06.10. 2015 – Was will man mehr?

Pünktlich zum Monatsbeginn kamen wir also in der „Marina Salinas“ in Torrevieja an. Während der 976,6 Seemeilen, die wir in diesem Jahr zurückgelegt haben,  lief unser Motor 152 Stunden und 40 Minuten.

Das ab November reservierte Winterlager wurde im Marina-Büro zu einem günstigen Preis um einen Monat verlängert. Anschließend buchten wir in der Bootswerft (Varadero) für Ende April 2016 einen Krantermin, denn im Frühling wollen viele aus dem Wasser, um ihr Unterwasserschiff zu streichen. Natürlich meldeten wir uns auch gleich bei Oscar zurück. Er freute sich, dass wir wieder heil zurückgekehrt waren und machte uns ein gutes Angebot für einen neuen Volvo. So bekommt unser „Schwedenmädel“  im Winter einen schwedischen Diesel eingebaut. Bei  der „Beisetzung“  seines tapferen Vorgängers werden wir  nicht anwesend sein. Stattdessen müssen wir in Hamburg unseren „Neuen“ in die Papiere (Flaggenzertifikat, Versicherungspolice) eintragen lassen, sobald Oscar uns das Zertifikat mit der Motornummer zuschicken kann.

Der „junge Schwede“ aus dem hohen Norden wird sich sicher über den Winter hier wundern: Temperaturen um 18° C sind normal, manchmal sind sogar 20°C drin. Auch jetzt ist es stets über 25° Celsius warm. Selbst beim Abendessen im Cockpit sitzen wir unter der Kuchenbude noch immer in kurzer Hose und ärmellosem T-Shirt.

Nachdem wir unser Schiff von der Salzkruste befreit hatten und auch innen wieder alles sauber und aufgeräumt war,  zog es uns am Sonntag  hinaus „ins Grüne“. Ich hatte nämlich auf dem Stadtplan von Torrevieja einen Weg mit dem Namen „Via Verde“, also „Grüner Weg“ entdeckt.

Zuerst liefen wir bis zur benachbarten  „Marina International“ und von dort zum „Parque de la Estacion“. Das Denkmal für die Salzarbeiter dort erinnert an Torreviejas wichtigstes Erzeugnis: Das Salz.

Denkmal für die Salinenarbeiter

Denkmal für die Salinenarbeiter

Die Salinas de Torrevieja liegen an der Laguna Rosa, die genau wie die Laguna Azul zum Parque Natural de Las Lagunas de la Mata (ein Stadtteil Torreviejas) y Torrevieja gehören.

Ein Schienenrest im Park erinnert daran, dass der Via Verde einst die Trasse einer Eisenbahnlinie war. Nun ist er ein Fußgänger- und Radfahrweg, der weniger „durchs Grüne“ als vielmehr durch weitläufige Neubaugebiete führt. Dicht an dicht stehen hier kleine und große Häuser, vornehmlich für touristische Zwecke errichtet.

Torrevieja war bis zu einem vernichtenden Erdbeben im Jahre 1829 ein kleines Fischerdorf. Es musste alles wieder neu aufgebaut werden, doch die Entwicklung zu einer großen Stadt setzte erst ab 1970 ein. Heute leben etwa 100.000 Einwohner hier, über die Hälfte sind Ausländer. So leben auch in diesen Wohngebieten links und rechts des Via Verde viele sonnenhungrige Briten, Russen, Deutsche und andere Menschen aus allen Teilen der Welt. Mindestens 117 Nationen sollen in dieser Stadt vertreten sein!

Schön oder nicht schön: Das ist die Frage!

                                                                                                                  Villa Elena

Das Wohngebiet "Torreta III"

Das Wohngebiet „Torreta III“

Das Wohngebiet "Toretta III"

Hier wache ich!

Hier wache ich!

Wir wandern also auf dem schnurgeraden Verbundstein-Pflasterweg und können kein Ende der Wohngebiete erkennen. Immerhin gelingt mir am Anfang ein Foto von den Salzbergen der Saline, die unerreichbar hinter einem Zaun an der rosa Lagune liegt.

Via Verde

Via Verde

Salzberge

Das weiße Gold von Torrevieja

Wir hatten uns den Sonntagsausflug etwas anders vorgestellt. Der Käpt´n äußert zuerst seine Bedenken, ob wir angesichts der steinernen Ödnis nicht besser zurückkehren sollten. Immerhin bewölke sich ja der Himmel zunehmend und die Luken im Boot stünden offen! Ich will aber nicht so schnell aufgeben und unbedingt überprüfen, ob die rosa Lagune ihren Namen wirklich verdient. Weiterlesen

01.10.2015 – Spanischer Herbst

Wir sind unterwegs von Alicante nach Torrevieja. Der Windmesser zeigt Null Windstärken, der Himmel ist weitgehend bewölkt, doch die Sonne brennt langsam immer mehr blaue Flecken hinein. An Steuerbord sehe ich gerade den Flughafen von Alicante. In dem blaugrauen Gebäude dort drüben werden wir in etwa vier Wochen stehen und auf unseren Flug nach Hamburg warten. Ich sage bewusst nicht, auf unseren Flug nach Hause warten, denn mittlerweile ist hier an Bord mehr denn je auch unser „zu Hause“.

