03.03.2019 Schietwetter!

Kaum hat sich der Februar einen strahlenden Abgang verschafft, zeigt der März wieder mal, dass „metereologischer Frühlingsanfang“ nur eine hoffnungsvolle Vokabel der Wetterfrösche ist. Die Wahrheit da draußen ist nass, kalt und stürmisch.

Arme Karnevalsjecken! Der Rosenmontagsumzug wird nicht lustig!

In Rom könnte unsere Anima mea unter ihrer grünen Plane allerdings schon ins Schwitzen kommen. 18°C und wolkenloser Himmel sagt „Windy“ dort für morgen voraus. Unser Schiff ist wirklich zu beneiden!

Mit jedem Tag steigt jetzt unsere Vorfreude auf das Wiedersehen, während wir fleißig unsere To-Do-Liste abarbeiten.

Im Februar fahren wir deshalb wieder einmal nach Lübeck zu A.W. Niemeyer.

Zwar haben wir in Hamburg auch eine Niederlassung dieses bekannten Schiffsausrüsters, kaufen jedoch schon seit Jahrzehnten in Lübeck ein, vor allem, weil wir dort stets gut beraten wurden.

So auch, als wir uns im neuen Jahr Gedanken (Intuition!) über unsere UKW-Funkanlage machen.

Da zu Beginn unserer geplanten Tour durch die französischen und deutschen Binnenwasserstraßen der Mast gelegt werden muss, kommt uns in den Sinn, dass wir dann ja auch keine Funkantenne und somit keinen Empfang mehr haben würden.

Beim Durchblättern des neuesten Niemeyer-Katalogs stoßen wir auf Seite 164 auf diverse UKW-Handfunkgeräte, auch telefonisch und in ATIS Versionen bestellbar.

ATIS? Noch nie gehört!

Die Recherche im Internet ergibt: ATIS ist die Abkürzung für Automatic Identification System/Automatisches Sender Identifizierungs-System für eine Binnenschiffsfunkstelle. Seefunkanlagen dürfen weder in Frankreich noch in Deutschland nicht benutzt werden!

Aha! Also auf zu Niemeyer und eine Handfunke mit ATIS Version kaufen!

Was nicht im Katalog steht, was jedoch der fachkundige Niemeyer-Mitarbeiter weiß: Handfunkgeräte sind in Deutschland überhaupt nicht zugelassen.

Meine Frage:“ Und warum verkaufen Sie die dann?“ – Antwort: Grinsen und Schulterzucken. Vielleicht für Leute, die im Ausland unterwegs sind….?

Jedenfalls ist damit die „einfache Lösung“ für uns gestorben.

Um in Zukunft wenigstens den Empfang zu sichern, verlassen wir mit einer „Emergency VHF Antenne/UKW-Patronen-Notantenne“ für unsere fest eingebaute Simrad RS 8300 RS – Seefunkstelle – von mir liebevoll „Quatsche“ genannt, um 59,99 Euro leichter etwas frustriert das Geschäft.

Ich will aber einfach nicht glauben, dass so ein großer Laden Handfunkgeräte in Deutschland anbietet, obwohl man die hier gar nicht benutzen darf!

Also rufe ich bei der Bundesnetzagentur an.

Der nette Herr Ostendarp findet uns auch schnell in seinen Akten, da wir ja seit vielen Jahren eine Seefunkstelle mit entsprechendem Rufzeichen sowie eine EPIRB an Bord haben. Eine ATIS Kennung war uns bisher allerdings noch nicht zugeteilt worden!

Würden wir mit dem veralteten Simrad-Gerät auch gar nicht nutzen können, stellt Herr Ostendarp fest. Und ja: Handfunkgeräte sind in Deutschland tatsächlich nicht zugelassen. Also bliebe nur die Alternative, das alte gegen ein neues Gerät auszutauschen. Denn wer per UKW-Funk bei der Schleuse anruft und keine ATIS-Nummer sendet, bekommt ohne Vorwarnung eine saftige Strafe!

