37°58.443´N – 0°41.184´W Sonntag, den 28.06.15 – Nie is nix!

Eine Woche ist rum und wir sind noch immer in Torrevieja.

Übersetzt bedeutet der Name der Stadt  „Alter Turm“. In seiner Nähe entstand das alte Torrevieja, das später durch Erdbeben  zerstört wurde. Hier,  in einer weiten Ebene, finden sich mehrere Salzseen. Dank der zuverlässig strahlenden Sonne bilden sie die Grundlage für die Salzgewinnung, durch die ein Stück Torrevieja in alle Welt exportiert wird. Auch die Seefahrt  spielt in Torrevieja eine wichtige Rolle. Die Einheimischen trieben zum Beispiel Handel mit Cuba und brachten von dort die typischen Melodien der „Habaneras“ mit nach Hause. Ein internationaler Habanera-Contest zieht bis heute Touristen in den Ort. Auf sie ist im heutigen Torrevieja  alles ausgerichtet: In den schachbrettartig angelegten Straßen reiht sich Geschäft an Geschäft, dazwischen jede Menge Cafes , Restaurants und Tapas-Bars. Neben einem Fischereihafen hat man die Wahl zwischen drei Marinas im riesigen Hafenbecken. Die Marina International besuchten wir ja an unserem Ankunftstag. Gleich nebenan ist der Club Nautico angesiedelt und am Ende des Hafenbeckens befindet sich die Marina Salinas mit dem „Varadero“ (die Werft).

Nachdem ich der perfekt deutsch sprechenden jungen Dame an der Rezeption  der Marina International von unserem Motor erzählt habe, empfiehlt sie mir Oscar. Er hat sein Geschäft im Varadero und gilt als Motorexperte. Der Niederländer, der seit 20 Jahren hier lebt, vertritt Volvo-Penta vor Ort ( www.marine-engines-spain.com ). Außerdem betreute er Rennboote beim letzten Grand Prix auf Ibiza. Sie erreichten immerhin zweite und dritte Plätze bei dem Wettrennen! Also nix wie hin zu Oscar!

Zunächst sieht es nicht gut aus für uns. Oscar hat absolut keine Zeit für unseren Motor. Doch wir lassen nicht locker. Außerdem ist Oscar ein sehr netter Kerl, der gerne hilft. Also sollen wir den Motor warm laufen lassen und dann zur Werft kommen. Gesagt, getan…..

Eine Stunde lang drehen wir unsere Runden  draußen vor dem Hafen. Zum ersten Mal sind wir froh, als endlich das Klappern einsetzt. Dann kommt Oscars Diagnose: Im Motoröl ist jede Menge Diesel! Er vermutet, dass die Diesel-Förderpumpe defekt ist. Und dann schiebt er noch hinterher: „Weißt du, was passieren kann? Wenn immer mehr Diesel ins Öl gelangt, kann es sein, dass die Drehzahl plötzlich immer höher geht. Dann ist der Motor nicht mehr  zu stoppen, bis er explodiert.“ – Wir müssen schlucken und danken unserem Schutzengel.

Doch wie gesagt: Oscar hat keine Zeit für die Reparatur, will dem Käpt´n aber gern mit Rat und Tat zur Seite stehen sowie Ersatzteile für uns bestellen.

Wir verlegen uns zunächst in die Marina Salinas. Direkt gegenüber der Werft bekommen wir einen Platz an Steg L. Am nächsten Tag macht sich der Käpt´n ans Werk. Wie jeden Tag ist es brütend heiß und auch ohne sich zu bewegen ist man in Schweiß gebadet. Ohne Bewegung kommt man natürlich nicht an die Wasserpumpe. Die muss nämlich ausgebaut werden, damit die Förderpumpe erreichbar ist. Der Käpt´n windet sich bei  über 30 Grad Raumtemperatur wie ein Wurm auf dem Boden. Endlich liegen beide Pumpen in der Spülschüssel und werden zu Oscar gebracht. Er führt die ohnehin fällige Wartung der Wasserpumpe durch und bestellt bei Bosch eine neue Förderpumpe.

