04.05.2018 Wenn Täter zu Opfern werden

Am zweiten Mai ist es endlich so weit: Anima mea wird wieder ihrem Element übergeben.

Vom roten Saharastaub befreit, auf Hochglanz gewienert hievt die professionell arbeitende Mannschaft von Jordan Kanonis unser Schiff ins Wasser.

Der Motor springt sofort an! Schließlich wird die letzte Leine gelöst und wir tuckern winkend und lachend hinaus aus dem kleinen Becken. 24 Seemeilen bis zur Insel Poros liegen vor uns. In fünf Stunden könnten wir dort sein.

Zunächst geht es in langsamer Motorfahrt bei wenig Wind entlang der Nordküste bis Agia Marina, wo der Tempel der Aphaia auf dem höchsten Hügel thront. Der Wind nimmt zu und wir setzen das Großsegel. Da kommt uns auf dem fast spiegelglatten Wasser „Iron Man“ entgegengepaddelt!

Es ist eine stattliche Wasserschildkröte, die über und über mit Algen und Seepocken bewachsen ist. Als wir sie hinter uns lassen, macht sie einen langen Hals und schaut uns mit großen Augen hinterher. Dann taucht sie ab und verschwindet auf Nimmerwiedersehen in den blauen Fluten.

„Viel Glück, und pass bloß auf, dass du nicht vom Plastikmüll naschst! Wärst nicht die Erste, die an dieser Unglückskost verendet.“

Wir nähern uns nun der Nordostspitze Aeginas. Der Wind kommt mal wieder fast von vorne, so dass der Motor mitläuft. Plötzlich rappelt die Pinne gewaltig!

Wir schauen uns erschrocken an. Der Käptn stoppt sofort den Motor. „Da ist was im Propeller!“ rufe ich, denn genau so war es vor vielen Jahren im Öresund auf der Fahrt von Kullen nach Helsingborg, als eine große Plastikplane in die Schraube geriet.

Zunächst versuchen wir den Schaden vor Ort zu beheben. Ich halte das Schiff auf langsamstem Kurs, der Käptn steigt ins Schlauchboot, leint sich darin an und erklärt beim Blick auf den Propeller:“ Da ist was Weißes drum!“

Als er versucht, es mit dem Enterhaken herauszupulen, bricht die Spitze des Hakens ab.

Nun müsste er bei leichter Fahrt ins noch sehr frische Wasser steigen, verwirft aber diesen Gedanken. Nach kurzer Diskussion entschließen wir uns umzukehren und mit achterlichem Wind zurück zur Werft zu segeln. Das gelingt leider nur mit dem Großsegel, denn die teuer reparierte Rollfock verweigert ihren Dienst.

Ich melde mich telefonisch bei Herrn Kanonis an. Wir wollen zunächst an einer der Bojen vor dem Becken festmachen. Nach 1 1/2 Stunden sind wir an der Boje fest.

Der Käptn nimmt sein erstes kaltes Bad und taucht ab zur Schraube. Kurz danach kommt er wieder hoch, in der Hand eine stabile schwarz-weiße Plastikfolie, die sich um die Propellerblätter gewickelt hatte.

Kurz danach klingelt mein Smartphone.

Herr Kanonis hat mitbekommen, dass der Käptn im Wasser war und erkundigt sich nach dem Stand der Dinge. „Also müsst ihr nicht in den Kran?“ fragt er. Nein, Gott sei Dank nicht.

Er will auch Wim Bescheid sagen, dass die Rollfock nicht funktioniert, aber irgendwann wird uns die Wartezeit an der Boje doch zu lang und wir sagen, dass wir jetzt endgültig ablegen.

Zur Not haben wir ja noch eine kleinere Selbstwendefock an Bord. Die können wir montieren, falls die Rollfock jetzt total ihren Geist aufgegeben hat.

Es ist inzwischen fast 16:00 Uhr und Poros können wir uns abschminken.

Bis Palaia Epidavros an der Ostküste des Peleponnes sind es allerdings nur 14 Seemeilen. Dort könnten wir in unserer Lieblingsbucht in drei Stunden vor Anker gehen.Palaia (Alt) Epidavros

Um 21:00 Uhr sitzen wir in der friedlichen Bucht müde am kleinen Cockpittisch und laben uns an griechischen Salaten und Tzatziki. Über uns funkeln unzählige Sterne und ein roter, leicht abgespeckter Vollmond steigt am Himmel hoch.

Wir haben wieder mal Glück im Unglück gehabt und schimpfen über den Müllwahnsinn in Griechenland.

Da erreicht uns ein Link unserer Tochter aus Berlin.

Unter http://www.sueddeutsche.de/leben/klimaschutz-wir-umweltsuender-1.3962997 lesen wir, was wir „sauberen“ Deutschen so anrichten, um unsere schöne Erde zu zerstören.

Demnach haben wir heute, genau am 2. Mai, unseren Erdüberlastungstag erreicht. Will heißen: Deutschland hat heute die Ressourcen für 2018 verbraucht. Ab Morgen leben wir wieder auf Kosten der Umwelt. Wenn alle so leben würden wie wir bräuchte es DREI ERDEN!!!

Wir gehören also auch zu den Umweltsündern! Vielleicht sind wir, die heute selbst Opfer der Vermüllung wurden, rundum noch schlimmer als die Griechen, die in der Statistik der Süddeutschen Zeitung leider nicht erwähnt werden.Extra für unsere Follower vom „Landyachting“: Der schöne Stellplatz in Palaia Epidavros

Am nächsten Morgen zeigt sich, dass wir doch „ein büschen“ nah am Ufer ankern. Sollen wir noch mal ein neues Ankermanöver starten oder gleich nach Poros fahren?

Wir entscheiden uns für Poros und sind um 16:00 Uhr in der Navy Bay.

Der Anker sitzt sofort. Die neue Solarzelle powert im Verbund mit den alten Paneelen Sonnenenergie in die Batterien, dass es eine wahre Freude ist. Wenigstens diese Investition war ihr Geld wert!

Beim Abendessen (Griechische Salate und Tzatziki) lassen wir die Ereignisse Revue passieren. Unser neues Schlauchboot dümpelt am Steert der Anima mea und erinnert uns daran, dass es ja noch gar nicht getauft ist. Das soll an diesem schönen Abend vor dieser malerischen Kulisse stilvoll nachgeholt werden!Poros

Wir haben zwar keinen Sekt an Bord, aber griechischer Wein wäre doch auch ein angemessenes Taufwasser!

Als die Sonne zwischen den Bergketten des Peleponnes untergeht, ertönt „Griechischer Wein“ aus dem Smartphone. Mit Blick auf den Täufling singen wir natürlich mit!

„Ich taufe dich auf den Namen POROS und wünsche dir allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!“ sagt der Käptn feierlich und träufelt einen Schluck Kritikos – Weißwein auf die graue Dinghyhaut.

Heute machte klein Poros seine erste Fahrt unter Motor. Gemeinsam mit dem Käptn fuhr er über die Navy Bay und brachte den unvermeidbaren Müll weg. Die schwarz-weiße Folie liegt jetzt immerhin da, wo sie hingehört: in einem griechischen Müllcontainer.

Nach dem Wochenende werden wir das altbekannte Poros verlassen. Dann heißt es:

AUF ZU NEUEN UFERN!

 

  1. Schön, dass Ihr wieder unterwegs seid. Wir wünschen Mast- und Schotbruch, allzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel und bei Sturm einen sicheren Hafen. Liebe Grüße schicken
    Susanne und Peter

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