25.09.2016 – Cosmopoli

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hieß Portoferraio im Jahre 1548, als der toskanische Großherzog Cosimo I aus dem Hause Medici die imposanten Befestigungsanlagen der Stadt bauen ließ.Bis 1570 wurden die Anlagen ständig ausgebaut und verstärkt, so dass es selbst dem gefürchteten türkischen Piraten Dragut nicht gelang, die reiche Stadt zu überfallen. Als einziger Ort der Insel blieb sie von den Seeräubern verschont!

 

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 Der türkische Pirat Dragut handelte im Auftrag der Franzosen

Dieses gewaltige Verteidigungssystem wollen wir uns am Freitag genauer ansehen. Wir wandern am Hafen entlang über die Uferpromenade Calata Mazzini zum Eingang der Befestigungsanlage der Medici und steigen hinauf zum sogenannten Forte Falcone. Es befindet sich auf dem höchsten Hügel der Stadt (79 m ü.d.M.) und bietet fantastische Ausblicke in die Umgebung.

Wenn man genau hinschaut, sieht man unten im Hafenbecken die Anima mea rechts von der großen Plattform.3-img_3396 Hafen und Bucht von Portoferraio

Draußen vor der Stadt liegen heute zwei Kreuzfahrtschiffe, darunter eins mit fünf Masten. Es ist die Club Med 2. Als wir 2014 die Biskaya überquerten, war sie das einzige Schiff, dass wir trafen.4-img_3410

Ein alter Bekannter

Hinter den Kreuzfahrtschiffen erkennen wir die kleine Bucht, in der wir vor Anker lagen.

Links davon schließt das Forte Stella die Verteidigungsanlage ab.Unterhalb des Forte Stella erkennen wir die gelbe Villa dei Mulini mit den grünen Fensterläden, in der Napoleon während seiner Verbannung 1814 auf Elba residierte. Begleitet wurde Napoleon von zahlreichen Soldaten. Seine „Flotte“ bestand allerdings nur aus einem einzigen Schiff. Mit derBrigg INCONSTANT segelte er rund Elba und zur Nachbarinsel Pianosa, die ebenfalls zu seinem Reich gehörte.5-img_3405

 Forte Stella mit der Villa dei Mulini

Wir wollen uns die Villa dei Mulini genauer ansehen und kommen dabei an Elbas einzigem Theater vorbei. Während Napoleon seine Rückkehr nach Frankreich vorbereitete, ließ er Portoferraio modernisieren. Neue Straßen wurden gebaut, aber auch das Teatro dei Vigilanti, das durch den Umbau einer Kirche entstand. Das Geld dafür trieb Napoleon durch den Verkauf der Theaterlogen  an die wohlhabenden Familien der Insel auf, was zu erbitterten Kämpfen um die besten Plätze geführt haben soll.6-img_3420

Teatro dei Vigilanti

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Neben der Villa dei Mulini besaß Napoleon noch eine Sommerresidenz im fünf Kilometer entfernten San Martino. Vielleicht ist diese prächtiger angelegt als die Villa dei Mulini, die einen eher bescheidenen Eindruck macht. Auch Napoleons Lieblingsschwester Pauline lebte hier. Eine hübsche Frau muss sie gewesen sein, wenn man ihre Büste betrachtet. Und von zierlicher Gestalt war sie wohl auch, wenn sie in das schneeweiße Kleid mit der Samtschleppe gepasst hat. Die Farbe Grün war übrigens damals den Prinzessinen vorbehalten!8-img_3440

Büste der Pauline9-img_3435

 Kleid der Pauline

Jedenfalls hatte das Geschwisterpaar einen grandiosen Blick auf den Leuchtturm, auf Forte Stella und auf die kleine Insel Scoglietto untem im blauen Meer.10-img_3398

