03.05.2019 Auf die Plätze…

fertig, los! – Der Startschuss fällt zur Feier des Tages genau am 1.Mai.

Großeinkauf vor dem Start. Unser Salon ist so voll, dass er schon blau angelaufen ist!

Wir verlassen den Porto Turistico di Roma um 10 Uhr morgens und erreichen den gepflegten Porto Turistico Riva di Traiano Spa um 15:30 Uhr. Die ersten 28,8 Seemeilen auf dem Weg nach Hause liegen hinter uns.

Wir bekommen einen Liegeplatz am gleichen Ponton wie beim ersten Besuch vor zwei Jahren. Und genau wie damals liegen hier noch immer die Segelyacht „Magnificat“ und die Motoracht „Anima„. Als ich auf dem Weg zum Hafenbüro an ihnen vorbei gehe, liegt Musik in der Luft, denn in meinen Ohren erklingt VivaldisMagnificat, Anima mea!“

Hier könnte man es auch länger aushalten, aber der Wetterbericht gibt uns noch einen Tag, um problemlos weiterzukommen. Dann rückt schon das nächste Sturmtief an.

Also geht es am nächsten Morgen bereits um 8 Uhr ohne Frühstück hinaus aufs blaue, sanft gekräuselte Mittelmeer. Es weht immer noch ein eisiges Lüftchen, aber die Sonne scheint und die Fließjacke wärmt. Auch wenn es wieder mal eine reine Motorfahrt wird, macht die Reise Spaß.

Ein kurzes Stück nördlich von Traiano liegt die Industriestadt Civitavecchia mit ihrem Kreuzfahrtterminal. Hier steigen die Kreuzfahrttouristen in Busse und werden zum Sightseeing nach Rom gekarrt. In den größten Kreuzfahrtriesen, höher als manches Haus im Hintergrund, passt die Bevölkerung einer ganzen Kleinstadt. Wenn so ein Ding untergeht! Man mag gar nicht darüber nachdenken, was sich dann an Bord abspielt…

Etwa 10 Meilen vor der Halbinsel Monte Argentario – ein teilweise versunkener Berggipfel – begegnen wir einer Flotte von Fischerbooten. Behäbig ziehen sie an uns vorbei, ihre Netze hinter sich herschleppend. In ihrem Gefolge zwei Delfine. Während sie parallel zueinander schwimmen, springen sie  immer wieder aus dem Wasser, wobei ihre bräunlichen Körper in der Sonne glänzen. Hoffentlich geraten sie nicht in eines der Fischernetze!

Es ist noch früh am Tag und wir überlegen, ob wir die Zeit nicht nutzen sollen, um an die 40 Meilen bis Marina di Cala Galera weitere 40 Seemeilen dranzuhängen. Die Marina di San Rocco in der Nähe des Ortes Marina di Grosseto wäre da eine preiswerte Alternative zur Marina di Cala Galera im Südosten des Argentarios.

Als ich in der Marina di San Rocco anrufe, werde ich erst mal vertröstet. Ich soll mich in einer Stunde nochmals melden. – Komisch, es ist doch noch früh im Jahr und kaum Betrieb auf dem Wasser. Sind dort etwa schon die 56 Gastliegeplätze vergeben?

Nach einer Stunde rufe ich wieder an. – Die Dame am anderen Ende der Leitung krächzt etwas überwiegend Unverständliches ins Telefon und legt auf. Ich habe aber immerhin etwas von „uno momento“ verstanden. Wahrscheinlich will sie jetzt erst nachfragen und mich dann zurückrufen? – Tut sie aber nicht! – Ich versuche es nochmal. Tja, und jetzt bekomme ich eine relativ schroffe Absage ohne nähere Begründung außer: „Wir haben keinen Platz für Sie.“

Also doch Marina di Cala Galera. Dort haben wir reserviert und auf jeden Fall den geschütztesten Hafen weit und breit.

Gegen 14 Uhr – der Wind hat inzwischen auf vier Beaufort aus Süd zugelegt – bergen wir das Groß und steuern die Marina an.

Porto Ercole von See aus gesehen

Auf dem Weg zur Marina di Cala Galera lassen wir Porto Ercole an Backbord. Das Hafenstädtchen zwischen dem Forte La Rocca und dem Forte San Filippo ist voll in italienischer Hand. Ein Gastliegeplatz ist hier kaum zu ergattern.

Ich melde uns über UKW-Kanal 09 in der Marina an und frage nach, ob die Tankstelle geöffnet hat. – Nein, sie haben bis 15:30 Uhr Pause. – Ich frage, ob wir dort anlegen dürfen, um zuerst zu tanken und dann an unseren Platz zu fahren. – Ja, wird dürfen.

Nun heißt es vorsichtig in den Hafen zu steuern. Dabei gut nach Steuerbord halten, denn am Molenkopf an Backbord breitet sich eine deutlich zu erkennende Sandbank in die Einfahrt aus. Aber bei dem ruhigen Wasser ist das alles kein Problem. Und an der Tankstelle steht auch schon jemand und winkt zu uns herüber. – Auch das Anlegemanöver klappt gut, obwohl uns der zunehmende Südwind ordentlich auf die (gut abgepolsterte) Mauer drückt.

