15.05.2018 Zwischen Daumen und Zeigefinger

des Peleponnes erstreckt sich der Argolische Golf .

Porto Heli ist wieder mal ein Ort mit vielen Namen: Porto Kheli, Porto Cheli und eben Porto Heli, was im Griechischen Aal bedeutet. Besonders in der abgeschlossenen Salzwasserlagune an der Westseite des geschützten Hafens sollen jede Menge dieser schlangenähnlichen Fische leben.

Unser Ankerplatz liegt sehr geschützt und der Anker hält fest im klebrigen Schlick. Ein gutes Gefühl, denn am Abend ziehen rundum Gewitterwolken hoch, aus denen helle Blitze zucken.

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Schlauchboot an Land. Supermarkt und Tankstelle liegen nur ein paar Schritte entfernt und direkt nebeneinander. Schwer beladen wie ein Esel mit zwei Kanistern Diesel, zwei Rucksäcken voller Lebensmittel und zwei großen Säcken Eiswürfel für die Kühlbox fährt uns Klein-Poros zurück an Bord.

Als wir alles verstaut haben, machen wir noch einen weiteren Landausflug und genehmigen uns in einer der gemütlichen Bars an der Wasserkante unseren ersten Cocktail der Saison. Dann besichtigen wir die Kirche, auf die wir von Bord aus blicken können und staunen, wie schön sie von innen bemalt ist. Auf das Abendessen in der Taverne Costa Rica hätten wir aber besser verzichten sollen. Besonders das Gyros liegt dem Käptn bis zum nächsten Tag schwer im Magen.

Schön anzusehen: Der Sonnenuntergang in Porto Heli, die Kirche und direkt vor uns ein perfekt restauriertes altes Motorboot aus Nizza.

Porto Heli liegt ganz außen am Argolischen Golf, an der Innenseite des peleponnesischen Daumens.

An dieser Seite fahren wir am Samstag, den 12. Mai, Richtung Norden nach Khaidhari im Ormos Dhrepanou. Auf den 18 Seemeilen bläst es uns wieder einmal mit zunehmender Stärke entgegen. Doch je näher wir der tiefen, fjordähnlichen Bucht kommen, je ruhiger wird die See.

Einsam ist es hier!

Als wir zwischen der Ruine des venezianischen Forts an der Westseite und der blau-weißen Kapelle Ag Nikolaos neben dem Leuchtfeuer an der Ostseite hindurchfahren, sieht alles sehr vielversprechend aus. Hohe Steilufer versprechen Rundumschutz und neben den Dauerliegern an den Bojen ankert nur ein niederländisches Segelschiff vor dem kleinen Ort Khaidhari.

Die Kapelle Ag Nikolaos am Eingang zum Ormos Dhrepanou

Doch gerade dort pustet über die Lagune im Nordwesten der Wind herein, so dass wir zum Ankerplatz vor der kleinen Kapelle Ag Spiridon 0,5 sm südöstlich des Ortes fahren.

Wir machen mehrere Versuche, aber der Anker will einfach nicht halten. Wahrscheinlich ist der Grund mit Seegras überwuchert, so dass sich der Anker nicht eingraben kann.

Entnervt geben wir auf, verlassen die Bucht und fahren vier Seemeilen weiter nach Tolo.

Während der Ort Tolo auf dem Peleponnes liegt, erhebt sich gegenüber die „Lummerland-Insel„- Tolo mit zwei Bergen, drumherum das blaue Meer, allerdings ohne Geleise und kein Eisenbahnverkehr.

Mit einem Bahnhof könnten wir auch rein gar nichts anfangen, aber die kleine, nach Süden, Westen und Osten geschützte Bucht mit dem glasklaren Wasser kommt uns gerade recht.

Hier fasst unser Anker sofort und wir genießen den Blick auf die hellen Felswände und die grünen Pinien am Ufer. Da oben hat jemand mit weißer Farbe etwas auf die Felsplatte geschrieben. Ich entziffere nur das Wort „Nissis“ = Insel. Jedenfalls muss es ein mutiger Schreiber gewesen sein, der da seinen Farbeimer hochgetragen hat!

Wie kommt man da oben mit dem Farbeimer ran?

Im Sommer tobt hier wahrscheinlich der Bär!

In der Antike nahm Tolo, das in der Ilias den Namen Asini trägt, am Krieg gegen Troja teil. Unter byzantinischer Herrschaft war es Ersatzhafen für Nafplion und diente später beim Kampf gegen die Türken als Flottenbasis. In der Neuzeit war es nur noch ein kleines Fischerdorf, das dank seines kapitalen Sandstrandes ein Ziel für Pauschalurlauber geworden ist.