Verrenken und schwitzen ist des Skippers Los!

Verrenken und schwitzen ist des Skippers Los

Vorne: Dieselförderpumpe. Hinten: Wasserpumpe

Vorne: Dieselförderpumpe. Hinten: Wasserpumpe

Am Mittwoch können beide Pumpen wieder eingebaut werden. Der Einbau der Förderpumpe erweist sich als sehr „figelinsch“. Den Luftfilter, der zwischen den beiden Pumpen sitzt, wieder einzusetzen ist das größte Problem. Ich mache mir Sorgen um die Gesundheit des Käpt´ns, der jeden Augenblick an Hitzschlag oder Verzweiflung zu sterben droht. Doch wie immer, kriegt er auch das wieder hin.

Bis zum nächsten Tag müssen wir uns noch gedulden, dann hat Oscar wieder Zeit für uns. Er legt sich vor den Motor, testet die Öltemperatur und beurteilt das Motorgeräusch. Er meint, dass jetzt noch der Kühleranschluss verändert werden muss. Wieder winden und schwitzen!

Doch auch Experten können irren! Der Kühleranschluss ist okay. Doch Oscar ist ein echter Könner: Er steht zu einem Fehler, gibt Heinz neue Schläuche und der Anschluss wird zurückgebaut. Nachdem der Käpt´n den Geber der Temperaturanzeige gereinigt hat, funktioniert auch das wieder.

Nun haben wir Freitag. Oscar knappst wieder etwas von seiner kostbaren Zeit ab und prüft erneut die Maschine. Jetzt scheint alles in Ordnung zu sein. Doch er und Heinz sind sich einig, dass unser Motor doch schon ein bisschen in die Jahre gekommen ist und vielleicht nicht mehr lange durchhält. Wir haben inzwischen schon so viel Zeit und Geld in ihn investiert, dass wir zu dem Entschluss kommen, einen neuen Motor einbauen zu lassen. „Das ist eine Winterarbeit,“ sagt Oscar.

Oscar checkt den Motor.

Oscar checkt den Motor.

Flexibel wie wir mittlerweile sind, entschließen wir uns für ein Winterlager in Torrevieja. Im Marinabüro lassen wir uns einen Platz für die Zeit von November bis April nächsten Jahres reservieren. Und Oscar soll uns per Email einen Kostenvoranschlag für den neuen Motor einschließlich Einbau schicken.

Wir hoffen, dass unser Motor uns erlaubt, noch bis Barcelona und anschließend zu den Balearen zu reisen. Wir müssen ihn allerdings sehr schonen und werden möglichst viel segeln. Wenn der Wind zu schwach weht, werden nur kurze Strecken gefahren oder Hafentage eingelegt.

Arbeitsreiche Tage liegen jetzt hinter uns. Nach jedem Arbeitsgang des Käpt´ns musste der Salon wieder gereinigt und aufgeräumt werden. Daneben der „normale“ Haushalt: Wäsche waschen im Gebäude am anderen Ende des Hafens. Nahrungsmittel heranschleppen und kochen bei Affenhitze.

Waschtag

Waschtag

So freuen wir uns auf ein ruhiges Wochenende.  Seit zwei Tagen ist es nur schwach windig und die Luft steht im Schiff und unter dem Cockpitschirm. Heinz springt ins klare Hafenwasser und ist begeistert von der sanften Abkühlung. Doch so sauber es auch aussieht, in ein Hafenbecken kriegt mich keiner! Lieber mache ich mich an die Zubereitung des Abendbrots.

Unterwassergarten

Unterwassergarten im klaren Hafenwasser

Seeanemonen

Seeanemonen: Ein Geburtstagsgruß für Hannah! Happy Birthday!

Herrlich!

Herrlich!

