16.06.15 – Bangen, Hoffen und Warten in Almerimar

Die Currywurst und auch die Pommes können wir weiterempfehlen! Allerdings werden sie  in dem kleinen  Lokal „La Plaza“ und nicht, wie fälschlicherweise berichtet , im „La Casa“ serviert. An der Theke steht Roya, eine Deutsche mit persischem Vater. In der Küche steht  ihr englischer Freund am Herd. „Frank macht das schon!“ sagt Roya, als wir ihr von unserem Motorproblem erzählen. Lecker getröstet und mit Franks Worten „Ich tippe auf die Einspritzdüsen“ im Hinterkopf gehen wir am ersten Abend in Almerimar  recht zuversichtlich zu Bett.

Franks rollende Werkstatt

Franks rollende Werkstatt

Am nächsten Tag macht sich Frank an die Arbeit. Düse 1 wird mitsamt der zugehörigen Unterlegscheibe ausgebaut und in ein leeres Gurkenglas gelegt. Düse 2 und 3 ebenso. Bisher ist nichts Auffälliges zu erkennen. Doch was ist das? Frank pult Düse 4 heraus, doch da ist keine Unterlegscheibe! Und diese Düse ist schwarz vor Dreck! Dieser Einbaufehler geht auf das Konto von Mat, „unserm Monteur“ in Plymouth. Wir können es nicht fassen! Doch gleichzeitig keimt Hoffnung auf. Vielleicht liegt es tatsächlich an den Einspritzdüsen.

2.IMG_1009 Drei sind eine zu wenig!

Nun heißt es wieder warten. Frank bringt die Düsen zu Bosch. Am nächsten Tag teilt er uns mit, dass die Düsenköpfe erneuert werden müssen.

Wir müssen noch weitere zwei Tage warten, bis Frank die Düsen bei Bosch abholen kann. Jetzt fehlt „nur“ noch die Unterlegscheibe. Dazu braucht Frank die Motornummer, worauf alle vier Scheiben neu in Murcia bestellt werden. Einen Tag später hat Frank auch diese Ersatzteile. Doch wieder heißt es: Geduld, Geduld! Frank ist ein vielbeschäftigter, sehr gefragter KFZ-Meister. Auch andere Schiffseigner warten sehnsüchtig auf seine Dienste. Zum Beispiel solche Mega-Yachten wie die „Little Taiba“ aus Kingstown/St. Vincent. Jedes Jahr kommt sie aus der Karibik nach Almerimar. Wir vermuten, um hier die Hurrikan-Saison zu verbringen. Doch jetzt hat auch sie ein Motorproblem, das Frank beheben soll.

Aus St. Vincent

                                         Mega-Yacht aus der Karibik

Mittlerweile haben wir Donnerstag, und wir sind nah an einem Hafenkoller. Und auch das noch: Einem aufziehenden Gewitter  folgt kräftiger Regen. Völlig ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit.

Gewitter am 11.06.15 in Almerimar

Regen

Dem Regen folgt Starkwind. Endlich aus Westen, aber eben viel zu heftig. Der Windmesser zeigt bis zu sieben Bft. Anima mea zerrt und zieht an der Mooringleine. Ihr Bugspriet kommt der Mauer  gefährlich nahe. Wir müssen die Achterleine dichter holen. Das geht bei diesem Winddruck nur über die Winsch. Mit vereinten Kräften schaffen wir es, das dicke Tau über die Winsch zu ziehen.

Der Westwind ist unangenehm kühl und pustet voll in unser Cockpit. Wann haben wir das letzte Mal gefroren? – Schnell wird die Kuchenbude aufgebaut! Schön geschützt beobachten wir die Flugkünste der Seeschwalben. Trotz der Sturmböen schaffen sie es,  in der Luft auf der Stelle zu stehen. Das  aufgewühlte Wasser im Blick, stürzen sie sich plötzlich kopfüber hinein, um postwendend mit einem kleinen Fisch im Schnabel wieder hochzuschießen. Haben die Röntgenaugen?

Anders herum macht es der große Fisch, der hier im Hafenbecken  seine Kreise zieht. Plötzlich schnellt er aus dem Wasser hoch, springt wie ein Delfin zwei, drei oder viermal  in die Luft, während er zwischen den Sprüngen  mit einem lauten „Klatsch!“ in den Fluten verschwindet. Reine Lebensfreude oder Fliegenjagd? Wir finden es nicht heraus.