Dann lieber ein neues Gerät kaufen!

Nun geht alles relativ schnell:

Herr Ostendarp gibt mir telefonisch die neu kreierte ATIS Kennung und die MMSI für unser Rufzeichen DJ7340 auf der ANIMA MEA.

MMSI? fragt jetzt vielleicht der hoffentlich noch interessierte Leser.

Tja, mit solch trockenem Quatsch muss man sich an kalten Schietwettertagen halt beschäftigen, bevor man bei säuselnden Winden auf dem Vorschiff liegt, während die traumhaften Küsten an Steuer- oder Backbord vorbeiziehen!

Also: MMSI ist die Abkürzung für Mobile Service Identity.

Unsere MMSI lautet 211598530, ist unsere weltweit gültige Rufnummer des mobilen Seefunkdienstes und kennzeichnet unsere Seefunkstelle im GMDSS = Global Maritime Distress and Safety System.

Mit MMSI und ATIS Kennung auf dem Notizzettel fahren wir wieder nach Lübeck und kaufen ein neues Funkgerät der Marke ICOM IC-M330GE DSC/ATIS mit der Bitte, es doch gleich mit den beiden Nummern für uns zu programmieren.

Unsere neue Quatsche im Niemeyer Katalog, wo auch die Handfunkgeräte zum Kauf angeboten werden.

„Ja, dann geben Sie mir doch bitte die Zuteilungsurkunde der Bundesnetzagentur„, meint der nette Filialleiter bei Niemeyer/Lübeck.

„Mit der können wir leider noch nicht dienen, keine Ahnung, wann die kommt, aber die Nummern haben wir auf dem Zettel!“

Stirnrunzeln….“Wenn die Nummern nicht korrekt sind und falsch eingegeben werden, kann man das kaum noch ändern!“ – „Die Nummern stimmen! Wenn Sie keinen Fehler machen, müsste es in Ordnung gehen!“ – Dann verschwindet der Filialleiter für 10 Minuten in seiner Klause und erledigt den Auftrag kostenlos. Alte Kunden halt. Danke!

Am 19. Februar kommt dann die neue Zuteilungsurkunde per Post. 40 Euro Gebühren werden fällig und die Ansage, dass die Urkunde an Bord mitgeführt werden muss und die alte Urkunde an die Bundesnetzagentur zurückzugeben ist.

Hoffentlich finde ich die noch in einem Ordner irgendwo auf der Anima mea!

Dank des häufigen Hamburger Schietwetters fällt es auch nicht schwer, in den neuesten „Schmökern“ zu stöbern.

Sie landeten zu Käptns Geburtstag und zu Weihnachten auf dem Gabentisch, um uns rechtzeitig auf die große Binnenwasserfahrt vorzubereiten.

Die neuesten Schmöker heißen „Binnenkarten Atlas 10, 9, 6 und 4“ und werden in dieser Reihenfolge von Süd nach Nord zum Einsatz kommen.

Da erfährt man im Vorspann allerlei nützliche Dinge! – Zum Beispiel die Telefonnummern der Schleusen und Häfen in den Kanälen und Flüssen. Sehr hilfreich, falls es mit der neuen UKW-Funkanlage doch nicht klappen sollte…. Und da steht auch, dass man sein Sportboot auf deutschen Binnenwasserstraßen kennzeichnen muss, wenn es länger als 5,5 m ist und mit mehr als 3 Pferdestärken durch´s Wasser schiebt.

Natürlich kann man sich so ein Kennzeichen nicht selbst ausdenken. Es muss schon etwas Amtliches sein, wobei „viele Wege nach Rom führen“.

Unser Weg führt über das „Flaggenzertifikat„, das bisher in den Häfen Europas vorgelegt werden musste. Eine (teure) Eintragung ins Schiffsregister blieb unserer Anima mea erspart, da sie zwar länger als 5,5 m, aber kürzer als 15 m ist.

