20.05.2014 – Ganz schön tricky!

Hier sind wir seit Donnerstag! Seit unserer Abfahrt in Plymouth am Mittwoch haben wir nur schönes Wetter. Gestern gab es am Nachmittag mal einen kleinen Schauer, doch heute war es wieder überwiegend sonnig. Nach unserem Wetterbericht zu urteilen müssen wir jedoch bald mit einer Wetterverschlechterung rechnen.

Wir haben in den letzten Tagen so viel erlebt, unternommen und erkundet, dass ich keine Zeit gefunden habe bzw. abends zu müde war, um etwas aufzuschreiben. Heute haben wir aber mal „kleinere Brötchen“ gebacken, so dass ich endlich in die Tasten hauen kann.

Am vergangenen Mittwoch hatten sich also Wind und Seegang so weit beruhigt, dass wir Plymouth verlassen konnten. Einerseits ein bisschen traurig, unserer „zweiten Heimat“ nun „Good bye“ zu sagen, waren wir doch froh, endlich zu neuen Ufern aufzubrechen. Vom Hafenpersonal herzlich verabschiedet tuckerten wir aus dem Yachthafen hinaus, schauten ein letztes Mal zum „Drift Cottage“, unserem ehemaligen Ferienhaus, hinüber und setzten die Segel, nachdem wir an Backbord den Turm von Mount Batten und an Steuerbord die Festung von Plymouth passiert hatten.

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Nach vier Stunden hatten wir die 20 Seemeilen bis Salcombe zurückgelegt. Nachdem wir die Segel geborgen hatten, steuerten wir mit Kurs 0.00° um 15:00 Uhr auf das Richtfeuer in der Flussmündung von Salcombe.

17. Salcombe

 

Die quer durch die Mündung verlaufende Barre war kein Problem für uns, denn zwei Stunden vor Hochwasser hatten wir hier jede Menge Wasser unter dem Kiel. Brechende Seen mussten wir wegen des ruhigen Wetters auch nicht befürchten , so dass wir völlig entspannt den Fluss hinauf zu den „Visitor´s buoys“ ( den Besucher-Bojen) tuckerten. Unser Motor hatte heute nicht viel zu tun gehabt, doch während der zwei Stunden Laufzeit gab es keinen Grund zur Sorge. Keilriemen und Wasserpumpe arbeiteten ohne Probleme.

Noch während wir nach einer freien Boje Ausschau hielten, kam schon der Hafenmeister in seinem Kutter herangebraust. Er geleitete uns zu einer freien Boje in einer kleinen Bucht, half beim Festmachen, kassierte 14 Pfund und erklärte, wo wir an Land duschen könnten. Danke! Aber morgen früh sollte es nur eine Katzenwäsche geben, denn nach unseren Berechnungen bezüglich des Gezeitenstroms und der richtigen Ankunftszeit hatten wir unseren Aufbruch für 4:40 Uhr geplant.

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Unsere Boje teilten wir mit einer freundlichen Möwe, die uns später mit ihrem „Schiet“ auf´s Deck viel Glück wünschte.

So genossen wir die wenigen verbleibenden Stunden mit Blick auf die prächtigen Häuser von Salcombe und die grüne Hügellandschaft an den Flussufern.

26. Salcombe

Um 4:00 Uhr klingelte der Wecker. Das sanfte Schaukeln, verursacht durch den Gezeitenstrom, hatte uns tatsächlich in den Schlaf gewiegt! Doch die kühle Nachtluft und die Aussicht auf das bevorstehende „Abenteuer“ machten uns schnell munter. Der hell leuchtende Vollmond zeigte uns den Weg durch das Bojenfeld und als wir durch die Flussmündung auf den Ärmelkanal hinausfuhren, ging an Backbord die Sonne auf, während sich das Mondgesicht an Steuerbord verabschiedete.

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67 Seemeilen lagen nun vor uns. Das Barometer stand auf 1039 Mb, der Himmel zeigte sich in makellosem Blau und auf der Windmesseranzeige stand eine 1 (Bf). Nun musste unser „eisernes Segel“ zeigen, ob es wirklich wieder belastbar war. Um ruhiger im Wasser zu liegen, zogen wir das Groß hoch und legten Kurs 130°, Leuchtturm „Platte Fougere“ an. Erwartungsgemäß herrschte reger Schiffsverkehr auf dem Kanal. Doch der Kapitän hat ein sehr gutes Gefühl dafür, wie schnell sich so ein großer Pott nähert und ob er gefährlich werden kann oder nicht. So gab es keine Schwierigkeit mit der Berufsschifffahrt, die zunächst von links nach rechts und dann von rechts nach links vor uns vorbei zog.