 Scoglietto

Obwohl Napoleon im ägyptischen Saal in seiner Villa in San Martino „Napoleon ist überall glücklich“ an die Wand gekritzelt hat, wollte er von Elba möglichst schnell wieder weg. Das können wir rein gar nicht nachvollziehen! Aber er war wohl zu etwas Höherem geboren. Da können wir einfach nicht mitreden…11-img_3428

 Napoleons Büste12-img_3442

 Napoleons Thron in der Villa dei Mulini

Schon wieder ist ein erlebnisreicher Tag zu Ende. Wir müssen noch schnell einkaufen, dann wird ein leckeres Abendessen gezaubert. Im Cockpit stoßen wir auf den gelungenen Aufenthalt in der „Eisenstadt“ Portoferraio an. Drüben aus dem Straßencafe ertönt Lifemusik. Die beiden Musiker singen zur Gitarre. Sie haben gute Stimmen und treffen voll unseren Musikgeschmack. Um Mitternacht ist Schluss. Der Käptn, der gerade mit einer Erkältung kämpft, schläft bereits. Auch ich lege mich in die Koje. Morgen wollen wir nach Porto Azzurro im Südosten der Insel.

Auf unserem Weg dorthin kommen wir auch am kleinen Hafen Rio Marina an der Ostseite Elbas vorbei. Auch hier gab es, wie an vielen Orten Elbas, eine Eisenerzmine, die als letzte von allen 1984 aufgegeben wurde. Noch heute soll der rote Staub bei jedem Wind in der Luft hängen.

Heute ist es allederdings nur schwach windig und somit gutes Ankerwetter. Ein paar Meilen weiter südlich in Porto Azzurro gibt es keinen roten Staub und schöne Ankerplätze.

Als wir um 12:40 Uhr den Anker fallen lassen, ist die Cala di Mola bereits gut belegt. Doch nach und nach kommen immer mehr Schiffe dazu und bis in die späten Abendstunden rasseln die Ankerketten. Meist sind es italienische Yachten, die wohl vom nahen Festland gekommen sind, um hier das Wochenende zu verbringen. Bald ist kaum noch ein Plätzchen frei und wir fragen uns, was hier wohl im Sommer los ist.13-img_3460

 Porto Azurro

Inzwischen liest der Käptn schon fleißig in seinem Buch „Im Kielwasser des Odysseus“. Er fragt mich, wo denn „Longone“ liegt. Dort wollte der Autor auf seinem Weg durch den Elba-Sund nämlich ankern. Auf der Seekarte kann ich den Ort nirgendwo finden, doch dann lese ich in Rod Heikells Küstenhandbuch Italien: „Porto Azzurro mag überlaufen sein, aber der Ort ist und bleibt ein Juwel. Die Zitadelle wurde Mitte des 16. Jhs. von den Spaniern erbaut und diente im 19. und 20 Jh. als Gefängnis für besonders schwere Fälle. Mafiosi saßen hier ebenso ein wie Terroristen. Der ursprüngliche Name der Festung „Longone“ war in Italien fast ein Synonym für Kriminalität. Um diese Assoziation aufzuheben und Touristen an diesen wunderschönen Ort zu locken, wurde der Name in Porto Azzurro geändert – mit Erfolg, wie jeden Sommer zu erleben ist.“

Am nächsten Morgen verlassen wir Porto Azzurro und damit auch Elba. Wir nehmen Kurs auf das italienische Festland.

Um 14:00 Uhr passieren wir nach 18 Seemeilen Castello Rocchette an Backbord.14-img_3467

Castello Rocchette an der toskanischen Festlandsküste

Um 15.30 Uhr machen wir in der Marina di San Rocco fest. Hier beträgt der Nebensaisonpreis schlappe 38 Euro inclusive WC und Dusche. Aber ehrlich gesagt: So schön wie in Porteferraio ist es hier bei weitem nicht.15-img_3471

So nah und doch so fern: Elba im Sonnenuntergang

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