Die Nummer unseres Flaggenzertifikats gefolgt vom Buchstaben F (=Flaggenzertifikat) bildet also das Kennzeichen der Anima mea. Die mindestens 10 cm hohen Zahlen und Buchstaben kaufen wir ebenfalls bei Niemeyer. Die beiden passenden Brettchen – für jede Bugseite eins – muss der Käptn noch im Baumarkt besorgen.

 Das amtliche Kennzeichen der Anima mea

An schönen Tagen finden wir in unseren Schmökern aber auch gute Ausflugstipps!

So fahren wir an einem dieser traumhaft schönen Februartage zum Elbe-Lübeck-Kanal und schnacken mit dem Schleusenwärter.

Die erste Schleuse im Elbe-Lübeck-Kanal wird die Schleuse in Lauenburg sein.

Danach geht es weiter zum Schiffshebewerk Scharnebek im Elbe-Seiten-Kanal.

Das wird bestimmt aufregend, wenn wir mit der Anima mea im „Topf“ nach unten schweben!

Da unten müssen wir dann hin!

Den letzten Besuch bei HanseNautic/NV Verlag in Eckernförde verbinden wir mit einem Abstecher nach Husum an der Nordseeküste.

Storms „Graue Stadt am Meer“ erstrahlt im gleißenden Sonnenlicht, die berühmte Krokusblüte im Schlosspark zeigt sich in voller Pracht und in einem Storchennest in der Nähe von Husum sonnt sich an diesem 26. Februar bereits ein Storchenpaar.

Rund ums Husumer Schloss lässt der Frühling sein lila Band flattern.

Und weil das zauberhafte Wetter nicht enden will, machen wir im Hinblick auf die „ferne Zukunft“ noch einen Ausflug an die Ostsee nach Boltenhagen.

Hier erinnert nichts mehr an die alte DDR!

Im kleinen Fischerei- und Sportboothafen leuchten die roten Fischerbuden wie gekochte Hummer.

Die Hausbootflotte spiegelt sich zusammen mit einzelnen Segelyachten im klaren Ostseewasser und wir lassen uns in der Räucherei „Kamerun“ ein Fischbrötchen schmecken.

 

Später genießen wir im Strandkorb vor der Hotelanlage ein feines Tortenstück und träumen den alten Traum von der Umrundung der Ostsee.

Faules Rentner-Life!

Auch bei Schietwetter wird uns das sicher großen Spaß machen! Denn hier gilt ja die Devise:

Es gibt kein Schietwetter. Es gibt nur falsche Kleidung!

Kiek mol wedder in!

Am 11. April fliegen wir nach Rom zurück….

  1. Guten Tag Christine und Heinz,
    das liest sich alles sehr kompliziert. Was sind wir froh, an Land unterwegs zu sein (auch weil da die Straßen selten Wellen schlagen). Während Ihr beide nach Süden unterwegs seid, werden wir am 13.4. mit dem Schiff (!) nach Venedig fahren. Genießt noch den Frühling zu Hause.
    Liebe Grüße aus Delphi, bei mittlerweile schönstem Frühlingswetter, schicken
    Susanne und Peter

    • Hallo!
      Na ja, im Funkverkehr herrschen strenge Regeln. Kann ja nicht jeder so einfach „dazwischen funken“!
      Hier hat sich der Frühling erstmal verabschiedet. Sturm und Regen!
      Da sieht es im schönen Delphi bestimmt besser aus. Einer der beeindruckendsten Orte in Griechenland!
      Nun seid ihr ja richtige Kreta-Experten. Leider waren wir nur eine Woche dort. Wären gerne länger geblieben, aber, wie ihr schon richtig erkannt habt: Unsere Straße hat Wellen. Und die bestimmen oft, ob und wann es weitergeht.
      Macht´s gut und vielen Dank für die Likes!
      Christine und Heinz

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