23.06.2018 Ionische Insel in Sicht!

Die 29 Seemeilen von Kiparissia bis Katakolon muss der Motor wegen der schwachen Brise mitlaufen.

Schon von weitem ist die lange Steinmole auszumachen und gerade steuert ein Kreuzfahrtschiff den großen Hafen an.

Als auch wir dort ankommen, hat die MSC Musica bereits festgemacht und weiße Busse rollen an, um die Kreuzfahrer aus aller Welt zügig nach Olympia zu karren.

Wer mehr Zeit für den Landgang hat, könnte aber auch mit dem Zug zu der antiken, nur 25 km entfernten Sportstätte gelangen.

An der Mauer des Yachtbeckens hängt ein Schild mit dem Hinweis, dass sich Yachten über Kanal 12 bei der Port Authority melden sollen. Ich versuche es, weil ich fragen möchte, ob wir eventuell irgendwo längsseits anlegen können, erhalte jedoch keine Antwort.

Na gut, dann fahren wir eben zum nördlich des Hafens gelegenen Ankerplatz, wo wir auf vier Metern Wassertiefe den Anker werfen, während sich über Land schon wieder bedrohliche Gewitterwolken zusammenballen. Mit Blitz, Donner, heftigen Windböen und ein paar Regentropfen wälzen sie sich später über uns und die verwaiste MSC Musica hinweg, auf deren Oberdeck auf einem riesigen Bildschirm bunte Fußballbilder vor dem Gewitterwolkengrau aufflackern.

 

Wir sind froh, dass es uns nicht draußen auf dem Wasser erwischt hat und bedauern die Kreuzfahrer, die drüben in Olympia wahrscheinlich gerade nasse Füße bekommen. Aber zumindest die japanischen Gäste haben bestimmt ihren Schirm dabei, den sie gewöhnlich zusätzlich zu ihrer „Ganzkörpervermummung“ als Sonnenschutz aufspannen!

Während ich fasziniert das Blitzlichtgewitter am Himmel beobachte, grübelt der Käptn darüber nach, wie wir hier unsere Dieselkanister auffüllen könnten.

Im Hafen gibt es keine Tankstelle und die nächste Autotankstelle ist laut „Google Maps“ zu Fuß 1 ½ Stunden entfernt.

Als der Himmel wieder blau wird, muss das Schlauchboot doch noch einmal ins Wasser.

Mit vier leeren Dieselkanistern tuckern wir in den Hafen, wo wir eine Treppe in der Hafenmauer entdecken. Dort steige ich aus, um mich nach einem Taxi umzuschauen, das uns eventuell zur Tankstelle bringen könnte.

Alle Taxis sind natürlich weg! Wahrscheinlich fahren sie gerade Kreuzfahrer über den Peleponnes und eine Telefonnummer, um eins zu bestellen, kann ich auch nirgendwo auftreiben. Schon gar nicht bei der Port Authority, denn dort ist bereits der Feierabend eingeläutet.

Gleich einer griechischen Statue, nur nicht ganz so schmal, entdecke ich vor einem Autoverleih eine weißgekleidete Blondine. Vielleicht kennt sie ja die Taxi-Telefonnummer?

Ich schildere ihr kurz mein Problem, da ruft sie auch schon lautstark irgendwas Griechisches ins Büro der „DIAS Travel Agency – Rent a car“ hinein, worauf eine zweite Dame erscheint, die mir auf Englisch erklärt, sie würde mir für ein paar Euros gerne ein Auto leihen, um den Diesel zu besorgen.

Kurz darauf stehe ich mit dem Käptn und den Kanistern im Büro, wo sich die nette Dame als die (deutsche) Inhaberin des Autoverleihs entpuppt. Einen Führerschein oder einen Personalausweis will sie gar nicht erst sehen. Schon wird das Auto vorgefahren, der Kofferraum wird mit einer Schmutzmatte ausgelegt, wir steigen ein und flitzen mit dem kleinen Fiat zur sieben Autominuten entfernten Tanke. Auf dem Rückweg besorge ich noch einen Sack Eiswürfel für die Kühlbox sowie zwei Flaschen Wein für einen gemütlichen Abend in Katakolon. Dann geben wir den Wagen wieder ab. Nun soll es gar nichts mehr kosten!

Als wir wenigstens 15 Euro für die Kaffeekasse spenden wollen, wird mit einem freundlichen Schulterklopfen nur der fünf-Euro-Schein akzeptiert!

