Plymouth, 13.05.14

Wir können es langsam nicht mehr hören!!! Das Jaulen, Rauschen, Kreischen und Klappern in den Masten hält nun schon eine volle Woche an und erreichte seinen Höhepunkt am Sonntag, als der Windmesser sogar  9 Bf anzeigte.

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Auch für heute gilt noch eine Starkwindwarnung und die See ist „rough“, also sehr ungemütlich. Wenigstens haben die squall-artigen Regenschauer aufgehört und dicke, weiße Wolken ziehen am blauen Himmel eilig von West nach Ost.

So mussten wir auch heute wieder unsere Pläne ändern und einen weiteren Tag in Plymouth verbringen.  Morgen haben wir aber gute Chancen, endlich abzulegen. Vorher muss Heinz noch in den Mast, um einen Splint am Vorstag auszutauschen. Das ging bisher auch nicht, weil der Kapitän da oben womöglich  den Fliegenden Holländer gemacht hätte.

Am Freitag wurden die Reparaturarbeiten am Schiff endlich abgeschlossen. Wegen der vielen Feiertage und des schlechten Wetters mussten sie immer wieder unterbrochen werden. Doch die Jungs von Dicky B Marine haben einen guten Job gemacht. Robin hat das beschädigte Teakholz sauber ausgetauscht und die Gelcoat-Spezialisten haben alle Kratzer spurlos ausgebessert.

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Unsere Pantaenius-Yachtversicherung hat sich auch per E-Mail gemeldet und uns mitgeteilt, dass sie noch immer nicht wissen, ob die englische Versicherung unseren Schaden bezahlt. Es wird aber sehr wahrscheinlich auf „Höhere Gewalt“ hinauslaufen, so dass wir die Reparatur über unsere Kaskoversicherung abwickeln müssen. Daher habe ich heute nach Rücksprache mit der zuständigen Sachbearbeiterin die 500 Euro Selbstbeteiligung  an Pantaenius  überwiesen. Die Versicherung  rechnet dann direkt mit Dicky B Marine ab.

Wenn also morgen der Wind endlich nachlassen sollte, werden wir am Vormittag hier aufbrechen und  gut 20 Meilen Richtung Süden segeln. Es ist gleichzeitig unsere Testfahrt, bei der die neue Wasserpumpe, der neue Keilriemen und das stehende und laufende Gut beweisen müssen, dass sie halten und funktionieren. Sollte dies der Fall sein, werden wir das an einer Flussmündung gelegene Salcombe anlaufen. Es gibt dort lediglich Bojen und einen Ponton zum Anlegen, also keine Elektrizität und kein Internet. Ansonsten ist es ein wunderschöner Ort , von dem ich bereits im Zusammenhang mit einem Landausflug berichtet habe. Vor allen Dingen aber ist von hier aus Guernsey „nur“ 66 Meilen entfernt und somit während eines Tageslicht-Törns zu erreichen.

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Die Kanalinsel wäre dann am Donnerstag unser nächstes Ziel.  Leider nähern wir uns gerade einer Springtide, was bedeutet, dass das Hochwasser besonders hoch und das Niedrigwasser besonders niedrig ausfällt. Der Tidenhub beträgt stolze neun Meter, was sich leider auch in stolzen Strömungen bemerkbar macht, denn es wird sehr viel Wasser durch die engen Passagen zwischen den Inseln gepresst.

Wir wollen  in die Beaucette-Marina im Norden der Insel, wo wir nur drei Stunden vor und drei Stunden nach Hochwasser St. Peter Port einlaufen können. Dann sind über dem Süll, das sonst den Hafenzugang blockiert mindestens zwei Meter Wasser.  Notfalls könnten wir aber vor dem Hafen an eine Warteboje gehen.

Gestern haben wir unser Abschiedsessen im Hafenrestaurant „The Bridge“ genossen. Es war auch am Montag gerappelt voll, aber wir hatten vorsorglich einen Tisch bestellt. Als Aperitif  bestellten wir  uns einen Prosecco. Der Chef des Hauses stellte uns dann eine ganze Flasche im Kühler auf den Tisch.  Als ich sagte, wir wollten eigentlich nur ein Glas trinken, meinte er etwas verlegen, das gäbe es leider nicht, man könnte nur ganze Flaschen bestellen. Er fügte aber schnell hinzu, er würde uns einen Sonderpreis machen. So tranken wir also eine ganze Flasche des wirklich sehr guten Schlückchens  zum wieder einmal  vorzüglichen Essen: Rumpsteak für ihn und Fisch (Catch of the day) für sie. Etwas wehmütig schauten wir auf die Skyline von Plymouth hinüber und fragten uns, ob wir sie und die vielen Leute, die wir hier kennengelernt haben, jemals wiedersehen werden.

Als wir uns gegen 22 Uhr verabschieden und die Rechnung begleichen  wollten,  wurden nur ganze 12  statt 24 Pfund für den Prosecco fällig. Wie oft haben wir das schon gesagt: Die Engländer sind sooo nett und fair obendrein.

Nun drückt uns bitte alle die Daumen, dass wir gut über den Kanal und durch die Gewässer rund um die Insel kommen, auf die die reichen Engländer ihr Geld bringen. Unser Freund Nick aus Portsmouth gehört leider nicht dazu. Er war mit seiner Vega „Constellation“  und Marjorie am Mittwoch in Richtung Eastbourne gestartet, um wieder zu einem Vega-Treffen nach Schweden zu segeln.  Das war ja in der vergangenen „Sturmwoche“ und wir fanden es sehr mutig von ihm, aber er hat ja viel Erfahrung mit den hiesigen Gewässern. Nun schrieb er uns, dass vor Brighton der Baum vom Mast abriss, wobei  auch das Großsegel beschädigt  wurde. Zuerst hatte er viel Ärger mit seinem neuen Windmesser (Garmin) und nun das!  Ende Mai will er von Brighton aus einen neuen Anlauf nehmen.