31.05.2017 Tanz unter dem Vulkan

Die Anima mea wackelt fröhlich mit dem Steert, als der Stromboli 925 m über ihr wieder mal ein rötlich braunes Rauchwölkchen aus dem Krater entlässt.

Immer wieder recken wir den Hals, schauen die grünen, mit gelben Ginsterbüschen überzogenen Flanken des aktiven Vulkans hinauf und freuen uns über dieses Schauspiel.

Nach 8 1/2 Stunden „Motorbootfahrt“ haben wir die 42 Seemeilen von Vibo Marina/Valentia bis zum ältesten Leuchtfeuer der Welt endlich geschafft. Schon in der Antike war der Stromboli eine wesentliche Landmarke für alle, die die Straße von Messina passierten. Sein Licht wies auch Odysseus den Weg zu den Meeresungeheuern Skylla und Charybdis.

Leider sehen wir nur die Rauchwolken und nicht den Lavastrom Sciara del Fuoco, der sich an der Nordwestseite des Stromboli ins Meer ergießt. Deshalb ist dieser Vulkan nicht so gefährlich wie Ätna und Vesuv, da er wie ein riesiger Dampfkochtopf- statt Druck aufzubauen – regelmäßig das Ventil öffnet.

Auch um uns herum auf dem Wasser brodelt das Leben. So wie wir, haben schon viele Yachten an den Bojen, die hier für die Besucher ausgelegt sind, festgemacht. Kaum nähern wir uns dem Bojenfeld, kommt uns ein junger Mann im Schlauchboot entgegen und leitet uns zu einer Boje ganz nah am Strand. Trotzdem haben wir noch sechs Meter Wasser unter dem Kiel und den reinsten Logenplatz für 30 Euro die Nacht.

Von hier beobachten wir das Strandleben und die An- und Ablegemanöver der vielen Ausflugsboote. Bis zum Abend kommen und gehen die Besucherströme, teils, um die kleinen Dörfer San Vincenzo, Ficogrande und Piscita´mit ihren weißen, kubischen Häuschen zu besuchen oder auch, um eine geführte Gipfeltour zum „Lavaspeier“ zu machen. Nachmittags brechen die Gruppen auf, um in der Dunkelheit nach der anstrengenden Wanderung am Kraterrand zu stehen und das nächtliche Schauspiel der Glutgarben genießen können.

Wie gesagt, uns an der Nordostseite ist dieser Anblick verwehrt. Aber als wir im Dunkeln im Cockpit sitzen, sehen wir es am Gipfel doch noch leuchten. Unter der silbernen Mondsichel erscheinen die Lichtpunkte unzähliger Taschenlampen, die im Gänsemarsch unter dem Gipfelrand entlangwandern, dort, wo der unbefestigte, teils gefährliche Pfad hinunterführt.

Im Aschefeld verläuft irgendwo der Pfad für die Gipfelstürmer

Am nächsten Morgen räumt eine Yacht nach der anderen das Bojenfeld. Wir haben es nicht eilig. Durch den schwarzen Lavasand und die dunklen Steine am Meeresgrund schimmert das glasklare Wasser petrolfarben. Für den Käptn so verlockend, dass er am letzten Tag im Mai die Badesaison eröffnet. Mir ist es noch zu frisch und außerdem habe ich mehrere Feuerquallen gesichtet, die ihre feinen Nesselfäden majestätisch durchs Wasser ziehen.

Selbst gebastelt: Dusche

Dann frühstücken wir in Ruhe und werfen den Bojenfestmacher los. Es haucht mit einer Windstärke und schon wieder muss das eiserne Segel ran. Ganz langsam tuckern wir am Stromboli entlang in Richtung Panarea.

Eingehüllt in eine Dunstglocke gleiten wir übers glatte Wasser. Hinter uns pafft der Stromboli eine Wolke nach der anderen in den Himmel, vor uns erscheinen die zerklüfteten Felswände der Insel Basiluzzo und an Steuerbord Panarea. In der Ferne erkennen wir auch schon die Insel Salina sowie Lipari , Vulkano und Filicudi. Nur das weit im Westen liegende Inselchen Alicudi versteckt sich im Dunst. All diese Inseln gehören zum System des größten Vulkans von Europa, dem Unterwasservulkan Marsili. Und wir schwimmen oben drauf!

 

Panarea liegt auf einem Unterwasserplateau, auf dem auch Basiluzzo und einige andere Inselchen aus dem Wasser ragen. In Scalo Ditella (San Pietro) angekommen, erhebt sich Panarea wie eine grüne Wand, deren Sockel mit weißen und pastellfarbenen Häuserwürfeln verziert ist.

 

Wie Stromboli hat auch Panarea nur einen Anleger für die Fähren und Ausflugsboote, die hier ebenfalls ihre Besucherströme an Land kippen. „Im Sommer kommen noch VIPs und ihr Anhang aus Szene, Wirtschaft und Finanzwelt“ hinzu, wie mein Marco Polo Reiseführer SIZILIEN und LIPARISCHE INSELN verrät. Nördlich der Pier finden wir einen geeigneten Ankerplatz, von dem aus wir das bunte Treiben in sicherem Abstand beobachten können. Die hübschen Häuser am Steilufer sind zum Greifen nah, obwohl die Wassertiefe auf unserem Ankerplatz immer noch 11,5 m beträgt. Wieder haben wir den Logenplatz erwischt, diesmal jedoch zum Nulltarif!

Die Anima mea hat ihren Bug in Richtung Stromboli gedreht. So kann sie weiter beobachten, wie er immer wieder seine weißen Wölkchen in den blauen Himmel pustet. Und als es dunkel wird, kann sie von hier aus sogar sehen, wie das glutrote Leuchtfeuer aufblitzt.

Stromboli in Abendstimmung

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