11.08.2017 Gibt es schnorchelnde Schutzengel?

Nach unserer Rundreise über den Peleponnes bleiben wir noch einen Tag in Patras. Der Käptn muss mal wieder in den Mast klettern, weil das Topplicht bei unserem wilden Ritt „aus der Fassung“ geraten war. Na ja, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Vielmehr sorgen Sonne und Salzwasser unaufhaltsam dafür, dass das Material langsam marode wird. Mal sehen, wie lange die „Notfallbehandlung“ halten wird!

Es kann jedenfalls am nächsten Tag weitergehen. Wir starten bei vier Beaufort, aber schon vor der Meerenge von Rion und Antirrion bläst es uns mit Windstärke fünf bis sechs entgegen. Gleichzeitig setzt der Strom mit etwa zwei Knoten aus der gleichen Richtung, so dass unser Oscar ganz schön arbeiten muss, um die acht Tonnen Schiff unter der gewaltigen Hängebrücke hindurchzuschieben.

Die Rion-Antirrion-Hängebrücke ist mit 2252 m Länge die längste Drahtseilbrücke der Welt. Die Durchfahrten zwischen den vier Pylonen sind 560 m breit, die Durchfahrtshöhe reicht von 25 m bis maximal 45 m.

Jetzt haben wir den Golf von Patras hinter uns und den Golf von Korinth vor uns.

Wir steuern zum Festlandufer und passieren den mittelalterlichen Hafen Navpaktos, über dem sich die venezianische Festungsanlage erhebt. Wer sich aus dem Geschichtsunterricht noch an die Schlacht von Lepanto erinnert, weiß jetzt, dass sich hier, im ehemaligen Lepanto, die Türken für das gleichnamige Gemetzel ausrüsteten.

Leider ist der malerische Hafen sehr klein und im Sommer stets überfüllt. Deshalb verzichten wir auf den Stress, dort einzulaufen und womöglich in Schwierigkeiten zu kommen. Außerdem haben wir ja gerade mal gute neun Seemeilen hinter uns und wollen noch ein bisschen weiterkommen auf dem Weg zum Kanal von Korinth.

 

Nach weiteren 13 Seemeilen erreichen wir die Insel Trizonia.

Dieses 2,35 Quadratkilometer kleine Eiland verfügt über einen Hafen, ein Fischerdorf mit mehreren Tavernen und Bars sowie einen Minimarkt, in dem man frisches Brot für den nächsten Tag vorbestellen kann.

Es gibt auch ein Hotel und zahlreiche Ferienhäuser, die sich jedoch fast alle um den hübschen Ort konzentrieren.

 

Am Ortsrand steht die Natursteinkirche, dahinter liegt im Schatten der Pinien der Friedhof. Die Gräber sind mit viel weißem Marmor ausgestattet und mit Kreuzen und Engelsfiguren geschmückt. Auf den Grabplatten stehen Bilderrahmen mit Portraits der Verstorbenen, die den Besucher freundlich anlächeln. An diesem schönen Platz mit ewigem Meerblick haben sie ja auch allen Grund dafür!

Auf einem frischen Grabhügel prangt auf einem Holzgestell ein üppiger Kranz mit weißer Schleife und goldenen Lettern. Im Gegensatz zu den Blumensträußen auf den anderen Gräbern ist er aus echten Blüten gebunden.

Als wir diese beschauliche Insel am frühen Nachmittag ansteuern, werden wir von einem großen Zweimaster mit amerikanischer Flagge überholt. In einer Bucht am Festland geht die „lustige Truppe“  vor Anker. „Gut, dass die jetzt nicht den Hafen von Trizonia verstopfen!“ denken wir noch und drehen die Anima mea in den Wind, um das Großsegel zu bergen. Plötzlich höre ich ein Surren, das immer stärker wird. Ich schaue mich um und entdecke eine Drohne, die zielstrebig auf uns zukommt. Dann stoppt sie genau über uns und kreist um uns herum. Sie glotzt uns regelrecht an von da oben! Am liebsten würde ich dem Ding jetzt die Zunge herausstrecken!

Nachdem man uns endlich ausgiebig begafft hat, dreht das Ding ab in Richtung Trizonia. Wir sind ganz schön sauer über diesen „Angriff“ auf unsere Intimsphäre und können jetzt ungestört weitermachen. Als wir anschließend die Bucht von Trizonia ansteuern, zieht der Zweimaster blitzschnell den Anker hoch und überholt uns mit Volldampf. Noch vor uns erreicht er den Hafen und schnappt uns den letzten Platz an der Hafenmauer vor der Nase weg.

