07.04.2014 – Böses Erwachen!

Der Winterschlaf ist beendet! Am 25.3. brachte uns ein Airbus der British Airways und anschließend ein Coach (Reisebus) des National Express in unsere zweite Heimat zurück.

Die erste Nacht verbrachten wir wieder im Hotel „Jurys Inn“. Das ist ein preiswertes, ordentliches Hotel in Plymouth, verkehrsgünstig gelegen, da sehr nah an der Busstation Breton Side/Busstop für Busse des National Express und der verschiedenen Busstationen an der Royal Parade in Plymouth.

Am nächsten Morgen standen unsere englischen Freunde Nick und Marjorie bereits mit ihrem Hymer-Wohnmobil vor dem Hotel. Gespannt fuhren wir nach Mount Batten zur Marina. Wir hatten im vorigen Jahr zweimal Mails zum Hafenbüro geschickt. Die erste nach Sturm Christian, die zweite nach einem schweren Sturm im Februar. Beide wurden zu unserer Beruhigung beantwortet. Anima mea war nach Aussage des Hafenmeisters gut durch die Stürme gekommen. Aber wie sah es wohl innen aus? Alles nass und stockfleckig? Bitte nicht!

Mit etwas Herzklopfen näherten wir uns unserem „Shrink-wrapped-boat“.

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Auf den ersten Blick sieht alles recht gut aus. Allerdings sind alle unsere blauen Fender zwischen Steuerbordseite und Steg platt und zerlöchert, ebenso die vom Hafenmeister angebrachten weißen Fender. Im Boot ist es trocken, die Salzbehälter sind randvoll. Das Bettzeug und diverse Kleidungsstücke hängen noch immer auf den im Salon gespannten Wäscheleinen.

Heinz und Nick inspizieren sofort das Deck. Sie entdecken Schäden am Süllrand. Das Holz hat rundum Risse, eine Relingstütze wackelt, eine Klampe ist ausgerissen, die zugehörige Vorleine ist ebenfalls abgerissen. Auf dem Bild oben ist sie noch zu sehen, da das Foto aus dem Vorjahr stammt.

Da kommt die nächste Hiobsbotschaft! Marjorie, ehemals Polizistin, hat mit ihrem „Detektiv-Blick“ weitere Schäden an der Backbordseite entdeckt. Die Teakholz-Scheuerleiste und die darauf geschraubte Niro-Leiste sind „damaged“. Hinzu kommen Kratzer im Rumpf.

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Offensichtlich ist unsere Nachbarin „Perle“ im Sturm auf uns gedrückt worden, wobei sie sich auch selbst einige Blessuren an der Außenhaut zugezogen hat. Wir gehen sofort ins Hafenbüro und sprechen mit der Managerin. Sie ruft den Hafenmeister hinzu. Er ist völlig überrascht. Dann geht er mit uns zum Boot, macht Fotos von den Schäden und ruft den Eigner des Nachbarbootes an. Dieser hat angeblich nichts davon mitgekriegt (war auch alles nicht so leicht zu erkennen wegen der Shrink-wrap-Verpackung) und will am nächsten Abend in die Marina kommen.

Wir informieren sofort per E-Mail unsere Versicherung (Pantaenius in Hamburg) und beauftragen Chris von Dicky B Marine, einen Kostenvoranschlag (quote) zu erstellen. Diesen soll er direkt nach Hamburg zu Pantaenius schicken für den Fall, dass die Versicherung des Perle-Eigners wegen höherer Gewalt nicht zahlen will. Das würde uns allerdings 500 Euro Selbstbeteiligung kosten.

Am nächsten Tag (Donnerstag) streichen Heinz und Nick „under cover“ alle lackierten Holzteile an Deck mit einer Schicht „D2-Lack“, während ich das Bootsinnere klariere. Marjorie sorgt im Motorhome derweil ständig für unser leibliches Wohl. Um den Eigner der Perle am Abend nicht zu verpassen, dinieren wir im sehr empfehlenswerten Restaurant „Bridge“ mit Blick auf unseren Bootssteg. Doch leider wird der Eigner nicht gesichtet. Beim Verlassen des Lokals erreicht uns ein Anruf von Pantaenius, Hamburg. Der Kostenvoranschlag ist eingegangen und beläuft sich auf 4356 Pfund (ca 5300 Euro). Wenn wir unsere Kaskoversicherung in Anspruch nehmen wollen, könnte es mit der Reparatur losgehen. Es folgen ein paar Tipps für günstige Übernachtungsmöglichkeiten in der näheren Umgebung, falls das Schiff dazu aus dem Wasser müsste, natürlich auf eigene Kosten, zuzüglich zur Selbstbeteiligung. Mal sehen, was die „gegnerische“ Versicherung sagt!

