21.04.2018 Wie im Flug

ist die erste Woche in Griechenland vergangen.

Am 14. April bringen uns unsere Freunde Esther, Erko und Rolf in aller Herrgottsfrühe zum Flughafen (Nochmals ganz herzlichen Dank, ihr Lieben!) Um Punkt 08:30 Uhr heben wir mit einem Airbus 319 von EUROWINGS in Hamburg ab. Nach einem Zwischenstopp in Stuttgart gehen wir zwei Stunden später ebenfalls planmäßig erneut in die Luft. Um 15:30 Uhr Ortszeit – nach dem kürzlichen Wechsel zur Sommerzeit stelle ich jetzt meine Armbanduhr eine weitere Stunde vor – haben wir nach einem halben Jahr wieder griechischen Boden unter den Füßen. Es fühlt sich an, als kämen wir nach Hause.

Bereits nach 20 Minuten klauben wir unsere prall gefüllten Koffer vom Gepäckband. So erreichen wir tatsächlich noch den Bus um 15:55 Uhr. Der Busfahrer wartet geduldig, bis ich die beiden Tickets für sechs Euro pro Person am Fahrkartenbüdchen gekauft habe. Für Piräus-Verhältnisse ist heute wenig Verkehr und so rumpelt der X 96 in Sausefahrt über die Schlaglochpiste zum Fährhafen Piräus.

Der letzte Flying Dolphin nach Aegina liegt noch am Kai. Schade, wir hätten es also heute doch noch geschafft, zur Insel überzusetzen. Aber da wir nicht damit rechnen konnten, ohne Verzögerungen hier anzukommen, haben wir für eine Nacht ein preiswertes Zimmer im Hotel Acropole gebucht.

Das Hotel liegt nur wenige Schritte vom Fähranleger entfernt in der verkehrsreichen Gounaristraße.

An der Rezeption wird sogar deutsch gesprochen, denn der griechische Rezeptionist hat mal in der Schweiz gelebt. Zunächst kassiert er das Übernachtungsgeld. Vorzugsweise cash! Das kennen wir ja schon… In Hamburg haben wir vorsorglich ein dickes Bündel Scheine eingepackt, denn wenn wir hier Geld ziehen, kassiert die Bank stets um die fünf Euro Gebühr.

Unser kleines Zimmer im vierten Stock ist zweckmäßig eingerichtet und verfügt über ein winziges Duschbad. Für eine Nacht kein Problem. Hauptsache sauber und dass die Klimaanlage funktioniert, denn bei diesem Verkehrslärm und den aufsteigenden Abgasen ist es unmöglich, bei offenem Fenster zu schlafen.

Wir haben noch den ganzen Abend vor uns und machen uns gleich auf den Weg zur Zea Marina. Der große Yachthafen ist voller Schiffe. Wahrscheinlich verbringen viele hier den Winter. Auch „unser“ Platz vom vorigen Jahr ist belegt. Doch auf den Schiffen sieht man kaum jemand. Die Saison hat wohl noch nicht begonnen, obwohl wir hier jetzt schon Temperaturen haben, über die wir im deutschen Sommer glücklich wären.

Wir bummeln an der Hafenkante entlang, genießen den Blick über die Marina, das Häusermeer und den Saronischen Golf. Dort liegt Aegina, zum Greifen nah! Morgen sehen wir unser Schiff wieder. Hoffentlich hat es die Winterstürme gut überstanden…

In einer der vielen Tavernen an der Hafenkante setzen wir uns an den einladend gedeckten Tisch und bestellen „typisch Griechisch“: Bauernsalat, Tzatziki, knuspriges Brot und Fava (warmes Kichererbsenpüree). Dazu einen Weißwein für mich und ein kühles „Mythos“, das Lieblingsbier vom Käptn. Auf der Mauer flackert die Kerze in der Laterne, nach und nach gehen in den Häusern die Lichter an, die Menschen flanieren schnatternd an uns vorbei und hin und wieder lässt uns ohrenbetäubender Motorradlärm zusammenzucken. Alles beim alten in Piräus!