Haben die etwa die Drohne losgeschickt, um die Lage im Hafen zu erkunden und uns dabei auch noch neugierig beobachtet? Ich will nicht hoffen, dass wir demnächst in einem „Youtube-Video“ auftauchen! Als „fake news in Trump-Land“!

Doch vor dem Hafen gibt es eine sehr geschützte Ankerbucht, in die wir uns vorsichtig hineintasten.  Auf drei Meter Wassertiefe fällt der Anker. In unserem Handbuch steht: “Der Grund besteht aus Schlick mit Seegrasbewuchs und hält gut, wenn der Anker erst gefasst hat…“ Das testen wir ausgiebig mit kräftig „Rückwärtsfahrt“, wobei die Geschwindigkeitsanzeige beständig Null anzeigt.

Die stille Ankerbucht ist eine grüne Idylle. Sie bleibt es auch, weil zwei weitere Yachten nach mehreren Ankerversuchen aufgeben und lieber das Weite suchen. Am Abend legt sich auch der Wind und rosarote Wölkchen verzaubern den Himmel. Doch dann lebt der Wind wieder auf und kommt jetzt aus der anderen Richtung. Wie eine Primaballerina auf einer gläsernen Tanzfläche dreht sich die Anima mea langsam im Kreis.

Hier liegt die Anima mea bereits an der Hafenmauer. Vom Ankerplatz hatten wir diesen Blick (ohne Anima mea)

Am nächsten Morgen machen wir das Schlauchboot für eine kleine Erkundungsfahrt startklar. Ich stehe noch an Deck, als plötzlich ein Kopf mit Schnorchel und Taucherbrille vor mir auftaucht. „Wissen Sie, dass ihr Anker rutscht?“ fragt die schnorchelnde Dame im Wasser. „Ja, jetzt schon! Vielen Dank für den Hinweis!“, rufe ich unserem schnorchelnden Schutzengel zu und überbringe die frohe Botschaft dem Käptn, der sich gerade im Salon für den geplanten Ausflug umzieht.

Und tatsächlich: Als wir den Tiefenmesser einschalten, hat die Wassertiefe deutlich abgenommen!

Gut, dass der Zweimaster inzwischen den Platz an der Hafenmauer freigemacht hat. Jetzt haben wir ein sicheres Plätzchen und können den geplanten Landgang in Angriff nehmen.

Auch dieser Hafen ist typisch für Griechenland: Eine Hafengebühr kann man hier nicht loswerden, denn es gibt keinen Hafenmeister und kein Hafenbüro. Wir haben Glück, dass uns ein bayrischer Landsmann auf seinem Motorboot entdeckt und die Leinen beim Anlegen annimmt.

Es gibt auch keine Wasser- und Stromanschlüsse und schon gar keine Sanitäreinrichtungen. Bleibt zu hoffen, dass die vielen Dauerlieger aus aller Herren Länder einen Fäkaltank an Bord haben und diesen auch benutzen.

War sicher mal ein schöner Katamaran, das blaue Geschoss aus Guernsey!

Um den gesunkenen Zweimaster zwischen den Stegen kümmert sich kein Mensch. Noch ragen seine Mastspitzen aus dem Wasser. Aber was wird passieren, wenn er mal ganz abgetaucht sein wird? Ob die Unterwassergefahr dann wenigstens markiert wird?

Schiffsgrab mitten im Hafen

Nach der Hafenrundfahrt bringt uns unser Rudi Koster noch einmal in die Ankerbucht. Wir befestigen die Leine an einem dicken Stein am Ufer und wandern in die „Wildnis“. Links und rechts des Schotterwegs machen sich Mastixsträucher und uralte Olivenbäume den Platz streitig. Dazwischen recken einzelne Zypressen ihren schlanken Körper in den Himmel. Bizarre Disteln und Dornensträucher bieten den lauernden Spinnen guten Halt, das kunstvolle Netz zu befestigen. Die ausgetrockneten Gräser werden von der untergehenden Sonne vergoldet und die weißen Flechten auf dem Boden sehen aus wie eine tauende Schneedecke.


Dann erklimme ich eine kleine Anhöhe. Hier wurde eine Plattform für ein Haus gegossen, doch die Arbeiten sind wohl abgebrochen worden. Jedenfalls hatte sich der angehende Bauherr einen Platz mit Superaussicht ausgesucht!

Gut, dass nur diese Bodenplatte und nicht so ein schreckliches Bauruinengerippe die Landschaft verschandelt. Irgendwann werden Mastix, Kameldorn, Disteln und Flechten die „Baunarbe“ schließen. Dann können die Spinnen auch hier wieder auf Jagd gehen und zwischendurch die schöne Aussicht genießen.

Spiderman

 

 

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