13.10.2014 – Lagos im Regen

Aber hallo!!! Die Algarve kann auch anders!!!!

Am vergangenen Dienstag verdunkelten graue Wolkenberge zunehmend den blauen Algarvehimmel. Am Mittwochmorgen um acht Uhr weckte uns ein trommelndes Geräusch an Deck. Es regnete!

„Wie schön für die Natur!“ dachten wir. Und richtig: Die blühenden Hibiskusbäume an der Avenida dos Descobrimentos glänzten wie frisch geduscht und bildeten in den nächsten Tagen eifrig neue hellgrüne Blätter und rote oder rosa Blüten. Der Rasen unter den Königspalmen erstrahlte sattgrün und sogar die längst verblühten Mittagsblumen trieben eine zweite Blüte aus.

Der Käpt´n nutzte die Regenpause für einen Ölwechsel. Nun hatte ich endlich mal Gelegenheit, in Ruhe durch die vielen kleinen Geschäfte in der Stadt zu bummeln. Gerade hier in Lagos werden sehr schöne portugiesische Produkte angeboten: Schicke Lederprodukte wie Handtaschen und Schuhe, wunderschöne Schals und Tücher, Bett- und Tischwäsche sowie bunte Kostbarkeiten aus Glas und natürlich die essbaren Köstlichkeiten wie z. B. Marzipan aus Algarvemandeln oder die allgegenwärtigen Sardinen in Dosen. Besonders faszinierend finde ich, was alles aus Kork hergestellt wird! Dünn und weich wie feines Leder wird es zu Schuhen, Taschen, Schlüsselanhängern und vielem mehr verarbeitet. Kleiner Wehmutstropfen bei meiner Rückkehr: Im Cockpit prangte ein fieser Ölfleck auf dem Teakboden. Die Plastiktüte, in der die Flaschen mit dem alten Öl standen, war undicht. Plastiktüten bringen doch wirklich nur Ärger!

Mit heißem Wasser, Reinigungsmittel und Putzschwamm stürzte ich mich auf den Schandfleck, scheuerte bei der Gelegenheit gleich das ganze Cockpit, das hinterher glänzte wie ein Affenpopo. Aber der Schandfleck war mal gerade etwas heller geworden. Die Zeit, das Salzwasser und die Sonne werden ihm irgendwann den Garaus machen.

Um den Tag doch noch schön ausklingen zu lassen (und weil ich nach dem Putzeinsatz keine Lust mehr zum Kochen verspürte), gingen wir in der Stadt essen und hinterher in eine kleine Bar an der Praca Gil Eanes. Wie schon vorher beim Essen, wurden wir auch hier mit Lifemusik verwöhnt. Wir stellten wieder einmal fest, dass Lagos die schönste, lebendigste Stadt an der Algarve ist. Im Gegensatz zu den anderen Orten werden hier die Bürgersteige noch nicht hochgeklappt, was immer noch viele Touristen anlockt. Die haben es mittlerweile jedoch etwas schwer, die gute Laune zu behalten!

Am Donnerstag nämlich gingen die vereinzelten Regenschauer in heftige Regenfälle über, die auch am Freitag anhielten. Komisch! Wenn es wetterbedingt auch im Schiff so richtig grau wird, finde ich plötzlich überall etwas zum Putzen und bei der Gelegenheit auch gleich zum Aufräumen.

Während der Käpt´n sein Kindl leer las, wienerte ich unsere „Wohnung“ und räumte alle Schränke aus und wieder ordentlich ein. Was vom abgelaufenen Haltbarkeitsdatum her nun wirklich nicht mehr haltbar war, flog in den Mülleimer, für alles andere wurde ein „Verarbeitungsplan“ erstellt. So wurde die erste der vier englischen Brotbackmischungen gleich am Freitag ihrer letzten Bestimmung zugeführt. Sehr leckeres Mischbrot kam da aus dem Ofen! Dann setzte ich mich mit dem Laptop in die Kuchenbude und begann, meinen 1475 Wörter hohen Englisch-Vokabel-Berg bei „Babbel“ abzubauen, denn es war „ raining cats and dogs“.

