29.09.2016 – Melancholie im September

das ist alles, was mir blieb von dir… Ich erinnere mich an diese alte Schnulze, während wir die Toskana bei strahlendem Sonnenschein in Richtung  Rom verlassen.

Nachdem uns Roberto gestern mit seinem kleinen Boot aus der „Mausefalle“ herausgezogen hatte, nehmen wir Kurs aufs toskanische Festland. Schon wieder bläst uns der Wind entgegen. Je mehr wir uns der Küste nähern, desto stärker werden die Böen. Wir verwerfen unseren Plan, heute die gut 40 Seemeilen bis Civitavecchia zu laufen und steuern stattdessen die Halbinsel Monte Argentario an. Dort gibt es drei Yachthäfen:

  1. Santo Stefano im Norden. Ein großer Fischerhafen, wo auch die Fähre nach Giglio ablegt.
  2. Porto Ercole im Osten, ebenfalls Fischerhafen sowie Yachthafen mit wenigen Gastliegeplätzen.
  3. Marina di Cala Galera, eine halbe Seemeile hinter Porto Ercole mit 700 Liegeplätzen für Dauerlieger (überwiegend aus Rom) und 80 Gastliegeplätzen.

Nach Giglio wünschen wir uns vor allem wieder einmal eine schöne Dusche. In einer Marina, deren Liegegebühren im Sommer laut Rod Heikell, Küstenhandbuch Italien der höchsten Kategorie 6+ entsprechen, kann man von ordentlichen Sanitäreinrichtungen ausgehen.

Auf meine Liegeplatz-Anfrage über VHF Kanal 09 wird auch postwendend in bestem Englisch geantwortet. Wir sind willkommen.1-img_3601

Marina die Cala Gallera

Gleich am Eingang neben dem Kontrollturm mit der Rezeption machen wir fest. Für den Stromanschluss brauchen wir einen Adapter. Gegen eine Kaution von 50 Euro cash bekomme ich ihn an der Rezeption. Auch den Schlüssel für die Sanitäranlagen erhalte ich gegen 10 Euro Kaution, cash. Die Hafengebühr kann ich per Karte bezahlen. Die freundliche, junge Dame an der Rezeption bedauert, dass unser Boot leider drei Zentimeter zu breit ist, um mit 33 Euro Liegegebühr davon zu kommen. So sind es – was auch ich sehr bedaure – 42 Euro. Doch wenn ich den Hauptsaisonpreis von 86 Euro betrachte, haben wir immer noch einen guten Preis für all diesen Luxus bekommen. Zur Erinnerung: Auf Elba gab es für 62 Euro nur den Liegeplatz im Hafen! Doch hier ist alles, was des Seglers Herz begehrt: Top-Toiletten, warme Duschen, beleuchtete Stege, die abends gleich Fluglandebahnen den Weg weisen, eine kleine Meile mit Geschäften und Restaurants (jetzt allerdings überwiegend schon geschlossen), zwei Werften und Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe.

Nach einer kurzen Erholungspause machen wir uns auf den Weg nach Porto Ercole. Der Google-maps-Plan der freundlichen Empfangsdame hilft uns, den schönen Spazierweg rund um den teilweise versunkenen Berggipfel Monte Argentario leicht zu finden. Von See kommend, liegt dieser sympatische Fischerhafen so versteckt, dass man ihn erst sieht, wenn man das Forte Rocca mit dem weißen Leuchtturm an der Südseite passiert hat.2-img_3611

Unser Wegweiser3-img_3607

Porto Ercole ist von vier Festungen umgeben

In einer Gelateria kaufen wir uns ein Eis und schlendern am Wasser entlang zur Hafenmauer. Es gibt hier zwar Hotels, doch der Ort wirkt nicht touristisch und schon gar nicht überlaufen. Im Herbstsonnenschein flicken die Fischer ihre Netze, während die Alten in kleinen Gruppen an der Promenade zusammensitzen und temperamentvoll und lautstark diskutieren.4-img_3582

Fischer beim Flicken der Netze

Unterwegs entdecken wir ein kleines Oldtimer-Juwel:6-img_3583

Alfa Romeo

Während wir genüsslich unser Eis verspeisen, schauen wir abwechselnd zu den Booten im Hafenbecken links von uns oder zu den bunten Häusern der Altstadt rechts über uns. Von dort oben dringt aus einem geöffneten Fenster beschwingte Gitarrenmusik an unser Ohr. Unwiederbringliche Momente, die man nicht vergisst!

Dann erreichen wir die Hafenmauer mit den mächtigen Marmorquadern. Vielleicht sind sie aus Carrara, der Stadt mit den berühmten Marmor-Steinbrüchen, hierher gebracht worden. Auf dem Kopf der Hafenmauer breitet eine Christusstatue dem einlaufenden Seemann die Arme entgegen. Wir schauen hinauf zum Forte San Filippo. Obwohl es schon kurz vor Sonnenuntergang ist, wollen wir auf dem Rückweg hinaufwandern.5-img_3578

Auf der Hafenmauer

Über steile Wege geht es zwischen bunten Häusern den Hang hinauf. Immer wieder werden wir freundlich gegrüßt. Seit wir in Italien sind, fällt uns auf, wie aufgeschlossen, nett und unkompliziert die Italiener sind! Und ihre Kätzchen sind meist ohne Scheu, lassen sich gerne streicheln und antworten sogar sanft, wenn man sie anspricht.7-img_3585

Buntes Häuschen8-img_3586

Kätzchen

Am Ortsausgang geht die Asphaltstraße in einen schmalen Trampelpfad über, der eindeutig zum Ausführen der Hunde benutzt wird. Daneben breitet sich dichte Macchia aus. An vielen Büschen leuchten jetzt rote und blaue Beeren, doch auch manch buntes Herbstblümchen reckt seine Blüten der Herbstsonne entgegen.9-img_3590

Blau wie Enzian

Dann erreichen wir die trutzige Zitadelle. Sie ist in Privatbesitz, am Klingelschild vor der Zugbrücke stehen viele Namen. Aber man kann über den Wehrgang ganz um die Anlage herumlaufen. Wie ein gewaltiger Schiffsbug schieben sich uns die Eckstücke des Gebäudes entgegen. Der Blick hinunter in den Graben ist schwindelerregend. Und die Ausblicke in die Umgebung sind umwerfend! Gut, dass wir doch noch hier hinauf gestiegen sind.10-img_3593

Zugbrücke11-img_3603 Mauer mit Wehrgang13-img_3605

12-img_3604

Wie ein steinerner Schiffsbug

Es wird allmählich dunkel und wir steigen schnell hinunter zu unserer Marina.

Unsere Reise durch die Toskana hat einen schönen Abschluss gefunden. Grund zur Melancholie haben wir aber nicht!

Rom wartet auf uns. Wir haben noch viel zu entdecken…14-img_3610

 Duftende Erinnerung an die Toskana

 

 

 

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