Am Freitag verabschieden sich Nick und Marjorie von uns, denn ein neues Enkelkind wird erwartet und Marjorie muss auf ihren Enkelsohn aufpassen. Nick versorgt uns vorher noch mit zwei Flaschen Campinggas aus seinem eigenen Bestand. Einen passenden Adapter hatten wir uns vor unserer Abreise bei einem Camping-Zubehör-Laden in Hamburg besorgt. In England kann man nämlich Gasflaschen nicht neu füllen lassen sondern nur leere gegen volle Camping-Gasflaschen tauschen.

Doch wir bleiben nicht lange allein.

Am Nachmittag trudelt die Familie unserer Tochter Susanne (Vater, Mutter, zwei Enkelkinder) aus Hamburg ein, abends folgt Zwillingstochter Silke aus Berlin und am Sonntag ihr Partner Thomas aus der Schweiz. Wir haben nämlich für eine Woche das „Drift Cottage“ im hafennahen Dörfchen Turnchapel gemietet, um dort am Montag den Geburtstag der Zwillinge zu feiern.

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Außerdem wird unsere Anima mea heute „geliftet“. Um 16 Uhr wird sie während eines heftigen Hagelschauers aus dem Wasser gehoben, um danach in den Gurten hängend einen neuen Unterwasseranstrich und eine Politur zu erhalten. Dafür haben wir bis Montag, 8.00 Uhr Zeit. Also rein in die weißen Blaumänner und ran an die Arbeit!

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Trotzdem bleibt noch Zeit für einige Ausflüge in die Umgebung. Wir zeigen unseren Kindern und Kindeskindern ein paar besonders schöne Ecken und Winkel in Devon und Cornwall. Oma besucht mit Jakob das Aquarium in Plymouth, wo es unter anderem Haie, Rochen und Meeresschildkröten zu bewundern gibt. Danach schmecken Fish and Chips bei Rock-Fish besonders gut!

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Ein anderer Ausflug führt nach Salcombe, da, wo die Millionäre wohnen. Wir bewundern das Polyphon in Otto Overbeck´s House, wo auf unseren Wunsch hin das Trinklied aus La Traviata zum Besten gegeben wird. Cheers! Dann lustwandeln wir durch das blühende „subtropical garden paradise“ (nationaltrust.org.uk/overbecks).

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Auch die „Ritterburg“ in Dartmouth wurde von Ritter Rost erobert und der gefährliche Drache in den Höhlen am Strand musste im Pinguinkoffer nach Deutschland auswandern.

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Doch neben all dem „fun“ gab es auch Unerfreuliches zu erledigen. Wir haben ja einen marinisierten Mercedes-Diesel-Motor aus den 90iger Jahren. Nun ist das Lager der Keilriemen-Spannvorrichtung ausgeschlagen und ein Ersatzteil muss her. Unser guter Freund Nick hatte sofort nach Entdeckung des Problems bei Mercedes in Plymouth ein neues Teil bestellt, das aber zunächst überhaupt nicht passte. Dann wurde nach Ansicht des alten Teils ein passenderes besorgt. Wir hoffen, „unser Motorspezialist“ Mat von Dicky B Marine kann es einbauen. Leider wird nämlich das Originalteil nicht mehr hergestellt. Und so sieht das dahingeschiedene Ding aus:

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Morgen werden wir weitersehen. Ein zweiter Kostenvoranschlag von einem jungen Bootsbauer aus Turnchapel ist für die Versicherung der Perle auf den Weg gebracht. Vielleicht zahlt sie ja doch unseren Schaden (es handelt sich übrigens auch um Pantaenius, aber in England).

Das überaus scheußliche Wetter der letzten drei Tage zieht ab und eine sonnige Woche steht bevor. Klein Lucy, jüngste Enkeltochter von Nick und Marjorie, kam gestern gesund zur Welt. Alles ist gut!

 

 

  1. Wir wünschen euch einen hoffentlich besseren Start in die kommende Saison, als der letzte Winter.
    Derweil schwitzen wir und werkeln an unserem Schiff.
    Wenn Ihr uns mal auf SSB hören wollt können wir eine Zeit vereinbaren, allerdings haben wir lange keine Europäer mehr gehört. Canada und USA ist von hier kein Problem. Könnte auf 14XXX kHz klappen weil wir da auch die Amis in Europa empfangen haben, wir sind allerdings 5 Std hinterher und es wird entsprechend später dunkel, müsste also später sein wegen der Propagation…
    Alles Gute
    Wünschen euch Oliver und Nesa aus Grenada / Karibik von der Blue Pearl

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