Liebe Leute! Solltet ihr mal in Katakolon einen Mietwagen brauchen, dann geht bitte zu Petra Wallat, www.rentacarkatakolo.gr . Sie ist die netteste und hilfsbereiteste Autovermieterin auf dem ganzen Peleponnes!

Am nächsten Morgen stehen wir um sechs Uhr auf, denn bevor wir den Peleponnes endgültig verlassen können, muss der Käptn noch in den Mast. Die Kabelbinder, mit denen der Radarreflektor befestigt ist, sind wieder mal Opfer der erbarmungslosen UV-Strahlung geworden. Nun baumelt das Ding bei jedem Windzug wild und klöternd umher!

Danach lässt der Blick auf den Batteriemonitor nichts Gutes ahnen! Die Starterbatterie hat mal wieder zu wenig Saft und schafft es nicht, den Motor zu starten. Also muss auch noch die Hundekoje ausgeräumt werden, denn unter deren Polster sind die Versorgerbatterien untergebracht. Mit dem Überbrückungskabel gelingt der Start auf Anhieb. Als alles wieder aufgeräumt und verstaut ist, können wir um halb acht den Anker hochziehen und nehmen Kurs auf Zakynthos.

Auf dem Weg zur südlichsten Ionischen Insel können wir kurz hinter Katakolon ein kleines Jubiläum feiern: Die ersten 500 Seemeilen dieses Jahres sind geschafft! Das entspricht in etwa der Strecke von Fehmarn bis zum Oslo-Fjord, was wir früher in vier Wochen „abgerissen“ haben.

Die Venezianer gaben der Insel den Beinamen „Blume der Levante“ und machten durch ihren Baustil Zakynthos zu einer „italienischen“ Insel. Die Pracht fiel zusammen, als 1953 ein schweres Erdbeben alles fast vollständig zerstörte.

Unser heutiges Ziel ist die Lagana Bucht im Süden von Zakynthos. Bis dorthin sind es insgesamt 24 Meilen.

Diese Bucht (National Marine Park of Zakynthos) ist in drei Zonen aufgeteilt:

Zone A im Ostteil darf zwischen dem ersten Mai und dem 31. Oktober nicht befahren werden, da dort die Karettschildkröten ihre Eier im Sand vergraben.

Zone B im mittleren Bereich der Bucht darf maximal mit sechs Knoten Geschwindigkeit befahren werden. Ankern dort ist verboten.

In Zone C im Westteil herrscht ebenfalls die Geschwindigkeitsbeschränkung, es darf aber geankert werden.

In diesen Teil der Bucht, der den Namen Ormos Keri trägt, steuern wir an der kleinen Insel Marathonisi vorbei.

Viele kleine Motorboote kreuzen unseren Weg. Ihr Ziel ist die „Blaue Grotte“ von Marathonisi. Bereits die hellen Kalksteinwände über ihrem Eingang haben einen bläulichen Schimmer, der sich im Innern der Grotte zu einem intensiven Aquamarin verstärkt.

 

Wir finden einen guten Ankerplatz auf ca. neun Metern Wassertiefe und haben einen wunderschönen Ausblick auf die Berge und Klippen sowie die edlen Ferienvillen, die in bester Lage am Steilhang über dem Ormos Keri thronen.

Auf Schildkröten oder gar Delfine hoffen wir hier allerdings nicht, denn ohne Ende kommen  Motorbötchen aus dem kleinen Hafen und durchpflügen auf ihrem Weg nach Marathonisi das Ankerfeld.

Am Abend beruhigt sich das emsige Treiben auf dem Wasser und der Wind schläft ein. Gute Bedingungen für eine ruhige Nacht vor Anker!

Der nächste Tag ist Sommeranfang.

Wir brechen am längsten Tag des Jahres bereits um 7:40 Uhr auf und überqueren die sechs Seemeilen lange Lagana Bay, ohne eine einzige Schildkröte zu treffen. Dafür beobachten wir ein Flugzeug nach dem anderen, das im Landeanflug auf den Flughafen Zakynthos über die Bucht schwebt.

Am bizarren Ak Geraki am östlichen Ende der Bucht kommt uns auch schon das erste Ausflugsboot entgegen, um wieder neugierige Touristen zur blauen Grotte zu transportieren.

Ak Geraki: Dahinter liegt die Kinderstube der Meeresschildkröten

Auf dem Weg entlang der Ostküste fahren wir durch glattes, kristallklares Wasser, in dem sich die Wolken und der Bug der Anima mea spiegeln.