Von denen lernen wir auch gleich welche kennen!

Die Kanuten stören uns nicht, als sie die kleine Bucht umrunden. Dann aber fallen die Tretbootfahrer ein. Viel weiß-glänzendes Fleisch in knappen Badehosen strampelt lärmend auf uns zu, dass es von den Felswänden widerhallt.

Irgendwann geht ihnen aber die Puste aus und sie strampeln wieder zurück nach Tolo-Dorf, wo sich sterile Hotels und Ferienwohnungen vom Ufer aus den Hang hinaufziehen.

Die Nacht verläuft ruhig. Ich werde nur einmal wach, als eine der Fähren drüben an der großen Pier ablegt und das Wasser ordentlich aufquirlt.

Am nächsten Morgen schauen wir beim Frühstück den Fischern bei der Arbeit zu. Dann kommt eine Segelyacht und wirft unweit von uns ebenfalls ihren Anker.

Es ist ein „alter Bekannter“, den wir schon in Poros und Porto Heli getroffen haben.

Das Schiff mit Heimathafen Hamburg heißt Ilha Bella, die Crew besteht aus Herrchen und Hund. Bisher hat Herrchen kaum Notiz von uns genommen. Mehrmals täglich ruderte er seinen lebhaften Schäferhundundsonstnochwas-Mischling mit einem Banana-Beiboot an Land. Den Rückweg musste dann das Hundi schwimmen. Bewegung tut Not!

Die Ilha Bella aus Hamburg

Dieses Schauspiel können wir auch heute noch einmal beobachten. Dem Hund gefällt jedoch der Landausflug so gut, dass er nicht hinterherschwimmen will, als Herrchen mit dem Ruderboot ablegt. Er springt und läuft wild umher, als wolle er seinen Herrn zurücklocken. Einige scharfe Pfiffe veranlassen das Tier dann schließlich doch, an Bord zurückzuschwimmen.

Fast schon ein Seehund

Wir wollen weiter nach Nafplion und beschließen, heute mal die Initiative zu ergreifen und zu grüßen. Wir fahren dicht an der Ilha Bella vorbei, rufen „Moin!“ und Herrchen vom Typ Uwe Seeler grüßt freundlich zurück. Sein nächstes Ziel verrät er uns allerdings nicht.

Nafplion ist es wohl eher nicht.

Die Hafenstadt im Innern des Argolischen Golfes war von 1821-1834 die erste Hauptstadt des modernen Griechenlands. Aus dieser Zeit stammt auch der größte Teil der Bebauung. Die gepflegten Häuser mit pastellfarbenen Wänden, bunten Fensterläden und zierlichen Balkonen sind eine Augenweide.

In diesem schönen Städtchen wurde auch Palamedes, der Erfinder des Leuchtturms, der Navigationskunst und des Würfelspiels, geboren. Nach ihm wurde die mächtige venezianische Festung Palamidi benannt, die uns bereits an Steuerbord grüßt, als wir auf die Halbinsel Akronauplia zusteuern, hinter der sich die Stadt verbirgt. Als wir die Hafeneinfahrt erreichen, wird auch das kleine Kastell auf der Insel Bourtzi sichtbar.

Die Halbinsel Akronauplia

Im großen Hafenbecken finden wir sogar einen Platz zum längsseits anlegen! Hier liegen wir bequem und sicher zusammen mit französischen, spanischen und finnischen Yachten, allesamt größer als wir.

Ich sitze im Cockpit und vertiefe mich in meinen Krimi „Märzgefallene“ von Volker Kutscher (sehr empfehlenswert!), da kommt eine Dame in meinem Alter, bleibt stehen und sagt auf Englisch: “Hallo, was für ein schönes Boot!“ – Das passiert uns nicht zum ersten Mal, freut uns aber immer wieder zu hören.

Die Dame heißt Jenny und besitzt eine Bavaria 46 mit Namen „Far away“. Das passt, denn Jenny und ihr Partner John sind in Brisbane/Australien zu Hause, haben das Schiff aber in Kroatien gekauft. Als ich meine australische Cousine in Melbourne erwähne, kommt das Gespräch voll in Fahrt. Jenny erzählt, dass sie in Australien ein Wohnmobil für ihre Reisen benutzt und ansonsten in Griechenland segelt. Notfalls tut sie das auch allein! Jetzt ist sie gemeinsam mit John auf dem Weg zu den Kykladen. Wo wir hinwollen, möchte sie wissen. „Zunächst nach Astros, dann nach Monemvasia“, sage ich. „Wir auch,“ erklärt Jenny und fügt hinzu: „Wir sehn uns!“

Dann bekommen wir neuen Besuch!

