08.2014, Viana do Castelo, Portugal

41°41.562´N – 8° 49.339´W

Gestern erreichten wir das siebte Land unserer Reise. Vor genau einem Jahr hatten wir gerade die Niederlande verlassen und waren in Oostende/Belgien angekommen. Dann war es über Frankreich und England weitergegangen, wo wir erst mal eine Winterpause einlegen mussten. Danach ging es über die Kanalinseln wieder nach Frankreich und schließlich über die Biskaya nach Spanien. Nun haben wir den ersten Hafen in Portugal erreicht, und seit langer Zeit regnet es heute. Wolken verhüllen die Bergketten ringsum, wo wir vor der Marina von Viana do Castelo längsseits am Steg liegen. Im Hafen war kein Platz mehr, als wir gestern um 16:30 Uhr hier ankamen. Ganz vorne am Steg liegt eine alte Bekannte, die „Black Butterfly“ aus Australien, die wir zuletzt in Camarinas gesehen hatten. Hinter ihr liegt eine niederländische Hutting. Eine schöne Yacht, aber sehr teuer, da diese Schiffe nur auf Bestellung gebaut werden. Dann kommt die Sunrise mit Elke und Walter. Mit ihnen sind wir seit A Coruna gemeinsam nach Süden unterwegs. Und am Stegende liegen wir, wieder mal das kleinste Schiff von allen! Trotzdem: Stolz und schön wedelt unsere Anima mea mit ihrem runden Hinterteil im niemals zur Ruhe kommenden Wasser des Flusses Lima.

Die Landschaft hier in Nordportugal ist ähnlich der in Galicien, wo wir zuletzt in der Ria de Vigo gegenüber der gleichnamigen Stadt die Marina von Cangas anliefen. Fast hätten sie uns dort wieder weggeschickt. Die Sunrise, die vor uns festmachte, hatte den letzten Platz ergattert, doch unser hartnäckiges, freundliches Bitten erweichte schließlich das Herz des Hafenmeisters, der ausnahmsweise ein Liegen im Päckchen mit der Sunrise erlaubte. Päckchen-Liegen gibt´s in Spanien nämlich nicht, schon gar nicht, wenn durch das An- und Ablegen der benachbarten Fähren, die die berühmten „Islas Cies“ anlaufen, ein fürchterlicher Schwell verursacht wird, bei dem sogar die Masten der aneinander liegenden Boote zusammenknallen können. Natürlich brachten wir aus Sicherheitsgründen eine Leinenverbindung an Land aus und legten die Boote so aneinander, dass die Masten nicht nebeneinander standen.

In Cangas war es sehr heiß, so dass wir erstmals unser weißes „Sonnenzelt“ anbrachten, unter dem wir beobachteten, wie sich täglich Menschenmassen auf die Fähren drängten, um an die Traumstrände der Islas Cies zu gelangen.

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Täglich strömen die Menschenmassen auf die Fähren zu den Islas Cies. Wir strömen mit!

Einer dieser weißen Strände am türkisblauen Wasser war 2007 von der Zeitung „The Guardian“ als „bester Strand der Welt“ ausgerufen worden. Über die Länge von einem Kilometer verbindet der „Playa de Rodas“ die beiden Inseln „Isla del Medio oder del Faro“ und „Isla Norte oder de Monteagudo“. Weitere schöne Strände sind der „Playa de Nosa Senora“ und der „Playa de Figueiras“. Letzterer ist einer der schönsten Nacktbadestrände Galiciens und wird auch „Playa de los alemanes“ genannt. Ist dieser Name vielleicht auf die Vorliebe der ostdeutschen Brüder und Schwestern für die Freikörperkultur zurückzuführen?

Will man also die traumhaften Ankerbuchten dieser Inseln auf eigenem Kiel besuchen, muss man zunächst bei den spanischen Behörden eine Befahrenserlaubnis für das Naturschutzgebiet „Islas Cies“ beantragen. Ist diese eingeholt, muss eine Ankergenehmigung beantragt werden, die für bestimmte Tage erteilt wird. Blöd, wenn dann das Wetter nicht passt! Um den ganzen Behördenkram zu umgehen, beschlossen wir sowie Walter und Elke, einfach auch mit einer der zahlreichen Fähren zu den Inseln zu fahren. Wir hofften, der pottendichte Nebel würde sich im Laufe des Tages auflösen, was er nach unserer Rückkehr auch tat. So erlebten wir die Inseln immer nur ausschnittweise, wenn sich die Nebelwände lichteten und beispielsweise den Blick auf Playa de Rodas, den Faro de Porta und das Ankerfeld freigaben.

