38°41.458´N – 9°25.161´W Cascais, den 13.08.2014

„In Porto wird gearbeitet, in Braga gebetet und in Lissabon gespielt“, sagt eine portugiesische Redensart.

Also, wenn man Angeln als Arbeit betrachten will, stimmt das für Porto durchaus. Gebetet wird in Portugal überall. Sowohl während als auch außerhalb der Gottesdienste finden sich viele Gläubige in den zahlreichen Kirchen. Schon möglich, dass Braga mit seinen 30 Kirchen hier eine Spitzenposition einnimmt. Was es mit den Spielern auf sich hat, wollen wir gerade herauskriegen, denn wir sind nun in Cascais, dem vornehmen Badeort der Schönen und Reichen vor den Toren der Landeshauptstadt Lissabon.

Vergangenen Samstag verließen wir morgens gemeinsam mit Walter und Elke die Marina von Figueira da Foz . Nachdem wir die Flussmündung des Rio Mondego hinter uns gelassen hatten, verschwand die Sunrise allmählich westlich von uns im scheinbar endlosen Atlantik .

Der Atlantik verschluckt Elke und Walter

Die „Sunrise“ verschwindet westwärts

Über 500 Seemeilen lagen nun vor Elke und Walter, die sich auf den Weg nach Madeira gemacht hatten. Wie es ihnen in den nächsten Tagen und Nächten wohl ergehen würde? Noch wehte nur ein laues Lüftchen, doch ab Montag war für das gesamte Seegebiet zwischen Madeira und Portugal tagelang starker Nordwind angesagt. Deshalb hatten wir entschieden, Nazare zu überspringen und gleich das 57 Seemeilen entfernte Peniche anzulaufen, wo wir um 20.00 Uhr im Hafenbecken an einer Boje festmachten. Am nächsten Morgen ging es dann bei Flaute 45 Seemeilen weiter nach Cascais. Und tatsächlich: Schon am Montag bogen sich die buschigen Kronen der riesigen Königspalmen in den heftigen Böen. In der Nacht zu Dienstag wurden wir ständig im Schlaf gestört, weil der Sturm sogar im geschützten Hafenbecken kräftig an unseren Leinen zerrte. Gut, dass wir es rechtzeitig bis hierher geschafft hatten. Nun konnten wir die „Sturmzeit“ dazu nutzen, die „Costa de Lisboa“ zu erkunden.

Strand und Ankerbucht in Cascais

Cascais: Einer der Strände, die Ankerbucht und dahinter die Marina

Cascais ist wirklich ein schmucker Ort mit gepflegten alten Villen, schönen Grünanlagen, einem „Castelo“ und einer verwinkelten Altstadt mit vielen kleinen Geschäften, Restaurants und Bars. Wie überall in Portugal, sind auch hier die öffentlichen Plätze und Gehwege mit kleinen Pflastersteinchen belegt. Doch so perfekte optische Täuschungen wie in Cascais findet man selten .

Rathausplatz in Cascais

Der „bewegte“ Rathausplatz in Cascais

Optische Täuschung

Wellenmuster auf dem Gehweg

Die Marina Cascais bietet einen sehr guten Service und allen Komfort, der allerdings seinen Preis hat. 27,50 Euro zahlen wir pro Nacht für unsere 10 Meter. Ausgerechnet ein Norweger mit Riesenkatamaran maulte an der Rezeption über die Preise, worauf die junge Dame freundlich erwiderte, sie seien aber nicht die teuerste Marina in Portugal. Mal sehen, ob wir noch herausbekommen, wo die ist. Vielleicht an der Algarve?

Von der Marina aus fußläufig erreichbar ist auch ein riesiger Supermarkt, der seinen Namen „Jumbo“ wahrlich verdient. Dort kann man günstig einkaufen, was das Herz begehrt. Auffällig hier in Portugal: Es gibt im Gegensatz zu Spanien viele deutsche Produkte, z.B. endlich wieder Quark , der in Spanien überhaupt nicht angeboten wurde.

Ganz in der Nähe des Supermarktes befindet sich die Metrostation. Von hier aus fuhren wir gestern das erste Mal ins 35 km entfernte Lissabon. Am Ufer des Tejo entlang ging es durch die verschiedenen Vororte der Hauptstadt bis zur Endstation „Cais do Sodre“. Gleich gegenüber fanden wir den „Mercado“. In dem überdachten Markt befindet sich auch eine riesige Halle mit Tischen und Stühlen, rundum mit kleinen Restaurants bestückt. Schwierig, sich beim Anblick der Leckereien für ein Gericht zu entscheiden! Schließlich stellten wir uns am Pizzastand an, doch auch hier wieder die Qual der Wahl: Welche der zahlreichen Pizzen sollte auf unser Tablett kommen? Als auch diese Hürde genommen war, galt es nur noch einen Platz im Saal zu ergattern.