 

Um 10:30 Uhr erreichen wir Zakynthos-Stadt und drehen eine Runde durch den großen Stadthafen. Hier wäre noch Platz für uns, doch wir haben heute überhaupt keine Lust auf Verkehrslärm und Menschenmassen. Vor dem Hafen hat nämlich ein großes TUI Kreuzfahrtschiff den Anker geworfen, und ein Beiboot nach dem anderen befördert die Passagiere an Land, wo sie wahrscheinlich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und anschließend die Souvenirläden stürmen.

Die Marella Discovery 2

Wichtigste Sehenswürdigkeit in Zakynthos-Stadt: Die Agios Dhionysios Kathedrale

Gleich neben dem Hafen befindet sich die Zakynthos Marina. Auch sie teilt das traurige Schicksal so vieler griechischer Marinas, ist nie richtig fertiggestellt worden und wird jetzt als „Abstellplatz“ für die Touristenboote benutzt. Es soll dort noch nicht einmal eine Müllentsorgung geben und ehe wir uns dort einen blinden Rattenpassagier einhandeln, steuern wir lieber das idyllische Agios Nikolaos an der Nordspitze der Insel an.

Im „Nikolaus – Hafen“ leben geschäftstüchtige, liebenswerte Leute, die den Besuchern zu Lande und zu Wasser einiges bieten, ohne den pittoresken Ort unnötig zu verschandeln.

Besonders die Familie Theodosis hat es durch ihren Einsatz zu verdientem Wohlstand gebracht, indem sie einen Yachtsteg betreut, an dem Boote kostenlos (katholisch) anlegen können und mit Landstrom, Wasser und einer Duschmöglichkeit versorgt werden. Dahinter steckt die (berechtigte) Hoffnung, dass der Skipper an der familieneigenen Tankstelle die Dieselkanister füllt und die Crew in der Taverna Porto essen gehen wird. Was unbedingt empfehlenswert ist, denn die genossene Dorade und das Souvlaki vom Holzkohlengrill waren preiswert und köstlich zugleich.

www.theodosiscruises.gr , Tel. +302695031094, mob. +306947329835 (z.B. für Reservierungen eines Anlegeplatzes), bietet auch Ausflüge zur Shipwrack-Bay und zu den Blauen Grotten an. Doch wir kaufen zwei Tickets bei www.zanteboat-trips.com gleich am langen Betonkai, wo wir längsseits angelegt haben.

Für 20 Euro pro Person geht es bei Windstärke fünf mit einem Affenzahn um die Nordspitze von Zakynthos herum an die Westseite. Der zünftige griechische Kapitän dreht haarscharf an den wilden Klippen vorbei unermüdlich am Rädchen, um die Wellen auszusteuern. Das ist überhaupt nicht langweilig, doch mit und mit fallen einigen der 18 Passagiere plus ein Kleinkind vor Seekrankheit die Augen zu.

Spucken muss allerdings niemand und nach einer Stunde ist der Rodeoritt vorbei. Wir haben den Ormos Vromi erreicht und steuern in dessen nördliche Bucht „Navagio“. In allen Reiseführern wird diese schmale Bucht „Shipwrack Bay“ oder „Smugglers Cove“ genannt, weil dort 1980 bei einem schweren Sturm das Schmugglerschiff PANAGIOTIS vollbeladen mit Zigaretten auf Grund lief. Heute liegt der rostige Kahn teilweise im Sand begraben am weißen Strand zwischen den steil aufragenden Klippen und schaut hinaus auf das unwirklich kristallklar und blau glitzernde Wasser, während sich ein vollbeladenes Touriboot nach dem anderen herantastet, sich mit dem Bug auf den Strand schiebt und eine weitere Ladung Besucher ausspuckt.

Die Shipwrack – Bay

Mit Badetaschen, Sonnenschirmen und Fotoapparaten bewaffnet streben sie wie die Ameisen zum Wrack, wo sie für ein Foto posieren und, falls sie auch einen Edding-Stift dabeihaben, sich auf einem der weißen Kieselsteine verewigen. Dann bleibt noch etwas Zeit, sich zwischen den „anlegenden“ Booten in den verführerischen Fluten zu aalen und nach einer Stunde Ausschau nach „ihrem“ Ausflugsboot zu halten.

Wir landen an.