Am nächsten Morgen holen wir uns zuerst das Fährticket. Wir haben es nicht eilig, nach Aegina zu kommen. Im Hotel Danae, wo wir vier Übernachtungen gebucht haben, können wir erst um 13:00 Uhr einchecken. Deshalb kaufen wir Tickets für die ANES-Autofähre um 12:15 Uhr. Sie braucht zwar doppelt so lange wie der schnelle Flying Dolphin, ist aber mit 8,00 Euro pro Person wesentlich preiswerter und vor allem: Wir können auf dem Oberdeck sitzen und die Seebrise genießen. Im Flying Dolphin dagegen ist man im Fahrgastraum eingesperrt, während es im Raketentempo über das Wasser geht.

Dann frühstücken wir gemütlich im Cafe´ D´espresso an der Ecke schräg gegenüber vom Hotel, holen unser Gepäck und setzen uns auf eine Bank vor dem Fähranleger.

Blick in die Gounaristraße: Vorne rechts an der Ecke das D´espresso, links das blaue Schild mit dem Schriftzug ACROPOLE

Einige der überdachten Bänke sind von „Dauergästen“ belegt. Es sind Obdachlose, die in großer Zahl in Piräus leben. Einige von ihnen haben sich hier häuslich eingerichtet. Man hat aber von ihnen nichts zu befürchten.

Lästig sind dagegen die „hilfsbereiten“ Typen, die plötzlich vor einem auftauchen, überfreundlich die Hand ausstrecken und dabei französische oder deutsche Grußformeln proklamieren. Nein, nein, sie wollen angeblich kein Geld schnorren. Sie wollen lediglich nur eine Packung Tempo „verkaufen“. Die braucht man ja hier so dringend. Genau, wie die Hilfe beim Ticketkauf oder beim Koffertragen.

Der braungebrannte, sehr gut gekleidete Typ, der da vor mir steht, wird sofort von mir ignoriert. Das macht ihm gar nichts. Frauen haben hier sowieso nicht die Hand auf dem Geldbeutel. Da hält man sich besser an die männliche Begleitung, die sich in unserem Falle bereits im Hotel ein paar Münzen für Bedürftige ins Brusttäschchen gesteckt hat. Schnell ist mein „Ex-Pfadfinder“ weichgeklopft und der Helfer bekommt eine Zwei-Euro-Münze, damit er endlich Ruhe gibt. Er drängt ihm aber unerbittlich sein Tempopäckchen auf und sucht sich ein neues Opfer.

Dann läuft die ANES – Fähre ein und schon steht unser Helfer wieder bei Fuß. Er will unbedingt die Koffer zur Fähre tragen, obwohl es nur ein paar Schritte sind. Ich lehne freundlich ab, doch das hilft nichts. Er schnappt sich einfach die Koffer und will losgehen! Ich wehre mich heftig gegen den Angriff, der Käptn sagt: „Lass ihn doch!“, aber mir reicht´s jetzt: ICH MÖCHTE KEINE HILFE! ICH SCHIEBE MEINEN KOFFER SELBST ZUR FÄHRE!

Da taucht plötzlich ein zweiter Mann auf. Er mischt sich unfreundlich ein und sagt auf Englisch so was wie „einen Euro kann man ihm doch geben“, worauf ich zurückgebe „Wir habe schon bezahlt, möchten aber keine Hilfe!“, schnappe meinen Koffer und rolle zur Fähre.

Der streng blickende Kontrolleur in feiner Dienstuniform überprüft mein Ticket. Ich sehe nur eine steile Treppe und frage, wie ich mit meinem Koffer nach oben kommen soll. Der Kontrolleur verzieht keine Miene und deutet nur auf die Treppe. Hinter mir staut sich das Volk. Da hoch soll ich meinen Koffer schleppen? – Jetzt könnte ich Hilfe gebrauchen!

