42° 25.695 N – 8° 42.252 W

07.2014 Ria de Pontevedra – Combarro

Der aufmerksame Leser hat es sofort erfasst: Seit A Coruna haben die Gradzahlen unserer Position „Minus“ gemacht.

Am Dienstag, dem 20.07. verabschiedete uns A Coruna mit einem gewaltigen Luft-Spektakel. Die spektakuläre und sicher sündhaft teure Flugshow im Rahmen des „Festival Aero“ konnten wir von Bord aus verfolgen, da die verschiedenen Flugzeugtypen ihre Kunststücke direkt über dem Hafen vorführten.

1.IMG_0926

Die spanische Flagge wird in den blauen Himmel gepustet.

Danach machten wir einen letzten Bummel durch die Gassen und über die Plätze der Stadt, auf die wir uns während unserer Reiseplanung und der Biskayaüberquerung so sehnsüchtig gefreut hatten. Mittlerweile kannten wir uns hier richtig gut aus. Wenn es aber so weit ist, wird es Zeit, den Ort zu verlassen! So beendeten wir den letzten Tag in einer Tapas-Bar, deren Köstlichkeiten einladend auf der Theke aufgebaut waren. Auf krossen Brotscheiben gab es leckere Kombinationen aus Anchovis, Guakamole, gegrilltem Gemüse, Hühnchen, Bacalao (Stockfisch),Gambas, Chorizo und Schinken. Dazu gut gekühlter Rose und Rotwein. Nach fünf Tapas und zwei Gläsern Wein waren wir rundum satt und zufrieden, auch mit dem Preis von rund 40 Euro für dieses lukullische Vergnügen.

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In der Tapas-Bar

Am Morgen des nächsten Tages verließen wir A Coruna. Kurz vorher hatte die deutsche Segelyacht „Sunrise“ mit Walter und Elke aus Stuttgart den Hafen verlassen. In der Ria de Camarinas wollten wir uns wiedertreffen. Gegen neun Uhr hatten wir den Torre de Herkules an Backbord. Dann ging es dicht unter der Küste entlang Richtung Westen und ab den Islas Sisargas in südwestlicher Richtung vorbei an den Rias de Corme und Laxe, in denen man nur ankern kann, zur Ria de Camarinas.

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Torre de Herkules

Es dauerte nicht lange, da hatten wir auch schon Besuch. In großen Gruppen tauchten immer wieder Delphine auf. Voller Lebensfreude sprangen sie aus dem Wasser, durchpflügten es im „Paarlauf“ und tauchten neugierig neben der Bordwand auf.

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Im Sprung erwischt!

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Wer ist schneller?

Als uns die Delphine verließen, kümmerten wir uns endlich einmal um unsere Selbststeueranlage. Schon nach kurzer Zeit hatte es der Käptn raus.

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Jago steuert

Nachdem wir einige Zeit wie von Geisterhand gesteuert an der Küste entlang gezogen waren, tauften wir das gute Stück auf den Namen „Jago“, einerseits, weil wir hier gerade vor der Küste Galiziens segelten und Sankt Jago der Schutzpatron dieser Gegend ist, andererseits, weil unser ältester Enkel Jakob heißt. Leider schaffte es Jago nicht ganz bis zur angesteuerten Ria, da wir irgendwann den „Spanischen Norder“ von Achtern zu spüren bekamen. Also war bei der Einsteuerung in die Ria de Camarinas wieder Handarbeit gefragt. Wir stellten etwas belustigt fest, dass wir anscheinend im Schwarzwald gelandet waren, so sehr erinnerte uns die Landschaft an das deutsche Mittelgebirge. Als wir in den Hafen einliefen, standen schon Walter und der Hafenmeister auf dem Steg und wiesen uns in einen Platz ein.

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Putzig: Das Hafenbüro

Nun begannen die Formalitäten. Ein umfangreiches Formular musste bei der Anmeldung ausgefüllt werden. Was die spanischen Behörden alles wissen wollen! Eignername, Crewnamen, Passnummern, Heimatanschrift, Heimathafen, Schiffsname und Schiffstyp, Rufzeichen, Länge, Breite, Anzahl der Masten, Mastfarbe!, Rumpffarbe!, Rumpfmaterial!, Motortyp, PS, Motornummer, Versicherungsnummer und Versicherungsname usw., usw. Somit ist es unabdinglich, den Nachweis erbringen zu können, dass einem das Schiff wirklich gehört. In unserem Falle ist es das Flaggenzertifikat, das wir vor unserer Abreise beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg beantragt hatten. Außerdem muss man ein gültiges Ausweisdokument und einen Versicherungsnachweis (Haftpflicht) dabei haben. Dann konnte endlich die Hafengebühr (schlappe 14 Euro) bezahlt und der am kunstvollen Knoten befestigte Sanitärgebäude-Schlüssel in Empfang genommen werden. Am nächsten Morgen wurde er einfach in das Loch an der Hafenbürotür geworfen und ab ging es zur nächsten Ria.

Was sind denn eigentlich „Rias“? Es handelt sich keinesfalls um verschiedene spanische Mädchen mit gleichem Namen sondern um fjordähnliche Meeresbuchten. Nördlich vom „Cabo Finisterre“ sind es die „Rias Altas“ (obere Rias), südlich davon die „Rias Baixas“ (untere Rias). Wir befanden uns gerade in den Rias Altas und steuerten nun die Ria de Muros mit dem Hafen Portosin an. Während der Fahrt hieß es ständig Ausguck halten nach Fischernetzen und Fischerkörben, die sich durch kleine Kugeln oder Plastikbehälter an der Wasseroberfläche verrieten. Auch die Fischer waren mit Vorsicht zu genießen. Ob es ihnen Spaß machte, uns mit Karacho zu überholen und dann kurz vor uns ihr Netz ins Wasser zu werfen?

