02.07.2016 Umrundung beendet

Nach Caletta nähern wir uns mit großen Schritten der berühmten Costa Smeralda im Nordosten von Sardinien. In der Hochsaison von Juli bis August verlangen Häfen wie die Marina di Portisco, Porto Cervo oder Porto Rotondo Fantasiepreise, für die der Autor unseres Küstenhandbuches Italien für die 8. Auflage von 2011 die neue Preiskategorie 6+ einführen musste. Sie gilt für Yachten mit 12 m Länge, für die in der Hochsaison mehr als 100 Euro pro Übernachtung verlangt wird. Obwohl wir zwei Meter weniger zu bieten haben, wäre ein Hotelaufenthalt an Land preiswerter zu haben.

Nur im Notfall würden wir so hohe Hafengebühren bezahlen. Schließlich gehören wir nicht zu den Superreichen, die hier demnächst alle Häfen und Ankerbuchten verstopfen. Aber bei Sturm müssten wir natürlich in den sauren Apfel beißen und Zuflucht in einem Hafen suchen. Fraglich, ob dann allerdings ein Platz frei wäre, denn für die beiden nächsten Monate sind diese Marinas ausverkauft.

Es schadet jedenfalls nicht, schon mal die Bordkasse zu schonen. Da ruhiges Wetter ist, ankern wir 15 Seemeilen nördlich von Caletta in der nördlichen Ecke der Bucht Porto Brandinghi ein gutes Stück hinter einer englischen Superyacht mit eigener Wasserrutsche.

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Gleichheit für alle: In dieser Bucht liegen alle umsonst.

Obwohl wir 5,60 m Wasser unter uns haben, sehen wir unseren Anker und die Kette auf dem Sandgrund liegen. So klar ist das Wasser! Auch zwei Pfirsichkerne, die über Bord gehen, sind da unten noch zu erkennen. Es ist friedlich und still. Ein kleines Mädchen einer Schweizer Segelyacht macht in ihrer Opti-Jolle erste Segelversuche und kreuzt dabei haarscharf hinter unserer Selbststeueranlage vorbei. Flamingoschwärme ziehen mit sanftem Flügelschlag im Tiefflug über die Bucht hinweg, während hinter ihnen die Sonne hinter dem Hügel versinkt und den Himmel rosarot verfärbt. Klingt wie aus einem Kitschroman, ist aber Realität.

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Die Segelyacht unter Schweizer Flagge

Auch der folgende Tag verspricht, windarm zu werden. Wir steuern also die nächste Ankerbucht an, da meldet sich Wolfgang über Funk. Er hat eine Überraschung für uns! Während der Fahrt hat er in Porto Rotondo angerufen und nach den Preisen gefragt. Noch ist ja Nebensaison und es ist ihm gelungen, für unsere Schiffe einen „Spottpreis“ auszuhandeln, damit wir auch mal unter den Superreichen nächtigen können.

Schon vor der Hafeneinfahrt zeigt sich, wo wir hier gelandet sind. Wunderschöne Oldtimer-Yachten kreuzen unseren Weg. An Land stehen geschmackvolle Villen mit gepflegten Gärten und eigenem Sandstrand. Und bereits vor dem Hafen liegen die Megayachten.

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Oldtimer

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Villa

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Ankerbucht

Obwohl unser Schiff hier so ein kleines Licht ist, werden wir sowohl vom Marinero als auch im Hafenbüro freundlich und aufmerksam bedient. Die Marina ist sehr schön angelegt. In den Schaufenstern der kleinen Edelboutiquen bestaune ich Abendkleider für 4.500 Euro und „Schlüppchen“ für 390 Euro.

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Wenn der arme Inder wüsste, zu welchen Preisen seine Lederwaren hier angeboten werden!

Als ich die Schuhe fotografiere, kommt die Verkäuferin aus dem Geschäft gestürzt und bittet mich, keine Fotos zu machen. Ich könne aber gerne hereinkommen. Tja, leider habe ich gerade mein Portemonnaie nicht dabei!

Selbstverständlich gibt es auch jede Menge Restaurants, in denen man nach Herzenslust Hummer und Champus schlemmen kann.

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Restaurant

Wer lieber an Bord speisen möchte, kann sein Dienstmädchen – ich bin natürlich persönlich hingegangen – in den örtlichen Supermarkt schicken, wo die Frischetheke die köstlichsten Antipasti zu bieten hat. Wer den relativ weiten Weg zum Geschäft nicht auf sich nehmen mag, verpasst etwas! Auf schmalen Pfaden wandelt man an den hübschen Häusern vorbei, die in einer Woge von Bougainvilleas und Oleander zu ertrinken scheinen.

