03.10.2017 Wir sind das Volk!

Es ist schon 27 Jahre her, als auf den Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR dieser Ruf erklang. Das Volk bäumte sich auf, ging unerschrocken auf die Straße und erlangte durch friedlichen Protest die Freiheit. Seitdem leben wieder alle Deutschen in einer Demokratie, einer Staatsform, in der das Volk entscheidet.

Ein wichtiger Bestandteil der Demokratie sind freie, geheime Wahlen, in denen das Volk seine Vertreter wählt.

Am 24. September konnten die wahlberechtigten Deutschen über ihre zukünftige Regierung entscheiden. Die meisten gingen an diesem Wahlsonntag in ihr Wahllokal und füllten den Wahlzettel in der Wahlkabine aus. Dann steckten sie den Wahlzettel in ein Briefkuvert und warfen es in eine Wahlurne. Wohl die wenigsten dachten daran, dass dieses Wahlverfahren bereits vor 2353 Jahren in Athen praktiziert wurde!

Allerdings war damals die Wahlurne aus Marmor und der Wahlzettel aus Metall. Der Wähler war Einwohner Athens, der Stadt, in der die DEMOKRATIE erfunden wurde. Denn hier galt der in Marmor gemeißelte Erlass über „Volk und Demokratie“.

Öffentlich in Athen aufgestellt: Die Stele der Demokratie (337/336 v. Chr.)

Es ist ein merkwürdiger Zufall, dass wir genau am Tag der deutschen Bundestagswahl nichtsahnend in das Museum der antiken Agora in Athen geraten. Es befindet sich in der rekonstruierten Attalos-Stoa.

König Attalos II, König von Pergamon, ließ dieses Gebäude errichten. Hier traf man sich, ging zwischen den Kolonnaden spazieren und machte in den über 40 Geschäften in diesem antiken Einkaufszentrum seine Besorgungen.

Die Kolonnaden der Attalos-Stoa

Heute wird die Stoa als Museum genutzt. Die wichtigsten Ausstellungstücke sind mit den Funktionen der Athener Demokratie verbunden und stammen aus der Klassischen Zeit (500-336 v. Chr.).

Die Stoa war allerdings nur ein Teil der antiken Agora. Diese war ein großer Platz am nordwestlichen Hang der Akropolis.

Unterhalb der Akropolis befindet sich das Gelände der antiken Agora

Hier, wo mehrere wichtige Straßen endeten, spielte sich das soziale und wirtschaftliche Leben der Athener ab. Während die Händler ihre Waren anpriesen, suchten sich politische Redner ihr Publikum. Auch Sokrates und Perikles wanderten zwischen den vielen Gebäuden der Agora umher, philosophierten und diskutierten oder schauten sich Freilichttheater-Vorstellungen bzw. sportliche Wettkämpfe an.

So sah die antike Agora vor ihrer Zerstörung aus

Der sehr gut erhaltene Hephaistos-Tempel gegenüber der Stoa zeigt, dass die Agora auch ein religiöses Zentrum der Athener war, wo sie ihren Göttern Opfer darbrachten.

Der Hephaistos-Tempel. Hephaistos war der missgestaltete Sohn des Zeus und der Hera. Er wurde als Gott der Schmiede verehrt.

Doch alle anderen profanen und sakralen Bauten wurden im Laufe der Geschichte zerstört. Von den Bauten der „Wiege der Demokratie“ zeugen nur noch die Grundmauern und einige Säulenreste zwischen den Bäumen und Büschen.

Seit 1975 ist Griechenland eine parlamentarische Republik. Das jeweils auf vier Jahre gewählte Parlament umfasst 300 Abgeordnete, die den Staatspräsidenten auf fünf Jahre wählen. Seit 2015 hat Prokopis Pavlopoulos von der Partei Nea Dimokratia dieses Amt inne. Im Januar 2015 wurde Alexis Tsipras von der Linkspartei Syriza als Regierungschef vereidigt. Seine Reformen und der Druck der europäischen Geldgeber erzeugen immer wieder Unmut in der Bevölkerung.

