27.09.2017 – Besuch bei „Königs“

Nachdem uns der Olympus einen Eindruck von der Größe und Macht der griechischen Götter vermittelt hat, begeben wir uns auf die Spur der Makedonischen Könige.

Die nordgriechische Provinz Makedonien beginnt gleich nördlich des Olymp-Massivs und reicht bis an die Grenzen zu Albanien und Mazedonien. Die heutige Hauptstadt von Makedonien ist Thessaloniki am Thermaischen Golf, an den auch die Westküste der Chalkidiki mit ihren drei „Fingern“ Kassandra, Sithonia und Athos grenzt.

Im antiken Königreich Makedonien hieß die Hauptstadt Agiai. Gegründet wurde sie von einem makedonischen König mit Namen Archelaos, den eine Ziege – griechisch: aiga – an den Platz leitete, der heute Vergina heißt und untrennbar mit den Namen Phillip II und Alexander der Große verbunden ist.

Auch wer früher im Geschichtsunterricht Wichtigeres zu tun hatte als aufzupassen: An Alexander den Großen und dem mit ihm verbundenen Merkspruch: 333 – Issos Keilerei konnte wohl kaum ein Schüler vorbeihören. Sein Vater Philipp II hatte da schon bessere Chancen, überhört zu werden!

2300 Jahre altes Elfenbein: Philipp II, König von Makedonien

Doch nach dem Motto: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ muss festgestellt werden, dass Philipp II sowohl über eine große militärisch-organisatorische Begabung als auch über außerordentliche diplomatische Fähigkeiten verfügte. So gelang es ihm, die Kontrolle über den aufsässigen makedonischen Adel zu gewinnen und sein fast absolutistisches Königtum zu stärken.

Bei seinen Kriegszügen eroberte er Silber- und Goldvorkommen, die es ermöglichten, die „verlotterte“ makedonische Armee zur schlagkräftigsten der Antike zu machen.

Er schlug die Griechen in der Schlacht von Chaironaia und schloss sich mit den griechischen Stadtstaaten zum „Korinthischen Bund“ zusammen, der es ihm ermöglichen sollte, in einem Rachefeldzug gegen Persien zu noch mehr Land, Reichtum und Macht zu gelangen.

All das bildete letztendlich die Grundlage für seinen Sohn Alexander, das blühende Familienunternehmen erfolgreich weiterzuführen!

Doch wie in vielen Familien, ist auch bei „Königs“ nicht alles eitel Sonnenschein! Stichwort „Patchworkfamilie!“

Sogar für die antiken Geschichtsschreiber war es anscheinend nicht so einfach, die komplizierten „Verhältnisse“ König Philipps zu überblicken.

Er hatte in seinem 46 Jahre währenden Leben (382 – 336 v. Chr.) mindestens sieben Ehefrauen, die er vielleicht aus Liebe aber bestimmt auch aus „taktischen“ Gründen heiratete. Ohne „Bigamie“ wäre das zeitlich wohl kaum möglich gewesen, was Neid und Eifersucht unter den Rivalinnen schürte.

Da der Ehemann meist in Sachen Kriegszug und neuer Eroberung unterwegs war, kümmerten sich die Ehefrauen intensiv um die gemeinsamen Kinder. Die herrschsüchtige „Helikoptermutter“ Olympias von Epeiros zum Beispiel tat alles dafür, dass Sohn Alexander nicht nur groß und stark, sondern auch „der Große“ Nachfolger auf dem Königsthron würde. Der mögliche Mitbewerber Arhidais, Sohn der Nebenfrau Philinna von Larissa, wurde mit Gift gefüttert. Er überlebte zwar den Anschlag, war danach aber schwachsinnig und damit regierungsunfähig.

Doch dann traf Philipp die blutjunge Kleopatra! Sie war die Nichte des makedonischen Generals Attalos, der großen Einfluss am Königshof hatte. Wieder wurde Hochzeit gefeiert und Olympias und Alexander saßen unter den Gästen. Die Erniedrigung seiner Mutter war wohl auch Sohn Alexander zu viel. Er hatte zwar ein recht gutes Verhältnis zu seinem Vater, und auch Philipp war stolz auf seinen gebildeten, mutigen und obendrein gutaussehenden Sohn, doch das Thema Nachfolge hatte er nicht eindeutig geklärt. Und dann fiel während der Hochzeitsfeier diese herablassende Bemerkung von Attalos, dass jetzt wohl bald ein „ehrwürdiger“ Thronfolger gezeugt würde!

Alexander stellte seinen Vater zur Rede, doch der ergriff Partei für Attalos und ging (betrunken) mit dem Schwert auf seinen „unverschämten“ Sohn los. Alexander und seine Mutter ergriffen die Flucht, doch nach einem halben Jahr im Exil kehrte Alexander zu seinem Vater zurück und versöhnte sich mit ihm.

