11.05.2018 Reise, Reise

In Poros kündigt unsere Wetter-App „Windy“ Starkwind und Unwetter an.

Misstrauisch beäugen wir die Wolkentürme am Himmel. Da braut sich was zusammen, aber es kommt anscheinend nicht so schnell wie es der Wetterbericht ankündigt.

Neben uns liegt eine Segelyacht mit deutscher Flagge. Der Skipper hangelt sich in den Mast hinauf, während die Begleiterin ihn über die Winsch sichert. Als das kippelige Manöver beendet ist, lichten die beiden den Anker, hängen alle Fender an die Backbordseite, steuern zum Ponton am Stadtkai rüber und machen dort längsseits fest. Das könnte uns auch gefallen!

Vorher wollen wir uns aber Gewissheit verschaffen, ob das überhaupt erlaubt ist.

Wir tuckern mit Klein-Poros zum Ponton. Die beiden Deutschen sind nicht mehr an Bord, aber hinter ihnen liegt ein französisches Schiff, dessen Besatzung wir fragen, ob man hier liegen darf. Es sind nämlich überall kleine Schilder angebracht, die ein Längsseits-Anlegen verbieten!

Der Franzose meint: „Kein Problem. Aber legt nicht zu weit vorne an. Gestern kam die Küstenwache und hat die dort liegende Yacht weggeschickt!“

Da nach und nach noch weitere Schiffe am Ponton längsseits gehen, entschließen wir uns angesichts der Wetterlage, es ihnen gleich zu tun. Herrlich! Wir liegen direkt neben dem Wasserhahn und nur ein paar Schritte weg vom Supermarkt und den Tavernen. Und auch im Wasser gibt es allerhand zu sehen!

 „Delfinalarm“ im Hafen von Poros! Mindestens drei stattliche Exemplare treiben einen Fischschwarm in die Enge des Hafenbeckens. Ist aber sehr schwer, sie mit der Fotokamera einzufangen!

Dann lernen wir auch das deutsche Seglerpärchen kennen. Es sind Peter und Saskia aus Karlsruhe, die ihre „TATU“ in Port Heli liegen haben und zweimal im Jahr im Urlaub dorthin fliegen, um ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Sie haben schon eine kostbare Urlaubswoche rum und wollen noch einige Kykladen-Inseln erkunden. Die defekte Windmesserfahne hatte Peter in den Mast getrieben. Nun ist sie repariert, und er will sie wieder in der Mastspitze anbringen.

Während er in den Mast klettert, starten wir zu einem Bummel durch das hübsche Poros und freuen uns darüber, wie sauber und gepflegt hier alles ist.

Als wir zurückkehren, erkennen wir auf dem Ponton eine uniformierte Gestalt. Was hat das zu bedeuten? Uns fallen sofort die Verbotsschilder ein!

Und so ist es auch: Alle längsseits liegenden Schiffe müssen entweder „katholisch“ am Ponton anlegen oder diesen verlassen. Sonst droht eine Strafe von der Polizei.

Wir sind bei den ersten, die zum Ankerplatz zurückkehren. Nach und nach folgen uns die anderen, bis der Ponton verwaist auf neue Kundschaft wartet. Die bleibt jedoch weitgehend aus, denn wer unbedingt katholisch (mit dem Heck zum Anlegeplatz) parken will, der geht an die Kaimauer, wo es neben Wasser auch noch Strom gibt.

Als auch Peter und Saskia uns folgen, laden sie uns beim Vorbeifahren auf einen Drink an Bord zu sich ein. Wir nehmen dankend an, wollen aber vorher noch zu Abend essen.

Währenddessen nimmt der Wind zu. Dunkle Wolken brauen sich zusammen und die Wellen klatschen immer heftiger gegen die Bordwand. Klein-Poros tanzt wie ein Korken am Heck der Anima mea und wir beschließen angesichts der ersten Blitze, die über dem Peleponnes die Wolken durchzucken, lieber an Bord zu bleiben. Später zieht das Gewitter über uns hinweg und bringt eine Menge Regen.

Schade, denn am nächsten Morgen legen Peter und Saskia ab. Gute Fahrt euch beiden und noch viele schöne Segelferien in Griechenland!

Dräuende Gewitterwolken ziehen über die Berge des Peleponnes

Auch in der nächsten Nacht gibt es Gewitter und starken Regen. Erst am Dienstag ist die Luft im wahrsten Sinne des Wortes wieder rein und wir gehen Anker auf. Unser Ziel ist die knapp 12 Seemeilen entfernte Insel Hydra (Idhra) im Südwesten des Saronischen Golfs.

Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir Poros durch den schmalen Sund zwischen dem Süden der Insel und dem Peleponnes. Dieser Meerenge verdankt Poros seinen Namen. Poros bedeutet aber auch Fähre, was wiederum bestens zu unserem Klein-Poros passt.Durch den Sund: Hübsche Häuser und Schiffe aller Art säumen das Südufer der Insel

Auf Hydra steuern wir zunächst die Bucht Mandraki an. Links und rechts ankern schon mehrere Schiffe „raumsparend“, indem sie vom Heck aus lange Landleinen ausgebracht haben. Mandraki ist wohl so beliebt, weil man von hier aus in 20 Minuten nach Limin Idhras (Hydra-Stadt) wandern kann. Ansonsten sehen wir keinen Vorteil in diesem Ankerplatz. Die Felswände sind schroff und kahl, das Hotel im Scheitel der Bucht sieht irgendwie abgeschrabbt aus und wie gesagt: Voll ist es hier auch schon.