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Um 10:40 Uhr hatten wir die Hälfte geschafft und waren gut vorangekommen, doch nun setzte von Backbord der starke Ebbstrom ein, der es immer schwieriger machte, auf Kurs zu bleiben. Hier merkten wir bereits deutlich, was Springtide bedeutet ! Um 15:40 Uhr hatten wir endlich den weißen Leuchtturm mit dem schwarzen Band an Steuerbord.

Platte Fougere

Hier zogen wir die gelbe Flagge Q hoch, denn die Kanalinseln sind nicht Teil der EU. Das bedeutet, dass wir beim Anlaufen des ersten Hafens einklarieren müssen. Erst danach kann die Flagge Q wieder in die Schublade gepackt werden.

Von Platte Fougere steuerten wir mit südlichem Kurs den Wegpunkt der „Beaucette Marina“ an. Das auflaufende Wasser überspülte bereits mit aufgeregt tänzelnden Bewegungen viele der zahlreichen, scharfkantigen Felsen, die überall unter Wasser lauerten. Hier war sorgfältiges Navigieren höchstes Gebot! Bei Starkwind oder Wind gegen Strom würden wir hier auf keinen Fall unterwegs sein wollen. Nachdem der Kartenplotter meldete, dass der Wegpunkt erreicht sei, drehten wir nach Westen in das betonnte Fahrwasser der Beaucette-Marina. Auf ihrer Website

( www.beaucettemarina.com ) wird die Ansteuerung genau beschrieben. Der Text stand übersetzt in unserem Logbuch.

Fairway zu Beaucette

Sobald wir im „Fairway“ waren, wurde der Hafenmeister angerufen: „Sailing vessel Anima mea is calling Beaucette Marina. We request permisson to enter the harbour.“ Die Anmeldung ist Vorschrift, denn man kann nicht jederzeit in den Hafen hinein bzw. aus ihm hinaus. Wegen eines sogenannten „sills“ ist der Zugang nur drei Stunden vor bis drei Stunden nach Hochwasser St. Peter Port möglich. Anderenfalls würde man auf diesem sill , das das Leerlaufen des Hafenbeckens bei Ebbe verhindert, auflaufen. Nach unserer Berechnung war der Zugang zwischen 17:02 Uhr und 21:02 Uhr gewährleistet. Nun war es 17:20 Uhr und so bekamen wir auch das Okay von Marina Manager Ricky Stephens. Doch wo waren die sechs gelben Wartebojen, von denen sowohl im Reeds Nautical Almanac als auch auf der Website die Rede war? An ihnen sollte man vor dem Hafen festmachen können, falls man zum falschen Zeitpunkt ankäme. Nur gut, dass unsere Reiseplanung so gut aufgegangen war, sonst hätten wir kurz vor dem Ziel doch noch Nerven lassen müssen!

Endlich waren wir durch die enge Einfahrt dieses aus einem ehemaligen Steinbruch entstandenen Hafenbeckens geflutscht, da erwartete uns auch schon Ricky, zeigte uns einen Platz längsseits am Steg und half beim Festmachen an unserem vorläufigen Platz. Die Formalitäten könnten wir morgen erledigen. Erst mal entspannen! Er schrieb uns den Zugangscode für die (sehr schönen, neuen) Sanitäranlagen ins Logbuch und verschwand mit der Bemerkung „Viel zu tun im Moment!“Hafeneinfahrt Beaucette

Anima mea hat Flagge Q gesetztAuf der Anima mea ist die Flagge Q gesetzt.

Wie von unserem Freund Nick in Portsmouth und auch auf der Website versprochen, zeigte sich diese kleine Marina umgeben von herrlicher Natur und abseits des Stadtgetümmels als perfekter Ort zum Entspannen. Wir waren glücklich, es hierher geschafft zu haben!

Blue Bells/ Hasenglöckchen

Auch hier blühen noch die Blue Bells (Hasenglöckchen) und der Austernfischer brütet auf der Hafenmauer.

Am nächsten Morgen lachte die Sonne ins Cockpit. Wir frühstückten draußen, danach wurde zum ersten Mal in unserem Seglerleben das Einklarierungsformular ausgefüllt. War ganz easy!