Wieder stand eine Hochzeit ins Haus! Alexanders Schwester, sie hieß ebenfalls Kleopatra, wurde mit ihrem Onkel, dem Molosserfürsten Alexander von Epeiros, vermählt.

Mittlerweile war Pella die makedonische Hauptstadt geworden, aber die Feierlichkeiten fanden im Theater von Agiai statt. Auch Brautmutter Olympias war gekommen! Ihre Freude über das Glück ihrer Tochter wurde beim Anblick des kleinen Mädchens getrübt, das die junge Ehefrau ihres Mannes vor ein paar Tagen zur Welt gebracht hatte. Töchter waren zwar keine Konkurrenz für ihren Sohn, doch der Stachel der Eifersucht schmerzte!

Ob es auf Betreiben Olympias oder anderer Mächte geschah, ist nie geklärt worden. Jedenfalls erstach ausgerechnet der Leibwächter Pausanias seinen Herrn vor den Augen der Hochzeitsgesellschaft. Womöglich war es auch eine „Beziehungstat“, denn Philipp unterhielt zu Pausanias auch homosexuelle Kontakte, was in der damaligen Zeit nicht anstößig war, wenn man gewisse Regeln befolgte.

Der Königsmörder wurde sofort mit dem Tode bestraft, und unter der Leitung von Sohn Alexander folgte der Hochzeitsfeier übergangslos das Bestattungszeremoniell.

Während ihr untreuer Gatte in einer mehrere Tage dauernden, feierlichen Zeremonie feuerbestattet wurde, drang Olympias in die Gemächer der trauernden Witwe vor, ließ das Baby auf ihrem Schoß töten und zwang Kleopatra, sich zu erhängen.

Auch die tote Königin wurde mit allen Ehren gemeinsam mit ihrem Kind bestattet. Wie beim getöteten König wurden die Asche und die verbliebenen Knochenreste in wertvolles Purpurgoldbrokat gehüllt und in eine goldene Schatulle – die Larnax – gelegt. Zusammen mit wertvollen Grabbeigaben fand Kleopatra mit ihrem Kind in einer Vorkammer des Königsgrabes ihre letzte Ruhestätte.

Das filigrane Diadem der Königin

Die goldene Larnax der Kleopatra mit dem achtstrahligen Stern Makedoniens.

Dann wurden die prächtig ausgestalteten Grabkammern für die Ewigkeit verschlossen und zur Tarnung mit einem Erdhügel bedeckt, denn auch in der Antike gab es schon Grabräuber.

Der große Tumulus im heutigen Vergina hat einen Durchmesser von 110 m und ist 13 Meter hoch. Unter ihm verbergen sich drei Gräber, darunter auch das Grab Philipps und seiner letzten Frau Kleopatra. Im sogenannten Prinzengrab wurde wahrscheinlich Alexander IV., Sohn Alexander des Großen und seiner Gemahlin Roxane, beigesetzt. Die Ausstellung mit den eindrucksvollen Fundstücken ist ebenfalls unter dem Tumulus untergebracht.

Im Prinzengrab fand man die Gebeine des Toten in einer silbernen Hydra, darauf ein Goldkranz aus Blättern und Eicheln.

23 Jahrhunderte vergingen und kein Grabräuber entdeckte die verborgenen Schätze. Doch da sind ja auch noch die neugierigen Archäologen unterwegs!

1977 erfüllte sich für Manolis Andronikos ein Lebenstraum. Er stieß bei Grabungsarbeiten in Vergina auf die Königsgräber des großen Tumulus.

„Es traf mich wie ein elektrischer Schock, als ich das Portal zur Grabkammer aufmachte und die goldene Larnax öffnete. Im Purpurgoldbrokat fand ich menschliche Knochenreste und Asche. Das Alter und die Art der Grabbeigaben ließen den Schluss zu: Ich habe die sterblichen Überreste König Phillips des II in der Hand!“

So klingt der Text, der im Museum unter dem Tumulus neben einem Foto des griechischen Archäologen an der Wand steht.

Im geheimnisvollen Halbdunkel des Museums steigen wir zu den Portalen der Grabkammern hinab. Es ist hier ganz still und während wir auf diese mächtige Pforte zum Jenseits schauen, werden wir ganz ehrfürchtig.

Das Grabportal wurde von Alexander dem Großen persönlich verschlossen.