Das klassizistische Parlamentsgebäude wurde 1842 von Friedrich von Gärtner als Königsschloss erbaut. Es steht am verkehrsumtosten Sintagmaplatz und wird von den Evzonen bewacht. Am Grab des Unbekannten Soldaten paradiert die Wache im kurzen Faltenrock, der mit seinen 400 Falten an 400 Jahre Unterdrückung durch die Türken erinnert. Zu jeder Stunde ist Wachablösung, doch sonntags geschieht dies um 11 Uhr mit einer feierlichen Parade, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

 

Selbst in den heißen Sommermonaten dürfen die Soldaten in ihren Wollstrümpfen und den Pantoffeln mit der dicken Bommel keine Miene verziehen. Egal, ob der Schweiß in die Augen rinnt oder eine der vielen Tauben auf ihrem Kopf landet.

Es hat etwas sehr Würdevolles, mit welcher Körperbeherrschung sie ihre zeitlupenartigen, synchronen Bewegungen ausführen.

 

Morgen früh müssen wir uns von dieser beeindruckenden Hauptstadt verabschieden.

Wir kamen in der Hoffnung, dass sie mehr zu bieten hat als Hektik, Lärm und Smog. Und wir wurden angenehm überrascht!

Athen ist nicht so prächtig wie Rom mit seinen sieben Hügeln, dem Tiber mit den vielen Brücken und den unzähligen schönen Kirchen und Palästen. Dafür hat es aber die Akropolis mit ihrer heiligen Aura, die antike Agora als Keimzelle der Demokratie, wunderbare Museen, in denen die antiken Schätze aus ganz Griechenland bewundert werden können und eine gemütliche Altstadt. Hier, in der Plaka, schlendern Menschen aus aller Welt friedlich durch die engen Gassen. Hin und wieder schaut die Polizei nach dem Rechten, doch Soldaten mit Maschinenpistole, wie in Rom, haben wir nirgendwo in Griechenland und auch nicht in Athen gesehen. Egal, wo wir waren: Es herrschte eine entspannte, friedliche Atmosphäre.

In der Taverne

Nur einmal hatten wir Pech: In der Metro stibitzte ein Taschendieb dem Käptn das Behältnis mit unserer „Eintrittskarte“ für das Tor am Steg aus der Hosentasche.

Das war sowohl für den Dieb, der mit der Karte nichts anfangen konnte als auch für uns ärgerlich, weil wir damit 10 Euro Pfand verloren hatten.

Aber dass die Athener nicht so nett wie die restlichen Griechen sein sollen, können wir nicht bestätigen.

Auch in Piräus, dem Hafen von Athen, haben wir uns gut aufgehoben und wohl gefühlt. Für einen Monat hatten wir in der Zea Marina eine unbeschwerte Bleibe, wo unsere Anima mea sicher aufgehoben war, während wir Stadt und Land erkundeten. Morgen bringen wir unser schwimmendes Zuhause zur Insel Aegina. Im Kanonis Boatyard werden wir hoch und trocken auf dem Schiff wohnen und es für den Winterschlaf vorbereiten. Am 17. Oktober geht es mit der Fähre nach Piräus und dann mit dem Bus zum Flughafen.

Die weißen Rosen aus Athen, die im Lied sagen: „Komm recht bald wieder!“, blühen hier noch, aber die Tage werden kürzer und kühler. Mit der Aussicht auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr freuen wir uns auf unsere Wohnung, auf unsere Familie, unsere Nachbarn und Freunde und nicht zuletzt auf: Hamburg, „meine Perle“!

Die griechische Flagge: Blau symbolisiert Meer und Himmel, das Weiß steht für den Unabhängigkeitskampf, das Kreuz für das Christentum. Die neun Streifen versinnbildlichen das aus neun Buchstaben bestehende griechische Wort für Freiheit.

 

 

  1. Noch einige schöne Tage in Griechenland, danach eine glückliche Ankunft in eurer wunderbaren Stadt Hamburg.
    Ich bedanke mich ganz herzlich für die großartigen Berichte und Fotos!

    Liebe Grüße!
    Ingrid

    • Hallo, Ingrid! Du bist also ein weiblicher Steinfisch. Ich (Christine) bin auch ein Fisch (Sternzeichen). Also wir bedanken uns ganz herzlich für dein Interesse und freuen uns, dass dir unsere Berichte u. Fotos gefallen haben. Wir hoffen, du bleibst uns treu!
      Liebe Grüße Christine und Heinz

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