Ich werfe dem Mann einen fassungslosen Blick zu und gehe weiter. Er ruft mir etwas Unverständliches hinterher. Als ich völlig aus der Puste oben ankomme, entdecke ich um die Ecke eine kleine Tür. Es ist ein Aufzug. Jetzt realisiere ich, was der Kontrolleur mir hinterhergegrummelt hatte: „You can take the elevator!“ Nicht alle Griechen sind freundlich und hilfsbereit zu älteren Damen…

Auch der Käptn stemmt seinen Koffer die Treppe hoch. Schnaufend nimmt er neben mir Platz und ab geht´s nach Aegina.

 Als wir den Hafen Aegina erreichen, legt gerade der Flying Dolphin in Richtung Piräus ab.

In Aegina Town hat sich nichts verändert. Das große, alte Gebäude am Hafen bröckelt weiter vor sich hin. Die Stände der Pistazienverkäufer säumen nach wie vor die Uferstraße. Dahinter reiht sich eine Taverne an die andere. Im städtischen Hafen dümpeln schon eine Menge Boote. Einige haben wir schon im Vorjahr hier gesehen. Wahrscheinlich haben sie im Wasser überwintert.

Der Weg zum Hotel führt einen Kilometer aus der Stadt hinaus. Es geht bergauf, vorbei am archäologischen Park mit den Ruinen des Apollotempels. Anschließend kommt eine kleine Bucht mit blau-schimmerndem Wasser in allen Abstufungen und on Top of the hill das Hotel Danae.

An der Rezeption stehen zwei junge Damen. Sie empfangen uns herzlich und bedauern, dass wir noch fünf Minuten warten müssen. Sie tragen die Koffer die wenigen Treppenstufen hinauf und wir beziehen Zimmer 310.

Der Raum ist nett eingerichtet und wesentlich größer als im Hotel Acropole. Es gibt genügend Schrankraum, ein kleines Duschbad und einen Balkon mit Blick auf den Pool und das Meer. Hier könnte man wirklich Urlaub machen, wenn…ja wenn man kein Schiff im Kanonis Boatyard hätte.

 Hotel Danae

Nach dem Frühstück im Wintergarten des Hotels steht schon der kleine Mietwagen vor der Tür. Die jungen Damen hatten sich wunschgemäß darum gekümmert. Wir müssen lediglich noch bezahlen, vorzugsweise – na, was wohl? – cash. Der Wagen hat einige Schrammen, die vom Vermieter fotografiert werden. Versicherungen ohne Selbstbeteiligung gibt es auf Aegina nicht. Die Straßen haben so tiefe Schlaglöcher, da lässt sich keine Versicherung drauf ein.

Werftkrempel mit Zaunwinde

Wir starten sofort zur Werft. Nach fünf Minuten öffne ich das Rolltor und der Käptn fährt mit Herzklopfen aufs Gelände. Gleich findet sich eine helfende Hand, die eine Leiter besorgt. Wir krabbeln sie hoch und finden unser Schiff unversehrt.

Anima mea steht mittlerweile in einem Wildblumengarten aus gelbem Mohn und diesen lila Röhrenblütlern.

Allerdings ist die grüne Plane zerrissen und die Südstürme haben eine dicke, rote Schicht Saharastaub aufs Deck geblasen.

Auch unter Deck ist alles so, wie wir es verlassen haben. Keine Ratte hat sich eingeschlichen und die Polster zerfetzt. Keine Kakerlake hat ihre Brut in den Schränken verteilt. Lediglich ein Riesenpaket verstopft den Salon. Das hat die Kanonis-Truppe hier hineingewuchtet. Darin befindet sich unser neues Schlauchboot, das wir im Herbst auf der Hanseboot (der letzten, die nach all den Jahren in Hamburg stattfand) bei Niemeyer gekauft haben.

Das neue Dinghi wird sofort ausgepackt und aufgepumpt. Damit es nicht stört, wird es an einem Fall am Mast hochgezogen. Wie eine graue Stehle thront es nun dort oben und schaut hinaus aufs Meer. Blickt seiner Bestimmung entgegen, uns vor Anker liegend sicher an Land und wieder zurück an Bord zu bringen.

