11.05.2017 Wir lassen uns chauffieren

Gestern war frühes Wecken.

Noch vor dem vielstimmigen Glockengeläut auf Procida klingelt um 7:00 Uhr der Wecker im Schlafgemach der Anima mea.

Unser Kuschelbett

Wir marschieren zum Sanitärgebäude und trinken hinterher nur einen Kaffee zum Munterwerden. Dann packen wir die vorbereiteten Frühstücksbrote in den Rucksack und marschieren zum Fährhafen. Am Ticketschalter kaufen wir die Fahrkarten für einen Tagesausflug nach Ischia. Dann düsen wir innerhalb von 15 Minuten mit der Schnellfähre zur Nachbarinsel.

Die Schnellfähre macht in Procida fest

Nun setzen wir den Fuß auf die Heimat von Typhon, dem 100-köpfigen Ungeheuer und Vater so reizender Kinder wie Chimäre und Hydra. Doch Göttervater Zeus konnte ihn besiegen, worauf Typhon wutentbrannt (daher kommt wohl dieser Ausdruck) Feuer spuckte und die Erde beben ließ. Da packte sich Zeus ein Stück vom Ätna und schleuderte es auf Typhon. Darunter ist er bis heute begraben, rumort aber noch immer in den Tiefen herum, wovon der letzte Vulkanausbruch vor etwa 700 Jahren und die bis heute sprudelnden heißen Mineralquellen zeugen. Letzteren verdankt die größte Insel im Golf von Neapel ganzjährig Einkünfte durch Arthritis- und Rheumakranke, die sich vom heißen, leicht radioaktiven Wasser Heilung erhoffen.

Aber auch die zahlreichen Wellnesshotels nutzen diesen Schatz Ischias für ihre Gäste. Der Tourismus boomt, was wir gleich im Porto d´Ischia, dem Hauptort der Insel, zu spüren bekommen.

Die üblichen Andenkenläden, ein Speiselokal am anderen und auch ein „Mitschnacker“, der uns instinkiv als potentielle Beute erkannt hat. In perfektem Deutsch mit italienischem Akzent macht er uns ein Angebot für eine dreistündige Rundfahrt um die Insel.

Wir könnten sicher auch mit dem öffentlichen Bus herumfahren. Aber bisher haben wir kein Touristenbüro gesehen, wo wir uns über das Verkehrsnetz informieren könnten und sehen ein, dass wir zu Fuß kaum etwas von dieser gebirgigen Insel erkunden können.

Also nehmen wir das Angebot an und steigen in das Großraumtaxi, das in der Schlange am Straßenrand an vorderster Front parkt. Chauffeur Claudios Deutsch erweist sich als sehr holprig, aber irgendwie schaffen wir es mit ein bisschen Englisch, Spanisch sowie seinem „sprechenden Übersetzer“ an der Frontscheibe, seinen ausführlichen Erklärungen zu folgen.

Unser Chauffeur Claudio

Claudio ist ein „Native“ und sehr stolz auf seine Heimat. Während wir uns besonders daran erfreuen, dass die Berghänge von sattem Grün überzogen sind und uns aus allen Ecken die subtropische Blumenpracht entgegenleuchtet, preist Claudio die gute Infrastruktur der Insel (alle Schultypen, Sportanlagen, gutes Straßennetz, Kuranlagen, viele Luxushotels, ein Krankenhaus). Er fährt uns zu den schönsten Aussichtspunkten, wo er uns zu einem Fotoshooting aussteigen lässt.

Erster Fotostopp: Il Fungo, der Tuffsteinpilz, im kleinen Hafen Lacco Ameno

Grünes Ischia

Falls wir Ischia auf eigenem Kiel angelaufen wären, hätten wir den Hafen Sant´Angelo d´Ischia an der Südküste der Insel gewählt. Hier gibt uns Claudio eine halbe Stunde Zeit, zur Marina hinunterzulaufen, während er sich oben an der Hauptstraße in eine Parklücke quetscht.

Der Hafen Sant´Angelo an der Südküste

An dieser Stelle: Großes Lob an den Fahrer!

Auf den engen, kurvigen Straßen herrscht dichter Verkehr. Gleich am Anfang wurden wir Zeugen eines Unfalls. Der gestürzte  Motorradfahrer lag auf dem Gehweg, hatte aber offensichtlich überlebt. Kurz darauf kam uns schon der Rettungswagen mit Tatü-Tata entgegen.

Es ist ein ständiges Gehupe und Gedränge in den engen Gassen der Orte und an den zahlreichen Baustellen. Wie es wohl im Sommer ist, wenn die Touristen die Insel überschwemmen und die Temperaturen ins Unerträgliche steigen? Ohne eine Klimaanlage und den Gleichmut, den Claudio an den Tag legt, nicht auszuhalten!

Obwohl: Oben auf den Bergen ist es im Sommer angenehme 25°C warm. Alle hundert Meter nimmt laut Claudio die Temperatur um 8 Grad ab. Und man kann sich immerhin bis auf maximal 787 m Höhe vor der Hitze retten. So hoch ist nämlich die höchste Erhebung, der Monte Epomeo.

Im glasklaren Wasser des kleinen Hafens von Sant´Angelo liegt eine einzige Segelyacht. In den engen Gassen des kleinen Ortes herrscht jetzt schon Touristengedränge. Das Publikum ist überwiegend älter bis alt und spricht meist deutsch. Auch Hinweisschilder und Speisekarten sind in deutscher Sprache abgefasst.

Aber hübsch ist es hier. Die pastellfarbenen und weißen Häuschen sind makellos getüncht. In den leicht zu bearbeitenden Tuffstein am Ufer ist ein Restaurant gebaut worden.

 

Als wir weiterfahren, zeigt Claudio auf ein grünlich schimmerndes Gebäude auf einem Felsen hoch über dem Abgrund. Es ist aus Quadern des grünen Tuffs errichtet worden und läd die vorbeifahrenden zum Restaurantbesuch ein.

Wie ein Adlerhorst: Das Tuffsteinhaus

Am Castello Aragonese ist die Rundfahrt beendet. 80 Euro plus fünf Euro Trinkgeld wechseln ihren Besitzer. Bei den Diesel- und Bezinpreisen hier (1,58 Euro für den Liter Diesel) gönnen wir Claudio (selbstständiger Unternehmer mit flexibler Arbeitszeit) das Geld.  Er hat uns einen guten Eindruck von seiner Insel vermittelt!

Castello Aragonese

Wir wandern die drei Kilometer bis zum Porto d´Ischia zurück und müssen nicht lange warten, bis die nächste Fähre anlegt. Nach einem Halt auf Procida wird sie nach Neapel weiterfahren.

Diese Stadt werden wir wahrscheinlich nicht anlaufen. Claudio hat uns so einiges erzählt, z.B., dass man dort sein Auto los ist, bevor man es auf dem Parkplatz abgeschlossen hat. Auch in Rod Heikells Küstenhandbuch Italien stehen kleine Schauergeschichten über Napoli und den Häfen in der näheren Umgebung.

Aber heute bleiben wir noch hier, auf unserer neuen Lieblingsinsel Procida während die Sturmböen aus Südost Anima mea im sicheren Hafenbecken hin und herschaukeln.

 

 

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