Die Coast Guard steht plötzlich mit dem Dienstwagen auf der Kaimauer. Zuerst fragt der Beamte nach unserem Schiffsnamen und ob es ein Charterschiff oder eine Privatyacht ist. Dann spricht er die Finnen vor uns an, stellt die gleichen Fragen und bittet den Skipper, sich mit den Schiffspapieren im Büro am Ende des Hafenbeckens zu melden. Uns wird das gleiche aufgetragen. Hat keine Eile, reicht, wenn wir in ein, zwei Stunden kommen.

Wir bleiben zunächst alle „cool“. Eile ist in Griechenland ohnehin ein Fremdwort!

Als erster macht sich der Finne auf den Weg. Nach einiger Zeit kehrt er zurück. Sieht nicht so aus, als wäre ihm Schlimmes widerfahren.

Nun machen wir uns auf die Socken.

Im Büro-Container sitzen zwei Beamte. Andere als die vorher im Dienstauto. Einer sitzt am Computer, der andere ist wohl für den „Schreibkram“ verantwortlich und bittet uns freundlich zu sich. Er schaut sich zunächst das Flaggenzertifikat an. Dann studiert er im Austausch mit dem Kollegen intensiv das D.E.K.P.A. Schließlich muss ich noch ein Formular mit Angaben zur Crew ausfüllen. Woher wir gerade kommen und wohin wir demnächst wollen, müssen wir auch angeben.

Am Schluss frage ich, warum diese Kontrolle durchgeführt wurde (offensichtlich nicht, um doch noch die ominöse, von der Kreuzer-Abteilung angekündigte Yachtsteuer einzutreiben). „Aus statistischen Gründen“, sagt der kontrollierende Beamte und schlägt sein „schlaues“ Büchlein auf, in dem in ordentlicher Handschrift seitenweise Yachtdaten aufgelistet sind. Wiehert hier der griechische Amtsschimmel oder gibt es doch noch einen tieferen Sinn für diese Aktion? Vielleicht erfahren wir ja in den Nautischen Nachrichten der Kreuzer-Abteilung des deutschen Segler-Verbandes demnächst etwas darüber……

Nun haben wir jedenfalls Zeit und Muße, Nafplion, zu erkunden!

Wir schlendern durch die schmalen Gassen der Kleinstadt. An den Hauswänden winden sich Bougainvilleas in allen Farben in die Höhe und schütten ihre Blütenranken wie bunte Wasserfälle über die gemütlichen Bars und Tavernen. Heute ist Montag und das Museum im ehemaligen venezianischen Marinearsenal ist geschlossen. Aber auch von außen ist es ein Schmuckstück, und der marmorbedeckte Platz davor glänzt in der Sonne wie eine Speckschwarte.

Bougainvilleas schmücken die Straßen von Nafplion

Dann erreichen wir die Halbinsel Akronauplia, wo ein spektakulärer Panoramaweg beginnt. Die Landschaft erinnert ein bisschen an Gibraltar, doch gäbe es hier Affen, müssten sie sich auf Kakteenfrüchte spezialisieren. Noch nie habe ich so viele Kakteen auf engstem Raum gesehen! In ihren ohrenförmigen, großen Blättern haben unzählige Liebespaare ihre Initialen geritzt. Gut, dass die „Schlossmanie“ hier noch keinen Einzug gehalten hat!

Wie eine Fata Morgana schwebt Nissis Bourtzi über dem Kaktus mit „Grünzeug“

Wir umrunden die Halbinsel und schauen nun wieder auf die mächtige Festung hoch oben auf dem Felsen. 999 Stufen führen hinauf! Das sind 900 zu viel für uns. Leider! Denn zu gerne würden wir uns dieses mittelalterliche Bauwerk der Venezianer, unter denen Nafplio noch Napoli di Romana hieß, aus der Nähe ansehen.

Für das jüngere Fort auf Akronauplia reichen jedoch unsere Kräfte. Ein steiler Weg führt hinauf zu den Resten der Anlage und der Blick von hier oben auf die Stadt, den Hafen und die Berge ist wunderschön. Geradezu atemberaubend ist die Aussicht auf die steil abstürzenden Felsen mit dem Kakteenwald, auf denen ich eine weiße Lichtgestalt erkenne. Sie hält einen weißen Schleier in den Abendwind und dreht sich im Licht der untergehenden Sonne. Eine Nymphe oder gar Aphrodite, die den Fluten des Argolischen Golfes entstiegen ist?

Oben rechts: Die Lichtgestalt auf dem Felsen

Des Rätsels Lösung: Es ist eine Braut, die dort oben vor der Fotokamera posiert. Aber ein Hauch von Göttin steckt schon in dieser griechischen Braut!

Göttlich!

 

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