Frühstück draußen

„Breakfast is ready!“

Das EinklarierungsformularDas Einklarierungsformular

Später mussten wir uns noch an einen anderen Steg verlegen, wo wir nun Nachbarn der Bavaria „Lollipop“ aus Fallmouth sind. Da gab´s gleich viel mit dem netten Eignerehepaar zu bereden, denn schließlich können wir ja auf einige „Fallmouth-Erfahrung“ zurückblicken.

Nachdem wir im Hafenbüro erfahren hatten, dass wir für schlappe 10 Pfund pro Nacht „wegen Vorsaison und etwas Lärmbelästigung wegen laufender Hafenarbeiten“ hier bleiben können, machten wir uns per Bus auf den Weg in die Hauptstadt St. Peter Port. Dort versorgten wir uns mit Busfahrplänen und einer 7-Tage-Busfahrkarte für 19 Pfund pro Kopf. Nun waren wir verkehrsmäßig gut gerüstet, um Guernsey und die umliegenden Inseln zu erkunden. Doch davon später. Nun wird das Notebook zugeklappt und ab in die Koje!

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Blick von der Beaucette-Marina auf die Privatinsel Jethou , auf der die Barclay-Zwillinge ein schlossähnliches Anwesen errichtet haben.

13.05.2014 – Mit ganz viel Prosecco in den Startlöchern

Wir können es langsam nicht mehr hören!!! Das Jaulen, Rauschen, Kreischen und Klappern in den Masten hält nun schon eine volle Woche an und erreichte seinen Höhepunkt am Sonntag, als der Windmesser sogar  9 Bf anzeigte.

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Auch für heute gilt noch eine Starkwindwarnung und die See ist „rough“, also sehr ungemütlich. Wenigstens haben die squall-artigen Regenschauer aufgehört und dicke, weiße Wolken ziehen am blauen Himmel eilig von West nach Ost.

So mussten wir auch heute wieder unsere Pläne ändern und einen weiteren Tag in Plymouth verbringen.  Morgen haben wir aber gute Chancen, endlich abzulegen. Vorher muss Heinz noch in den Mast, um einen Splint am Vorstag auszutauschen. Das ging bisher auch nicht, weil der Kapitän da oben womöglich  den Fliegenden Holländer gemacht hätte.

Am Freitag wurden die Reparaturarbeiten am Schiff endlich abgeschlossen. Wegen der vielen Feiertage und des schlechten Wetters mussten sie immer wieder unterbrochen werden. Doch die Jungs von Dicky B Marine haben einen guten Job gemacht. Robin hat das beschädigte Teakholz sauber ausgetauscht und die Gelcoat-Spezialisten haben alle Kratzer spurlos ausgebessert.

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Unsere Pantaenius-Yachtversicherung hat sich auch per E-Mail gemeldet und uns mitgeteilt, dass sie noch immer nicht wissen, ob die englische Versicherung unseren Schaden bezahlt. Es wird aber sehr wahrscheinlich auf „Höhere Gewalt“ hinauslaufen, so dass wir die Reparatur über unsere Kaskoversicherung abwickeln müssen. Daher habe ich heute nach Rücksprache mit der zuständigen Sachbearbeiterin die 500 Euro Selbstbeteiligung  an Pantaenius  überwiesen. Die Versicherung  rechnet dann direkt mit Dicky B Marine ab.

Wenn also morgen der Wind endlich nachlassen sollte, werden wir am Vormittag hier aufbrechen und  gut 20 Meilen Richtung Süden segeln. Es ist gleichzeitig unsere Testfahrt, bei der die neue Wasserpumpe, der neue Keilriemen und das stehende und laufende Gut beweisen müssen, dass sie halten und funktionieren. Sollte dies der Fall sein, werden wir das an einer Flussmündung gelegene Salcombe anlaufen. Es gibt dort lediglich Bojen und einen Ponton zum Anlegen, also keine Elektrizität und kein Internet. Ansonsten ist es ein wunderschöner Ort , von dem ich bereits im Zusammenhang mit einem Landausflug berichtet habe. Vor allen Dingen aber ist von hier aus Guernsey „nur“ 66 Meilen entfernt und somit während eines Tageslicht-Törns zu erreichen.

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Die Kanalinsel wäre dann am Donnerstag unser nächstes Ziel.  Leider nähern wir uns gerade einer Springtide, was bedeutet, dass das Hochwasser besonders hoch und das Niedrigwasser besonders niedrig ausfällt. Der Tidenhub beträgt stolze neun Meter, was sich leider auch in stolzen Strömungen bemerkbar macht, denn es wird sehr viel Wasser durch die engen Passagen zwischen den Inseln gepresst.