In den Vitrinen betrachten wir fasziniert die strahlenden Schätze aus Gold, Silber und Elfenbein und lesen ihre spannende Geschichte, bekommen eine Ahnung davon, in welcher Gefühlslage sich Andronikos befunden haben muss, als er seine Entdeckung machte. Selten hat uns ein Museum so berührt wie der große Tumulus von Vergina!

SZENENWECHSEL!

Wir sind jetzt im Heiligtum der Makedonen in Dion am nordöstlichen Fuße des Olymp.

Im archäologischen Park führen sumpfige Wege über Stege zu den Tempelresten von Zeus, Isis und Demeter. Die majestätischen Rituale und Olympischen Spiele zu Ehren des Göttervaters und der Musen lagen in hellenistischer Zeit in der Verantwortung des makedonischen Königshofes.

Fast im Schilf versunken: Das Demeterheiligtum

Wo heute ein mächtiger Nussbaum steht, wurde früher der Asklepios-Kult praktiziert. Wir knacken zwei Nüsse, essen die Kerne und hoffen auf ihre heilsame Wirkung.

Einer der vielen herrenlosen Hunde schließt sich uns an, begleitet uns auf der antiken Straße, die an den Häuserresten der Stadt und der Militärfestung König Philipps II vorbeiführt, bis er von einem Rudel ebenfalls herrenloser Hunde wütend „verbellt“ wird.

Hier geht die Geschichte Alexander des Großen weiter.

Nachdem er alle Konkurrenten aus dem Weg geräumt hat, tritt er im Alter von 20 Jahren das Erbe seines Vaters an.

Durch Aristoteles in Rhetorik, Literatur, Geografie, Kriegswesen, Naturwissenschaften, Medizin und Philosophie ausgebildet, verfügt Alexander über einen unbezwingbaren Machtwillen und strategischen Instinkt. Der geniale Heerführer ist ein Vorbild an Mut und Tatkraft und kann sowohl grausam als auch großmütig sein.

Ebenfalls Elfenbein: Alexander der Große

Nun baut er auf die Erfolge seines Vaters auf. Er verfügt über das neuorganisierte Heer, die von Philipp herangezogenen, fähigen makedonischen Generäle und die Machtstellung seines Vaters. Als Leiter des Korinthischen Bundes und in dessen Auftrag nimmt er für die Zerstörung der Akropolis in Athen Rache an den Persern.

Vor diesem „Panhellenischen Rachefeldzug„, der im Jahre 334 v. Chr. beginnt, lässt er hier vor dem Theater ein großes Zelt aufbauen und kümmert sich persönlich um die Bewirtung seiner Offiziere, um sie auf das Vorhaben einzuschwören.

Bildtafel auf dem Museumsgelände

Er bringt Zeus ein Opfer dar und bittet ihn um Unterstützung. Danach startet er mit einer Armee von  35000 Mann zu seinem erfolgreichen Feldzug.

Nach der Schlacht bei Issos heiratet er die Perserin Barrine. Verbissen verfolgt er den flüchtenden Perserkönig Darius, den er nach dessen Ermordung ehrenvoll bestattet und seine Tochter Strateira bei der Massenhochzeit von Susa ehelicht.

Er erweitert sein Reich bis Ägypten und gründet die damals wichtigste Handelsmetropole Alexandria. Die Priester krönen ihn zum Pharao, Sohn des Sonnengottes Amun, der auf gleicher Ebene mit dem griechischen Zeus steht.

330 v. Chr. erfüllt er den Auftrag des Rachefeldzuges, indem er den Königspalast in Persepolis niederbrennt. Doch er kehrt nicht um, sondern erobert weitere Gebiete, kommt bis zum Hindukusch und schließlich zum heutigen Pakistan.

18 000 Kilometer sind seine Truppen jetzt marschiert. Die Männer sind ausgelaugt, krank, leiden unter dem ungewohnten Klima und meutern.

Einer der bedeutendsten Feldherren der Geschichte kehrt um und stirbt in Babylon an einer Fieberinfektion.

Und wir stehen hier an der großen Wiese vor dem rekonstruierten Theater am Fuße des Olymp und malen uns aus, wie es damals gewesen ist, als die 100 Ochsen geschlachtet wurden und die Opferfeuer zum Himmel stiegen. Drohende Wolken haben sich über dem Gebirge zusammengebraut. Doch mittendrin bildet sich ein blaues Fenster. Blinzelt etwa Zeus gerade hinunter zu seiner Opferstätte, wo Erdbeben und Hochwasser fast alles Menschenwerk zerstört haben? Wo Alexander die „Hellenistische Epoche“ einleitete:

Die Verschmelzung der griechischen und der orientalischen Kultur in Sprache, Religion und Lebensweise.

Sie überlebte ihn noch 300 Jahre über seinen Tod hinaus!

 

 

 

 

 

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