Wir drehen um und fahren zur „Hauptstadt“ der Insel, wo der Großteil der Bevölkerung wohnt. Ihre Bars, Cafes, Tavernen, Souvenirläden, Galerien und Lebensmittelgeschäfte sind vor allem auf die zahlreichen Touristen ausgerichtet, die hier ständig einfallen. Allein zehn Fähren laufen täglich den Hafen an, und dazu kommen noch die unzähligen Freizeitkapitäne mit ihren Segel- und Motoryachten. Gut, dass auf der Insel Autoverbot herrscht. So kann man wenigstens ungestört zum Ilias Kloster auf 480 m Höhe und dann weiter zum 580 m hohen Mount Eres wandern.

Wir drehen eine „Fotorunde“ durch den Hafen und bestaunen die Villen der Schiffer und Reeder aus der Zeit, als Hydra noch eine bedeutende Handelsflotte hatte. 1821 unterstützte Hydra mit 150 Schiffen die Unabhängigkeitskämpfe gegen die Türken und der befehlshabende Admiral der griechischen Flotte, Admiral Miaoulis, stammte sogar von hier.

Nach dem 2. Weltkrieg ging es wirtschaftlich immer weiter bergab. Erst in den 1950er- und 1960er – Jahren kamen internationale Künstler (z.B. Leonard Cohen) sowie die Reichen und die Schönen hierher.Hydra-Stadt

Inzwischen versucht die lokale Regierung, durch verschiedene Verbote den Unsäglichkeiten des Massentourismus zu begegnen. Neben dem erwähnten Autoverbot zählen dazu Nachtclubs, Hochhäuser, Satellitenantennen und Plastikstühle. Letztere können nach der Verschrottung dann auch nicht im Meer landen. Aber leider gibt es genug anderen Unrat, der von der Müllhalde direkt neben der Mandraki-Bucht ins Meer gepustet werden kann. Unglaublich!

Damit ist unser Besuch auf Hydra beendet. Wir steuern durch den tiefen Stenon Petassi zur sieben Seemeilen entfernten Nachbarinsel Dokos. In den Hafenhandbüchern Griechische Küsten von Rod und Lucinda Heikell sowie unserer neuesten Errungenschaft: Hafenguide von Per Hotvedt – beide Werke ergänzen sich sehr gut – wird dieses Eiland als rau, karg und öde beschrieben.

Als wir in die Skindos – Bucht von Dokos einlaufen, stimmt das auch in gewisser Weise. Ringsherum sind die steilen Felsen kaum oder gar nicht bewachsen. Aber die Bucht ist weit und im Gegensatz zu Mandraki nicht so beengend. Das Wasser ist klar und dunkelblau und alles strahlt einen großen Frieden aus.

Unser Anker fällt auf zwölf Meter Wassertiefe. Zwar rauschen hin und wieder aus Süden Fallböen die steilen Hänge herunter, aber das Wasser ist sehr ruhig und wir können beim Abendessen (Griechische Salate mit Tzatziki) den Sonnenuntergang genießen.Sonnenuntergang

Abendessen

Dann folgt eine wunderbar ruhige Nacht. Gegen ein Uhr werde ich wach und klettere ins Cockpit. Das Ufer liegt im Dunkel, denn mangels Besiedelung leidet diese Insel nicht unter Lichtverschmutzung.

Aber welch Sternenpracht am Firmament!

Und eine Sternschnuppe schießt auch noch durch den funkelnden Lichterteppich!! Als hätte ich´s geahnt, schicke ich ihr gerade noch rechtzeitig ein Wunsch hinterher.

Als wir am nächsten Morgen den Anker lichten, läuft ein großes Schlauchboot in die Bucht. Es ist die Wasserschutzpolizei. Sie stoppen vor uns ab, ich winke hinüber und die Polizisten winken zurück. „Alles klar?“ – „Alles klar!“ Dann wünschen sie uns gute Fahrt. Beim Losfahren sehen wir, dass sie bei einem französischen Ankerlieger anlegen. Ob sie sein D.E.K.P.A überprüfen wollen?