Wenn die Segler lieber im sicheren Hafen bleiben, kommt die Zeit der Kitesurfer.  Vor der Kulisse der Bergketten und dem flächendeckenden  „Mar del Plastico“ (Gewächshäuser aus Plastikfolien) sausen sie unermüdlich über die Wellen.

Da geht die Post ab!

Da geht die Post ab!

Der Sturm jault, faucht und heult in den Wanten. Er zerrt und reißt an der Takelage der Boote. Die Hafenmusik erfüllt die Luft mit Klimpern, Klirren und Klötern. Weiße Schaumkronen überziehen das aufgepeitschte Meer. Wir schieben Lage im Hafen! Der Käpt´n schläft schlecht, weil er sich Sorge um die Leinen macht.

Bei einem Spaziergang durch den Hafen entdecke ich das „nauticmobil“ bei der Bootswerft. Frank meint, dass er am Sonntag Zeit für uns hat.

Uns fällt langsam die Decke auf den Kopf! Beim Hafenmeister liegen Prospekte von „kisacar“  in Almeria aus. „Wherever you are, you will have your car“ lautet das Motto der Firma mit dem Katzenkopf auf Rädern. Die Mietwagen sind nicht ganz billig. Wenn man ein Auto für mindestens vier Tage mietet, werden die 30 Euro Zustellgebühr erlassen. Unsere  Gribs sagen, dass der Wind noch bis Dienstag anhält. Also bestellt der nette japanische Hafenmeister für uns einen Fiat Punto, der am Freitag um zehn Uhr am Hafenbüro angeliefert wird. Der junge Mann von  kisacar sieht sehr spanisch aus und spricht perfekt deutsch. Er verrät uns, dass sich seine deutsche Mutter während eines Urlaubs in den 80igern in seinen spanischen Vater verliebt und ihn später geheiratet hat.

Dann starten wir zu unserem ersten Ausflug. Über die Autovia del Mediterraneo fahren wir an Almeria vorbei nach Nijar. Der hübsche Ort, bekannt für seine Handwerkskunst, liegt am Rande der Sierra Alhamilla. Von hier aus folgen wir einer in unserem Reiseführer „Spanien (National Geographic Traveller)“ beschriebenen Tour durch den Parque Natural Cabo de Gata-Nijar.

Nijar

Nijar

 

Mühle in Pozo de los Frailes - Parque Natural de Cabo de Gata-Nijar

Mühle in Pozo de los Frailes – Parque Natural de Cabo de Gata-Nijar

Bei  Pozo de Frailes entdecken wir eine der typischen Windmühlen. Dann verwandelt sich die Asphaltstraße in eine Schotterpiste. In den Schlaglöchern steht noch Wasser vom letzten Regen. Vorsichtig steuert der Käpt´n den schwarzen Fiat Punto durch die rotbraune Schlammbrühe. Durch eine bizarre Hügellandschaft mit Kakteen und Agaven  führt der Weg zur Playa de los Genoveses. Auf dem Parkplatz stellen wir den Wagen ab und wandern um die wunderschöne Bucht durch den schneeweißen, feinen Sand. Dann geht es etwas bergauf, von wo wir den Blick über das Meer und die Landschaft genießen können.

Blick auf Playa de los Genoveses und San Jose

Blick auf Playa de los Genoveses und San Jose

 

Wolfsmilchgwächs

Wolfsmilchgwächs

Playa de los Genoveses

                                                                                                                  Sand wie Schnee

Über San Jose und andere Fischerdörfer fahren wir anschließend in nördlicher Richtung weiter durch den Naturpark . In Rodalquilar besichtigen wir die Ruinen einer alten Goldmine. Als wir anschließend durch den Ort fahren,  entdecken wir am Straßenrand mehrere kleine Restaurants. Hinter dem letzten findet sich ein Parkplatz. Unter schattigen Bäumen gibt es einen frischen Salat, knuspriges Brot und gebratene Champignons und Zucchini mit Knoblauch. Einfach und delikat! Nach der Mittagspause fahren wir weiter durch die Sierra de la Higuera  und verlassen hinter Agua Armaga  den Naturpark.