Wir wollen  in die Beaucette-Marina im Norden der Insel, wo wir nur drei Stunden vor und drei Stunden nach Hochwasser St. Peter Port einlaufen können. Dann sind über dem Süll, das sonst den Hafenzugang blockiert mindestens zwei Meter Wasser.  Notfalls könnten wir aber vor dem Hafen an eine Warteboje gehen.

Gestern haben wir unser Abschiedsessen im Hafenrestaurant „The Bridge“ genossen. Es war auch am Montag gerappelt voll, aber wir hatten vorsorglich einen Tisch bestellt. Als Aperitif  bestellten wir  uns einen Prosecco. Der Chef des Hauses stellte uns dann eine ganze Flasche im Kühler auf den Tisch.  Als ich sagte, wir wollten eigentlich nur ein Glas trinken, meinte er etwas verlegen, das gäbe es leider nicht, man könnte nur ganze Flaschen bestellen. Er fügte aber schnell hinzu, er würde uns einen Sonderpreis machen. So tranken wir also eine ganze Flasche des wirklich sehr guten Schlückchens  zum wieder einmal  vorzüglichen Essen: Rumpsteak für ihn und Fisch (Catch of the day) für sie. Etwas wehmütig schauten wir auf die Skyline von Plymouth hinüber und fragten uns, ob wir sie und die vielen Leute, die wir hier kennengelernt haben, jemals wiedersehen werden.

Als wir uns gegen 22 Uhr verabschieden und die Rechnung begleichen  wollten,  wurden nur ganze 12  statt 24 Pfund für den Prosecco fällig. Wie oft haben wir das schon gesagt: Die Engländer sind sooo nett und fair obendrein.

Nun drückt uns bitte alle die Daumen, dass wir gut über den Kanal und durch die Gewässer rund um die Insel kommen, auf die die reichen Engländer ihr Geld bringen. Unser Freund Nick aus Portsmouth gehört leider nicht dazu. Er war mit seiner Vega „Constellation“  und Marjorie am Mittwoch in Richtung Eastbourne gestartet, um wieder zu einem Vega-Treffen nach Schweden zu segeln.  Das war ja in der vergangenen „Sturmwoche“ und wir fanden es sehr mutig von ihm, aber er hat ja viel Erfahrung mit den hiesigen Gewässern. Nun schrieb er uns, dass vor Brighton der Baum vom Mast abriss, wobei  auch das Großsegel beschädigt  wurde. Zuerst hatte er viel Ärger mit seinem neuen Windmesser (Garmin) und nun das!  Ende Mai will er von Brighton aus einen neuen Anlauf nehmen.

04.05.2014 – Mit Bus und Bahn durch Devon

„Na, arbeitest du gerade an deinem Meisterstück?“ fragte Heinz, als er am vergangenen Montagabend mir gegenüber am Tisch im Salon sitzend kurz von seinem Kindle aufblickte, während ich im Internet unterwegs war und eifrig Abfahrts- und Ankunftszeiten notierte.

Mein Meisterstück:

1. Mein Meisterstück

Am nächsten Morgen brachen wir dann bei schönem Wetter um 10.00 Uhr zu unserer großen Devon-Tour auf. Mit dem „First Day Ticket“ ging es vom Hafen nach Plymouth Breton Side Bus Station. Dort stiegen wir in den Stagecoach X 38 nach Exeter um.

Da wir die Warteschlange anführten, ergatterten wir im Doppeldecker oben die vorderen Plätze,  um mit bestem Ausblick durch die Frontscheibe die schöne Fahrt durch Devons grüne Hügellandschaft entlang des Dartmoors zu genießen. Die gut 1 ½ stündige Fahrt verging wie im Flug.

In Exeter gingen wir zunächst zum Touristenbüro, um nachzufragen, ob wir hier Bahntickets für die „Tarka-Line“ nach Barnstaple buchen könnten. Die nette Dame meinte, das müssten wir selbst im Bahnhof erledigen, sie versicherte uns aber, dass diese Fahrt wirklich „very beautifull“ sei. Als wir dann meinten, dass wir uns vorher noch die Kathedrale anschauen wollten, überreichte sie uns einen Flyer mit Gutschein , mit dem wir beide für ein Eintrittsgeld die Kirche besichtigen durften.