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Blütenmeer

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Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Nach der Stille am Ankerplatz nervt das ewige Motorengebrumme der unablässig einparkenden oder ablegenden Megayachten. Der zur Schau gestellte Reichtum macht mich sehr nachdenklich, fast wütend. Warum müssen einige wenige im Überfluss baden, während so viele andere unverschuldet in Armut leben? Es ist das gleiche Meer, in dem einerseits Milliardenwerte vor Anker liegen und andererseits Menschen in Schlauchbooten zusammengepfercht um ihr Leben fürchten. Was denken diese Schwerreichen, wenn sie die schrecklichen Bilder im Fernsehen sehen? „Selbst Schuld? Pech gehabt? Zu faul zum Arbeiten? Zur falschen Zeit am falschen Ort? – Ich kann ja nicht die ganze Welt retten! Champagner und Kaviar schaffen ja auch Arbeitsplätze!“ …..

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Megayachten in Porto Rotondo

Und wie zum Hohn für so kleine Fische wie wir, bietet dieser teure Edelhafen ein „französisches“ Klo. Zum Duschen müssten wir kilometerweit um den ganzen Hafen laufen .Klar, auf der Edelyacht hat man ja selbstverständlich auch ein Edelbad! Da braucht man die Marina nur zum Schoppen, Speisen und Angeben!

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Das französische Klo in Porto Rotondo.

Info zu Porto Rotondo: Neben dem Hafenbüro ist ein „Französisches Klo“. Die Duschen sind am anderen Ende des riesigen Hafens. Man hat viele Möglichkeiten, teuer zu speisen und zu schoppen. Der Besuch lohnt sich jedoch wegen der schönen Hafenanlage und der Gärten um die Häuser. Wir haben in der Nebensaison 35,01 Euro bezahlt (Spottpreis).

Traurig bin ich jedenfalls nicht, als wir Porto Rotondo wieder verlassen. An Steuerbord passieren wir die südlichen Inseln des Nationalparks und Meeresschutzgebietes Arcipelago di La Madalena. In den engen Durchfahrten herrscht reger Verkehr. Große und kleine Motoryachten brausen an uns vorbei und verursachen ordentlich Wellenschlag. Na toll!

Nach Porto Cervo folgt die nördliche Gruppe des Maddalena Archipels, mittendrin die „Hauptinsel“ La Maddalena mit dem gleichnamigen Hafen und einer Fährverbindung nach Palau. Sowohl in Palau als auch in La Maddalena kann man eine Befahrenserlaubnis für den Nationalpark erwerben. Da man über dem geschützten Neptungras nicht ankern darf, wurden Moorings ausgelegt. Hat man die Befahrenserlaubnis, reduziert sich der Preis für die Mooring.

Wir würden gerne nach Palau, doch für Juli/August sind schon alle Plätze vergeben. Schade, denn wir bräuchten dringend einen Segelmacher, weil wir einen Riss im Lazyjack haben.

Hinter der Isola La Maddalena folgt die Isola Spargi. Endlich sehen wir in der Ferne die Insel Korsika. Ihre hohen Berge sind ganz in grauen Dunst gehüllt. So begrüßte uns auch Afrika, als wir durch die Straße von Gibraltar fuhren!

Nun ist es nicht mehr weit zum Heimathafen der Amica. Kurz vorher legen wir noch einen Badestopp in der Bucht Porto Quadro ein. Um 19:00 Uhr machen wir in einer geschützten Ecke der Marina Santa Teresa di Gallura fest. Wolfgang hat einen guten Preis für uns ausgehandelt und wir können bleiben, so lange wir wollen.

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Ankerplatz Porto Quadro

Info zur Marina Teresa di Gallura: Großzügige Sanitäranlagen mit Duschmünze (2 Euro). Wäscherei, gute Einkaufsmöglichkeiten und Frisöre ca. einen Kilometer bergauf im Ort. Wir bekommen einen Sonderpreis von 160 Euro für fünf Tage.

Es gibt inzwischen aber auch einiges zu erledigen: Lazyjack flicken (mangels Segelmacher),ein Auto mieten und das Landesinnere von Sardinien erkunden. Zum Friseur gehen. Wäsche waschen. Einkaufen. Und? – Natürlich Fußball gucken. Hoffentlich machen die Italiener heute Abend kein Hackfleisch aus unseren Jungs!

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