 Das Schlauchboot reckt sich vor dem Mast in die Höhe. Vorne unser gelber Mietwagen.

Die folgenden Tage vergehen mit den üblichen Tätigkeiten: Schiff abspritzen, Unterwasserschiff streichen.

Streichen des Unterwasserschiffs entdecke ich diese Schmetterlingspuppe. Bestimmt die Raupe Nimmersatt!  Die leere Hülle des ehemaligen Raupenkopfs hängt noch unten dran. Leider muss ich das Tierchen abnehmen und an einen anderen Ort verpflanzen. Hoffentlich überlebt es das!

TOILETTENPUMPE AUSTAUSCHEN UND MÖGLICHST DICHT KRIEGEN, Flugrost am Edelstahl mit Starbrite Rust Stain Remover (ein Superzeug!) entfernen, Rumpf reinigen/wachsen, Propeller schleifen/streichen, lackiertes Holz an Deck anschleifen/streichen, Schränke einräumen, Segel anbringen…da wären wir beim ersten Problem!

Wir ziehen das Vorsegel (Genua) aus dem Segelsack. Ich führe das Vorliek in die Nut am Vorstag, der Käptn zieht das Segel am Fockfall hoch. Geht schwer! Quietscht, als wären wir auf dem Schlachthof. – Kurz vor dem Ende geht gar nichts mehr. Irgendwas sperrt sich gegen das Segelsetzen. Liegt es an der Trommel? In der ist die Schot aufgerollt. Sie wird jetzt mühsam herausgefriemelt. Dann wird versucht, sie wieder aufzurollen. Geht nicht. Ein Fachmann muss her….

Auf dem Werftgelände gibt es eine kleine Containerwerkstatt. Darin wirken der Holländer Wim und sein Sohn. Wim war bereits an Bord, weil er uns eine größere Solarzelle montieren soll. Nun schaut er sich die Trommel der Rollfock an. Er tippt auf Lagerschaden und nimmt die Gebrauchsanleitung mit. Die will er in Ruhe studieren und sich gegebenenfalls im Internet schlau machen. Ist ja leider ein sehr spezielles Ding von Haase Segel in Travemünde. Jedenfalls muss die Rollfockanlage runter vom Schiff, damit Wim die Trommel auseinandernehmen kann. Das soll nächste Woche erfolgen. Bis dahin hat er noch mit anderen Aufträgen zu tun. Hoffentlich wird das nicht wieder ein teures Vergnügen….

Ansonsten kommen wir langsam aber sicher voran. Während das Schiff auf Vordermann gebracht wird, schmilzt der angesammelte Winterspeck in der schweißtreibenden Sonne Griechenlands. Leiter hoch, Leiter runter. Beinchen über die Reling schwingen, unter die Plane ducken, auf allen Vieren übers Deck robben….. Da wird man wieder beweglich, abends schmerzen zwar die Muskeln, aber die Gelenkschmerzen sind wie weggeblasen.

Zur Belohnung gehen wir jeden Abend in eine andere Taverne in einem anderen Ort dieser schönen Insel mit ihren Pistazienplantagen und Olivenhainen. Unter den Bäumen und an den Wegrändern grünt und blüht es. Eine vergängliche Pracht, die schnell in der unerbittlich strahlenden Sonne ihre Samen bilden muss und dann vertrocknen wird.

Gelbes Blütenmeer unter den Pistazienbäumen

    Käferhochzeit im Zaunwindenkelch

Mit den vier Übernachtungen im Danae haben wir unsere Kräfte etwas überschätzt. Wir mussten noch vier weitere Nächte dranhängen, damit wir abends nicht schon vor dem Essen vor Müdigkeit ins Bett kippen.

Aber wenigstens ein bisschen Urlaub muss doch sein. Oder?

 

      • Ja, es war jetzt eine längere Zeit still bei uns. Ein paar Energie- und Zeiträuber, haben uns in Atem gehalten. So müssen einige Geschichten auf Veröffentlichung noch warten.
        LG WoMolix und WoMoline

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