17.10.2016 Den Engeln ganz nah

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Nach unserem Vatikanbesuch wandern wir die Via della Conciliazione hinunter Richtung Tiber. Kurz hinter dem „weißen Strich“ liegt links die Kirche Santa Maria in Traspontina. An der Fassade macht uns ein Foto von Papst Johannes Paul II neugierig. Darauf überreicht er auf dem Petersplatz goldene Kronen für die Gottesmutter und ihr Kind.1-img_3847

2001 auf dem Petersplatz

Das Innere der Kirche strahlt, der Altar ist mit Blumengestecken geschmückt. In der Mitte sehen wir das als wundertätig geltende Marienbild und daneben einen Säulenstumpf. Der Legende nach soll er von der Martersäule des heiligen Petrus stammen.2-img_3853

Der Altar

Die Mutter Jesu und ihr Kind entdecken wir an der rechten Seitenwand. Sie tragen die goldenen Kronen, die wir draußen auf dem Foto gesehen haben.

Wir setzen uns in eine Bank und kommen zur Ruhe. Nur 350 Meter vom vollen Petersdom entfernt sind wir hier ganz allein.3-img_3848

Die Jungfrau Maria vom Berge Karmel

Wir befinden uns in der Nachfolgerin einer Kirche der Karmeliten, die im 12. Jahrhundert näher an der Engelsburg stand. Dort musste sie 1564 dem Ausbau der Befestigungsanlagen weichen. Papst Pius V stiftete einen Neubau, und 1566 wurde an der heutigen Stelle mit den Bauarbeiten begonnen. Die „Verlegung“ der Kirche brachte ihr also den Beinamen „traspontina“ ein.

Ach, all die Päpste und ihre ewig wiederkehrenden Namen! Echt schwer, sich im „Who is who?“ der Kirchengeschichte zurechtzufinden!!

Mit der Wahl zum Oberhaupt der Katholischen Kirche legt der Papst seinen bürgerlichen Namen ab. Seinen neuen Namen darf er selbst wählen und denkt sich natürlich etwas dabei.

Johannes ist ein sehr beliebter Name bei Päpsten. Vorbild: Johannes der Täufer. Oder: Vorhergehende Päpste mit gleichem Namen. Eventuell auch: „Negative“ Vorbilder, die ausgemerzt werden sollen.

So war es beim letzten Papst mit diesem Namen. Er war italienischer Herkunft und nannte sich Johannes XXIII. Eigentlich war er schon die Nummer 24, aber da gab es vor ihm noch einen unrechtmäßigen Gegenpapst, der sich Johannes XXIII genannt hatte. Angelo Guiseppe Roncalli machte reinen Tisch, indem er sich jetzt auch (rechtmäßig) Johannes XXIII nannte.

Es gibt zwei Sprichwörter:

  1. Namen sind Schall und Rauch
  2. Nomen est Omen

Ob sie von Päpsten erfunden wurden? Denkt der Papst, wenn er seinen Geburtsnamen aufgibt, an Sprichwort Nummer 1? Und an Nummer 2, wenn er sich den Papstnamen überlegt?

Jedenfalls: Wenn man als Papst einmal heiliggesprochen werden will, sollte man vielleicht Johannes oder auch die Kombination Johannes Paul wählen!

Immerhin wurden Johannes XXIII und auch Johannes Paul II (der polnische Karol Jozef Wojtyla) vom amtierenden Papst Franziskus in diesen Stand versetzt. Mehr kann man als Papst wohl nicht erreichen!

Wer es so weit bringt im Leben bzw. nach dem Tod, muss leider oft auch um sein Leben fürchten. Und davor schützt auch der Name Johannes nicht!

Daran werden wir erinnert, als wir nach dem Kirchenbesuch weiter Richtung Engelsburg wandern.4-img_3883

Die Engelsburg

Als Fluchtburg für die Päpste war sie nämlich durch einen 700 Meter langen, oberirdischen Gang mit dem Vatikan verbunden. Am 6. Mai 1527 z.B. rettete sich der damalige Papst, beschützt von seinen Schweizergardisten, vor den Plünderern Roms über den „Passetto“ in die Festung, die gleichzeitig als Kerker diente.5-img_3868

In der Engelsburg richteten sich die Päpste komfortabel ein und brachten ihre Schätze in Sicherheit.6-img_3870

Diese Tatsache wurde Johannes dem Zehnten zum Verhängnis! Er hatte sich irgendwelchen Ärger mit dem Adel eingehandelt, wurde 928 als Papst abgesetzt und wahrscheinlich im Auftrag der mächtigen Dame Marozia in der Engelsburg eingesperrt und umgebracht.

Andere Päpste ließen dagegen ihre Feinde in der Engelsburg einkerkern. Manche von ihnen wurden während der Inquisition sogar zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Doch wie erklärt sich der Name „Engelsburg“?

Natürlich auch durch einen Papst! Diesmal einer mit dem beliebten Namen Gregor.

Papst Gregor der Große hatte nämlich im Jahre 590 eine Vision! Die Pest wütete gerade in Rom und der Papst nahm an einer Bußprozession teil. Da sah er den Erzengel Michael auf der Spitze des Gebäudes stehen. Er schaute geradewegs zum Papst hinunter, steckte sein Schwert in die Scheide und der Papst wusste sofort: Die Pest ist vorbei!7-img_3875

Erzengel Michael

Eigentlich schaute von dort oben Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.) auf die Dächer von Rom. Er hatte sich die Engelsburg als sein Mausoleum bauen lassen und ruhte seit langem in der Gesellschaft von sechs weiteren römischen Kaisern tief unten in seinem Grab, während seine kleine Seele in anderen Gefilden weilte.

Noch zu Lebzeiten verfasste Kaiser Hadrian folgende Inschrift für sein Grab:8-img_3863

Kleine Seele, schweifende, zärtliche, Gast und Gefährtin des Leibes,

die du nun entschwinden wirst dahin, wo es bleich ist, starr und bloß,

und nicht wie gewohnt mehr scherzen wirst….

Nun wurde sein Standbild durch eine Figur des rettenden Erzengels ersetzt und das Mausoleum in „Engelsburg“ umgetauft. Über die Engelsbrücke – ebenfalls von Hadrian gebaut – gelangt man von hier ans gegenüberliegende Tiberufer.9-img_3859

Die Engelsbrücke

Doch vorher sollte man die Engelsburg hinaufsteigen und die Aussicht genießen!

Wir haben das Glück, dass gerade die Sonne untergeht und alles in ein goldenes Licht taucht. Da könnte man fast ausrufen:

Rom sehen und sterben!10-img_3877

 

 

 

 

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