Ruine der Goldmine in Rodalquilar

Ruine der Goldmine in Rodalquila

Die Ferienorte Carboneras  und Mojacar Playa reißen uns nicht vom Hocker. Aber hier endet auch schon die 110 km lange Tour, und wir kehren über die Autobahn nach Almerimar zurück. Unsere Sorgen, die uns unterwegs hin und wieder wegen des starken Windes überfielen, erweisen sich als unbegründet. Mit unserem Schiff ist alles in Ordnung!

Sturmhimmel am 12. Juni

                                                                                         Der Starkwind zerfetzt die glühenden Wolken

Am nächsten Tag schauen wir uns zunächst die Alcazaba in Almeria an. Die mächtige Festung wurde 955 von den Mauren erbaut und 1490 von den Katholischen Königen erobert. Auch hier oben pustet der Wind heftig durch die blühenden Büsche und Bäume. Die kleine Hochzeitsgesellschaft, die sich zum Fototermin eingefunden hat, muss Hüte und Schleier festhalten. Wir sind beeindruckt von der mächtigen Anlage und dem schönen Blick auf das bunte Häusermeer von Almeria. Unten im Hafen legen Autofähren zur 90 Seemeilen entfernten spanischen Enklave Melilla in Marokko ab.

 

 

Die Mauern der Alcazaba

Die Mauern der Alcazaba

Blick von der Alcazaba auf Almeria

Blick von der Alcazaba auf Almeria

Der Palast des maurischen Herrschers

Der Palast des maurischen Herrschers

Der Palast des katholischen Königs

Der Palast des katholischen Königs

Hochzeitsfoto in der Alcazaba

Hochzeitsfoto in der Alcazaba

Granatapfelblüte

Granatapfelblüte

Granatapfelfrüchtchen

Granatapfelfrüchtchen

In der Stadt ist mal wieder Siesta-Zeit. Zwischen 14:00 und 17:00 Uhr sind alle Läden geschlossen und die Einkaufsstraßen wie ausgestorben. Die Menschen verlassen die Geschäfte und Büros, ziehen in die Bars und Cafes , sitzen zusammen, essen, trinken, reden. Ein alter Brauch, den sich die Spanier nicht nehmen lassen.

Wir haben ohnehin keine Lust auf Pflastertreten, wollen lieber in die Natur. Heute soll es in die Wüste gehen. Auch wenn wir es in den letzten Tagen anders erlebt haben: In der Provinz Almeria fallen im Jahr kaum 400 Milimeter Regen. Dagegen stehen 3000 Sonnenstunden, beste Bedingungen für Europas einzige Wüste in der Sierra Alhamilla.

Die wiederum schafft beste Bedingungen für Western-Filme. „Lawrence von Arabien“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“ wurden im gleißenden Licht dieser staubtrockenen Mondlandschaft gedreht. Die Besichtigung der Filmkulissen für 19,50 Euro pro Person ist uns allerdings zu teuer. Haben wir ja schon im Film gesehen! Aber die Landschaft mit den wilden Schluchten und schroffen Bergen  ist beeindruckend genug. Zwischen den Dörfern Tabernas  und Sorbas nehmen wir die Abzweigung nach Lucaiena de la Torres. In der Gluthitze wachsen und gedeihen hier nur noch Olivenbäume. In Reih und Glied gepflanzt überziehen sie Felder und Hänge. Feinschmecker bevorzugen das Öl dieser Gegend.

Desierto de Tabernas

                                                                                                          Filmkulisse Wüste

Lucainena de la Torres

Lucainena de la Torres

Solaranlage

                                                                                                  Eine gute Gegend für Solaranlagen

Danach schlängelt sich die schmale, passähnliche Straße bergauf und bergab. Die engen, unübersichtlichen Kurven verlangen vom Fahrer höchste Konzentration. Wer hier im Dunkeln und leicht angeschickert  ´nen heißen Reifen fährt, hört garantiert das „Lied vom Tod“.

Quer durch die Wüste

Quer durch die Wüste

Doch egal, ob Pinne oder Lenkrad: Mein Käpt´n steuert sicher durch Berg und Tal! Im bereits bekannten Nijar endet dieser eindrucksvolle Abstecher ins wüste Land.