Und dann bekommen wir ja auch noch den „Senior“-Bonus! So waren wir schließlich mit nur vier Pfund dabei! Da nahmen wir dann auch gerne die deutschsprachige, sehr informative Broschüre für ein Pfund obendrauf.

Schon von außen beeindruckt die Kirche durch ihre reich verzierte Fassade mit den beiden normannischen Türmen.

2. Die Kathedrale von Exeter

Das Innere der „St. Peter“ Kathedrale aber ist überwältigend!3. Das Gewölbe mit Orgel
Mit 100 Metern hat sie das längste Kirchenschiff der Welt und damit auch weltweit das längste zusammenhängende gotische Deckengewölbe von einzigartiger Harmonie. Unzählige, beeindruckend gestaltete Grabstätten kirchlicher Würdenträger und weltlicher Herrscher kann man hier bestaunen. Beeindruckend ist aber auch der Chor mit dem 18 Meter hohen Bischofsstuhl, dem geschnitzten Chorgestühl und der imposanten Orgel, die gerade restauriert wird. Als ich einen gerade anwesenden Orgelbauer zu den Orgelpfeifen befragte, meinte er, diese hier erzeuge einen Ton, der wie ein Wal klinge:

5. Klingt wie ein Wal! 6. Grabstätte

8. Die steinerne Kanzel u. die Osterkerze

So verbrachten wir fast die gesamten 1 ½ Stunden Aufenthalt in diesem einmaligen Kirchenbau, zumal es draußen (völlig unplanmäßig) die ganze Zeit regnete. Als wir uns schweren Herzens von dieser Pracht verabschiedeten, schien schon wieder die Sonne und wir wanderten zum Bahnhof. Um 14.17 Uhr stiegen wir in den letzten Wagon der Tarka-Linie. Hier konnten wir zum Lunch unsere riesigen Sandwiches verspeisen, die wir am Bahnhof bei einer deutschen Studentin im Kiosk ihrer spanisch sprechenden Schwester gekauft hatten. (Ich vermute, es handelte sich um eine sogenannte Patchwork-Familie).

8. Die Tarka-Line 9. Lunch

Wieso aber wird dieser Zug „Tarka-Line“ genannt? Dazu steht folgendes in unserem Devon-Cornwall-Reiseführer: „ North Devons Tarka Line (65 km lang) , Tarka-Trail (ein 300 km langer Wanderweg) und Tarka Country beziehen sich auf Henry Williamsons Roman Tarka der Otter. Das 1927 erschienene Buch erzählt von den Abenteuern eines jungen Otters in der schönen Landschaft von North Devon – „ dem Land der zwei Flüsse“. 1979 wurde der Tierroman mit Peter Ustinov als Erzähler verfilmt.“

So lernten wir also die feuchte Heimat des kleinen Otters kennen, indem wir immer wieder Ausblicke auf den River Taw und die daran angrenzenden Wiesen und Wälder erhaschen konnten. Bei dieser flotten Zugfahrt war es allerdings ganz schön schwierig, die Landschaft in scharfen Bildern einzufangen:

10. Blick aus dem Zugfenster

Wer mehr über die Eisenbahnstrecken dieser Gegend erfahren möchte, kann sich hier informieren: www.steamrailwaylines.co.uk und www.nationalrail.co.uk

Um 15.35 Uhr kamen wir in Barnstaple an der Mündung des Taw an.

Über die alte Brücke erreichten wir diesen bereits im 10. Jahrhundert als wichtig erwähnten Ort, der im 12. Jahrhundert Stadtrechte erhielt und 1428 königlicher Hafen wurde. Vom 14. – 16. Jahrhundert wurde von hier aus Wolle und Töpferware bis nach Amerika exportiert sowie Tabak, Gewürze und Wein importiert. 1642 wurde die Entwicklung der Stadt durch den „Civil War“ unterbrochen. Durch den Bau der Eisenbahnlinie mauserte sich Barnstaple später zum beliebten Seebad.

