernsehsender Euronews seine Redaktionsräume hat.

Mut zur Farbe: Der grüne Würfel

2003 begannen hier die Bauarbeiten und verwandelten ein hässliches Industriegebiet in einen attraktiven, modernen Stadtteil mit interessanter Architektur. Zur Saone hin ist das Bauprojekt schon weitgehend abgeschlossen, während an der Rhone noch bis 2025 weitergebaut wird.

Am Samstag nutzen wir zunächst die guten Einkaufsmöglichkeiten im Confluence-Einkaufszentrum.

Der Carrefour-Supermarkt ist riesig und mehr, als gut sortiert. Auch ein umfangreiches Sortiment an Bio- und vegetarischen Produkten wird hier angeboten. In Frankreich ohnehin selbstverständlich, in Italien und erst recht in Griechenland leider Mangelware!

Gleich gegenüber entdecke ich einen Friseurladen. Nach einer dreiviertelstündigen Wartezeit, während der ich im französischen Klatschmagazin sowohl etwas über die Präsidentengattin Madame Brigitte Macron als auch über Noch-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen beim Treffen mit Jean-Claude Junker erfahre, hat meine Mähne – seit Sainte Maxime nicht mehr geschnitten – wieder „Fasson“.

Am Sonntag wollen wir uns die Stadt anschauen.

Wir nehmen den „Vaporetto„, eine Fähre, die regelmäßig zwischen La Confluence und dem Stadtzentrum verkehrt. Für vier Euro pro Person (einfache Fahrt) geht es über die Saone bis zur Brücke Pont Bonaparte.

Obwohl heute am Nationalfeiertag die Arbeit ruht, ist dort Markt. Das Angebot an französischem Käse, frischem Obst und Gemüse aus der Region sowie Imbissbuden mit verschiedenen Leckereien ist verlockend. Doch (leider) haben wir ausgiebig gefrühstückt und wandern daher gleich über die Brücke hinüber zur Kathedrale St.-Jean.

Hier steht zwar nicht Paul Bocuse am Herd, aber das schmeckt bestimmt auch sehr gut!

Durch das schöne Portal der hell strahlenden Fassade mit den beiden unvollendeten Türmen betreten wir einen lichterfüllten Raum, in dem besonders die vielen bunten Fenster faszinieren.


Kirchenfenster : Ob alt oder modern. Alle leuchten in intensiven Farben.

Danach schlendern wir durch die engen Gassen der Altstadt, in der es viele interessante Kunsthandwerksgeschäfte gibt. Schließlich war Lyon früher einmal ein Zentrum der Jaquard- und Seidenproduktion und so werden auch heute noch schöne Dinge aus diesen Stoffen hergestellt.

Was jedoch noch häufiger anzutreffen ist, sind Bouchons (so nennt man die für Lyon typischen Restaurants), Bäckereien und Feinkostgeschäfte.

Hier findet man zwar nicht das Sterne-Restaurant des Kochpapstes Paul Bocuse, doch noch nirgendwo haben wir so viele Sterne-Restaurants auf engstem Raum gefunden wie während unseres Rundgangs.

Auch im „Maison du Crible“ aus dem 17. Jahrhundert befindet sich neben einem Hotel ein 4-Sterne-Restaurant.

Wir jedoch erliegen heute der süßen Verführung!

Immer wieder lachen uns die rosa garnierten Tartes und Kuchen in den Fenstern der Bäckereien an. Dort, wo eine besonders lange Menschenschlange ansteht, stellen auch wir uns an und erstehen eine kleine Gebäckauswahl, die wir in einer Bar am Ufer der Saone zusammen mit einem Tässchen Cafe genießen.

Unsere Gebäckauswahl  

Die Geschichte zu diesem typischen Gebäck liest sich wie folgt:

1948 fielen dem Bäcker- und Konditormeister Auguste Pralus eine Handvoll zerkleinerter Lyoner Pralinen (die sind hier rosa und sehen aus wie kleine gebrannte Mandeln) in den aufgehenden Brioche-Teig.

Intuitiv vermischte er das ganze und schob es in den Backofen. Dort vollzog sich das Brioche-Wunder: Zucker, Mandeln und Haselnüsse verschmolzen mit dem luftigen Teig zu einer einzigartigen Geschmacks-Explosion! Der PRALULINE war geboren!

Inzwischen werden die Pralinen jedoch auch anderen Gebäcksorten beigemischt, wie es bei unserem Sortiment der Fall ist. Schmeckt ganz lecker, aber eine „Geschmacks-Explosion“ erschüttert nun doch nicht unseren Gaumen. Wir hätten vielleicht doch einen echten Brioche probieren sollen!

Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg zur „Funiculaire“.

Das ist die Zahnradbahn, die einem das Treppensteigen hinauf zur Wallfahrtskirche Notre-Dame de Fourviere erspart. Sie ist der Jungfrau Maria geweiht und liegt auf dem Fourviere-Hügel, von dem sich eine tolle Aussicht auf die Stadt eröffnet.