Dieses „Traffic Document“ muss man bei der Einreise in Griechenland bei der Hafenpolizei erwerben. Es kostet 30 Euro und dient dazu, die Bezahlung von Hafengeldern und Steuern zu dokumentieren. Es muss jährlich von der Hafenpolizei abgestempelt werden, was wir am 30. April bei der Hafenpolizei in Aegina vorgenommen haben. Dabei haben wir es (sicherheitshalber) auch gleich um ein weiteres Jahr (kostenlos) verlängern lassen. Vor allem waren wir sehr gespannt darauf, ob die Hafenpolizei uns nun die ominöse Griechische Yachtsteuer aufbrummen würde. Seit 2013 schwebt diese Steuer schon über den Köpfen der Yachties, doch kassiert wurde sie bisher nicht. Dies sollte laut Meldung der Kreuzer Abteilung in diesem Jahr laut Regierungserlass durchgesetzt werden. Doch alle, die wir in Griechenland danach fragten, wussten von nichts. Und auch die nette Hafenpolizistin in ihrem Büro in Aegina erwähnte mit keiner Silbe, dass sie nun eine Steuer von uns eintreiben wolle. In der Hoffnung, dass sie auf dem neuesten Stand der Dinge ist, zogen wir mit unserem verlängerten D.E.K.P.A von dannen. Immerhin hatten wir unser Bestes getan, dem griechischen Staat zu seinem Geld zu verhelfen.

Auf dem Weg zur letzten Saronischen Insel, der Insel Spetses, begegnet uns die Wasserschutzpolizei noch zweimal mit ihrem schnellen Schlauchboot. Dann haben wir die 14 Seemeilen geschafft und drehen eine Hafenrunde durch die malerische Stadt am Ormos Baltizas (Baltiza-Bucht).

Im Gegensatz zu Hydra, das im Altertum keine bedeutende Rolle spielte, ist Spetses seit der Bronzezeit besiedelt und hat im Laufe der Geschichte viele Herrscher erlebt: Römer, Byzantiner, Franken, Venezianer und zum Schluss die Türken. Bei den Freiheitskämpfen gegen letztere spielte es wie Hydra eine bedeutende Rolle. Besonders eine Frau, Laskarina Bouboulina, machte sich dabei einen Namen. Nachdem ihr Mann, ein Kapitän, im Kampf mit den Piraten starb, übernahm sie das Kommando auf seinem Schiff und kämpfte tapfer für die Freiheit.

Die geschmackvollen Häuser, die sich rund um den Hafen aufreihen und die Hänge hinaufwachsen, muten wirklich venezianisch an. Doch während in Venedig alles mehr oder weniger marode erscheint, sind sie hier makellos getüncht und von blühenden Büschen und Bäumen umgeben. Als die Venezianer 1220 die Insel eroberten, gaben sie ihr den Namen Spezie (ital. Gewürze), den sie in leicht abgewandelter Form noch heute trägt.Spetses- Stadt

Ursprünglich hieß die Insel Pityousa, abgeleitet von Pitys (Pinie). Und dass sie diesen Namen verdient, zeigt sich uns besonders, als wir in unsere nächste Ankerbucht Ormos Zogioria an der Nordwest-Küste 3,5 Seemeilen SW-lich von Spetses – Stadt einlaufen.Die Bucht

Nur zwei Schiffe ankern bereits in dieser herrlichen von Pinienwäldern umgebenen Bucht. In ihrem Scheitel steht am ockerfarbenen Ufer ein kleines Haus mit Bötchen und Bojen, die an einer Wäscheleine hängen. Rechts vom Haus strahlt eine weiße Kapelle, etwas weiter rechts von ihr am Eingang zur benachbarten Bucht Lazaretto Cove, macht ihr eine weitere Kapelle mit Namen St. Georios Konkurrenz.Kapelle und Fischerboot

Auch diese Insel ist autofrei, doch leider gilt dieses Verbot nicht für Motorräder. Von den wenigen Störenfrieden, die hier vorbeiknattern abgesehen, hört man nur die katzenähnlichen Schreie von prächtigen Pfauen, die sich im Pinienwald herumtreiben oder hin und wieder ihr schillerndes Gefieder am Ufer präsentieren.

Am Abend haben die beiden Yachten die Bucht verlassen und beim Abendessen (siehe Hydra) sind wir ganz allein. Später läuft noch ein belgisches Boot ein und ankert in unserer Nähe. Früh am Morgen legt es schon wieder ab. Wir haben es nicht eilig und frühstücken erstmal gemütlich, während ein Fischerboot mit drei Mann seine Kreise um uns zieht. Einer der Fischer steuert, die beiden anderen hocken vorne auf dem Deck und starren ins Wasser. Wir möchten zu gern wissen, wonach sie Ausschau halten. Ob sich der dicke Fisch unter unserer Anima mea versteckt hat?

Jedenfalls überlassen wir Fische, Fischer und Bucht um 9:45 Uhr wieder sich selbst und fahren die drei Meilen hinüber nach Porto Heli (auch Porto Kheli).

Die kleine Felseninsel Nisis Petrokaravo an Backbord liegt schon im Argolischen Golf, der hier beginnt. In den nächsten Tagen wird dieser Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger des Peleponnes unser neues Revier sein.Nisis Petrokaravo vor der Nordwest-Huk von Spetses

 

 

    • Schön von euch zu hören! Kroatien, das können dich nur Schweizer leisten!😉Aber bestimmt auch sehr schön! Wir haben gerade längsseits im schönen Nafplion angelegt. Vielleicht bekommt ihr doch noch Lust auf Griechenland und wir treffen uns in den Ionischen Inseln wieder. Wäre toll!
      Liebe Grüße und gute Fahrt
      Christine und Heinz

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