12. Die Brücke in Barnstaple

Mehr durch Zufall fanden wir die erste der beiden Kirchen von Barnstaple mit ihrem wildwüchsigen Friedhof. Ein Meer von Glockenblumen umspülte die windschiefen, alten Grabsteine. Dazwischen zwei geköpfte Engelstatuen! Dieser scheinbar vergessene Ort nahm kuriose Züge an, als die Grabesstille plötzlich von einem sturzbetrunken heranwankenden Mann unterbrochen wurde. In den höchsten Tönen krächzte er eine undefinierbare Melodie und taumelte dann an uns vorbei den schmalen Pfad hinunter. Dann verschwand er hinter der Mauer.13. Der Friedhofs-Pfad 14. Glockenblumen-Meer

Dann bummelten wir in die belebtere alte Innenstadt von Barnstaple mit ihrer zweiten Kirche. Beim Fotografieren machte mich eine vorbeikommende Lady darauf aufmerksam, dass sich der Kirchturm umso mehr nach links neige je mehr man sich von ihm entferne. Stimmte wirklich!15. Der schiefe Turm von Barnstaple

Wer weiß, um wieviel Uhr das Foto geschossen wurde?16. Die Sonnenuhr

Lösung: Um 17:10 Uhr

In Devons berühmtesten „Pannier Market“ (ein überdachter Markt) wurde schon abgeräumt, aber in einem der benachbarten kleinen Läden erstand ich noch ein frisches Baguette und bekam – „end of the day“ – ein zweites dazu geschenkt. Im nächsten Geschäft fanden sich zwei kleine Quiches und im letzten Lädchen die ersten frischen englische Erdbeeren, an denen ich zuerst schnuppern musste, bevor sie mir für 2,50 Pfund überreicht wurden.

Die Köstlichkeiten standen dann später auf unserem Abendbrottisch :17. Köstlichkeiten aus Barnstaple

Nun war es aber Zeit, zum Busbahnhof zu gehen, um mit dem letzten „Beacon-Bus“ nach Tavistock zu fahren. Leider war es für uns zu kompliziert und zeitlich nicht möglich, die wunderschöne Umgebung mit den Bilderbuchdörfern Clovelly und Appledore näher zu erkunden. Doch der Bus streifte zumindest einen Teil von Appeldore und nahm dann eine Strecke, die zum Highlight des Tages wurde. Bergauf und bergab, über kleine Brücken und durch schmale, heckengesäumte Sträßchen kurvte uns der freundliche Busfahrer immer dicht am wilden Dartmoor mit seinen schroffen, kahlen Höhen entlang. Wer sich für die deutschen Mittelgebirge begeistern kann, der ist hier genau richtig, obwohl es ein Dartmoor natürlich nur hier zu bestaunen gibt. Fotos konnte ich leider nicht schießen, da die Scheiben von einem zarten braunen Staubschleier überzogen waren, was die Augen allerdings wirkungsvoll gegen das gleißende Sonnenlicht schützte.

Irgendwann in der Mitte der über zwei Stunden dauernden Fahrt saßen wir allein im Bus. In Tavistock angekommen bedankten wir uns für den tollen Trip, was den Busdriver sichtlich freute. Nebenan wartete schon der Anschlussbus nach Plymouth , danach brachte uns der First-Bus nach Mount Batten. Gegen 22:00 Uhr waren wir zufrieden und glücklich in unserem schwimmenden Zuhause.

Seitdem sind unsere Gedanken und Tätigkeiten überwiegend auf die Abreise gerichtet. Robin, unser sehr sorgfältig arbeitende Bootsbauer, ist sogar gestern (am Samstag) extra gekommen, um den Süllrand weiter zu reparieren, bis ihn dann seine Frau zum „barbecue“ nach Hause rief. Endlich ist mal am Wochenende schönes Wetter! Auch heute Nachmittag (Sonntag) will Robin wiederkommen, denn morgen ist hier „Bankholiday“, ein Feiertag, an dem nicht gearbeitet wird.

Heinz hat die neue Wasserpumpe eingebaut. War ganz schön schwierig und obendrein ´ne schöne Schweinerei, als das ganze Kühlwasser in die Bilge lief. Aber die Pumpe passt! Ob alles funktioniert, wird sich am Dienstag zeigen, denn wir warten noch auf eine neue Dieselleitung und können deshalb den Motor noch nicht starten.

Ich habe mich derweil mit Gezeitenströmen und Tidentabellen befasst. Am Donnerstag ist Nipptide. Um diese Zeit herum läuft das Wasser nicht so hoch auf, entsprechend gemäßigter fallen die Gezeitenströme aus. Die folgende Woche wäre insofern gut geeignet, um die Kanalinsel Guernsey anzusteuern. Allerdings muss das Wetter auch passen! Daher beobachte ich jeden Tag unsere Grip files, die leider schon wieder ein umfangreiches Tiefdrucksystem ankündigen. Hoffentlich zieht es schnell durch, damit wir spätestens Ende der kommenden Woche aufbrechen können.

Drückt uns bitte die Daumen, ihr sonnenverwöhnten Germans!