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Achtung! Fischers Fritz fängt frische Fische!

Schon am nächsten Morgen zogen wir gemeinsam mit der „Sunrise“ in Richtung „Cabo Finisterre“. Um beim Vergleich mit süddeutschen Landschaften zu bleiben: Hier handelt es sich um den „Weißwurst-Äquator“ von Galizien. Nördlich davon soll das Klima feuchter und kühler, südlich davon trockener und wärmer sein. Weiterhin zieht es die ganz unverdrossenen Pilger auf dem Jakobsweg über Santiago de Compostella hierhin. Erst an diesem magischen Ort vollenden viele ihre Reise, indem sie am Strand eine Jakobsmuschel aufsammeln und sie als Symbol ihrer Pilgertour mit nach Hause, manchmal sogar mit ins Grab nehmen. Vorher bringen sie ihre Pilgerkleidung als Rauchopfer dar. Das hat immerhin den Vorteil, dass sie die durchgeschwitzte Kluft nicht mehr waschen müssen!

Als wir bei ruhigstem Wetter am Kap vorbeiglitten, konnten auch wir uns dem Zauber dieses berühmten Fleckchens Erde nicht entziehen. Wie schön, dass Walter diesen Augenblick der Andacht mit seiner Kamera einfangen konnte!

9.Anima mea (1)

Die Anima mea am Cabo Finisterre

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Cabo Finisterre

Auch die Ria de Muros zeigte die liebliche Landschaft des Schwarzwalds. Portosin selbst entpuppte sich als belebter Fischereihafen mit regelmäßigem Schwell durch ein- und auslaufende Boote sowie einer Tag und Nacht heulenden Sirene. Keine Ahnung, welchen Sinn die hatte!

Noch vor der Sunrise verließen wir die Marina am nächsten Morgen mit dem Ziel Sanxenxo in der Ria de Pontevedra. Unsere Grip-files hatten nur schwachen Wind angekündigt, so dass wir ganz unbekümmert im tiefen Wasser dicht an der Küste entlang durch den immer dicker werdenden Nebel tuckerten. Plötzlich sprang die Windmesseranzeige auf 3 Bfd, dann auf 4 Bfd und kurz darauf gar auf 5 Bfd. Schnell das Groß gesetzt, obwohl auf unserem Kurs höchstens Kreuzen möglich war, denn der heftige Wind kam aus Süd bis Südwest. Gut, dass wir den Kurs so dicht an der Küste entlang gesteckt hatten. So hatten wir etwas Schutz und kaum Wellen. So plötzlich, wie er gekommen war, so plötzlich war der Wind auch wieder weg. Den Nebel hatte er jedoch nicht weggepustet. So hatten wir nichts von der schönen Küste. Nach knapp sieben Stunden legten wir in der Luxus-Marina Sanxenxo am Besuchersteg an. Deutlich mehr Tourismus und gestiegene Preise (28,69 Euro) waren zu verzeichnen.

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In der Ria de Pontevedra liegt Anima mea in Puerto de Sanxenxo am Besuchersteg

Unterwegs hatten wir uns per SMS mit unseren Segel-Bekannten Steffi und Thomi von der Yemanja unterhalten. Sie waren derzeit auch in der Ria Pontevedra und schwärmten von „dem schönsten Ort, in dem wir bisher waren“. Er hieß Combarro und war gut sieben Seemeilen entfernt am Ende der Ria. Gemeinsam mit der Sunrise besuchten wir die beiden Kölner am nächsten Tag. Wie schön, als unsere Schiffe wieder vereint am gleichen Steg lagen. Als hätten wir alte Bekannte wiedergetroffen, verbrachten „ wir Deutschen“ einen schönen Tag und einen ebenso schönen Abend miteinander.

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Deutsche Wiedervereinigung

Tatsächlich! Combarra ist ein wahres Kleinod mit seinen alten Kornspeichern, den verwinkelten Gassen und den Wegkreuzen, die an verschiedenen Punkten „das Böse“ fernhalten sollen. In den Andenkenläden zumindest wollen die Händler gerne die gräulich grinsenden Hexen vertreiben, die sie in ihren Auslagen feilbieten. So waren wir nun vom Schwarzwald in den Harz gelangt. Und das in Spanien!

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Kornspeicher und Wegkreuz in Combarra

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Hexen

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Die Muschel weist den Pilgern den Weg

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Hier können müde Pilger ausruhen

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Hier labten wir uns an frischen Fischen, Pulpo und Lamm

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Frische Sardinen vom Grill: Einfach und lecker!

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Direkt am Hafen: Life-Konzert in der Bar

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Liebevoll gemixt: Unsere Mojitos

Nun ist die Yemanja schon weiter in Richtung Porto, von wo aus Steffi und Thomi für kurze Zeit nach Hause fliegen.

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Hasta luego, Yemanja!

Morgen werden wir und Elke und Walter ebenfalls aufbrechen. Die letzte Ria, die Ria de Vigo steht auf dem Programm. Danach kommt schon Portugal. Doch vorher werden wir wohl noch einen angekündigten Wetterumschwung abwarten müssen. Kein Problem! In Vigo und Baiona gibt es bestimmt viel Neues zu entdecken.

Hasta luego!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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