Am Sonntag hat unser schwarzer Flitzer Ruhetag. Ralf will die Düsen einbauen. Wir sind gespannt auf das Ergebnis. Morgens geht der Wind teilweise auf 3 Bft zurück. Es ist bedeckt, grau und kühl. Ich lenke mich mit Hausputz und Wäsche waschen ab. Dann kommt auch schon das nauticmobil um die Ecke! Die Einspritzdüsen und vier! neue Unterlegscheiben werden eingebaut. Dann der Motortest. Ein ganz leichtes Klappern ist zwar noch da, aber es ist nicht das von früher. Ralf meint, ein Dieselmotor, zudem ein alter, macht einfach Geräusche. Sein Wort in Gottes Gehörgang!

Das  gute Ende folgt: Die Rechnung ist nicht so hoch wie befürchtet. Der Wind pfeift drauf! Er bläst wieder mit kühlen fünf bis sechs Bft aus West.  Auch am Montag ist es kaum besser.

Wir setzen uns morgens ins Auto und fahren noch einmal in die Sierra Nevada. Auf der Straßenkarte führt unser Weg genau  zwischen den Wörtern Sierra und Nevada  zum 2000 m hohen Punto de la Ragua. Wie grün und fruchtbar diese Gegend ist! Mandelbäume, Esskastanien, Feigen, Korkeichen und Weinfelder säumen die Straße. Dazwischen hin und wieder Kirschbäume, voll mit dunkelroten Früchten . Zwischen den grünen Kiefernwäldern leuchten baumlose Hänge mit weiß  und gelb blühenden Büschen. Wolkenmassen schieben sich über die Bergkämme, bringen die nötige Feuchtigkeit für diese Blütenpracht.

Sierra Nevada

Sierra Nevada

Sierra Nevada: Mandelbäume

Sierra Nevada: Mandelbäum

Oben angekommen, wird unser Wagen in einem kräftigen Schauer geduscht. Dann eine Vollbremsung! Vor uns steht ein kleines Rudel Gemsen, die uns verdutzt anschauen und dann den Hang hinaufklettern. Von oben beäugen sie uns neugierig, dann verschwinden sie im Dickicht.

Wild in der Sierra Nevada

                                                                                                                    Wildwechsel

Nun geht es wieder bergab  hinunter nach La Callahora, wo ein mächtiges, ockerfarbenes Castillo auf einem Hügel steht. Danach dauert es nicht mehr lange und wir sind an unserem Zielort angekommen. In Guadix wollen wir uns die Höhlenbehausungen anschauen, die in den trockenen Kalkstein gegraben wurden. Die Gegend zählt zu den am frühesten besiedelten Gebieten Europas, denn schon vor über einer Million Jahren lebten hier Menschen. Sicher waren deren Höhlen noch nicht so gemütlich eingerichtet wie die Höhlenwohnung des  Cueva Museos. In dieser Höhlenwohnung lebte bis in die 50iger Jahre eine Familie mit drei Kindern. In den einzelnen Räumen wird anschaulich dargestellt, wie sich das Leben in einer solchen Behausung abspielte.  Ein großer Vorteil ist dabei, dass die Höhlenwohnung zu allen Jahreszeiten eine gleichbleibende, angenehme Raumtemperatur  hat. Ein Nachteil für mich ist allerdings, dass in den meisten Räumen keine Fenster sind.

Schlafzimmer

                                                                                Schlafzimmer in der Höhlenwohnung (Cueva Museo)

Höhlenwohnungen in Guadix

Höhlenwohnungen in Guadix

Höhlenwohnung in Guadix

Der anschließende Spaziergang durch das Höhlenviertel ist leider recht ungemütlich. Ein kalter Wind fegt durch die Gassen und dunkle Wolken überziehen den Himmel. Als wir über die Autobahn nach Almeria zurückfahren, versinken die Berge der Sierra Nevada in Regenwolken. Erst über der Wüste der Sierra de Alhamilla  treibt der Starkwind wieder weiße Wolken über den azurblauen Himmel.

Am Dienstag geben wir den Autoschlüssel an der Rezeption des Hafenbüros ab. Der kleine Wagen hat uns sicher zu vielen schönen Orten dieses beeindruckenden Landes gefahren. Dann verabschieden wir uns von Alexandra und Udo und bedanken uns mit einer Flasche Champus für ihre Hilfe und Unterstützung.

Im La Plaza: Alexandra, Udo, Heinz und Christine

Im La Plaza: Alexandra, Udo, Heinz und Christine

Unser Fazit: Wenn schon eingeweht, dann in Almerimar!

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