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Einer der schönsten Strände der Welt: Playa de Rodas

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Wir steigen hoch zum Leuchtturm „Faro de Porta“

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Ankerlieger im Nebel

Unterwegs lauerten am Wegesrand die allgegenwärtigen Silbermöven, die sich auch gern über die Esswaren hermachten, die unbeaufsichtigt auf den Picknicktischen für das abendliche Grillvergnügen deponiert waren. Die gerechte Strafe für blauäugige Touristen, die keine Ahnung haben, was sich Möven so einfallen lassen, wenn es um die Nahrungsbeschaffung geht. Dazwischen huschten winzige Eidechsen auf den warmen Felsen herum, Unterschlupf suchend, sobald sie sich entdeckt fühlten. Andere Tierarten konnte ich in diesem „Special Protection Area for Birds“ leider nicht entdecken. Auch die Flora, mein fotografisches Lieblingsthema, hatte wenig zu bieten. Dafür war der Campingplatz sehr gut besucht, auf dem es, ähnlich wie bei der Ankererlaubnis, angeblich nur ein begrenztes Platzangebot gibt, wobei „begrenzt“ offensichtlich nicht „wenig“ bedeutet. Dies alles, besonders die ungeheuren Menschenmassen, die täglich auf die Inseln strömen, können meiner Meinung nach nicht zuträglich für den Naturschutz sein. Gut, dass an diesem Tag vieles „im Nebel“ blieb.

Am Mittwoch, dem 30.7. hatten wir schließlich die Nase voll von dem ewigen Schwell in Cangas. Als ich im Hafenbüro die Hafengebühr bezahlen wollte, erlebte ich dann doch noch eine positive Überraschung: Es wurde für uns kein Hafengeld fällig, da wir keinen eigenen Platz bekommen hatten sondern im Päckchen liegen mussten. Dabei hatten wir doch ausgiebig geduscht, Müll entsorgt und Wasser getankt! Aber es war nichts zu machen, wir „durften“ nicht zahlen.

Nun ging es knapp 12 Seemeilen weiter „um die Ecke“ nach Baiona (gallicisch)/Bayona (spanisch). Zwei Häfen standen zu Wahl: Der Monte Real Club de Yates (MRCY) oder die Bayona Marina. Wir entschieden uns für die letztere, während die Sunrise in der Club-Marina festgemacht hatte. Eine sehr „hochpreisige“ Marina, aus der Elke und Walter nach einer Nacht zu uns hinüber flüchteten.

Ansonsten entpuppte sich Bayona als hübsches Städtchen mit schönen Geschäften und einer beeindruckenden Burganlage, deren zinnengekrönte Mauern einen großzügigen Park mit Hotel und Restaurants umschlossen. Hier lustwandelten wir unter Pinien und freuten uns an den wundervollen Ausblicken auf die Bucht von Bayona mit dem Nachbau der Pinta, die einst zur „Columbusflotte“ gehörte. Auf dem Rückweg von der Entdeckungsreise trennten sich die Schiffe und die Pinta landete in Bayona, deren Einwohner noch heute stolz erklären, dass sie am 1. März 1493 als erste von der Entdeckung Amerikas erfuhren. Und wie entrückt und unberührt die Islas Cies von hier oben aussahen! So soll es sein!

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Die Pinta

??????Die Burganlage (Monterreal Fort) in Bayona

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Blick auf die Islas Cies

Am letzten Abend luden wir Elke und Walter zum Abendessen an Bord ein. Die schöne Zeit in Spanien ging für uns zu Ende, doch es wartete ja schon Portugal auf uns. Am 1.08. um 13:50 Uhr zog der Kapitän querab zum „Rio Mino“, dem Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal, unsere jungfräuliche portugische Gastflagge unter die Saling.

In der Mitte seiner Bautätigkeit an der Anima mea hatte ich ihm und mir einen „Zwangsurlaub“ verordnet. Mit einem Wohnmobil umrundeten wir zwei ereignisreiche Wochen lang Portugal. Auf dieser Reise kaufte ich einen kleinen Plastiksalzstreuer, den ich mit nach Hause nahm und dort regelmäßig nachfüllte. Ich schwor mir damals, diesen Salzstreuer wieder nach Portugal zurückzubringen. Natürlich steht er jetzt im Schapp und ist wieder zu Hause.

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Adios, Espagna! Ola, Portugal!

 

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