Strandgewimmel

Erinnerungssteine

Auch der „Riesenkahn“ von Voutirakos Cruises schiebt sich auf den Strand

Ich kann mich an keinen Ort unserer gesamten Reise erinnern, an dem auf so engem Raum so viele Menschen und Boote zusammenkamen!

Nach dem ersten Schock finden wir aber doch noch ein einigermaßen ruhiges Plätzchen und breiten unser Badetuch aus. Lustig, welche Verrenkungen und wilden Luftsprünge manche vollführen, um sich für das Erinnerungsfoto ablichten zu lassen. Immerhin befinden wir uns hier an einer der meistfotografierten Stellen Griechenlands!

Und dann die Badeoutfits! So mancher Bikini hat schwer zu tragen an der Last, die ihm zugemutet wird…

Wir sind deutsch. Wir sind pünktlich. Wir steigen als erste das Leiterchen hinauf, als sich „unser“ Boot zwischen den anderen auf den Strand schiebt.

Dann zählt der Kapitän durch. Es fehlen vier Personen!

Er hupt und hupt! Aber auf den anderen Booten wird auch gehupt. Wie sollen die Vier da heraushören, dass sie gemeint sind?

Der Kapitän dreht wie wild am Rad, setzt vor und zurück. Muss die anderen Boote und die Schwimmer im Wasser im Auge behalten. Und hupt und hupt! In der Ostsee undenkbar! Viel zu gefährlich und versicherungstechnisch unmöglich!

Aber in Griechenland passiert dabei nix! Weil jeder auf jeden aufpasst und die griechischen Kapitäne es einfach drauf haben. Sie sind wahre Artisten am Steuerrad und verlieren nicht die Geduld, wenn säumige Gäste endlich ganz aufgeregt am Strand winken und auch noch mitwollen.

Endlich sind alle 18 plus Kleinkind an Bord und wir düsen zurück, dem nächsten Höhepunkt entgegen.

Drei „Blaue Grotten“ gibt es an der Nordost-Spitze von Zakynthos. Vor dem Eingang von einer davon stoppt der Kapitän das Boot ab.

Da sollen wir hineinfahren, ohne dass der Sonnenschutz abrasiert wird?

Grotteneingang

Einfahrt in die Grotte

Aber natürlich passiert nichts dergleichen! Wir tauchen ein in die geheimnisvolle Höhle und sind ganz andächtig beim Anblick des unglaublich blauen Wassers. Als hätte Poseidon hier einen riesigen Sack schimmernder Edelsteine ausgeschüttet!

Am Ende der Grotte

Edelstein-Wasser

Ausfahrt

Dann folgt eine Fahrt durch mehrere Felsentore. Die verschiedenen Schattierungen des Wassers und die wechselnden Blickwinkel sind einfach faszinierend!


Trotz Touristentrubel sind wir am Ende froh, diesen Ausflug mitgemacht zu haben!

Zum Ausgleich brechen wir heute zu einer kleinen Wanderung in Hafennähe auf.

Es geht steil bergan an der Straße entlang. Schon bald geraten wir ins Schwitzen und trotz der erwarteten schönen Aussicht verabschiedet sich mein Käptn und geht zurück an Bord.

Dank „Google Maps“ finde ich einen einsamen Rundweg, der oberhalb von Agios Nikolaos durch Olivenhaine und duftendes Buschwerk führt. Die knorrigen Bäume und leuchtenden Blütenpolster sind für mich genauso beeindruckend wie unser Ausflug zur Shipwrack-Bay!

Knorrige Olive

Obwohl der Stamm ausgehöhlt ist, lebt der Baum!   

Thymian

Und der Blick hinunter auf den Hafen mit der kleinen Insel Nissis Agios Nikolaos, ist noch unverbaut und spektakulär!

Für Kaufinteressierte aus Deutschland: + 30 vorwählen!

Das Boot hinter dem Katamaran an der Mauer heißt Anima mea.

Für heute Abend haben wir uns einen Tisch in der Taverna Porto reserviert. Direkt vor dem Flachbildschirm! Da können wir zwischen griechischem Salat und Souvlaki Jogi Löw und seine Mannen so richtig anfeuern. Wenn das nichts bringt, müssen wir halt den Schweden, die mit ihrem dicken, schwarzen Holzboot hinter uns an der Mauer liegen, zum Sieg über den Ex-Weltmeister gratulieren.

Wir sind ja, dank dem HSV, hart im Nehmen!

 

 

 

 

 

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