Auch die kleine Olive vom Schiff nebenan kriegte langsam einen Kajütenkoller und wollte raus. Sie ist mit ihren Eltern und der acht Monate alten Schwester Alfi (von Alfreda) im Juli in Südengland losgesegelt und will nun mindestens zwei Jahre lang die Weltmeere erkunden. Der Papa ist Bootsbauer. Ehrensache, dass man dann auf einem schönen alten Holzschiff unterwegs ist.

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Olive

Olive ist erst zwei Jahre alt, sie plappert aber schon wie eine Große und weiß vor allem, was sie will. Hier wollte sie zum Beispiel mal probieren, wie portugiesischer Regen schmeckt. Immer wieder tippte sie mit dem Fingerchen in die Regenlachen und lutschte ihn prüfend ab.

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Olive probiert den portugiesischen Regen

Am Samstag rumste es im Karton. Gewitter! Und zwar mehrere! Ich fraß mich weiter durch den Vokabelberg, nachdem sich der Käpt´n neues Lesefutter für sein Kindle heruntergeladen hatte. Am Abend gingen wir dann mit Franz und Heidi von der Albatros in die Marina Bar und schauten uns das Europameisterschafts-Qualifikationsspiel Deutschland-Polen an. Schwamm drüber! Ich gönn´s den Polen!

Auch am Sonntag regnete es weiter, obwohl wir meinten, nun hätten die Hibiskusbäume genug neue Blüten und Blätter. Also wieder lesen und lernen, zwischendurch mal einkaufen und kochen. Eines meiner liebsten Einkaufsziele in Lagos ist der überdachte Straßenmarkt mit Fisch und Meeresfrüchten im Erdgeschoss und frischem Obst und Gemüse im ersten Stock. Der Vokabelberg schrumpfte inzwischen zu einem Hügel von 596 Wörtern. Außerdem habe ich zwei neue Lektionen gelernt. Auch die meisten Touristen liefen jetzt mit langen Hosen und Regenjacken herum. Die Ausflugsboote zu den Grotten und Delfinen blieben leer. Der Regenschirmverkauf boomte.

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Degenfisch heißt in Portugal peixe espada?????????????????????????

Frisches Obst und Gemüse im Straßenmarkt????????????????????

Pfefferschoten für das beliebte „Piri-Piri“

Heute lud ich dann mal neue Gribs herunter, doch auch die versprachen keine Wetterbesserung. Über dem Nordatlantik tobt ein gewaltiges Tiefdrucksystem, ein weiteres folgt ihm bald. Frühestens am Wochenende ist besseres Wetter in Sicht. Da kann Little Olive vielleicht mit ihrer Familie zu den Kanaren aufbrechen. Momentan hätten sie da draußen vier bis sechs Meter hohe Wellen und Wind von vorne.

Wir dagegen müssen uns in diesem Jahr um das Weiterkommen keine Gedanken mehr machen. Wir haben nämlich unsere Pläne geändert und uns entschlossen, nächstes Jahr ins Mittelmeer zu segeln.

So geht nach 1447,2 nautischen Meilen eine sehr erlebnisreiche und erfreuliche Segelsaison langsam für uns zu Ende. Am kommenden Montag wird unsere Anima mea bei der Firma „Sopromar“ hier neben der Marina an Land gestellt. Der Käpt´n wird auch dann an Bord bleiben, denn Sopromar hat auf dem Werftgelände sanitäre Anlagen für die Bootseigner, die noch auf dem Schiff bleiben, um diverse Arbeiten zu erledigen. Bei uns muss nach der gründlichen Bootsreinigung- und -pflege einiges gestrichen werden, die Toilettenpumpe wird ausgebaut und gereinigt (Brrrr!) usw., usw…

Dafür hat Heinz bis zum 21. November Zeit. Dann fliegt er nach Hause, während ich schon am 22. Oktober starte. Nicht wegen des Regens und schon gar nicht wegen der anstehenden Arbeiten, sondern weil mich mal wieder ein Zahn zur Verzweiflung bringt. Einen Behandlungstermin in Deutschland habe ich bereits für den ersten Tag nach meiner Ankunft telefonisch vereinbart. Ich hoffe nur, mein Zahn und ich halten das so lange durch!

 

 

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