21.09.2017 For Your Eyes Only

 Kloster Agia Trias in Meteora

Es ist schon später Nachmittag, als wir Dion und Vergina hinter uns lassen und auf die Autobahn E 90 in Richtung Westküste nach Ioanina fahren. Nach 60 Kilometern kommt endlich die Abzweigung nach Trikala und es geht nach Süden weiter. Aber bis dort müssen wir ja gar nicht fahren. Wir haben nur noch weitere 60 Kilometer vor uns und gute Chancen, Meteora mit dem letzten Büchsenlicht zu erreichen.  

Die Autobahnen in Griechenland sind in bestem Zustand und bieten überall freie Fahrt. Das liegt sicher an den Schildern mit dem Wort TOLL, die früher oder später auftauchen und nicht etwa den Fahrstil des Autofahrers loben sondern ihn vorwarnen, dass er jetzt gleich zur Kasse gebeten wird.

Kurz danach tauchen dann die Mauthäuschen auf und der Wegzoll wird kassiert. Es ist nicht viel, aber es läppert sich. Am Ende unserer 1444 km langen Reise – aus Zeitgründen über weite Strecken auf der Autobahn – hatten wir bei den freundlichen Kassierern 31, 95 Euro für den Erhalt der griechischen Straßen und Tunnel abgeliefert.

Es dämmert schon, als wir die Autobahnabfahrt zur Landstraße nach Kalambaka erreichen.  Nun ist es Schluss mit der zügigen Fahrt.

Der Weg führt jetzt zwar durch eine wunderschöne Hügellandschaft, aber gleichzeitig auf einer schmalen, kurvigen, bergauf- und bergab verlaufenden Straße. Und vor uns schleicht ein Laster mit schwerer Holzladung und Tempo 30!

Irgendwann können wir ihn überholen. Doch nach der nächsten Kurve haben wir einen neuen Lastzug vor uns, während sich ein anderer aus der Gegenrichtung nähert.

Hinter uns baut sich eine Schlange auf, es wird dunkel und nur selten gibt es eine Möglichkeit zu überholen. Ist das geschafft, taucht der nächste Laster auf und das Spiel beginnt von vorne. Jetzt wird klar, warum die Autobahnen so leer sind!

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir Kalambaka.

Auf der Suche nach unserem Hotel stoppen wir vor jedem Hotel-Hinweisschild am Straßenrand ab, doch der Name Meteora Hotel at Kastraki taucht nicht auf.

Dann sind wir im ausgestorbenen Ortskern. In der Apotheke brennt noch Licht. Vielleicht kann man uns dort weiterhelfen.

Glück gehabt! Die Apothekerin- sie will den Laden gerade dichtmachen- kennt das Hotel. „Es ist etwas schwierig zu finden in der Dunkelheit,“ sagt sie.

Mit ihrer Beschreibung machen wir uns auf den Weg, der zurück zum Ortseingang führt. An einem Restaurant, das ebenfalls in der Wegbeschreibung vorkommt, halten wir an und bekommen die Bestätigung, dass wir es fast geschafft haben.

Der asphaltierte Feldweg, den wir jetzt weiterfahren, scheint ins Nichts zu führen. Doch dann taucht unvermittelt ein hell erleuchtetes Gebäude auf. Auf dem Parkplatz ist kein Mensch und nirgendwo steht ein Hotelname.

Ich gehe hinein und erkläre an der Rezeption: „Ich glaube, ich habe bei Ihnen ein Doppelzimmer reserviert.“ – Die junge Dame schaut nach, und es stimmt: Wir sind endlich in unserem Hotel!

Völlig erschöpft wollen nur noch eins: Etwas essen und dann ins Bett.

Am nächsten Morgen schaue ich aus dem Fenster. Ich sehe eine gepflegte Rasenfläche, drumherum Hotelgebäude. Nichts Spektakuläres!

Dann gehen wir zum Frühstück. Der Speisesaal führt hinaus auf die Terrasse am Swimmingpool.

Wow!!!

Vor uns erheben sich die dunkelgrauen Sandsteinfelsen von Meteora. Erdbeben und Erosion haben sie vor Jahrmillionen geschaffen. So ist eine fantastische Landschaft mit teilweise über 600 Meter hohen Felsentürmen entstanden, die rund um die Dörfer Kastraki und Kalambaka aus der Ebene wachsen.

Blick auf das Dorf Kastraki und die Felsen von Meteora

An der Hotelrezeption erhalten wir eine Landkarte. Darauf sind alle Felsen mit Namen eingetragen. Aber was die Szenerie erst so richtig spektakulär macht, sind die 24 Einzelklöster, die wie Adlerhorste auf den Felsplateaus kleben. Bei Dunst sieht es aus, als würden sie über der Landschaft schweben.

Das Kloster Agia Trias (Heilige Dreifaltigkeit) schwebt über dem Dorf Kalambaka.

Agia Trias hat heute Ruhetag und kann nicht besichtigt werden. 1981 wurden hier einige Szenen des James-Bond-Films „In tödlicher Mission“ gedreht. An den steil abfallenden Hängen fand der Showdown zwischen 007 (Roger Moore) und dem Millionär Kristatos (Julian Glover) statt.

