20.05.14 – 49°30.164N-2°30.293W – Guernsey/ Beaucette Marina

Hier sind wir seit Donnerstag! Seit unserer Abfahrt in Plymouth am Mittwoch haben wir nur schönes Wetter. Gestern gab es am Nachmittag mal einen kleinen Schauer, doch heute war es wieder überwiegend sonnig. Nach unserem Wetterbericht zu urteilen müssen wir jedoch bald mit einer Wetterverschlechterung rechnen.

Wir haben in den letzten Tagen so viel erlebt, unternommen und erkundet, dass ich keine Zeit gefunden habe bzw. abends zu müde war, um etwas aufzuschreiben. Heute haben wir aber mal „kleinere Brötchen“ gebacken, so dass ich endlich in die Tasten hauen kann.

Am vergangenen Mittwoch hatten sich also Wind und Seegang so weit beruhigt, dass wir Plymouth verlassen konnten. Einerseits ein bisschen traurig, unserer „zweiten Heimat“ nun „Good bye“ zu sagen, waren wir doch froh, endlich zu neuen Ufern aufzubrechen. Vom Hafenpersonal herzlich verabschiedet tuckerten wir aus dem Yachthafen hinaus, schauten ein letztes Mal zum „Drift Cottage“, unserem ehemaligen Ferienhaus, hinüber und setzten die Segel, nachdem wir an Backbord den Turm von Mount Batten und an Steuerbord die Festung von Plymouth passiert hatten.

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Nach vier Stunden hatten wir die 20 Seemeilen bis Salcombe zurückgelegt. Nachdem wir die Segel geborgen hatten, steuerten wir mit Kurs 0.00° um 15:00 Uhr auf das Richtfeuer in der Flussmündung von Salcombe.

17. Salcombe

 

Die quer durch die Mündung verlaufende Barre war kein Problem für uns, denn zwei Stunden vor Hochwasser hatten wir hier jede Menge Wasser unter dem Kiel. Brechende Seen mussten wir wegen des ruhigen Wetters auch nicht befürchten , so dass wir völlig entspannt den Fluss hinauf zu den „Visitor´s buoys“ ( den Besucher-Bojen) tuckerten. Unser Motor hatte heute nicht viel zu tun gehabt, doch während der zwei Stunden Laufzeit gab es keinen Grund zur Sorge. Keilriemen und Wasserpumpe arbeiteten ohne Probleme.

Noch während wir nach einer freien Boje Ausschau hielten, kam schon der Hafenmeister in seinem Kutter herangebraust. Er geleitete uns zu einer freien Boje in einer kleinen Bucht, half beim Festmachen, kassierte 14 Pfund und erklärte, wo wir an Land duschen könnten. Danke! Aber morgen früh sollte es nur eine Katzenwäsche geben, denn nach unseren Berechnungen bezüglich des Gezeitenstroms und der richtigen Ankunftszeit hatten wir unseren Aufbruch für 4:40 Uhr geplant.

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Unsere Boje teilten wir mit einer freundlichen Möwe, die uns später mit ihrem „Schiet“ auf´s Deck viel Glück wünschte.

So genossen wir die wenigen verbleibenden Stunden mit Blick auf die prächtigen Häuser von Salcombe und die grüne Hügellandschaft an den Flussufern.

26. Salcombe

Um 4:00 Uhr klingelte der Wecker. Das sanfte Schaukeln, verursacht durch den Gezeitenstrom, hatte uns tatsächlich in den Schlaf gewiegt! Doch die kühle Nachtluft und die Aussicht auf das bevorstehende „Abenteuer“ machten uns schnell munter. Der hell leuchtende Vollmond zeigte uns den Weg durch das Bojenfeld und als wir durch die Flussmündung auf den Ärmelkanal hinausfuhren, ging an Backbord die Sonne auf, während sich das Mondgesicht an Steuerbord verabschiedete.

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67 Seemeilen lagen nun vor uns. Das Barometer stand auf 1039 Mb, der Himmel zeigte sich in makellosem Blau und auf der Windmesseranzeige stand eine 1 (Bf). Nun musste unser „eisernes Segel“ zeigen, ob es wirklich wieder belastbar war. Um ruhiger im Wasser zu liegen, zogen wir das Groß hoch und legten Kurs 130°, Leuchtturm „Platte Fougere“ an. Erwartungsgemäß herrschte reger Schiffsverkehr auf dem Kanal. Doch der Kapitän hat ein sehr gutes Gefühl dafür, wie schnell sich so ein großer Pott nähert und ob er gefährlich werden kann oder nicht. So gab es keine Schwierigkeit mit der Berufsschifffahrt, die zunächst von links nach rechts und dann von rechts nach links vor uns vorbei zog.

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Um 10:40 Uhr hatten wir die Hälfte geschafft und waren gut vorangekommen, doch nun setzte von Backbord der starke Ebbstrom ein, der es immer schwieriger machte, auf Kurs zu bleiben. Hier merkten wir bereits deutlich, was Springtide bedeutet ! Um 15:40 Uhr hatten wir endlich den weißen Leuchtturm mit dem schwarzen Band an Steuerbord.