Zwischen Herd und Spüle habe ich ein Fach für Gemüse. Ich hebe den Deckel der Kartoffelkiste an, da huscht doch eine riesige, braune Kakerlake in die hinterste Ecke des Gemüsefachs! Ich bekenne mich offen zu meiner „Rattenphobie“, muss nun aber gestehen, dass ich wohl auch eine „Kakerlakenphobie“ habe. Ein Gemisch aus Angst und Ekel fährt mir durch Mark und Bein. Ich kann nur noch schreien und flüchten. Der Käpt´n kommt  und erfährt die Schreckensbotschaft. Doch unser blinder Passagier hat sich schon aus dem Staub gemacht, denn das Gemüsefach hat hinten eine kleine Öffnung. Durch die kann der neue Mitbewohner  sowohl in den Schrank über dem Herd als auch in den Schrank unter der Spüle gelangen. Irgendwie schaffe ich es, das Abendessen fertig zu machen, habe aber meine direkte Umgebung fest im Auge. Der Käpt´n schläft schon seit Stunden, da surfe ich immer noch im Internet. Ich lese alles, was ich zum Thema Kakerlaken finde. Ich lerne, dass Küchenschaben sehr lange ohne Nahrung, aber nur kurz ohne Wasser auskommen. Auch, dass sie sofort sterben, wenn sie mit Seifenwasser eingesprüht werden. Und, dass sie meist nicht der einzige Vertreter ihrer Art sind, wenn man sie entdeckt. Sie haben ein Nest, wo ihre Larven leben! All das lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Fürs  erste bastle ich eine Kakerlakenfalle, die ich unter größter Vorsicht ins Gemüsefach stelle. Todmüde falle ich auf mein Lager im Salon und hoffe, im Schlaf nicht von einem Kakerlakenschwarm überfallen zu werden.

Kakerlakenfalle

Kakerlakenfalle Marke Eigenbau

Kakerlakenalarm

Leckerlis für Küchenschaben

Morgens wird der Deckel zum Gemüsefach hochgenommen. Keine Küchenschabe in der Falle! Aber irgendwo muss sie ja stecken… Wir gehen zunächst in den Ort. Im Supermarkt finde ich Fallen und ein Pulver gegen Cucarachas. Ist ja hier normal, die im Haus zu haben! Dann stürze ich mich in den Kampf: Eine Sprühflasche wird mit Seifenlösung präpariert und in Griffnähe platziert. Das Gemüsefach wird ausgeräumt. Nichts zu sehen! – Nun nehme ich mir den Schrank über dem Ofen vor. Alle Behälter mit Nahrungsmitteln werden ausgeräumt. Dann hebe ich die Bodenplatte hoch: Die Schabe! Blitzschnell verschwindet sie durch einen Spalt. Zurück bleiben nur ihre ekligen Exkremente. Angewidert reinige ich den Schrankraum. Dann streue ich das giftige Pulver auf den Boden und lege die Bodenbretter wieder an ihren Platz. Nachdem alles wieder eingeräumt ist, krabbelt es im Gemüsefach. Sie scheint am Pulver gekostet zu haben und taumelt darin herum. Vor Schreck stoße ich meine Wasserflaschenfalle um. Der Inhalt ergießt sich über den Boden, läuft hinten in die Ritze. Ich schreie um Hilfe, der Käpt´n kommt, schnappt sich die Sprühflasche. Da schießt  die Schabe aus dem Gemüsefach heraus. In Panik klettert sie unter dem Fenster und an der Lampe entlang. Der Käpt´n sprüht wild auf sie ein. Die Schabe stürzt ins Gemüsefach zurück. Es macht „Klock!“ und sie landet auf dem Rücken, streckt alle Sechse von sich und rührt sich nicht mehr.

Eigeseift!

Eigeseift!

Nach dem „Fotoshooting“ erhält sie eine Seebestattung. Dann wird in allen Schränken eine Falle deponiert. Wie gesagt: Wo eine ist, sind oft auch noch andere. Doch laut „Total Attack gel – Gebrauchsanleitung“  ist „la plaga“ nach sieben Tagen ausgerottet.

Heute ist Sonntag und alles ist ruhig. Ich hoffe, es bleibt so. Morgen geht es wieder hinaus „ins feindliche Leben“. Wir freu´n uns drauf!

Lounge-Bar in der Marina Salinas

Lounge-Bar in der Marina Salinas

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