Unter mir schnurrt unser Motor wie eine alte Nähmaschine, die sich durch dicken Stoff kämpfen muss. Er darf im „Schongang“ mit 1700 Umdrehungen seine voraussichtlich letzte Reise bewältigen. Dann wird er in Torrevieja zur letzten Ruhe gebettet. Totengräber „Oscar“ wartet schon!

Wir werden uns froh und dankbar von unserem Mercedes verabschieden. Er war bis zum Schluss zur Stelle, wenn uns der Wind verließ. Kam der Wind gar von vorne, kämpfte er sich tapfer durch die Wellen, brachte uns und die Anima mea stets in den sicheren Hafen.

Obwohl er Schuld daran war, dass wir die gesteckten Ziele seit unserer Abfahrt aus Deutschland nie erreicht haben, kann man sagen: „Unser Motor hat uns viel Schönes von der Welt gezeigt!“

Wäre alles nach unserem Willen gelaufen, hätten wir viele tolle Orte verpasst. Dazu gehören vor allem die Kanalinseln und die Bretagne im vergangenen Jahr, aber auch der lange Aufenthalt hier in Spanien. Ohne unseren Problemmotor hätten wir dieses phantastische Land wahrscheinlich nur gestreift. Abgeschreckt von den Hochhausburgen an der Küste hätten wir uns schnell aus dem Staub gemacht, wären jetzt wohl auf Sardinien oder in Italien. Stattdessen sind wir in dieses Land eingetaucht, haben viele wunderschöne Gegenden im Landesinnern besucht und die Menschen, ihren Alltag und ihre Feste kennengelernt. Den letzten Höhepunkt erlebten wir in Altea.

Auf der Fahrt nach Norden hatten wir diese Stadt  „links liegen gelassen“. Moraira passte besser zum Anlegen. So erwarteten wir nicht viel Neues nach all den schönen Orten  Moraira, Javea, Denia und Gandia, die wir vorher besucht hatten.

Besonders die Erinnerung an die tolle Fiesta in Denia verschaffte diesem Ort einen ganz besonderen  Stellenwert. Nun war der Sommer vorbei und wir glaubten, in den Küstenorten würden allmählich die Bürgersteige hochgeklappt. Doch unser Motor hatte wohl einen Riecher für lohnende Ziele, wodurch wir in den Genuss einer rauschenden Fiesta kamen.

Altea ist eine Perle unter den Küstenstädten an der Costa Blanca. Einziger Schwachpunkt ist vielleicht der Strand: Er besteht überwiegend aus Kies. In die glasklaren Meeresfluten sollte man sich lieber nur mit Badeschuhen stürzen und eine Matte oder Liege für das Sonnenbad parat haben.

Das „neue“ Altea besitzt neben einer guten Marina (mit schwachem WIFI) eine schöne Uferpromenade mit unzähligen Geschäften, Restaurants, Bars und Cafes. In den Straßen dahinter findet man das Rathaus, eine Kirche, das „Casa de Cultura“ (Kulturhaus), einen Bahnhof, breite Geschäftsstraßen sowie eine Universität und Sportanlagen.

Dahinter beginnt die Altstadt. Über  Treppen gelangt der Fußgänger durch verwinkelte Gassen hinauf zum Kirchplatz. Auf der Suche nach einem Restaurant ist es schwer, sich für eines zu entscheiden, so hübsch und einladend sehen sie alle aus.

Auffällig, wie sauber und gepflegt Altea ist. Weder im Hafenbecken noch auf Straßen und Plätzen, mögen sie noch so abgelegen sein, findet man Müll. Bemerkenswert, dass die meisten Hundebesitzer stets ein Plastiktütchen parat haben, wenn ihr Liebling seine Notdurft verrichtet hat. Kein Wunder, dass sich in dieser schönen Stadt inmitten einer prachtvollen Landschaft eine große Anzahl von Skandinaviern, Niederländern und Briten niedergelassen hat!

Unser Ausblick von Bord

Unser Ausblick von Bord

Seinen ganzen Zauber jedoch entwickelt Altea, wenn es dunkel wird. Schon von Weitem leuchtet die Kirche auf dem Stadthügel wie eine phosphoreszierende Schneekugelfigur. Während unseres Aufenthalts  erstrahlten die Straßen und Gassen zusätzlich im Licht der Festbeleuchtung, denn bereits seit dem 22. August befand sich Altea im Fiestafieber. Wir hatten das Glück, genau zum Höhepunkt der „Fiestas mayores de Altea en honor al Santisimo Cristo del Sagrario y San Blas 2015“ in Altea zu landen. Weiterlesen