Um 14.20 Uhr liegen wir fest. Der Helfer verschwindet wieder in seine Mittagspause, der Käptn entspannt sich im Cockpit und ich bummle an der „Geschäftsmeile“ runter und wieder zurück. Alles da: Schiffsausrüster, Volvo-Penta-Laden, Charterfirmen, Modeläden, Restaurants, eine Bar, ein kleiner Supermarkt und pieksaubere Sanitäranlagen.

Um 15:30 Uhr kommt ein junger Mann, bittet um Entschuldigung und erklärt, dass leider kein Diesel zur Verfügung steht. Morgen könnten wir aber wieder tanken. Seltsam, dass man das jetzt erst bemerkt hat! – Wir haben es nach sechs Jahren jedoch aufgegeben, die Logik solcher Erklärungen zu hinterfragen. Auf zum Liegeplatz!

Mittlerweile hat der Wind deutlich zugenommen. Er drückt uns so stark auf die Mauer, dass die Scheuerleiste einen quietschenden Schmerzensschrei von sich gibt, als der Käptn rückwärts gibt. Abhalten geht gar nicht mehr! Völlig machtlos und mit angehaltenem Atem beobachte ich, wie sich der Bug beharrlich zur Mauer neigt und der Anker nur wenige Millimeter über den dicken Poller am Mauerende hinwegschwebt. Auf gut Kölsch: „Hätt noch ens joot jejange!“

Unser Liegeplatz liegt nur einen Katzensprung von der Tankstelle entfernt, gleich beim Kontrollturm, in dem sich auch die Rezeption befindet.

Hier werde ich freundlich begrüßt und sogar wiedererkannt. Das heißt, die Anima mea wird wiedererkannt. Ist sie doch vom letzten Besuch im Computer gespeichert. – Als „alte Kunden“ bekommen wir auch einen guten Preis, nämlich statt 42 Euro Vorsaison-Preis-Frühling den Vorsaison-Preis für Herbst. Macht 38 Euro alles incl. außer Wifi. Das gibt´s in der kleinen Bar (zum Aperol Spritz).

Zurück an Bord geht uns auch bald ein Licht auf, warum wir keinen Diesel bekommen haben.

Es legt nämlich eine fette Motoryacht nach der anderen an der Tankstelle an, um ihre 1000-Euro-Scheine abzuliefern. Da konnte man natürlich auf 40 Liter für die Anima mea nicht verzichten!Einer von den Dieselschluckern.

Na ja, wir gehen demnächst mit unseren Kanistern hin. So, wie es einer der Gastlieger heute Morgen schon gemacht hat.

Ansonsten haben wir hier bestes Hafenkino.

Wir beobachten, wie sich eine Yacht nach der anderen durch das mittlerweile aufgewühlte Fahrwasser in die Marina hineinkämpft. Eine will sogar hinaus und fährt mit wilden Bocksprüngen hinter der Mauer entlang in Richtung Süden, wo der Wind gerade herkommt.

Kurze Zeit später kehrt sie wieder zurück und läuft sofort die gegenüberliegende Werft an. Schnell rollt der Kran heran und hebt sie aus dem Wasser. Der Rumpf wird untersucht. Das war´s! Fürs Erste sind die Segelabenteuer beendet.

Wer nicht (auf den Wind) hören will, muss (den Grund) fühlen.

Ansonsten ist diese Marina am Südrand der Toskana ein Ort der Ruhe und Entspannung. Außer dem Heulen des Windes und dem Klappern der Fallen an den Masten gibt es hier keine störenden Geräusche.

Viele Römer haben hier einen Dauerliegeplatz für ihre Yacht, denn mit dem Auto ist Rom nicht weit entfernt.

Sie fahren dann über einen der drei „Tomboli„. So heißen die Landzungen, die der Fluss Albegna aus den Bergen kommend mit seinen Schlamm-, Schutt- und Geröllmassen im Laufe der Zeit bildete und aus der antiken Insel Argentario eine Halbinsel machte.

Auf dem mittleren Tomboli liegt die Lagunenstadt Orbetello. Dorthin fährt von hier aus ein Bus.

Morgen soll der Wind eine kleine Pause machen, bevor er am Sonntag mit angesagten 8 bis 9!!! Beaufort in den Böen losbrüllt. Er soll aus Westen kommen. Von uns aus hinter dem 635 m hohen Monte Argentario.

Wie gesagt: Der geschützteste Hafen weit und breit…

 

 

 

 

  1. Schøne Gruesse von Roy & Hélèn Ihrne Nachbarn, wir sind inzwischen nach 6 stunden Surfen auf die grosse Wellen in Riva di Traiano angelegt. Die ganze Weg mit dem Hand steuern.
    Morgen weiter nach Porto di Roma. Donnerstag schon wieder Strum angesagt.
    Gute Fahrt.
    Ciao

    • Hallo! Wir sind heute bis Punta Ala gekommen. Eine richtige Edelmarina. Und sehr ruhig und gepflegt. Kann leider eure Blog-Adresse nicht mehr finden. Schickt ihr sie bitte per Mail noch mal? Gute Weiterreise und viel Glück in Griechenland!

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