Lissabon: Der Mercado am Bahnhof Cais do Sodre

Der Mercado in Lissabon

Nach dem Essen wurde zunächst der alte „Humboldt“- Reiseführer( Ausgabe 1994) studiert, denn wir waren in den 90ern ja schon mal (kurz) in dieser europäischen Metropole zu Besuch gewesen. Ohne Probleme fanden wir den Weg in die „Baixa“, den Stadtteil, der nach dem schweren Erdbeben von 1755 schwer zerstört und im „Schachbrettmuster“ mit schnurgeraden Straßen wieder aufgebaut wurde.

Die schnurgeraden Straßen der Baixa

Eine der schnurgeraden Straßen im Stadtteil Baixa

In der ruhigen, kühlen Vorhalle des prächtigen Rathauses machten wir eine kurze Pause. Dann stürzten wir uns in den Trubel der Altstadt „Alfama“.

Lissabon: Rathaus

Sieht blendend aus: Das Rathaus von Lissabon

Durch die steilen, engen Gassen, möglichst immer auf der Schattenseite, schlenderten wir hinauf zum Castelo de Sao Jorge, das nach dem Sieg über die Mauren 1147 erbaut wurde. Auf dem Weg hinauf kamen wir auch an der Kathedrale , der Se, vorbei. Sie ist das älteste Gotteshaus Lissabons und wurde Mitte des 12. Jahrhunderts nach dem Sieg über die Mauren auf den Trümmern einer Moschee errichtet. An der Kathedrale vorbei winden sich bergauf und bergab außer unzähligen Autos auch die berühmten Straßenbahnen Lissabons. Als wir die Kathedrale verließen, wurden wir Zeugen eines „Tramstaus“. Gleich drei der historischen Bahnen standen wie Perlen auf der Schnur bergabwärts hintereinander, weil die erste nicht an einem PKW vorbeikam. Dreist mitten auf der Straße geparkt, ragte das Heck auch noch über die Straßenbahngleise ! Doch wie steht es im Reiseführer? „In Portugal trägt man alles mit Gelassenheit!“ Schnell fanden sich eine Handvoll starker Männer, die mit einem kräftigen „Hauruck“ das störende Fahrzeug verschoben und so den Verkehrsfluss wieder herstellten. Es war auch gleich ein Polizist zur Stelle, der sich das Kennzeichen des Verkehrssünders notierte. Der war natürlich ein Tourist und zwar, man höre und staune, ein Fahrzeughalter aus Minden!

Deutsches Verkehrshindernis

Ein deutsches Verkehrshindernis wird mit Manneskraft beseitigt

Belustigt wanderten wir weiter bergan. In den Gassen wimmelte es vor Menschen. Auf den engen, steilen Straßen ein Wahnsinns-Verkehr! Autos, Busse, Straßenbahnen quälten sich bergauf und bergab. Dazwischen lustige Dreiräder, die jedes für sich ein Hingucker waren.

Dreirad im Azulejo-Look

Dreirad im Azulejo – Look

Als wir schließlich am Castelo ankamen, stießen wir auf eine riesige Menschenschlange. So was sieht man bei uns an Ferienwochenenden vor dem Reichstag in Berlin! Alle wollten trotz fortgeschrittener Stunde und sengender Hitze Eintrittskarten für das Castelo mit dem „überwältigenden Panoramablick“ ergattern. Nein danke! Schließlich hatten wir vor Jahren schon einmal diesen Blick bei wesentlich weniger Andrang erhaschen können. Und außerdem gibt es von hier oben so viele andere Stellen mit tollem Ausblick!

Blick auf die Alfama

Blick über die Alfama

Auch wenn wir keine Lust hatten, uns in die Warteschlange einzureihen. In Ordnung fanden wir es schon, dass die Lissaboner ihre Ausblicke und andere Schätze in bare Münze verwandeln. Der Zahn der Zeit nagt sichtlich an der alten Pracht der Gebäude. Soll nicht alles verfallen, muss dringend restauriert werden. Doch im Gegensatz zu Orten wie z.B. Pavoa de Varzim oder Porto wird hier in Lissabon viel in die Erhaltung der alten Bausubstanz investiert. Überall sind alte Häuser eingerüstet. In ihrem Innern wird fleißig gewerkelt. Viele Gebäude erstrahlen in schon neuem Glanz. Schade, dass trotzdem eine Menge alter Häuser nicht mehr zu retten sind.

Alfama

Typisch Alfama

So langsam wir uns den Berg hinaufgearbeitet hatten, so schnell waren wir wieder unten. In Lissabon gibt es nämlich Aufzüge, mit denen man in Nullkommanichts von höher gelegenen in tiefer gelegene Stadtteile gelangt.