Platte Fougere

Hier zogen wir die gelbe Flagge Q hoch, denn die Kanalinseln sind nicht Teil der EU. Das bedeutet, dass wir beim Anlaufen des ersten Hafens einklarieren müssen. Erst danach kann die Flagge Q wieder in die Schublade gepackt werden.

Von Platte Fougere steuerten wir mit südlichem Kurs den Wegpunkt der „Beaucette Marina“ an. Das auflaufende Wasser überspülte bereits mit aufgeregt tänzelnden Bewegungen viele der zahlreichen, scharfkantigen Felsen, die überall unter Wasser lauerten. Hier war sorgfältiges Navigieren höchstes Gebot! Bei Starkwind oder Wind gegen Strom würden wir hier auf keinen Fall unterwegs sein wollen. Nachdem der Kartenplotter meldete, dass der Wegpunkt erreicht sei, drehten wir nach Westen in das betonnte Fahrwasser der Beaucette-Marina. Auf ihrer Website

( www.beaucettemarina.com ) wird die Ansteuerung genau beschrieben. Der Text stand übersetzt in unserem Logbuch.

Fairway zu Beaucette

Sobald wir im „Fairway“ waren, wurde der Hafenmeister angerufen: „Sailing vessel Anima mea is calling Beaucette Marina. We request permisson to enter the harbour.“ Die Anmeldung ist Vorschrift, denn man kann nicht jederzeit in den Hafen hinein bzw. aus ihm hinaus. Wegen eines sogenannten „sills“ ist der Zugang nur drei Stunden vor bis drei Stunden nach Hochwasser St. Peter Port möglich. Anderenfalls würde man auf diesem sill , das das Leerlaufen des Hafenbeckens bei Ebbe verhindert, auflaufen. Nach unserer Berechnung war der Zugang zwischen 17:02 Uhr und 21:02 Uhr gewährleistet. Nun war es 17:20 Uhr und so bekamen wir auch das Okay von Marina Manager Ricky Stephens. Doch wo waren die sechs gelben Wartebojen, von denen sowohl im Reeds Nautical Almanac als auch auf der Website die Rede war? An ihnen sollte man vor dem Hafen festmachen können, falls man zum falschen Zeitpunkt ankäme. Nur gut, dass unsere Reiseplanung so gut aufgegangen war, sonst hätten wir kurz vor dem Ziel doch noch Nerven lassen müssen!

Endlich waren wir durch die enge Einfahrt dieses aus einem ehemaligen Steinbruch entstandenen Hafenbeckens geflutscht, da erwartete uns auch schon Ricky, zeigte uns einen Platz längsseits am Steg und half beim Festmachen an unserem vorläufigen Platz. Die Formalitäten könnten wir morgen erledigen. Erst mal entspannen! Er schrieb uns den Zugangscode für die (sehr schönen, neuen) Sanitäranlagen ins Logbuch und verschwand mit der Bemerkung „Viel zu tun im Moment!“

Hafeneinfahrt Beaucette

Anima mea hat Flagge Q gesetztAuf der Anima mea ist die Flagge Q gesetzt.

Wie von unserem Freund Nick in Portsmouth und auch auf der Website versprochen, zeigte sich diese kleine Marina umgeben von herrlicher Natur und abseits des Stadtgetümmels als perfekter Ort zum Entspannen. Wir waren glücklich, es hierher geschafft zu haben!

Blue Bells/ Hasenglöckchen

Auch hier blühen noch die Blue Bells (Hasenglöckchen) und der Austernfischer brütet auf der Hafenmauer.

Am nächsten Morgen lachte die Sonne ins Cockpit. Wir frühstückten draußen, danach wurde zum ersten Mal in unserem Seglerleben das Einklarierungsformular ausgefüllt. War ganz easy!

Frühstück draußen

„Breakfast is ready!“

Das EinklarierungsformularDas Einklarierungsformular

Später mussten wir uns noch an einen anderen Steg verlegen, wo wir nun Nachbarn der Bavaria „Lollipop“ aus Fallmouth sind. Da gab´s gleich viel mit dem netten Eignerehepaar zu bereden, denn schließlich können wir ja auf einige „Fallmouth-Erfahrung“ zurückblicken.

Nachdem wir im Hafenbüro erfahren hatten, dass wir für schlappe 10 Pfund pro Nacht „wegen Vorsaison und etwas Lärmbelästigung wegen laufender Hafenarbeiten“ hier bleiben können, machten wir uns per Bus auf den Weg in die Hauptstadt St. Peter Port. Dort versorgten wir uns mit Busfahrplänen und einer 7-Tage-Busfahrkarte für 19 Pfund pro Kopf. Nun waren wir verkehrsmäßig gut gerüstet, um Guernsey und die umliegenden Inseln zu erkunden. Doch davon später. Nun wird das Notebook zugeklappt und ab in die Koje!

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Blick von der Beaucette-Marina auf die Privatinsel Jethou , auf der die Barclay-Zwillinge ein schlossähnliches Anwesen errichtet haben.

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