Die prachtvoll gestaltete Basilica steht heute an der Stelle einer kleinen Marienkapelle aus dem Jahre 1168.

Als Lyon im 17. Jahrhundert von einer Pest-Epidemie heimgesucht wurde, gelobte der Stadtrat im Falle der Rettung eine alljährliche Dankprozession zur Kapelle abzuhalten, was bis heute am 8. September erfolgt. Inzwischen nehmen daran auch viele auswärtige Pilger teil, wie die verschiedenen Marienfiguren aus den Wallfahrtsorten der ganzen Welt in der Krypta veranschaulichen.

Im Laufe der Zeit wurde die Kirche immer mehr vergrößert und weiter verschönert. Ein Anlass dazu war z.B. der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Die Bürger von Lyon schworen, das Heiligtum zu vergrößern, falls sie von preußischer Besatzung verschont blieben, was dann auch geschah.

Während in der schlichten, gotischen Kathedrale einzig die bunten Glasfenster als Schmuck hervorstechen, glitzern hier an der Decke und an den Wänden prachtvolle Mosaike. Und so gehört diese Kirche auch verdientermaßen gemeinsam mit der Kathedrale und der Altstadt von Lyon zum UNESCO Weltkulturerbe.

Ein Gruß an unsere Followerin Emily Star, die gerade von ihrer Pilgerreise auf dem Jakobsweg berichtet: Das Mosaik mit dem Heiligen Jakob aus Santiago de Compostela füllt eine ganze Wand in der Krypta.

Nun haben wir uns vom modernen Lyon in La Confluence über das großartigste Renaissance-Viertel Frankreichs in der Lyoner Altstadt mit der spätgotischen Kathedrale zum Ursprung dieser schönen Stadt „hochgearbeitet“. Denn auf diesem Hügel hier entstand vor fast 3000 Jahren im Anschluss an einen Handelsplatz der Phönizier und Griechen die Hauptstadt der römischen Provinz Gallia Lugdunensis.

Sie hieß Lugdunum, woraus später Lyon wurde. Übersetzt heißt Lugdunum „Hügel der Raben“, womit klar ist, dass Lyon nicht von „Löwe“ kommt, obwohl es einen Löwen im Stadtwappen zeigt.

Zu einer anständigen römischen Stadt gehörte natürlich auch ein Amphitheater (10-15 n. Chr.), das hier oben kostenlos zu besichtigen ist.

Schon bevor wir es erreichen, dringt orientalische Musik an unser Ohr. Dann sehen wir auch schon die Bühne, auf der eine Gruppe athletischer junger Männer modernen Ausdruckstanz vorführt. Das läd zum Verweilen in diesen alten Trümmern ein, bis wir und das restliche Publikum von einer jungen Aufsichtsperson hinausscheucht werden.

Das Amphitheater

Die Tänzer

Komisch, denn es ist gerade mal 17 Uhr und eigentlich sollte bis 21 Uhr geöffnet sein. Aber heute ist ja Nationalfeiertag und vielleicht findet hier zu diesem Anlass eine Veranstaltung statt.

Mit der Zahnradbahn geht es wieder hinunter und dann über die Brücke Bonaparte zum Place Bellecour, denn bis zur nächsten Abfahrt unseres Vaporettos ist noch Zeit.

Diese große freie Fläche erinnert an einen Aufstand der Bürger gegen das revolutionäre Regime in Paris. 1793 starben hier mehrere tausend Menschen und ein ganzes Stadtviertel wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Seit 1826 sitzt hier wieder Ludwig XIV. auf seinem hohen Ross, nachdem sein Vorgänger auf Befehl der Revolutionäre für Kanonen eingeschmolzen wurde.

Dem neuen Ludwig zu Füßen sitzen jedoch noch immer die Original-Bronzen von Saone und Rhone, die von den Lyoner Bürgern vor den Revolutionären versteckt wurden. Im Volksmund wird das Standbild nur „das Pferd“ genannt und man verabredet sich hier mit den Worten: „On se retrouve au cheval?“ („Treffen wir uns beim Pferd?“).

Nun sitzen wir auch beim Pferd, schauen auf sein Hinterteil, trinken einen Spritz bzw. ein Bier und sinnen darüber nach, was die eine der Bronzen, nämlich die Saone, an Abenteuern für uns bereithält.

 

Einen schönen Abschluss unseres Lyon-Aufenthalts bildet um 22:30 Uhr das prachtvolle Feuerwerk zu Ehren des Nationalfeiertags. Wie zu Silvester krachen bis in die späte Nacht im Hafen die Böller und die Jugend feiert die Grande Nation.

 

Am Montag bleiben wir noch einen Tag in La Confluence, denn der Mistral bläst mal wieder heftig. Doch dann müssen wir weiter.

Im Canal du Vosges wird nämlich schon das Wasser knapp!

 

 

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