Wirklich aufregend muss es früher für die Mönche gewesen sein, wenn sie das Kloster verließen. Es wurde zwischen 1458 und 1476 gebaut, hatte aber keine Treppe. Erst seit 1925 ist es möglich, das Kloster über eine Treppe zu erreichen. Da waren beim Mönch schon „Stuntman-Fähigkeiten“ gefragt, wenn er in einem Netz baumelnd die 570 m in die Tiefe abgeseilt wurde.

Mönch im Netz

Von den 24 Klöstern sind heute nur noch sechs bewohnt und können besichtigt werden. Der Rest ist schwer zugänglich und /oder baufällig.

Wir sehen uns zuerst Kloster Varlaam an, danach steigen wir die 143 Stufen zum Kloster Megalo Meteoro („Der Schwebende“) hinauf, das bis 1923 nur per Netz und Seilwinde zu entern war. Es ist das größte aller Klöster (60 000 Quadratmeter Fläche) und liegt auf 613 m Höhe.

Vorne ist Kloster Varlaam (gegründet Mitte des 14. Jahrhunderts), hinten Megalo Meteoro.

Der Besucherstrom wandert in Megalo Meteoro die Treppe hinauf und hinunter und genießt die atemberaubenden Blicke über die Landschaft. Früher wurden die Mönche durch die Tür im Turm abgeseilt.

In beiden Klöstern leben noch heute die Mönche nach strengen Regeln, aber nicht mehr so abgeschieden wie in früherer Zeit. Der Preis für die verloren gegangene Einsamkeit: 3 Euro pro Besucher! Da dürfte es kein Problem sein, die Klostergebäude und die schönen Fresken in der Kirche zu erhalten.

Fresken im Kloster Megalo Meteoro

Im Gegensatz zur Mönchsrepublik auf dem Berg Athos dürfen in Meteora auch Frauen die Klöster besuchen. Allerdings nur züchtig bekleidet! Bedeutet: Schultern und Knie bedeckt. Lange Hosen sind bei Herren Pflicht, bei Damen muss zusätzlich ein Rock darüber getragen werden. Aber ein großes Tuch über der Hose zusammengebunden wird auch akzeptiert.

Meteora-Look

Da wir immer alle Erklärungen lesen müssen und gerne lange in den Räumen und vor den Schaukästen verweilen, schaffen wir „nur“ zwei Klöster.

Dann fahren wir langsam durch diese märchenhafte Landschaft, halten an den Parkplätzen immer wieder an und schauen wie verzaubert über diese Augenweide. Wie gut doch dazu der Titelsong aus dem James-Bond-Film passt: For your eyes only!

Wir verbringen noch eine Nacht im Meteora Hotel at Kastraki, dann geht es durch die thessalische  Tiefebene durch Baumwollfelder zum Parnassos Gebirge am Golf von Korinth. Die Baumwollernte ist im vollen Gange. Mit Pflückmaschinen werden die Baumwollpuschel abgezupft und von Lastwagen in Anhängern mit hohen Gittern abtransportiert. Immer wieder fliegen die Baumwollpuschel durch die Gitter und sammeln sich wie eine Schneeschicht am Straßenrand.

Baumwollfeld

Dann verlassen wir die Tiefebene und fahren in die wilde Gebirgswelt des Parnassos. In Delphi waren wir schon, als wir mit dem Schiff in Itea lagen. Weiter geht es in das Bergdorf Arahova, wo es schöne Webwaren geben soll.

Doch das Dorf ist „voll touristisch“. In einem kleinen Laden kaufe ich die örtliche Pastetenspezialität und etwas zu trinken und dann: Schnell weiter!

Dann entdecke ich auf der Landkarte den Namen „Osios Loukas“ und im Reiseführer eine kurze Beschreibung des Klosters, das im 10. Jahrhundert im byzantinischen Stil errichtet wurde und „der rechte Ort für ein Picknick“ sein soll.

Auch nach Meteora ein Highlight: Kloster Osios Loukas

Es ist nicht einfach, das Kloster zu finden und der Weg ist auch länger als erwartet, doch dann stehen wir im Hof dieser beeindruckenden Anlage (UNESCO Weltkulturerbe) und staunen über die farbigen Mosaike auf goldenem Grund, die seit dem 11. Jahrhundert an der Kirchendecke schimmern.

Mit kleinsten Steinchen ist es dem Künstler gelungen, das Jordanwasser, in dem Jesus von Johannes getauft wird, wellenartig und „durchsichtig“ darzustellen.

Taufe Jesu

Aber auch das Kreuzgewölbe mit seinen prächtigen Bordüren und der über alles verehrten Mutter Gottes neben ihrem Sohn und zwei Engeln ist unglaublich schön anzusehen.

Kreuzgewölbe

Doch, der kleine Schlenker in dieses Klosterparadies in den Bergen war ein schöner Abschluss unserer Autotour durch Zentral- und Nordgriechenland, das uns mit seiner beeindruckenden Landschaft und Kultur fünf Tage lang begeistert hat.

 

 

 

 

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