Aufzug von der Baixa zur Alfama

Mit dem Aufzug von der Alfama zurück in die Baixa

Durch das imposante, weiße Stadttor gelangten wir schließlich auf die Praca da Comerco, wo vor dem großen Erdbeben der Königspalast stand. Heute wird dieser Platz von Barockbauten umrahmt, in denen Ministerien, Behörden und die Börse untergebracht sind.

Lissabon: Stadttor an der Praca da Comerco

Durch das Stadttor auf die Praca da Comerco

Nun noch ein kurzes Stück am Tejo-Ufer entlang und wir waren wieder am Bahnhof Cais do Sodre.

Ob jetzt endlich auch der Letzte aus der Warteschlange oben auf der „Georgsburg“ sein Ticket bekommen hatte, um auf die Metro nach Cascais herunterzuschauen?

Heute fuhren wir noch einmal mit der Metro nach Lissabon. Unser Ziel war der Vorort „Belem“. Hier steht der „Torre de Belem“ – ein Wahrzeichen Portugals – am Tejo-Ufer.

Torre de Belem

Torre de Belem

Auf der Suche nach einer Toilette stießen wir rein zufällig auf den Botanischen Garten mit üppigen Tropengewächsen. Für nur zwei Euro Eintritt pro Person befanden wir uns plötzlich in einer stillen, schattigen Oase mit beeindruckenden Pflanzen. Ein Kakibaum, Kaffeesträucher und riesige Gummibäume besiedelten den Park. Am besten gefielen mir jedoch die verschiedenen Palmenarten, die sicher schon ein stolzes Alter aufwiesen, so riesig wie sie waren. Ein stilles Örtchen fand sich übrigens auch in dieser schönen Anlage.

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Palmen mit Bart

Gleich nebenan stand dann das leuchtendweiße „Mosteiro dos Jeronimos“, das Hieronymitenkloster. Als wir zum ersten Mal Lissabon besuchten, war es geschlossen. Nun wollten wir die Innenbesichtigung unbedingt nachholen.

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Die Fontäne vor dem Hieronymitenkloster

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Das Portal des Hieronymitenklosters

Natürlich hatte sich auch vor diesem aus weißem Marmor im manuelinischem Baustil errichteten Kloster eine lange Warteschlange aufgebaut. Doch nach einer guten halben Stunde hatten wir die Eintrittskarten in der Hand. Als wir den Innenhof der Anlage betraten, waren wir uns einig: So etwas unglaublich Kunstvolles hatten wir noch nie vorher gesehen! Ein Glück, dass die Gebäude von dem schweren Erdbeben 1755 weitgehend verschont geblieben waren. Staunend schlenderten wir durch den zweigeschossigen Kreuzgang, blieben an den Säulen stehen und bewunderten die Bögen, von denen jeder mit unterschiedlichen Ornamenten verziert war.

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Im Innenhof

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Jede Säule ist anders gestaltet

Dann betraten wir die dreischiffige Hallenkirche mit verschiedenen Grabmälern portugiesischer Könige. Ehrfürchtig blieben wir vor dem Sarkophag des portugiesischen Nationalhelden Vasco da Gama stehen. Er entdeckte den Seeweg nach Indien um die Südspitze Afrikas herum. Zur Feier dieses Ereignisses wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dieses Kloster errichtet.

Vasco da Gama

Die Grabstätte Vasco da Gamas

Am Abend pustete uns ein kräftiger, kühler Nordwind von der Metrostation Cascais zur Marina zurück. In einem der kleinen Restaurants dort kehrten wir ein, bevor es zum Schreiben an Bord ging. Draußen heult und pfeift der Wind. Er wird auch noch morgen weitermachen. Vielleicht können wir am Samstag weiter nach Sesimbra und dann nach Sines. Das wäre dann der letzte Hafen an Portugals Westküste. Danach folgt das portugiesische Urlaubsparadies „ Algarve“.

Apropos Urlaub: Auch ein „Webmaster“ braucht mal eine Auszeit vom Internet. Daher werden unsere Beiträge erst wieder ab dem 2.September eingestellt. Wir wünschen www.sayimsorry.de schöne Ferien in Frankreich!

Die Brunnenfigur

Die Brunnenfigur im Innenhof des Klosters

 

  1. Hallo Christine und Heinz,

    ich nutze gerade den Nebel, der uns am Weiterkommen hindert, um eure Erlebnisse nachzulesen und uns auf Kommendes vorzubereiten. Macht Spaß von euch zu lesen und euch so ein bischen nahe zu sein. Danke für deine Mühen, Christine, alles in schöne Worte und schöne Bilder zu fassen. Dank auch an deine Tochter!
    Wir vermissen euch!

    Fair winds
    Steffi und Tomy

    • Hallo, Steffi und Tomy,
      wir wünschen euch bald das passende Wetter für den nächsten großen Schlag. Gute Reise, Mast und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel! Wir werden euch virtuell folgen und denken an euch.
      Liebe Grüße
      Christine und Heinz

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